Young Jeezy – Ich bin nicht materialistisch veranlagt.

Int. Rap

Ein Röcheln am anderen Ende der Leitung. Eine kaum verständliche, heisere Stimme meldet sich. Hätten wir nicht eine Million Mal mit eigenen Augen gesehen, wie Don Vito Corleone im ersten Teil des „Paten“ zwischen Tomatenstauden sein Leben lässt, wir hätten diese Stimme für seine gehalten. Doch es scheint sich tatsächlich um Jay Jenkins alias Young Jeezy, den Schneemann persönlich, zu handeln. Der nähme den Vergleich mit dem „Godfather“ garantiert als Kompliment. Aber um die Verteilung von Komplimenten dieser Art ging’s ja nicht. Jeezys drittes Album „The Recession“ steht in den Läden und seine ausgedehnten Adlibs sind derzeit wieder in jedermanns Ohr. Zeit für ein bisschen Smalltalk.

Hi Jeezy, wo bist du gerade?
Jeezy:
(mit heiserer Stimme) What’s up? Ich bin zuhause in Atlanta. Sitze hier in Hausschuhen und Boxershorts. Ich bin noch nicht allzu lange wach.

Dann versuchen wir dir einen möglichst einfachen Einstieg in den Tag zu verschaffen. Dein drittes Album „The Recession“ ist vor kurzem erschienen. Worum geht’s?
Das Album reflektiert ganz einfach, was hier drüben bei uns so passiert. Die Wirtschaft ist in der Krise. Wir stecken in einer Rezession. Gleichzeitig wollte ich aber auch ein paar Perlen draufpacken. Also einerseits erklären, was hier abgeht, und zugleich einfach gute Musik machen. Musik, die aktuell ist, aber trotzdem Langzeitwirkung hat. Ich glaube, das ist mir gelungen.

Neben den typischen Jeezy-Tracks finden sich auf deinen Alben auch immer ein paar Nummern mit Soulsamples. Wie gehst du bei der Beatauswahl vor?
Wenn ein Beat etwas in mir auslöst, dann verwende ich ihn. Dann kann ich damit arbeiten. Manchmal hör ich mir hundert Beats an einem Tag durch und ich such mir schlussendlich nur einen davon aus.

Kriegst du die alle geschickt?
Die Zusammenarbeit mit den Produzenten sieht unterschiedlich aus. Mit manchen Cats entwickle ich die Tracks im Studio, manche schicken mir einfach eine Auswahl. Ich wähle nach Gefühl aus. It’s really a feeling thing. Es ist nicht so, dass ich über diese Beats rappe, weil sie gut klingen. Ich rappe drüber, weil sie mich anspringen.

Du bist vor allem für diese Zusatzspuren, die Adlibs, bekannt. Wie bist du darauf gekommen, diese so stark zu gewichten?
Da könnte ich dir noch mal die gleiche Antwort geben. I just feel the music. Das ist einfach meine Reaktion auf die Musik, die ich höre. It’s like what a singer would do, you know I’m sayin‘? Das ist wie ein R’n’B-Sänger, der zuerst etwas summt und dann zu der Melodie einen passenden Text schreibt. So mach ich das auch: Wenn ich einen Beat höre, dann hör ich dazu die Adlibs in meinem Kopf. Und daraus entwickelt sich dann auch der Track. Die geben einem Track den nötigen Charakter, finde ich. Sie werten ihn auf.

Du nimmst die Adlibs zuerst auf?
Nein, nein, das nicht. Die kommen immer zuletzt.

Kommt das vielleicht daher, dass du ein Clubber bist? Das klingt oft so, als würdest du in einem Club stehen und die Musik kommentieren.
Yeah, yeah, das könnte damit was zu tun haben. Ich bin ein grosser Musikfan. So reagiere ich auch auf andere Musik.

Was für Musik zum Beispiel?
Harte Sachen. Harten Rap. It really gotta be hard.

Welche Künstler haben dich beeinflusst?
8Ball & MJG, UGK, Master P. – der ganze Süden.

Was magst du sonst so? Welche Dinge liegen dir wirklich am Herzen?
Oh man, to be really honest with you, I just love the hustle, I just love the grind. Das ist wirklich das Erste, was mir in den Sinn kommt. Ich mag das Geschäft. Ich habe zwar eine Menge Zeug, eine riesige Garage voller Autos und vieles mehr, aber ich bin nicht materialistisch veranlagt. Ich weiss einfach zu gut, dass es zu einem anderen Zeitpunkt wieder ganz anders aussehen kann. Vielleicht hab ich irgendwann wieder gar nichts. Das kann sehr schnell gehen.

Was magst du an dem ganzen Hustle?
That’s just who I am. Es geht darum, aus einer schlechten Situation eine gute zu machen. Und das kann ich. Jeden Tag produktiv sein. That’s just me.

Du brauchst den Druck?
Das hat mit Druck nichts zu tun. Das bin einfach ich.

Spürst du denn keinen Druck? Als Künstler ist man doch schnell weg vom Fenster, wenn ein Album floppt, oder?
Ja, schon. Aber das ist kein wirklicher Druck. Da musste ich früher mit ganz anderen Sachen fertig werden. Jetzt hab ich ein schönes Leben.

Wie sieht denn ein perfekter Tag in deinem Leben aus?
Ein perfekter Tag? Shit, keine Ahnung. Ich hatte noch nie einen perfekten Tag.

Und ein annähernd perfekter Tag?
Ich bin immer in Bewegung. Ich arbeite jeden Tag hart dafür, dass es mir und meinen Leuten gut geht. Ein annähernd guter Tag wäre einer, an dem alles so läuft wie geplant und alle essen können. Und ich mit meinen Leuten viben könnte. That’s about it.

Wann würdest du an einem perfekten Tag aufstehen?
Früh, ziemlich früh.

Und dann, erst mal Lachs und Kaviar?
Shit, boy, I eat nothing. Morgens doch nicht. Aber ich würde wahrscheinlich alles Verfügbare wegrauchen (lacht).

Und dann direkt ins Studio?
Nein, dann kümmere ich mich erstmal ums Geschäft. Sitzungen, Leute treffen, mit meinem Anwalt telefonieren, Dinge klären. Erst dann, gegen Abend, geht’s ins Studio. Manchmal mache ich dann noch einen Abstecher in die Clubs, um mich locker zu machen. Aber ich bleib meistens nicht sehr lange. Am nächsten Morgen wartet ja wieder das gleiche Programm auf mich.

Entstehen deine Texte immer im Studio?
Nein. Kommt sehr auf meine Stimmung an. Manchmal im Studio, manchmal im Auto – eigentlich kann ich immer da schreiben, wo ich gerade bin. Ich muss einfach den Beat hören, das ist alles.

Du hast gerade einen Film gedreht, hab ich gehört?
Yeah. Mit Ice Cube und Mike Epps. Der Film heisst „Janky Promoters“. Es ist so eine Art Gangsterkomödie, wie man sie von Ice Cube kennt.

Kannst du dir vorstellen so was öfter zu machen?
Klar. Wenn Hollywood ruft, sagt man nicht nein. Das ist gutes Geld.

Hast du eine Lieblingsstadt?
Klar. Ich liebe Atlanta. Aber auch sonst gefallen mir ganz viele verschiedene Städte. Ich mag Washington D.C., ich mag Detroit, ich mag Chicago, ich mag St. Louis – die Liste geht weiter und weiter. I just make me a second home whereever I go. Ich fühl mich schnell wohl. Eine Einstellungssache.

Warst du eigentlich schon mal in Europa?
Ja, ich war schon mal in London. In Deutschland auch. Hat mir gut gefallen. Bis auf die Tatsache, dass da in den Clubs alle geraucht haben.

Du rauchst nicht?
Nein. Mit Zigaretten kann ich gar nichts anfangen.

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