Thomas D. – Ach ja, ich wollte ja mal Solokarriere machen!

DE-Rap

Die exzentrischste Komponente der Fantas ist zurück mit einem Soloprojekt! Nachdem das letzte Album unter dem Pseudonym „Reflektor Falke“ eher düster daher kam, ist „Kennzeichen D.“ die Wiederauferstehung eines ausgelassenen und fröhlichen Thomas D., der es sich aber trotzdem nicht nehmen lässt, auch mal tiefgründigere Gedanken in seine Mucke einfliessen zu lassen. Im Interview mit Aightgenossen.ch erzählt er von seinem äusserst gelungenen Album, wie er den Tsunami hautnah miterlebt hat und warum er nicht einer Routine verfällt!

Wie man deiner Bio entnehmen kann, bist du ja neben deiner Hauptbeschäftigung in verschiedenste Projekte wie Filme, Hörspiele, Featurings, Kampagnen oder Gottesdienste involviert. Welche Bedeutung haben diese Geschichten für dich?
Die endgültige Erkenntnis daraus ist: ‚Hör auf dein Herz‘. Ich bekomme ja viele Angebote und es gibt immer wieder Moment, wo das Herz sagt, das fühlt sich gut an, das solltest du machen. Es ist so eine Empfehlung von innen heraus. Und natürlich soll ein Mitwirken an so einem Projekt immer ein Dienst an der Sache sein, also mehr als einfach eine persönliche Bereicherung, weil es geil ist und gut fürs Ego ist.

Kann man überhaupt noch geniessen, wenn man so vieles macht. Oder sagst du auch mal nein, um eben etwas mehr zu geniessen und mehr bei der einzelnen Sache dabei zu sein?
Es ist so eine Mischung. Natürlich suche ich mir die Dinge, die ich mache selbst raus, habe aber trotzdem Stress, weil ich viel machen und erreichen will. Aber manchmal sitze ich da und denke, das ist der geilste Job der Welt. Musik hat so eine Macht und kann einen so sehr im Herzen berühren. Man hört einen Song und es betrifft dich, du denkst: ‚Scheisse, der spricht von mir und es ist Teil von deinem Leben.‘ Letztens musste ich fast flennen, weil ich es so geil fand, wie diese Musik mich berührt hat. Und wenn ich selber Musik machen kann, warum sollte ich das nicht tun. Da stress ich mich gerne dafür ab, um dieser Bestimmung nachzukommen.

Du sagst, dass Musik dich berührt und man merkt, dass das bei dir aus tiefstem Herzen kommt. War das auch eine Ursprungsantriebsfeder für dein aktuelles Soloalbum „Kennzeichen D“? Das letzte Soloalbum on dir liegt ja schon wieder 5, 6 Jahre zurück. Wie kam es gerade jetzt dazu?
Der Auslöser beim ersten Soloalbum war Michi Beck von den Fantas, der gesagt hat, er könne sich nicht vorstellen mit 30 noch auf der Bühne zu stehen. Und da haben bei mir die Alarmglocken geläutet und ich dachte, oh Gott, ich kann mir nichts anders vorstellen. Also musste ich schnellstens Solokarriere machen (lacht), so entstand das erste Album „Solo“. Jetzt sind wir aber alle über 30 und stehen immer noch auf der Bühne und der Gedanke vom Aufhören hat sich gelegt. Dann hatte ich das Gefühl, ich müsste dieses düstere, apokalyptische Album „Lektionen in Demut“ machen. Und ich war dankbar dafür, dass ich es rauslassen konnte. Zwischendurch habe ich noch eine Rockband gegründet. Dann kam die gelungene Fornika-Produktion und ich fragte mich, warum ich eigentlich warten soll, um kreativ zu sein bis die Fantas wieder rufen. Da war ja noch was. Ah ja, ich wollte ja mal Solokarriere machen (lacht). Ich hab dann einfach mal angefangen, ohne Überschrift was zu machen. Ich wollte einfach spielen lassen, was ja was Kindliches ist. Wenn man zusammen kommt und Musik macht, spielt man ja auch. Dieses Spielerische hab ich genommen und in diesen 1.5 Jahren so umgesetzt. Und plötzlich hatte ich hatte ich 18 Titel, an denen ich gearbeitet hatte. Irgendwie ist der Knoten geplatzt und ich habe den Zugang zu dieser schönen Seite des Musik Machens, zu dieser Leichtigkeit gefunden.

Diese Leichtigkeit hat mich erstaunt. Viele Künstler reden von einem Leidensweg bis sie das Album fertig haben. Aber bei dir klappte scheinbar alles superleicht?
Ich kenn diesen Leidensweg auch. In einer Band mit 4 verschiedenen Leuten gibt es auch Reibungen und es ist nicht immer einfach, sich auf eine Platte zu einigen. Ich fragte mich, ob es besser ist, wenn man leidet und es dann schafft oder ob man sich so nur unnötig das Leben schwer macht. Vielleicht brauchen einige diese Knacknüsse, um am Schluss stolz auf das Geschaffte zu sein. Aber schlussendlich dachte ich, was spricht dagegen, einfach Spass zu haben bei der Arbeit. Vielleicht hört man das dann auch auf dem Album. Ich habe dieses Jammern auf hohem Niveau einfach mal sein lassen.

Musikalisch gesehen war das Konzept einfach spielen. Und so klingt’s auch, also du hast von Funk, über Pop, Drum’n’Bass und HipHop alles reingepackt. Wie ist das passiert?
Ich dachte schon am Anfang, dass ich im Gegensatz zu den Texten die Musik nicht alleine mache. Ich greife bei der Musik gerne auf Leute zurück, deren musikalischen Weg und Schaffen ich kenne. Und so begann ich rumzutelefonieren und fragte Leute an, Stücke für mich zu produzieren. Einzelne Musik-Fragmente habe ich auch selber gemacht und begonnen, darüber zu schreiben und hab sie dann von anderen Musikern fertig stellen lassen. Und so sind viele unterschiedliche Songs entstanden, die aber dennoch einen roten Faden haben, ein Kennzeichen, das durchgeht auf der ganzen Platte, von einem fröhlichen, leichten Thomas D. Und im letzten Viertel von einem ernsten, nachdenklichen Thomas D., der ich ja auch bin. Das Ganze ist nicht mehr so chaotisch wie die ersten Soloalben, aber trotzdem noch Genre-übergreifend.

War es für dich immer einfach dich abzukoppeln von Fanta 4 oder gab es da Songs, wo du Angst hattest, dass sie fast zu ähnlich seien?
Es gab schon ein, zwei Titel, die schon während der Fanta 4-Produktion von mir da waren. Zum Beispiel „15 Minutes of Fame“. Ich sagte den Jungs, ‚hey ich hab da ne geile Idee, einen Song so über DSDS. Wollt ihr was schreiben?‘ Die anderen fanden ihn aber nicht so klasse, also habe ich ihn mal aufgehoben. Aber die meisten Ideen sind schon während der Produktion entstanden. Der Song „Keine Panik“ aber ist der totale Fanta 4-Favourite. Sie sagten, ‚hey wir haben ja nächstes Jahr unser 20-jähriges und wollen auch ne Platte machen, nimm doch den runter und dann machen wir ihn auf unserem Album‘. Ich sagte, ‚kein Problem Leute, aber das könnt ihr nicht zahlen.‘ Und tatsächlich, sie konnten ihn nicht zahlen (lacht). Aber sonst ist kein Song, ein typischer Fanta 4-Song, da steht Thomas D. drauf und da ist Thomas D. drin. Die Songs würden auch mit Fanta 4 nicht funktionieren.

Du hast ja von kindlich gesprochen und ich finde, der Opener ist so ein Representer-Intro-Rap-Song featuring „Hier kommt die Maus“.
Ja ,was ich verschwiegen habe, der Song beginnt genau gleich wie das Intro in „Lektionen in Demut“ und alle denken schon, jetzt beginnt er wieder, uns zuzupredigen. Aber dann gibt es einen Switch und es wird ganz leicht. Ich erzähl, dass ich auch ein ganz leichter, umgänglicher Typ bin. Das Lustige ist, dass ich immer noch erzähl, dass ich Vegetarier bin und auf Bio stehe, das Ganze einfach von der anderen Seite her. Und das ist es, was ich auf dem Album machen wollte. Mit den Erwartungen spielen und generell Spass und Unterhaltung bieten ohne ins Belanglose und Inhaltslose abzudriften. Und das Intro repräsentiert das super.

Du hast gesagt, dass es im letzten Viertel auch sehr nachdenklich wird, sicher eine deiner Stärken. Im zweitletzten Song sprichst du über die Erfahrungen, die du in Thailand während des berühmten Tsunami gemacht hast. Was möchtest du darüber erzählen?
Ich war damals mit meiner Frau und damals 1.5-jährigen Tochter in einer Gegend, die sehr stark vom Tsunami betroffen war. Wir standen zu diesem Zeitpunkt 20 Meter vom Strand entfernt, wurden von der Welle erfasst und 4 km ins Landesinnere gespült. Wir dachten beide, dass wir sterben und auch jeder dachte, dass der andere auf jeden Fall gestorben ist. Wir wurden direkt getrennt und ich hatte meine Tochter im rechten Arm und wusste, das Letzte, was ich mache, ist, diesen Arm loslassen. Meine Frau und ich waren beide so lange unter Wasser, dass wir Nahtoderlebnisse hatten. Am Ende sind wir 10 Meter voneinander entfernt gestrandet, also als sich alles beruhigt hatte. Und das ist nicht nur laut Definition von Pulp Fiction EIN WUNDER. Ein Wunder ist, wenn Gott persönlich eingreift. Und um das zu verarbeiten und zu erfassen, was ich erlebt habe, fing ich an, darüber im Internet zu suchen, Zeitung zu lesen und im Fernsehen zu schauen. Und da kommen irgendwelche Promis und sagen, ‚ahh wir waren auch betroffen, hatten zwar Glück, weil unsere Villa etwas weiter oben lag, aber wir haben gesehen, wie Menschen gestorben sind.‘ Und ich denke einfach, ‚halt’s Maul! Wer bist du, dass du dich jetzt ins Rampenlicht rücken darfst, nur weil du prominent bist.‘ Und da wollte ich nie dazu gehören und hab deshalb auch nie was gesagt. Ich habe aber immer gedacht, dass ich vielleicht den Leuten dort, etwas zurückgeben kann, den Leuten, die jemanden verloren haben. Vielleicht kann ich ihnen Hoffnung und Mut machen und helfen die Trauer zu überwinden. Weil Musik kann das gut, uns an einem Punkt abholen und uns dann weiterbringen. Und ich dachte nicht, dass ich so früh schreiben kann, aber Gott sei dank konnte ich jetzt diesen Song schreiben und alles in Worte fassen und den Trauernden eine Möglichkeit bieten ihre Traurigkeit zu überwinden.

Bist du durch dieses Erlebnis noch spiritueller geworden? Du hast ja gesagt, Gott hat eingegriffen. Kann man das aufs alltägliche Leben adaptieren? Das Leben geht ja trotzdem weiter?
Es war ein sehr psychodelischer Moment. Es war nicht eine Kraft von aussen, die jetzt eingegriffen hätte, sondern es hat sich jede einzelne Faser meines Körpers unter Wasser dazu entschieden, jetzt nicht zu sterben, sondern weiter zu leben. Ich habe viel gedacht in diesem Moment. Es war ein wahnsinnig intensiver Moment. Es war nicht so, als hätte der Tod etwas Beängstigendes gehabt, sondern der Tod hatte sein Schrecken total verloren und in diesem Augenblick wäre es okay gewesen zu sterben, es wäre leicht gewesen. Aber ich dachte, wenn ich jetzt sterbe, dann ist das Leben eine Aneinanderreihung von Zufällen und ich weigere mich, das anzuerkennen. Das Leben hat eine Bestimmung, einen Sinn. Klar, man kann es auch wegwerfen, nicht jeder kommt so weit. Aber es scheint eine Empfehlung zu geben und mein Weg war dort noch nicht zu Ende. Das habe ich gespürt und gewusst. Die Präsenz Gottes war nicht ausserhalb, sondern allgegenwärtig, es gab keine Trennung. In Wirklichkeit ist in jedem Augenblick alles möglich. Jede Faser sagte nein, du tauchst auf und lebst weiter, machst noch ein paar Jahre Musik, weil das deine Bestimmung ist. Seitdem bin ich auch dankbarer, für das, was ich machen kann und es ist auch keine Frage mehr, warum ich das machen soll und ob ich es nicht machen soll. Es ist einfach nur grosse Dankbarkeit und der Wunsch, von sich was abzugeben, von der Fähigkeit, die ich habe, Musik und Texte zu machen.

Es soll auch bald wieder Musik und Texte von den Fantas geben! Ihr seid drei Tage zusammen gesessen seid. Geht da wieder was?
Wir haben nächstes Jahr unser 20-jähriges und wir feiern gross und es gibt Geschenke für alle und natürlich ein neues Album. Es wird sicher nicht das Einzige sein, was passiert. Und das heisst für mich, ich muss mir keine Sorgen über zu wenig Arbeit machen, weil ich wieder mit den Fantas arbeite. Und ich freue mich darauf, eine geile Scheibe zu machen.

Ist es nicht manchmal langweilig für euch Konzerte zu geben? Weil ihr wisst ja schon im vornherein, dass es funktioniert und habt irgendwie gar keine Spannung mehr?
Du hast völlig Recht. Man muss hart daran arbeiten, dass es nicht Routine und auf die leichte Schulter genommen wird. Natürlich können wir total entspannt auf die Bühne gehen. Auf der anderen Seite sind wir erst nach knapp 20 Jahren an diesem Punkt angelangt, dass wir uns keine Sorgen mehr machen müssen. Gleichzeitig ist es aber immer unsere Aufgabe, egal wie viele Konzerte wir spielen und egal wie es dir persönlich geht, den Leuten das Gefühl zu geben, dass das ein besonderer Abend ist. Da muss man jeden Abend daran arbeiten und es klappt nur, wenn wirklich alle daran Spass haben, was wir machen. Denn das überträgt sich auch auf die Zuschauer.

Was wird eine nächstes Tattoo?
Als Belohnung für die letzte Soloplatte habe ich mir mein Bein weitermachen lassen. Das ist ein Gesamtkunstwerk, eine Art Flügel, so superheldenhaft und eine Rüstung, die nicht beschwert, sondern leicht machen soll. Und das endet jetzt im rechten Oberschenkel. Das ist der letzte freie Fleck in diesem Kunstwerk. Dann bin ich ein tattowierter Asi und steh mit einem Bein im Knast, aber damit muss ich leben (lacht).

Deine letzten Worte?
Ich finde, dass es das beste Album meines Lebens ist. Aber wäre auch komisch wenn nicht, habe es ja erst gemacht. 18 Tracks, da ist für jeden sicher was dabei. Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere mal reinhört. Und wir sehen uns im Dezember auf der Tour.

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