Joell Ortiz – Einfach ein Dude der gerne rappt

Int. Rap

Für die Chefetagen der grossen Plattenfirmen war Joell Ortiz kein Thema. Zu hart seine Musik, zu wenig angepasst sein Aussehen. Doch einer, der schon viele Artists entdeckt hat, erkannte das Reimtalent des Feuerspuckers aus Brooklyn: Dr. Dre. Doch da das ominöse „Detox“ Album und die neue Eminem Scheibe bei Aftermath höhere Priorität geniessen, entschloss sich Joell Ortiz anstatt seinen Vorschuss zu verpulvern und auf der Reservebank auf eine Veröffentlichung zu warten, für eine Auflösung des Vertrages. Dies repräsentiert auch genau die Einstellung des puertoricanisch stammenden MC’s. Ihm geht es um die Rhymes. Dope Rhymes selbstverständlich und dies mit Message und unterlegt von rohen Beats. Wieso es um den Free Agent nicht so schnell still werden wird, erzählte er uns nach seinem ersten Konzert in der Schweiz am Royal Arena Festival.

Stell dich unseren Lesern bitte kurz vor und erzähl uns über deine bisherigen Moves im Rap-Game!
Was geht ab! Ich bin Joell Ortiz, ein puertoricanischer Dude aus Brooklyn. Ich habe mein erstes Album „The Bricks / Bodega Chronicles“ letztes Jahr über Koch Records veröffentlicht. Ich arbeite an einer neuen Platte namens „The Free Agent“, die möglicherweise schon diesem Herbst erscheinen wird. Ich werde weiterhin versuchen viele Shows zu spielen und auf Tour zu sein – keep myself busy.

Dr. Dre hat mit The Game die Westcoast zurückgebracht. Denkst du, dass er die Chance verpasst hat, dasselbe mit dir und der Eastcoast zu tun?
Ich weiss nicht, ob er eine Chance verpasst hat, denn wir sind immer noch cool miteinander und wir werden auch wieder zusammenarbeiten. Ich bin einfach nicht mehr auf seinem Label. Es ist eine sehr gute Phase momentan: Ich bin Independent, ich habe eine grosse Fanbase, einen grossen Buzz und werde mein nächstes Album Independent veröffentlichen. Was Dre angeht: er ist sowieso einer der besten Produzenten im HipHop und das wird er immer bleiben.

Möchtest du dich denn überhaupt in der Rolle als Retter des New York Raps sehen?
Nein, ich sehe mich eigentlich nur in der Rolle eines Dudes, der gerne rappt. Keine Gimmicks und sonst was, ich brauche einfach einen Beat über den ich rappen kann und damit hat sichs. Wenn ich irgendwie dazu beitragen kann, dass New York zurückkommt, würde ich das sehr gerne tun. Aber ich kann es unmöglich alleine machen, dazu braucht es noch viele andere Leute, die ihren Output steigern. Es muss zurück zu den Wurzeln, zurück zu den Dingen über die wir früher gesprochen haben. Slick talk over hard beats. Wir waren niemals diejenigen, welche die grossen Club-Platten gemacht haben. Wenn unsere Musik in den Clubs lief, dann weil die DJ’s Fans waren.

Viele MC’s wurden als das nächste grosse Ding aus dem Big Apple angekündet. Was wird Joell Ortiz anders machen als die zahlreichen MC’s, die zwar diverse Deals aber nie eine Albumveröffentlichung hatten?
Ich werde nicht vergessen, was mich an diesen Punkt gebracht hat und das sind dope Rhymes. Ich denke viele Leute bekommen ihren Deal und vergessen dann, wieso die Leute auf sie aufmerksam wurden. Doch am Ende geht es darum, gute Reime zu schreiben und das ist es, was ich mache und auch weiterhin tun werde. Die Juwelen, die Autos und die Mädchen sind nicht das, was mich intressiert. Ich werde nicht vergessen, dass mich die Leute wegen meinen Rhymes mögen und mich dies hierher gebracht hat.

Wie der Titel deines kommenden Albums schon sagt, bist du momentan ein Free Agent. Deine nächste Scheibe willst du Independent veröffentlichen. Ist ein Major Deal keine Option mehr für dich?
Nicht im Moment, denn mit den richtigen Leuten um dich kannst du alles selber machen, was ein Major dir bieten kann. Das Internet macht jeden da draussen zu deinem Nachbarn und das macht es zu einer wunderbaren Absatzmöglichkeit. Ich werde mein Ding Independent machen und versuchen, mit dem kommenden Album „The Brick“ zu übertreffen. Ich schliesse einen Major Deal für die Zukunft nicht aus, aber mein Fokus liegt im Moment auf meiner Independent Veröffentlichung.

Was dürfen wir denn konkret von „The Free Agent“ erwarten?
Als erstes bin ich ein Fan und kann sagen, dass es ein grossartiges Album wird. Ich habe Joe Budden, Papoose, Fat Joe, Erick Sermon und Styles P auf der Platte, es ist ein richtiges HipHop-Album. Wenn du kein HipHop-Fan bist, musst du es gar nicht erst abchecken (lacht).

Gibt es frappante Unterschiede zu „The Brick“?
Es sind immer noch lebendige Bilder über rohe Beats. Ich versuche den Leuten zu zeigen, was in den Ghettos abgeht. Das ist, was ich mache.

Ich denke, es wird auch sehr wichtig, dass die Scheibe bald erscheint. Denn im Moment hast du einen Buzz, aber bekanntlich vergessen die Leute sehr schnell..
Absolut, ich poste auch stetig Freestyles im Internet um relevant und heiss zu bleiben. Aber das Album wird definitiv noch in diesem Jahr erscheinen.

Man konnte lesen, dass du einen Dre Beat auf dem Album haben wirst. Was für andere Beatschmiede sind sonst noch beteiligt?
Wie gesagt sind Dre und ich immer noch cool, es war keine Trennung im Streit. Wir haben uns darauf geeinigt, dass dies das Beste für mich ist, da mir so viele Möglichkeiten offen stehen. In dieser Situation kann ich nicht rumsitzen und auf „Detox“ oder das Eminem Album warten. Deshalb hat er mich aus dem Vertrag gelassen, ich möchte das betonen, ich wurde nicht gedroppt. Ich habe um die Auflösung gebeten und er hat dem zugestimmt, wir arbeiten immer noch zusammen, ich werde für „Detox“ schreiben und man wird mich auch wieder auf Dre Beats hören. Ansonsten haben Erick Sermon, Knobody und DJ Premier produziert, es wird ein HipHop Classic.

Du repräsentierst die klassische Eastcoast Schule mit Lyricism und rohen Beats. Wie kann diese Art von Musik deiner Meinung nach wieder in den Mainstream gelangen?
Wie zuvor gesagt, kann ich das nicht allein. Es muss eine ganze Truppe sein, die einfach reimt. Leute, die gut reimen und sich nicht darum kümmern, was gerade angesagt ist. DJ’s werden dann wieder Fans von diesem Stuff und spielen es in den grossen Clubs und den Radios.

Du repräsentierst Brooklyn to the fullest. Was macht dieses Viertel deiner Meinung nach zu einem solch speziellen Ort und wie hat sich dein Hood in den letzten Jahren verändert?
Um ehrlich zu sein: Brooklyn ist gutter. Es geht viel um Competition, dies hat auch meine Art zu reimen geprägt. Meine Umgebung hat sich ein wenig verändert, es ist etwas moderner geworden. Viele Leute ziehen in meine Gegend und versuchen die Projects Leute aus dem Viertel zu verdrängen. Wenn ihr mehr darüber hören wollt, hört euch das „Free Agent“ Album an.

Auf deiner Website hast du einen Song, der ein Brief an Barack Obama ist. Für die Leute, welche den Track nicht gehört haben: Was für Veränderungen wünscht zu dir von ihm?
Zuerst möchte ich, dass die Leute für Barack Obama wählen gehen und zwar nicht weil er Schwarz ist und er der erste dunkelhäutige Präsident sein könnte. Denselben Hype hätte es auch wegen Hillary als erste weibliche Präsidentin geben können. Was wir brauchen sind Veränderungen. Beispielsweise müssen Minderheiten die Möglichkeit haben, Jobs zu bekommen, die alle anderen auch kriegen und dafür steht Barack Obama. Die Leute sollen mit ihrem Herz wählen und nicht wegen einem Image, einer Rasse oder Nationalität.

Irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?
My name is Joell Ortiz i’m not a stage person. My name is Joell Ortiz on stage and off stage. Ich habe eine Foundation namens „two at a Time“, mit welcher ich Computer in meiner Community finanziere. Diese wird mit den Einnahmen vom „Free Agent“ Album unterstützt. Also wenn ihr das Album kauft, bekommt ihr nicht nur ein grossartiges HipHop-Album, sondern ihr gebt auch kleinen Kids in der Brooklyn Community die Möglichkeit mit Computern zu arbeiten. Thank you!

Int. Rap