Jedi Mind Tricks – Musik, um Aggressionen zu verarbeiten

Int. Rap

Mit ihrem zweiten Album „Violent By Design“ gelang Jedi Mind Tricks eines der wichtigsten Independent Rap-Alben. Seither ist die zwischenzeitlich auf das Duo Vinnie Paz und Stoupe geschrumpfte Truppe aus dem Rap-Geschehen nicht mehr wegzudenken. Ihrem Stil sind sie seit den Anfangstagen treu geblieben, was für begeisterte Anhänger aber auch viele Kritiker, die sich vor allem an den nicht selten kontroversen Aussagen von Vinnie Paz stören, auf den Plan gerufen hat.

Eher ungewöhnlich für einen bekannten Rapper sass Vinnie Paz bereits einen Tag vor seinem Auftritt im Backstage, gemeinsam mit seinem DJ Kwestion und einer riesigen Flasche Wodka. Vielleicht auch unter Mithilfe des russischen Tröpfchens entstand ein sehr ausführliches und interessantes Gespräch, bei welchem ich nicht nur mehr über ihre anstehenden Projekte, sondern auch spannendes zu Producer Stoupe oder Vinnie’s, natürlich teilweise kontroverser, Meinung zu Corporate America erfahren konnte.

Immer wenn du in der Schweiz spielst, sind die Hallen voll und die Leute drehen durch. Dies obwohl viele wohl einen Grossteil der Texte nicht verstehen und einen ganz anderen Background als du mitbringen. Wieso denkst du, haben die Leute hier so viel Liebe für eure Musik?
Schwer zu sagen. Aber das ist nicht nur in der Schweiz oder in Europa so. Es ist global, sei es Südamerika, Australien oder Japan. Musik war schon immer eine universelle Sprache und ist seit Hunderten von Jahren eine Möglichkeit, die Leute zusammenzubringen. Manchmal geht es nicht darum, was man sagt, sondern wie man es sagt, dass die Leute die Leidenschaft spüren. Genauso kann ich einen Schweizer Rapper hören und ihn fühlen, ohne ihn zu verstehen. Musik ist etwas Emotionales und diese Emotionen sprechen die Leute an. Sie fühlen, dass die Musik, die wir machen, von Herzen kommt und wir lieben, was wir machen und glücklich sind, für sie spielen zu können.

Du spittest deine Lyrics immer sehr aggressiv. Wie schaffst du es an einem schönen Tag, an dem die Sonne scheint und alles perfekt zu sein scheint, diese Wut in die Booth zu bringen?
Ich brauche die Musik als Möglichkeit meine Aggression in einer positiven Art rauszulassen. Anstatt auf der Strasse zu sein, Leute auszurauben oder sie zu erschiessen, ist es eine Methode, um Aggression zu intellektualisieren. Das ist meine Möglichkeit, all die Scheisse in mir zu verarbeiten. Es ist nicht schwierig für mich, in der Gesangskabine aggressiv zu sein, besonders bei den Themen, die ich behandle. Der Stand der Dinge, sei es in den USA oder in Europa, ist fucked up. Es wird immer Aggression in mir sein, solange es Dinge gibt, die mich wütend machen. Sei es der Krieg im Irak oder Scheisse, die in Europa geschieht. Die Aggression ist vorhanden, weil ich ein Produkt meines Umfelds bin, so wie es wohl jeder ist. Man reagiert automatisch auf die Dinge, die um einen geschehen.

In einem älteren Interview hast du gesagt, dass du zwar mehr oder weniger zufrieden bist mit deinem Label Babygrande, dass du aber auch das Gefühl hast, dass Jedi Mind auf einem ganz anderen Level sein könnte. Wie würde Jedi Mind zu MTV oder in den Mainstream passen?
Wir würden nie in diese Mainstream Welt passen, da wir uns niemals verändern würden. Ich glaube einfach, dass Corporate America und die Firmen um den Globus die Musik diktieren. In den USA gehören 90 Prozent der Radiostationen einer Firma namens Clear Channel. Natürlich schreibt diese Firma den Radios vor, was sie zu spielen haben. Die Situation ist nicht mehr die Gleiche wie in den Achtzigern oder Neunzigern, als man wirklich Songs im Radio populär machen konnte. Es gibt auch kein „Yo MTV Raps“ mehr, „Rap City“ spielt nur Bullshit. 1993 gingen Wu-Tang Platin, Nas kam mit „Illmatic“, es gab Black Moon, De La Soul und A Tribe Called Quest. Sie wurden im Radio und im TV gespielt. Aber als HipHop immer mehr zu einem Geschäft und globalisiert wurde, war dies ein zweischneidiges Schwert. Viele Leute können nun damit Geld verdienen, aber viele davon sind nicht mit HipHop aufgewachsen. Diese Schlipsträger kommen nicht aus dem Hood und verstehen nicht, woher die Kultur kommt. Die wissen nichts von B-Boys, Beatboxing oder der Kunst des DJing. Man sieht auf BET oder bei „Rap City“ keine Videos mehr mit DJ’s. Ich denke, wenn mehr Leute unsere Musik hören könnten, würden sie merken, dass dieser Shit auch dope ist. Aber am Schluss geht es immer um das Geld, seien es Euros, Dollar oder Schweizer Franken. Hätten wir mehr Geld hinter uns, würde dies gleichzeitig mehr Bekanntheit bedeuten. Die Bekanntheit würde bedeuten, dass mehr Leute unsere Musik hören und geniessen könnten und somit merken, dass es auch noch andere Musik gibt als Soulja Boy. Aber wir haben immer Musik gemacht wegen dem Shit, mit welchem wir in den Achtzigern und Neunzigern aufgewachsen sind. Wenn man mit Rakim, BDP, Lakim Shabazz, Hilltop Hustlers oder Schooly D aufgewachsen und davon beeinflusst ist, passt dies einfach nicht in den heuten Markt. Aber wir haben nicht vor, dies zu ändern. Wieso sollten wir auch, ich bin hier in der Schweiz, verdiene Geld mit dem, was ich liebe und spiele für Tausende von Fans. I’m not going to corporate america, corporate america can come to me.

In diesem Interview hast du auch gesagt, dass die letzten echte und ehrliche Person, die etwas verändert hat, Kurt Cobain war und dass du der nächste sein könntest.
Ich denke nicht, dass ich so talentiert bin wie Kurt Cobain und dass ich jemals eine solche Plattform bekommen könnte. Er war brillant, sehr talentiert und er hatte die Eier eine Platte zu machen inmitten dieser langhaarigen Heavy-Metal-Bands. Er kam mit seinem Gitarrensound, dreckigen Haaren und Jeans. Ich habe ihn völlig respektiert und selbst wenn man die Musik nicht mag, muss man ihn dafür respektieren, was er getan hat. He was like fuck these motherfuckers I’m not playing this game. Das respektiere ich. Ich denke es gibt Leute, die das wiederholen könnten aber wie schon gesagt, das Musikgeschäft hat sich verändert. Es gibt keine Majorlabels mehr, welche Leuten mit neuen Ideen einen Plattenvertrag geben. Jeder den ich mag, sei es nun HipHop, Metal, Punkrock oder Hardcore ist Independent und kämpft für seinen eigenen Weg. Ich denke es gibt Leute, welche die Fähigkeit mitbringen aber sie haben nicht die Plattform um es umzusetzen.

Denkst du denn nicht, dass es heutzutage besser ist Independent zu sein?
Es gibt von allem verschiedene Sichtweisen. Es gibt Vorteile bei einem Major und auch Vorteile Independent zu sein. Wenn man Independent ist, sagt dir keiner, wie deine Platte zu klingen hat. Bei einem Major ist der Vorteil schlicht die Kohle, sie haben Tonnen von Geld um einem Künstler zu unterstützen. Sie werfen die Musik den Leuten quasi in den Rachen. Die Leute lieben den Sound gar nicht, sie hören es einfach 20mal täglich bis sie es mögen. Es ist das gleiche wie die Gehirnwäsche beim Militär oder die Manipulationen der Regierung, es ist die gleiche Philosophie. Die Jugend hört es immer und immer wieder, während sie aber keine Ahnung davon hat, was Leute wie du und ich machen. Wenn sie aber doch mal darauf stossen, merken sie, dass es noch eine ganz andere Welt mit guter Musik gibt. Wir haben einfach nicht mehr dieselben Möglichkeiten wie früher. Damals konnte man Big Daddy Kane, Slick Rick, De La Soul, Mobb Deep, Nas oder Black Moon Videos sehen. Sieht man heute ein Video von Black Moon oder Sean Price? Früher war es möglich; wieso heute nicht mehr? Ich weiss es nicht. Es liegt wohl an den Firmen, welche die Köpfe der Menschen mit Scheisse füllen wollen. Sie wollen keine Revolution, sondern die Leute dumm halten. Angst und Konsum, das ist der American Way. Sie machen dir Angst damit du konsumiert. Aber wenn du dumm gehalten wirst, kannst du es nicht besser wissen.

Könnte da beispielsweise ein Nas Album etwas ändern, das sowohl Mainstream wie auch politisch und sozialkritisch ist?
Absolut, es gibt Leute die rauskommen. Dead Prez hatten auch zwei Alben auf einem Major Label. Aber ich weiss nicht, wieso die Plattenfirma kein Geld reinsteckte. Es waren zwei unglaubliche Platten und diese Jungs haben über real shit geredet. Aber leider hatte Columbia zu wenig Geld investiert. Da kommt wieder die ganze Verschwörung zum Vorschein, sie wollen nicht, dass die Kids wissen was abgeht. Sie sollen nicht wissen, wie viele Leute im Irak sterben oder über die armen Viertel oder Ghettos in der Schweiz. Alles soll so aussehen, als ob jeder in den USA und Europa reich sei. Sie vertuschen, was wirklich abgeht. Aber wer soll es stoppen, wer hat die Power um dies aufzuhalten?

Sprechen wir über die Musik oder beziehungsweise über die DVD „Divine Fire – The Story of JMT“, welche im September erscheint. Was können wir erwarten?
Ehrlich gesagt, von all den Sachen, die ich meiner Karriere gemacht habe, bin ich wohl am meisten stolz auf diese DVD. Wir haben Aufnahmen, die zurückgehen bis in die frühen Neunziger. Es ist nicht einer dieser beschissenen HipHop-DVDs, die jeder rausbringt, auf denen es nur ein langweiliges Interview und einige Live-Aufnahmen gibt. Wir haben es gefilmt wie eine Dokumentation auf BBC. Es zeigt die gesamte Geschichte unserer Gruppe von 1992 bis heute. Es gibt alte und neue Interviews, Aufnahmen von mir 94 als ich noch 150 Pfund wog. Man sieht unseren Hood in South Philly, wo wir aufgewachsen sind und begonnen haben, Musik zu machen. Man sieht unseren Engineer der über die Aufnahmen mit uns spricht. Es ist auch eine sehr persönliche DVD, da wir über viele Sachen sprechen, sowohl persönlich wie auch professionell. Ich bin wirklich sehr stolz und kann es kaum erwarten, bis es die Leute sehen können.

Wie ist eigentlich die Situation mit Jus Allah? Gehört er nun wieder zur Gruppe?
Er ist zwar nicht hier, aber er ist definitiv zurück. Er ist auf dem neuen Album, man sieht ihn auf der DVD, er war auf dem Army of the Pharaohs Album, alles ist gut. Wir arbeiten bereits an einem neuen Army Album und wir haben mit einem Jus Allah Soloalbum begonnen. Ich werde der Executive Producer sein und ihm helfen, alles auf die Beine zu stellen. Wir haben bereits einige Beats und es werden keine Gäste zu hören sein mit Ausnahme von mir. Es wird „The Colossus“ heissen. Alles ist gut zwischen uns und alles was zuvor geschehen ist, war, weil wir jung waren. Wenn man jung ist und beginnt Geld zu verdienen passiert viel Blödsinn. Aber seit einigen Jahren ist alles gut. Wir sind wieder zurück als Gruppe wie damals bei „Violent By Design“, was die Lieblingsplatte von vielen ist. Stoupe an den Beats, ich und Jus Allah reimen und DJ Kwestion an den Cuts, genau wie vor zehn Jahren. Jeder Kreis schliesst sich im Leben, manchmal braucht es 30 Jahre, manchmal 30 Tage. Aber meistens gehen die Dinge zu ihrem Ursprung zurück. Auch Kwestion war nach „Violent By Design“ in der Battle-Szene unterwegs und hat all die DJ’s gebattled. Er hat sein Ding gemacht genau wie Jus Allah und für eine Weile waren es nur Stoupe und ich. Aber einige Jahre später war mir klar, dass Kwestion und Jus wieder zurückkommen müssen, denn dies machte „Violent By Design“ zu dem Album, das es ist. Wir sassen damals in einem dreckigen Schlafzimmer, haben Weed geraucht und uns besoffen. Das Album kam zwar 2000 raus aber wir haben 1998 begonnen. Ich war erst 20, Jus war 19, Kwest 18, wir waren noch Kids. Nun schliesst sich der Kreis und alles ist wie früher, drinking and smoking and just acting stupid. Es war eine gute Zeit die wir hatten. Mein Vater hat mir immer gesagt: „it’s not a job if you love it.“ Aber ich muss auch Geld verdienen und mich und meine Mutter versorgen. Darum geht es, wir müssen uns um unsere Familien und Freundinnen kümmern.

Sprechen wir über deinen Produzenten Stoupe. Er hat alle JMT Alben produziert aber ansonsten hört man kaum Beats von ihm auf anderen Releases, nicht mal bei den anderen Army of the Pharaohs Mitgliedern. Wieso das?
Es interessiert ihn nicht, um ehrlich mit dir zu sein. Er ist eine sehr introvertierte Person, er verlässt seine Wohnung so gut wie nie. Er raucht sein Weed, trinkt und macht Beats. Er ist einer dieser Menschen, die es nicht mag neue Leute zu treffen. Er ist gar nicht daran interessiert mit anderen Leuten zu arbeiten. Wir haben ihn nun dazu gezwungen ein Produzentenalbum zu machen. Man kann nun also endlich auch andere Leute auf seinen Beats hören. Es sollte Ende des Jahres oder Anfangs 2009 erscheinen und man wird einige grosse Namen auf seinen Beats zu hören bekommen.

Er entspricht also dem Klischee eines Produzenten, der ständig im Studio sitzt und introvertiert ist. Wie würdest du ihn sonst noch charakterisieren?
Er ist wirklich ein schräger Vogel. Ich habe Stoupe 1992 getroffen und 16 Jahre später ist er immer noch derselbe Typ. Er hat einige Freunde, für die er sorgt, er interessiert sich für Musik und damit hat sich’s. Deshalb war ich auch immer das Sprachrohr der Gruppe. Er will nicht fliegen also kommt er nicht mit auf Tour, nicht mal in den Staaten.

Du zeigst ihm dann einfach die Videos von der Tour?
Ganz genau und er liebt es. Er freut sich immer sehr, dass wir auf der Bühne seinen Namen erwähnen. Er liebt es, dass wir soviel Liebe bekommen aber er ist einfach nicht gerne weg von zuhause. Ehrlich gesagt sind auch ich und Kwestion nicht gerne weg von zuhause. Aber am Ende des Tages lieben wir diesen Job und ich will es machen seit 1986.

Es ist ja auch eine sehr gute Möglichkeit um etwas von der Welt zu sehen!
Absolut und es ist auch etwas, das unsere Familien sehr stolz macht. Meine Mutter ist so stolz auf das was ich tue, dass sie Jedi Mind Tricks Shirts anzieht. Das gleiche mit den Eltern von Kwestion. Wenn wir in Philly spielen hängen Kwestion’s Eltern und meine Mutter zusammen ab. Wir bekommen wirklich liebe von unseren Familien für das was wir tun und das ist wichtig, denn wenn du diese Unterstützung nicht hast, ist es viel schwerer kreativ zu sein. Viele Menschen verstehen Kunst nicht und sie können sich nicht vorstellen, wie man damit Geld verdient. Der Durchschnittsbürger, der jeden Tag ins Büro muss, versteht die Idee der Kunst nicht und begreift auch nicht, dass man davon leben kann. Da wären wir wieder beim Thema Kunst gegen Kommerz. Man muss den Mittelweg finden.

Es ist natürlich ideal wenn man Geld verdienen kann ohne seinen Arsch verkaufen zu müssen!
Wenn man diesen Weg gefunden hat, bei welchem man Geld verdient und für sich und seine Familie sorgen kann ohne die Seele und sich an die grossen Firmen verkaufen zu müssen, hat man den Schlüssel gefunden. <BR
Ausserdem soll bereits ein neues Jedi Mind Tricks Album namens „The History of Violence“ in Arbeit sein. Was gibt es dazu zu berichten?
Es ist fertig, Stoupe an den Beats, Kwestion an den Cuts und Jus Allah und ich am reimen. Am 14. Oktober wird es erscheinen.

Stoupe hat natürlich alles produziert. Was gibt es zu den Gästen zu sagen?
Nur Leute von Army of the Pharaohs. King Magnetic, Demoz, Outerspace, Doap Nixon und Block McCloud von Brooklyn Academy hat einige Hooks gemacht. Es ist die 08 Version von „Violent By Design“ deshalb haben wir es „The History of Violence“ genannt.

Thema Army of the Pharaohs: Du bist der Gründer dieser Supergroupe, wie hast du all diese Leute aus verschiedenen Städten zusammengebracht?
Mitte der Neunziger, als die Independent Szene zu wachsen begann mit Rawkus Records, Company Flow oder den Arsonists, kamen auch wir ungefähr zur selben Zeit. Ich war sehr beeinflusst von der Idee eines Zusammenschlusses wie den Native Tongues, der Juice Crew, Tuff Crew oder den Hilltop Hustlers aus Philly. Es ist lustig, dass jetzt gerade De La Soul nebenan sitzen. Ich liebte die Idee dieses Posse-Gedankens und irgendwie machten das die Leute nicht mehr, mit Ausnahme von Wu-Tang. Deshalb stellte ich mit 7L & Esoteric, Bahamadia und Virtuoso 1998 eine 12 Inch auf die Beine und schaute einfach was passiert. Dies war also acht Jahre bevor dann überhaupt eine Army of the Pharaohs Album erschien.

War dies die ursprüngliche Formation mit Bahamadia und Virtuoso?
Jeder von ihnen ist noch lose dabei, nur weil sie nicht auf den Songs sind, heisst das nicht, dass sie nicht mehr mit uns unten sind. Es gibt eine Tonne von uns. Apathy gehört zu den Army of the Pharaohs aber er war nicht auf dem letzten Album. Das hat aber nichts zu bedeuten. Wir haben einfach eine Menge Songs aufgenommen, einige haben wir gestrichen, andere werden später erscheinen. Es gibt einen Song mit Apathy, King Size und mir auf dem neuen King Size Album, welchen wir eigentlich für das AOTP Album aufgenommen haben. Ich habe einfach sehr viele talentierte Leute um mich und ich finde, dass diese genau so die Möglichkeit haben sollten zu scheinen, wie ich sie habe. Kwestion hat die Leadsingle des letzten Albums produziert („Bloody Tears“) und auch noch einige weitere Tracks und er wird genau wie Stoupe ein Produzentenalbum veröffentlichen.

Du hast vorher erwähnt, dass auch bereits ein neues AOTP Album in Arbeit sei..
Wir haben bereits massenweise Beats. Unsere Tour in den Staaten startet am 21. Oktober, wenn ich also aus der Schweiz zurück bin versuche ich bis zum Tourstart mindestens fünf oder sechs Tracks aufzunehmen. Anfangs 2009 wird zudem ein Album namens „Heavy Metal Kings“ von mir und Ill Bill erscheinen. Wir haben bereits einige Beats beisammen, u.a. von DJ Lethal von House of Pain und La Coka Nostra, Muggs, DJ Kwestion und Madlib.

Bald wird die Amtszeit von George W. Bush endlich zu Ende sein. Was für Veränderungen erhoffst du dir von Barack Obama, sofern er hoffentlich gewinnt?
Ich denke, das grösste Problem in den letzten 30 bis 40 Jahren in den USA war, wie die armen Leute, sowie die Mittelklasse und tiefe Mittelklasse behandelt wurden. Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer. Einem Prozent der Welt gehört der ganze Rest. Es muss Programme geben, man kann den Leuten im Ghetto nicht einfach sagen, sie sollen keine Drogen verkaufen und nicht kriminell sein, man muss ihnen eine Alternative geben. Wenn sie keinen Job bekommen was sollen sie den tun? Es müssen Arbeitsstellen geschaffen werden und die ganze Infrastruktur muss völlig verändert werden. Ich denke, sie können sich dabei einiges von den Regierungen in Europa abschauen. Denn hier gibt es weniger Gewaltprobleme, weniger Drogenprobleme und die Legalisierung von Drogen in vielen Ländern verringert die Gewalt. Die meisten Leuten in den Gefängnissen der USA sitzen wegen Drogendelikten, aber wieso soll Marihuana illegal sein? Ich rauche nicht mal Marihuana und denke es sollte legal sein.

Hier in der Schweiz ist es aber auch weiterhin illegal..
Aber in Holland ist es legal und es gibt wenige Verbrechen dort. Es ist gar kein Vergleich zu den USA. Ich komme aus Philadelphia, das ist die Mord-Hauptstadt der USA. Hunderte von Kids sterben, alleine letzten Sommer wurden 463 Kids umgebracht. Philly ist unglaublich, wir wurden im Time Magazine zur feindseligsten Stadt von den Staaten gewählt. Zudem wählten sie uns auch noch zur hässlichsten und fettesten Stadt von Amerika (lacht). It’s a fucked up place but I love it! Es gibt dir eine eigene Persönlichkeit. Philly moterfuckers are a different breed of motherfuckers. Es ist wie ein eigener Planet.

Fasse für uns doch bitte zum Schluss nochmals die kommenden Veröffentlichungen zusammen!
Bald kommt die DVD „Divine Fire“, am 14. Oktober dann unser Album „The History of Violence“. Danach die Soloalben von DJ Kwestion und Stoupe, das Album von mir und Ill Bill. Von der Army of the Pharaohs kommt vieles raus Ende des Jahres und zu Beginn des nächsten Jahres. We staying busy. Trying to get money and take care of the family. Ich weiss es zu schätzen, dass ich hier so viel Liebe bekomme. Ich liebe die Schweiz, es ist mein Lieblingsland in Europa.

Am nächsten Tag zeigte sich Vinnie Paz als guter Mentor in dem er mich mit Planetary von Outerspace an einen Tisch setzte, welchem ich natürlich spontan auch noch einige Informationen zu kommenden Projekten entlockte.

Bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor.
What’s good my name is Planetary, die eine Hälfte von Outerspace. Am 30. September kommt unser neues Album „Gods Fury“.

Kannst du uns schon mehr dazu verraten?
Wie gesagt heisst es „Gods Fury“, es werden Reef the Lost Cauze, Vinnie Paz, King Size, King Magnetic, Celph Titled, Chief Kamachi und Des Devious von der Army sowie Psycho Realm aus L.A. dabei sein.

Ihr arbeitet meistens mit Leuten von der Army. Seid ihr gar nicht interessiert daran mit Leuten von ausserhalb ins Studio zu gehen?
Wir halten es gerne in der Familie um den Leuten das ganze Bild zu zeigen. Wie gesagt haben wir aber auch Psycho Realm von der Westküste dabei, mexikanische Dudes. Wir sind puertoricanische Dudes aus Philly also dachten wir, es sei eine gute Kombination für Südamerika.

Welche Produzenten habt ihr auf der neuen Scheibe?
Sicknature aus Europa, MTK aus Seattle, Clockwork, einen Produzenten aus Finnland und viele andere verrückte Beatschrauber. Mit 7L hat es leider nicht geklappt.

Ihr arbeitet auch mit Produzenten aus Europa. Ich frage mich öfters, wieso dies nicht mehr Acts tun, da sie hier teilweise genau so gute Beats kriegen und dies wohl noch günstiger.
Das ist korrekt, die Leute in den Staaten wollen immer sofort ihre Kohle. Hier in Europa sind die Produzenten noch hungriger und teilweise verlangen sie sogar gar kein Geld. Also arbeiten wir mit ihnen, es ist billiger, besser und allgemein sollte man in der Untergrund Szene mehr zusammenarbeiten. Anstatt immer nur von Geld zu reden, das sowieso nicht in grossen Mengen vorhanden ist, sollte man sich gegenseitig unterstützen. MTK ist zwar aus den Staaten, er hat uns aber trotzdem nichts verrechnet, wir haben seine Beats dafür auf Videospiele gebracht. Viele Leute verstehen nicht, dass wenig Geld vorhanden ist und wir mehr verdienen können, wenn wir zusammenarbeiten.

Aus Philly kommen diverse Mainstream Acts, es gibt aber auch eine lebendige Untergrund Szene. Besteht Kontakt zwischen diesen beiden musikalischen Welten?
Wenn wir einmal im Jahr zuhause in Philly spielen, dann ist immer ausverkauft. Wir bekommen immer sehr viel Respekt und wir sind auch cool mit den Mainstream Acts wie Freeway. In Philly gibt es keinen grossen Unterschied zwischen Mainstream und Untergrund, es ist dieselbe Szene. Das ist auch der Unterschied zu Städten wie New York. Wir kennen uns alle und geben uns Respekt.

Ihr seid vor allem bekannt aus dem Umfeld von Jedi Mind Tricks oder als Teil von AOTP. Macht ihr euch nie sorgen, dass ihr nur als Proteges von Vinnie Paz angesehen werdet?
Das ist mir egal, denn wir waren schon Freunde bevor es um Rap-Musik ging. Mir ist die Musik egal, als erstes ist er mein Freund. Als erstes geht es um Freundschaft, deshalb machen wir dies alles zusammen. Er ist grösser als wir aber gleichzeitig sind wir wie eine Familie, was er macht, machen wir auch.

Int. Rap