IAM – DJ Kheops: Ich war zum ersten Mal überhaupt in Ägypten!

Int. Rap

Sie repräsentieren den Planeten Marseille und das schon seit 20 Jahren: Die Gruppe IAM feiert dieses Jahr ihr grosses Jubiläum. Zum runden Geburtstag haben sich die sechs Pharaonen einen Traum erfüllt. Eric Mazel alias DJ Kheops (42) erzählte uns diesen Sommer davon.

Aightgenossen: Wie geht’s, Monsieur Kheops?

DJ Kheops: Gut, gut. Ist verdammt heiss hier in Marseille. 37 Grad. Zu heiss, wirklich.

Ihr feiert dieses Jahr euer 20jähriges Bestehen als Band. Dazu habt ihr nun eine DVD herausgegeben, auf der ein Mitschnitt eures Konzertes bei den Pyramiden von Gizeh, sowie eine Banddoku zu sehen sind. Wer hatte die Idee dazu?


Die Idee mit dem Konzert hatten wir schon vor ziemlich langer Zeit. Vor zwanzig Jahren, um genau zu sein. Die Filmproduktionsfirma, die schon unsere letztjährige Minitournee begleitet hat, kam dann mit der Idee, eine Dokumentation zu drehen. Sie hatten die Idee, eine Fahrt auf dem Nil zu machen und die Bandgeschichte Revue passieren zu lassen. Und dann hat man sich überlegt: Warum versuchen wir nicht, das Geld für ein Konzert bei den Pyramiden zusammenzusuchen? So fing alles an. Voilà.

Das Budget haben also die Leute vom Fernsehen zur Verfügung gestellt?

Ja, im Endeffekt waren es die Produktionsfirmen Canal +, AZ und SCPP, die alles daran gegeben haben, dass das Konzert und die DVD zustande kamen.

Wie viel Vorbereitung hat die ganze Sache gebraucht?

Eine ganze Weile. Das Konzert war eine einmalige Sache, aber die Vorbereitungen waren sehr intensiv. Wir mussten die ganzen Musiker zusammentrommeln, die Bewilligungen einholen, uns um die ganze Logistik kümmern. Das war viel Arbeit.

Hattet ihr denn Probleme die Bewilligung zu bekommen?

Nein, schwierig war es eigentlich nicht. Die Verantwortlichen waren sehr kooperativ. Die haben verstanden, dass diese Sache einen kulturellen Wert hat. Schwieriger war es, die Sache mit den Musikern zu managen und das ganze Drumherum zu organisieren.

Was waren das eigentlich für Leute, die sich das Konzert in Gizeh angeschaut haben?

Das waren ganz verschiedene Leute. Viele französische Touristen, aber auch einige Franzosen, die in Ägypten leben. Dann aber auch Leute, die einfach die Pyramiden besichtigen wollten und per Zufall vorbeigelaufen sind. Ausserdem viele Freunde aus Marseille und Paris, und auch viele Ägypterinnen und Ägypter, die wohl einfach aus Neugier gekommen sind. Das hat eine gute Mischung ergeben.

Wie viel Zeit habt ihr in Ägypten verbracht?

Für die Doku über die Bandgeschichte waren wir im Januar zehn Tage unterwegs. Für das Konzert dann noch mal eine Woche. Das war dann im März. Eine Woche, um mit den Musikern der Oper alles nochmals zu üben, um die Gäste zu treffen und die letzten Vorbereitungen zu treffen. Und dann noch einen Tag Proben vor den Pyramiden.

Auf dem Schiff habt ihr auch Musik gemacht, wie man auf der DVD sieht…

Ja, wir haben an einem Stück gearbeitet. Aber das haben wir schlussendlich gar nicht behalten, weil’s einfach nicht so gut geworden ist… Es ist etwas zu überhastet entstanden.

In der Doku werden alle Mitglieder der Gruppe porträtiert. Besonders unterhaltsam ist die Szene, in der von Imothep die Rede ist.

Tja, so sind wir halt. Wir machen uns gerne übereinander lustig. So geht das die ganze Zeit. Und Pascal, also Imothep, hat auch eine spezielle Stellung in unserer Gruppe. Er ist eigentlich das Zentrum. Aber jeder von uns nimmt ihn gerne auf die Schippe. Das eines unserer Hobbies.

Wie man schon auf der DVD über die Entstehung des Albums „Revoir un Printemps“ sehen konnte, driftet er oft in seine eigene Welt ab, wenn er an seinem Drumcomputer sitzt…

Genau, er schwebt dann in seinem eigenen Universum, irgendwo weit draussen im Weltall.

Beschreib doch mal dein Universum! Wie sieht ein „normaler“ Tag im Leben von DJ Kheops aus?

In meinem Leben? Gut, es gibt viele besondere Tage, an denen wir unterwegs sind, an denen irgendein Konzert oder ein Projekt ansteht. Aber an einem „normalen“ Tag lass ich’s eher ruhig angehen. Ich stehe auf, trinke einen Kaffee und entscheide dann, was ich machen will: Ob ich frische Luft schnappen gehe, mich ins Studio setze, Musik höre oder auf dem Internet nach Platten suche.

Du gehst gar nicht mehr in die Plattenläden?

In Marseille gibt es gar keinen mehr. Es gibt keine Platten in dieser Stadt, traurig aber wahr.

Was kaufst du dir momentan so?

Wie immer alte Sachen. Die neuen HipHop-Tracks muss man sich ja nicht mehr auf Vinyl kaufen. Die hol ich mir auch auf MP3. Aber ich höre meistens alte Musik, vor allem Funk aus den frühen Achtzigern. Das ist meine grosse Passion.

Und arabische Musik?

Nein, eigentlich nicht unbedingt.

Das ist also eher der Einfluss von Freeman, der sich da immer wieder bemerkbar macht?

Ja, das kommt von Malek. Und natürlich auch von dieser Stadt. C’est l’influence de la ville surtout. Das ist auch überhaupt nichts Spezielles. Wir leben hier mit ganz verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammen. In Marseille gibt es halt auch sehr viele Muslime. Was die Kulturen, die Musik, das Essen und die Religionen betrifft, ist Marseille ein grosser Schmelztiegel. Das ist hier alles stark vermischt.

War es eigentlich schwierig einen Star wie Khaled dazu zu bewegen, bei dem Konzert mitzumachen?

Nein, gar nicht. Der Kontakt zu Imhotep, Akhenaton und Shurik’n stand bereits. Sie haben früher schon zusammengearbeitet. Das war also überhaupt kein Problem. Er hat sofort zugesagt.

Welcher Moment auf dieser Reise war für dich am Eindrücklichsten?

Als ich die Pyramide betreten habe. Wir haben einen Teil besichtigt, welcher der Öffentlichkeit sonst gar nicht zugänglich ist. Wir haben das Grab einer Königin besichtigt. Das sehen sonst nicht viele Leute.

Was hast du denn da so gesehen?

Nicht viel. Es war stockfinster! (lacht laut) Nein, ich meine, wir waren in dieser riesigen Pyramide. Das war richtig eindrücklich. Ich war auch zum ersten Mal überhaupt in Ägypten. Ich will da möglichst bald wieder hin. Das war schon sehr wichtig für uns.

Kannst du das Konzept des letzten Albums „Saison 5“ mit den Konzepten der anderen Alben vergleichen?

Ja, wir haben einen anderen Ansatz gewählt. Es gab diesmal eigentlich kein grosses Konzept. Wir haben die Stücke in kurzer Zeit aufgenommen und sind dann irgendwie auf den Titel gekommen. Ganz banal, das fünfte Album, die fünfte Saison – „Saison IV“. Wir wollten diesmal viel schneller aufnehmen und uns nicht den Kopf über einen Rahmen zerbrechen – nicht so wie „L’école de micros d’argent“ oder „Ombre et lumière“ .

Und wie werdet ihr das beim nächsten Album machen?

Das wissen wir im Moment noch nicht. Wir haben noch nicht angefangen. Erst kommt jetzt mal Shurik’n mit seinem Album.

Und du, was machst du?

Ich werde sicher eine Funk-Compilation machen. Das hab ich ja schon öfter gemacht. Und sonst wird man sehen. Wir spielen dieses Jahr viele Festivals und Konzerte.

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