Prinz Pi – Die meisten anderen sind noch untalentierter als ich!

DE-Rap

Prinz Pi hat schon eine bewegende Geschichte hinter sich! Gestartet hat er seine Karriere als Prinz Porno vor etwa einem guten Jahrzehnt und war bald bei Royal Bunker, dem legendären Berliner Label unter Vertrag. Nach etlichen Releases und Projekten zog der Berliner sich dann 2005 ein wenig vom Rapgeschehen zurück und widmete sich seinem Grafiker Studium. Zum Glück für die Rapheads hat sich Prinz Pi anders entschieden und verwöhnt uns wieder mit spektakulärer Rapmusik aus dem selbst gegründeten Label „No Peanuts“ und kam für sein neustes Projekt „Neo Punk“ sogar bei Universal unter. Trotzdem hat er nichts von seiner Eigenständigkeit verloren. Zum Glück. Wie alles so gekommen ist, wie’s ist, haben wir mit ihm besprochen.

Deine jetzige Rapkarriere ist ja bereits deine zweite. Du hast ja bereits ein Rücktritt und ein Comeback hinter dir? Was hat dich zum Rücktritt bewogen?
Prinz Pi:
Also erstmal finde ich dieses Wort „Rücktritt“ etwas fehl am Platze. Politiker treten zurück. Musiker beenden ihre Karriere, wenn sie denn eine hatten.
Wie dem auch sei, da war etwas in mir, das mich dazu gezwungen hat, weiterzumachen. Eine Stimme, die nicht schweigen wollte. Etwas, das raus wollte wie ein Alienbaby aus der Brust.

Du warst ja beim legendären Royal Bunker Label mit dabei. Wie denkst du rückblickend von dieser Zeit?
Es war eine verrückte Zeit. Ich war nicht nur bei dem Label, sondern habe da auch gearbeitet und mit Staiger in dem ranzigen, muffigen Keller rumgehangen. Wir haben irre Dinge getan und hatten viel Spaß. Ich hab da Biztram kennen gelernt. Alles versinkt in dem goldenen Schimmer der Nostalgie.

Du hast dir Zeit gelassen für ein Grafiker Studium. Gibt es viele Parallelen zwischen der Rap- und der visuellen Kunst? Welche?
Es gibt mehr Parallelen als ich jetzt hier aufzählen könnte. Beides hat seinen Reiz, seine Vor- und Nachteile. Bilder übergreifen Sprachbarrieren. Worte sind oft präziser.

Ich habe, das Gefühl, du lässt dich in keine Schublade stecken. Du bist von allem etwas: Ist das ein bewusster Entscheid, so aufzutreten?
Nö. Ich mach was ich will. Schubladen sind für Leute, die sich daraus Bretter zimmern wollen, die sie sich vor den Kopf nageln.

Was sind deine Statements zu:

Prinz Pi, der Gymnasiast/Student:
Been there, dun that!

Prinz Pi aka Prinz Porno / Rüpelrapper:
Ich war nie ein Rüpel. Ich habe nur extrem viele Rapper zerfickt.

Prinz Pi mit einer moralischen Verantwortung (Reise nach Tansania):
Hmm. Moralische Verantwortung gab es keine. Aber Neugier und Lust darauf, etwas Gutes in der Welt zu bewirken.

Prinz Pi: Der Revoluzzer.
Passt eher. Alles abreißen. Wieder neu bauen.

Stimmt es, dass dein TMHS Album auf einer Wette mit Separate beruht und in nur 2 Wochen geschrieben wurde?!
Ja, stimmt. Das gleiche habe ich kürzlich mit einem anderen Album von einem anderen Rapper gemacht, einfach aus Spaß.

Erzähl doch noch deine Eindrücke von Tansania. Wie hat dich das menschlich / musikalisch geprägt?
Es war auf jeden Fall ein sehr krasses Erlebnis. Manche Dinge erscheinen mir nun in einem anderen Licht. Ich denke seit dem etwas anders über den Konsumwahn und die hier als selbstverständlich verstandene Vormachtsstellung der ersten Welt.

Danach musstest du dich einer Stimmbänder OP unterziehen, was war da passiert?
Ich hatte etwas an meinem Stimmband, das wurde weggemacht. Kein grosses Ding.

Gab es nicht auch ein Gerücht, dass du Malaria hattest?
Nee, das hatte ich nicht. Aber eine miese Magenverstimmung.

Am 24.10.08 erscheint dein aktuelles Album „Neo Punk“. Was können wir erwarten?
Das Album ist mein mit Abstand Bestes bisher! Das sagen jedenfalls alle, die es gehört haben. Es ist sehr unterschiedlich ausgefallen, die Songs gehen in viele verschiedene Stimmungen.

Welche Gastrapper hast du mit auf dem Album drauf?
Ich habe Biztram, Bina, Jonarama, Frauenarzt und Basstard drauf.

Wer war der Producer deines Vertrauens?
Fast alles von Biztram. Ein Track ist von den Royals, einer von mir.

Wie würdest du den Mood deines Albums beschreiben?
Sehr unterschiedliche. Von gechillt bis ausrasten ist alles dabei.

Mit was für Überraschungen dürfen wir rechnen?
Viele. Hört selbst!

Du vergleichst Rap mit Punk: Hat das etwas mit deiner Auffassung zur Rap-Musik zu tun?
Mit dem Namen Neo-Punk will ich sagen, dass die Musik von Biztram und mir der neue Punk ist. Gemeinsam mit dem alten Punk haben wir das Raue, das Rebellische, das Wütende und Kratzige. Nicht gemeinsam haben wir die Darbietungsform, den musikalischen Stil. Da sind wir viel moderner und offener.

Auch dein Artwork soll provozieren! Da sind Querverweise zum Roten Baron oder literarischen Werken. Was ist deine Message dahinter?
Ich möchte eine deutliche grafische Sprache haben. Man sagt, Taten sind stärker als Worte, das kommt auf die Worte drauf an. Auf jeden Fall sind Bilder auch etwas sehr starkes. Zusammen mit den richtigen Worten sind die richtigen Bilder Bomben.

Die dominierende Farbe soll Neon Grün sein. Ein spezieller Grund, den du dir als Grafiker ausgesucht hast?
Ja, das ist der Faden, der sich durch alle Artworks um das Album herum zieht. Neongrün ist eine starke Signalfarbe. Sie ist radikal, sie brennt sich in deine Iris und zwingt sich deinem Sehnerv auf. Sie ist unübersehbar.

Du sagst von dir, dass du der beste deutsche Themenrapper bist. Inwiefern beweist du das auf dem Album? Was für Themen sprichst du an?
Es sind sehr viele Themenbereich. Kritik am Weltgeschehen. Blicke hinter die Kulissen. Persönliche Probleme mit der Gesellschaft. Aufarbeitung von Psychosen und Ängsten. Drogenprobleme der Jugend. Perspektivmangel… wie gesagt, es sind viele Themen.

Deine Single und Videotrack ist sehr elektronisch! Ist das eine Richtung, die du übers ganze Album verfolgst?
Es sind schon ein paar Tracks auf dem Album in dem Style. Aber nicht alle. Die Hälfte ist eher ruhiger.

Wie ist es mit einem Major zusammenzuarbeiten? Gibt es Vor- und Nachteile?
Das Team ist größer, wir haben für jeden Bereich ein Profi. Die Leute glauben an unsere Vision und helfen uns, sie umzusetzen. Das ist doch super.

Trotz deinem Erfolg hast du Komplexe, gibst du offen zu…Warum? Was macht einen so talentierten Menschen trotzdem unsicher?
Ich habe oft das Gefühl, ich wäre ein nichtsnutziger Faulpelz und alles was ich mache geht schief. Keine Ahnung, aber so sehe ich das oft. Ich halte mich auch selber nicht für talentiert. Nur die meisten anderen für noch untalentierter als mich.

Du hast einmal gesagt, du hast schon einige Trends im Deutschen Rap gesetzt? Was waren das für welche und welche wirst du noch setzen?
Ein Trend, der von mir kam, waren auf jeden Fall diese sozialkritischen, beschreibenden Songs- das haben viele nachgemacht. Das ehrt mich natürlich sehr. Die nächsten Trends die ich setze, findet ihr auf meinem neuen Album!

Was gibt es für Visionen und Projekte, die du noch verwirklichen möchtest?
Es sind zu viele, um sie hier alle zu nennen. Auf jeden Fall will ich meinen Roman endlich zu Ende schreiben…

Merci für die Zeit, die du dir genommen hast!
Ich danke euch und wünsche allen in der Schweiz viel Spaß mit meinem Album!

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