John Legend – Es geht wirklich darum, in welche Richtung unser Land gehen wird!

Int. Rap

John Legend hat fünf Grammies gewonnen, ein eigenes Label und ist momentan der Soulsänger überhaupt. Mit „Evolver“ geht er auch musikalisch einen grossen Schritt vorwärts und hilft Obama Geschichte zu schreiben. Wir haben mit ihm über seine Entwicklung als Mensch und Künstler gesprochen und er hat von seinen Glücksmomenten erzählt, die man hat, wenn man einen Hit geschrieben hat.

Du hast gerade eine bewegende Woche hinter dir! Was genau hast du alles erlebt?
Ja, ich durfte mit zwei der ganz Grossen im Showgeschäft die Bühne teilen. Ich habe mit Billy Joel und Bruce Springsteen ein Konzert gegeben in New York. Das war grossartig, ich kannte beide noch nicht.

Dein aktuelles Album „Evolver“ wurde soeben released. Ich meine, du hast schon Grammies gewonnen und Millionen von Platten verkauft. Ist man da noch aufgeregt vor dem, was kommt?
Ja, auf jeden Fall, ich bin sehr aufgeregt und kann es nicht erwarten, bis die Leute es zu hören bekommen. Und ich glaube, dass es wirklich erfolgreich werden wird.

Dein Album heisst „Evolver“. Wie hast du dich musikalisch entwickelt seit deinen letzten Platten?
Ich denke, man hört es dem Album an. Die Beats sind anders, die Produktionsart ist anders als früher. Speziell im Vergleich zum letzten Album, das dem klassischen Soulstil nahe war, sehr romantisch auch. „Evolver“ ist moderner und „punchy“.

Es ist clubbiger und hat mehr Uptempo Songs. Hat dich das auch das Clubbing an und für sich inspiriert?
Klar, ich gehe auch in Clubs, wie jeder andere auch. Und als Musiker sauge ich mir natürlich eh alles auf, das hat mich also sicherlich irgendwie auch geprägt.

Ich habe auch das Gefühl, dass du in Sachen Sounddesign neue Wege gegangen bist, und nicht ausschliesslich mit organischen Instrumenten gearbeitet hast?
Stimmt, ich bin experimenteller geworden, mit den Sounds, die ich benutzt habe. Das habe ich noch nie gemacht, weil ich halt von diesem straighten Soulsound herkomme. Und für „Evolver“ habe ich Synthiesizer benutzt und habe mich nicht nach dem perfekten Analog Feeling gesehnt.

Hast du jemals ein bisschen Angst gehabt, deine Old School Soulfans dabei zu verlieren?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Weißt du, ich denke, dass auch meine Fans nicht stehen bleiben oder vom Künstler erwarten, immer dieselbe Musik zu machen. Für mich ist Musik ein dynamisches Feld, das ich immer mehr auszuloten versuche und mich weiterentwickeln möchte.

Wie hat denn konkret dein kreativer Prozess ausgesehen?
Es war jetzt nicht total anders als bei den letzten beiden Alben. Ich nehme einfach einen Song nach dem anderen auf, arbeite mit verschiedenen Produzenten und Co-Writers und schaue darauf, dass die Chemie jeweils stimmt mit der Hoffnung, dass der Song gut wird. Was sich eigentlich verändert hat, war, dass wir uns dann überlegt haben, wie wir den Song produzieren wollen. Was für Beats nehmen wir dazu, was für Sounds passen würden.

Wie arbeitest du dann mit diesen Procucers zusammen?
Meistens kommen diese mit einem Beat und ich komponiere auf dem Klavier was dazu. Machnmal ist’s auch genau umgekehrt. Ich schreibe eigentlich auch ausschliesslich im Studio!

Wie bist du denn genau auf diese Art von Sound gekommen?
Ich hatte einfach das Gefühl, dass es in diese Richtung gehen wird, weil mich Musik in dieser Art sehr gefallen hat. Und ich wollte einfach noch mein eigenes Ding damit machen. Und so habe ich das einfach mal mit dem ersten Song, das war „Satisfaction“, ausprobiert. Ich habe an dem Song zusammen mit Will.i.am gearbeitet, und er war bereit, mit mir diese Art von Musik auszuprobieren. So haben wir den Beat am selben Tag noch gemacht und den ganzen Song dazu geschrieben. Und das hat sich gut angefühlt und war dann auch so was wie der Kick of zu diesem kreativen Prozess. Das war vor ca einem Jahr.

Die letzten beiden Alben hast du ja sehr eng zusammen mit Kanye West produziert. Ist er immer noch so stark involviert in deine Musik? Immerhin released du ja bei seinem Label Good Music?
Er war nicht mehr so direkt involviert bei diesem Album. Ich habe ihn natürlich während des Produktionsprozesses einige Male getroffen und wir haben ausgetaucht, er hat mir sehr wichtiges Feedback zu den Songs gegeben, aber er war halt oft on Tour und nachdem seine Mutter gestorben ist, war er nicht in der Stimmung, kreativ zu sein.

Du bist in der komfortablen Lage, dir deine Kollaborationen auszuwählen, weil du schon mit fast allen grossen Namen der Black Music zusammengearbeitet hast. Wie hast du dir Kanye West, Estelle, Andre3000 und Brandy ausgesucht?
Weißt du, es geht nicht darum, Leuten abzusagen oder welchen Namen ich auf dem Album haben muss, sondern es geht bei mir immer um den Song. Jeden Künstler, den ich angefragt habe, mit mir zusammenzuarbeiten war, weil der Song danach rief, weil der Track perfekt zu dieser Person passte.

Du hast dich wie fast kein anderer Musiker von Beginn weg zu Barack Obama gestellt und seine Kampagne unterstützt. Erzähl doch mal wie das alles begonnen hat?
Ich habe Obama zum ersten Mal 2006 getroffen, bevor er sich entschieden hat, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Sein Staff wusste, dass ich nach Chicago kommen würde und weil er ein Fan meiner Musik war, haben sie ein Treffen organisiert. Wir lange zusammen gesprochen und war von ihm fasziniert. Ich versicherte ihm, wenn er sich entscheiden würde, als Präsident zu kandidieren, dass er auf meine volle Unterstützung zählen könne und ich ihm helfen wolle, wie auch immer ich könne. Sei es im Fundraising oder mit Veranstaltungen oder einfach mit meiner Musik! Und bis jetzt war es so aufregend und begeisternd.

Nichts gegen deine Musik, aber damit bist du doch auch Part of History, oder?
Das stimmt, es ist grösser als irgend ein Album, es ist grösser als einfach ein Künstler. Es geht wirklich darum, in welche Richtung unser Land gehen wird. Und es beeinflusst zudem den ganzen Rest der Welt. Es ist wirklich was Globales und wichtiger als mein Album.

Mit deinen zwei Songs „Yes we can“ und „if you’re out there“. Sind diese Songs extra für die Kampagne geschrieben worden?
„Yes we can“ auf jeden Fall, der ist aber nicht auf meinem Album. Bei „If you’re out there“ hatte ich sicherlich auch das Ganze in meinem Hinterkopf und hat mich beeinflusst, obwohl es jetzt nicht spezifisch um die Kampagne geht. Ich habe ja noch andere Kampagnen und Projekte, die ich supporte. Es ging mir also beim Song mehr um ein allgemeines Statement, dass jeder seine Verantwortung wahrnehmen sollte, seinen Beitrag zu leisten.

Was war denn deine ganz persönliche Evolution?
Ich bin erwachsen geworden. Ich bin aktiver geworden im Sinne von interessiert, was um mich herum passiert. Und trotzdem bin ich auch relaxter und habe mehr Spass am Leben. Das ist eine interessante Kombination.

Was erwartest du vom Album?
Ich bin aufgeregt. Ich denke, die Leute werden das Album mögen. Jetzt kommt es auf die Fans drauf an.

Du hast mittlerweile auch dein eigenes Musiklabel. Und hast auf diesem auch Estelle zu einem Weltstar gemacht. Hast du das gefühlt, dass sie grossen Erfolg haben würde?
Klar braucht es auch immer ein bisschen Glück. Aber das Glück fällt einem nicht einfach zu. Und sie hat genug Skillz und auch genug lange darauf hingearbeitet. Estelle ist einfach eine grossartige Künstlerin. Wenn du auf einen Hit stösst, dann ist das schon so ein spezieller Glücksmoment, schon im kreativen Prozess. Als ich die Idee hatte für diesen Beat von Will.i.am war das schon so einer dieser Glücksmomente und hat viele Türen für ihr super Album geöffnet.

Geniesst du ihren Erfolg anders?
Ja, es ist eine andere Art von Stolz. Es ist aber schon nicht dasselbe, wie wenn man selber Erfolg hat.

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