Q-Tip – I was put here to do Music

Int. Rap

Er war die prägende Figur hinter dem legendären „A Tribe Called Quest“! Und wenn man die heutige Topliga des Raps nach ihrer Inspiration fragt, wird keiner so häufig genannt wie er. Q-Tip hat Hip Hop musikalisch nachhaltig verändert. Nach seinem Soloalbum „Amplified“ wurde es lange still um ihn. Sechs Labelwechsel in sieben Jahren verunmöglichten es ihm, verschiedene Albumprojekte zu veröffentlichen. Nun, nach einer gefühlten Ewigkeit und einem Grammy für den Song „Galvanize“, gelingt ihm mit dem Comeback Album „The Renaissance“ genau das: eine Wiedergeburt, und wohl das groovendste Album der letzten fünf Jahre! Wir haben mit dem 38 jährigen New Yorker über seine Rolle im Hip Hop Kosmos, sein Leidensweg und seine immer noch sprühende Energie gesprochen.

Du wirst heutzutage immer noch oft als wichtige Inspirationsquelle genannt von Leuten wie Talib Kweli oder auch Kanye West. Pharrell meint gar: ‚Q-Tip is a master‘! Was sagst du dazu?
Es gibt mir ein gutes Gefühl, vielen Menschen etwas beizutragen, dass sie mögen und sie weiterbringt. Es gibt dir das Gefühl, das Richtige getan zu haben.

Du hast eine bewegende Reise hinter dir, musstest dich lange gedulden, um dieses Soloalbum zu releasen. Warst du einmal nahe, das ganze aufzugeben?
Ich wusste eigentlich immer, dass es irgendwann gut kommen würde, denn „I was put here to do Music“. Ich habe mir nie zu grosse Sorgen gemacht oder hatte zu grosse Angst.

Da waren ja verschiedene Alben die in all der Zeit angekündigt wurden, wie beispielsweise „Kamaal The Abstract“. Wieviel von diesen Alben ist nun in „The Renaissance“ noch drin?
Das Meiste ist wirklich ganz neu. Klar, es gibt einige Songskizzen aus der Zeit bei Dreamworks die vielleicht in irgendeiner Weise mit drin sind. Aber ich habe diese Ideen überarbeitet und neu arrangiert.

Es gab ja sogar eine Online Petition mit dem Ziel „Kamaal The Abstract“ independent zu releasen. Eine weile Später hiess es dann, dass dieses Album noch rauskommen wird. Was passiert nun mit diesem Material?
Ich werde dieses Album im nächsten Jahr releasen. Ich bin mir nur noch am überlegen, wie genau, und wo ich das Album rausbringen werde, weil es halt auch auf die Situation drauf an kommt, in der ich mich dann befinde. Aber es wird kommen, versprochen!

Gut zu hören. Lass uns über dein aktuelles Album sprechen. Obwohl der Sound sehr Samplemässig daherkommt, sollst du alles mit einer Band aufgenommen haben. Wie lief das genau ab?
Weisst du, es gibt einige wenige Songs, die wirklich auf Samples basieren. Aber für die Mehrheit der Songs hatte ich eine Band im Studio. Und liess die Band spielen, spielte selber mit und samplete die Band. Deshalb bin ich auch mit einem Sampler auf dem Cover, weil ich immer noch sample, ich gehe einfach neue Wege. Aber ich verarbeite den Sound dann wieder.
Oftmals jammten wir und ich nahm auf, und dann entstand etwas Spannendes, das ich dann weiterverwendete. Das ist ein spannender und kreativer Prozess und ich liebe es, so zu arbeiten.

Wie hast du dann mit deiner Band kommuniziert. Kamst du mit fixen Ideen oder liessest du sie einfach mal ein bisschen spielen?
Wir haben viel über den gewünschten Sound gesprochen. Oftmals bin ich auch einfach ans Piano gesessen und habe ihnen was vorgespielt. Und gab ihnen eine Idee. Sie haben dann diese Idee weiterverfolgt, ausgebaut und manchmal entstand etwas, manchmal gabs auch nur Shit (lacht). Es gab in dem Sinne kein festgelegtes Vorgehen, aber wir wollten einfach dorthin kommen, wo es sich anfühlt wie Nirvana, oder so nahe wie möglich.

Was ich auch bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass du oftmals im Stile eines Mixtapes vom einen Track in den nächsten fadest mit passenden und schönen Übergängen. Was hat dich dazu bewogen?
Ich liebe einfach solche Alben, die nicht diese abrupten und lieblosen Übergänge haben. Das war schon beim Tribe so. ich finde das schön, wenn man von Track zu Track getragen wird. Zudem hat das sicher mit meiner Vergangenheit zu tun, ich bin halt sehr Mixtape- und DJ orientiert.

Du bist auch ein exzellenter Texter. Wie hast du die Songs mit Inhalt gefüllt? Was für eine Message willst du durch deine Musik kommunizieren?
Danke vielmals für das Kompliment. I let the music tell me what the tone of the lyrics will be. Klar habe ich auch manchmal ein Gedanke im Kopf, den ich unbedingt ausdrücken will. Aber Meistens lasse ich wirklich die Musik diktieren, wo es durchgehen soll.

„We fight/love“ ist inhaltlich ein spezieller Song in dem es um ein Liebespaar geht, dessen Mann sich im Irakkrieg befindet. Wie kommt man auf solche Stories?
Ich habe einen Freund, dessen Bruder im Irak dient und das lässt einen schon nachdenken. Aber in diesem Song geht es darum, die Idee vom Lieben und Kämpfen zu erklären. Es tönt so gegensätzlich und trotzdem sind die beiden Themen so nahe. Du kämpfst für etwas, dass du liebst, und dennoch gehört das Kämpfen manchmal nicht zur Liebe dazu. Mich fasziniert dieser Gegensatz. Im ersten Verse rappe ich aus der weiblichen Perspektive und im zweiten Verse dann aus der männlichen. Die Frau kämpft für die Liebe und der Mann kämpft im Krieg. Aber er kämpft auch um seine Identität als Mann. Ich fand dieses Thema sehr spannend, zudem finde ich den Irakkrieg nicht ein sinnvoller Krieg. Kein Krieg ist gut, aber dieser Krieg war einfach unnötig!

Musikalisch habe ich das Gefühl, dass du ein zeitloses Rapalbum erschaffen wolltest. Stimmt dieser Eindruck?
Ich weiss nicht. Ich bin vorsichtig mit Erwartungen. Ich tue, was ich tue. Ich wollte so viel Positivität wie möglich in die Musik einfliessen lassen. Ich weiss nicht. Ich würde es lieben, wenn es sich gut verkauft, wenn es die Leute lieben würden und ich viel touren könnte. Und das ist auch mit ein Grund, warum ich das alles mache. Aber ich liebe den Prozess des Musikmachens so fest und innig, dass mir das genügt. Ich bin ein Studiorapper, und alles andere ist zweitrangig.

So viele Künstler kriegen die Inspiration von dir, aber von welchen Musikern lässt du dich inspirieren?
Es sind zu viele, um alle zu nennen: Stevie Wonder, John Coltrane, Prince, Rakim, Slick Rick, Marley Marle, The Clash, so viele.

Du hast spezielle Features. D’Angelo oder auch Norah Jones. Wie sind diese Kollaborationen zustande gekommen?
D’Angelo ist mein Boy und ein guter Freund. Das war also klar, dass er mit drauf kommt. Norah habe ich einfach angerufen und sie war vom Track begeistert und so hat sie zugesagt.

Ich möchte noch kurz auf den Titel deines Albums eingehen. „The Renaissance“ bedeutet ja eine klassische Wiedergeburt. Wolltest du Hip Hop etwas zurückgeben, dass er verloren hatte, oder wie kannst du uns den Titel erklären?
Weisst du, ich fühle, dass diese Diskussion schon lange geführt wird. Was gut ist, was nicht, dass viele Lyrics unbrauchbar sind. Und die sprechen über Bling, und ich begann zu erkennen, dass es eine Undergroundbewegung gab als Response zum zum Teil belanglosen Mainstream. Leute wie Kweli oder Lupe Fiasco und diese haben ein neues Movement geprägt. Und ich glaube, dass war eine künstlerische Wiedergeburt, die ich weiterführen wollte.

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