The Game – Vielleicht komme ich nächstes Mal als Tourist

Int. Rap

The Game verfügt über das, was vielen grossen Rappern unserer Zeit oftmals leider fehlt: ein gutes Händchen für Beats. Mit „L.A.X.“ hat er dies ein zweites Mal in der Ära nach seiner Zusammenarbeit mit Dr. Dre bewiesen, was zuvor viele angezweifelt hatten. Noch immer gibt es niemanden, der den originalen Westküsten-Gangsta-Rap besser und zeitgemässer repräsentiert und sich dabei geschickt das beste von beiden Küsten raus pflückt. Doch damit soll nun bereits Schluss sein. The Game kündigte an, dass „L.A.X.“ der Schlussstrich unter seine kurze, aber erfolgreiche Karriere sei. War dies also auch sein letztes Konzert auf Schweizer Boden und können wir wirklich nicht mehr mit weiteren Alben rechnen? Wir versuchten es nach seiner Show im Volkshaus herauszufinden.

Wie bislang bei jedem seiner Konzerte in Zürich leerte The Game auch an diesem Abend wieder eine Flasche Hochprozentiges in einem Zug. Als ich dann noch den mit weiblichen Fans gefüllten Backstage sah, rechnete ich nicht damit, dass The Game noch Lust hätte auf ein paar Interviewfragen. Nach einigen Minuten Wartezeit erschien er dann aber doch zum Interviewtermin, mit glasigen Augen und einem dicken Bündel Dollarscheine in der Hand. Bevor er mit seiner Entourage in Richtung Afterparty weiterzog hatten wir knapp 10 Minuten Zeit dem Rapper aus Compton unsere Fragen zu stellen.

Du sagst, dass du es immer sehr geniesst, hier in der Schweiz zu sein. War dies heute Abend dein Abschiedskonzert für die Schweizer Fans?
Nein, das war keine Abschiedsshow. Das war einfach ein Konzert und wir sehen uns das nächste Mal wieder. Die Schweiz ist einer meiner Lieblingsorte, so wie Holland oder Dublin. Ich war bislang immer in einem anderen Hotel, dieses Mal bin ich im Marriott und die Sicht über den Fluss und die Stadt ist einfach wunderbar. Ich liebe die Schweiz und jedes Mal frage ich meinen Manager, wie lange wir hier sein werden. Leider war es bislang immer nur ein Tag und dann bleibe ich an einem anderen Ort vier Tage, wo ich gar nicht so lange sein will. Ich habe nichts als Liebe für die Schweiz und die Leute hier.

Du wirst also zurückkommen. Auch mit einem neuen Album oder wird „L.A.X.“ definitiv deine letzte Platte sein?
Ich weiss es nicht. Wenn ich zurückkomme, dann vielleicht nur als Tourist mit meiner Kamera.

The Game will sich also offensichtlich nicht dazu äussern, ob er seine Karriere fortsetzt. Auch zu einem Album namens „The D.O.C.“, welches Gerüchten zufolge noch kommen könnte, will er keinen Kommentar abgeben. Dies scheint aber ein klares Zeichen zu sein, dass er seinen Plan vom Rücktritt wieder verworfen hat, wie auch spätere Aussagen im Interview bestätigen.

In einem Interview, dass du vor rund fünf Monaten gegeben hast, sagtest du, dass du noch keine Ahnung hast, was du nach der Veröffentlichung von „L.A.X.“ tun wirst. Gibt es unterdessen Pläne?
Ich werde mit meinen Kids zu Football- und Baseballspielen gehen, sie zur Schule bringen oder einfach mit ihnen in den Park gehen und Spass haben.

Du warst rund drei Jahre im Rampenlicht des Rap-Games. Denkst du, dass du in dieser Zeit all deine Ziele erreichen konntest?
Ich habe meine Ziele bereits mit dem ersten Album erreicht. Ich dachte niemals, dass ich etwas anderes sein würde als ein toter Gangbanger. Nun habe ich bereits die Hälfte der Welt bereist und spiele hier in der Schweiz vor 2‘000 Leuten. Es fühlt sich sehr gut an, ein Hood Nigger zu sein, der aus eigener Kraft etwas erreicht hat.

Wenn du einen Song von deinen drei Alben auswählen müsstest, um deine Karriere zu reflektieren, welcher wäre dies?
„I Don’t Need You Love“ von „The Documentary“. Ich habe vor sieben Jahren begonnen und bin immer noch hier. Die Motherfucker, die The Game keine Liebe geben, müssen das auch nicht, ich brauche ihre Liebe nicht. Ich bin immer noch am Start, mache mein Geld, bin immer noch reich. Ich bin Vater von zwei Kindern, denen es gut geht, ich bin in einer finanziell stabilen Lage. Meinen Homies geht es gut, sie haben die Möglichkeit zu scheinen. Mir geht es bestens, ich kann auf ihre Liebe verzichten.

„L.A.X.“ ist seit drei Monaten draussen. Wie bist du zufrieden mit den Feedbacks, was hat dich besonders gefreut?
Wenn ich in der Schweiz bin und die Leute die Texte auswendig können. Ich weiss meine Fans sehr zu schätzen und ich merke, dass sie meine Musik sehr zu schätzen wissen.

Gibt es einen Moment bei den Aufnahmen zu „L.A.X.“, der dir speziell in Erinnerung geblieben ist?
Meine ganze Karriere ist wie ein aussergewöhnlicher Moment. Alles was ich getan habe und noch tun werde. All die Orte, die ich besucht habe und die Leute weltweit, die meine Musik zu schätzen wissen. All diese Momente bleiben als Erinnerungen.

Du hast deine Black Wall Street Crew hier mit dir. Auf deinen Alben sind sie aber nicht zu hören, nur auf den Mixtapes. Gibt es dafür einen speziellen Grund?
Wenn einer meiner Black Wall Street Künstler gross genug ist, werde ich ihn auf einem meiner Alben featuren. Bis es soweit ist, müssen sie genau so wie ich ihre Sporen mit Mixtapes abverdienen. Get in where you fit in. Ich habe für das nächste Jahr einiges geplant, das richtig gross werden wird. Ich habe Goon, ein Künstler aus Inglewood, Kalifornien, der mich an mich selbst erinnert mit seinem Hardcore Flow. Clyde Carson aus der Bay macht sein Ding, genau so X.O. aus Passadena. Juice aus Arizona wird seinen Weg gehen und wir haben einen jungen Artist namens Elija, den ich soeben gesignt habe. Es wird also einiges kommen im 2009 und ich werde mich mehr auf Black Wall Street konzentrieren und meine eigene Karriere für einige Monate hintenanstellen.

Du hast zusätzlich Black Wall Street Europe gegründet. Wirst du darin auch direkt involviert sein oder gibst du einfach deinen Namen dafür?
Ich habe meinen Namen und meinen Brand Leuten gegeben, die ich getroffen habe und die ambitioniert sind und die gleichen Träume wie ich haben. Dadurch gebe ich ihnen die Möglichkeit, sich selber einen Namen zu machen. Sie können meinen Brand und meine Firma nutzen und ich will nichts zurück von ihnen. Sie sollen einfach ihr Geld machen und eine gute Zeit haben.

In einem Interview hast du gesagt, dass Dr. Dre „Detox“ nicht ohne dich fertigstellen kann. Wirst du nun also doch ein Teil davon sein?
Wann kommt es denn raus?

Dass weiss niemand..
Siehst du. Vielleicht werde ich dabei sein, wir warten alle auf ihn. Aber eins ist sicher: die Platte muss verdammt gut sein nach dieser langen Wartezeit. Alles andere als grossartig ist inakzeptabel.

Bevor du hier in Europa unterwegs bist, hattest du einige Shows in Afrika. Was für eine Erfahrung war dies?
Africa is the real hood. Jeder denkt, er komme aus der Hood. Aber du weisst nicht, wie schlecht es Leuten gehen kann, bis du nicht ein Drittweltland in Afrika besucht hast. Ich spreche im Speziellen von Kinshasa im Kongo. Die Leute dort waren wundervoll, sie sehen aus wie ich und sie repräsentieren dasselbe wie ich: den Struggle. Ich kann es nicht erwarten dorthin zurück zu gehen, Afrika ist ein wundervoller Ort.

Du hast gesagt, dass du dir Obama auf den Rücken tätowieren lässt, wenn er Präsident wird. Bei der Show konnte ich das Tattoo aber nicht entdecken..
Ich werde es machen, ich muss nur noch den richtigen Künstler finden. Obama wird bald auf meinem ganzen Rücken sein.

Was für Veränderungen wird Obama dem Land bringen, besonders den Leuten in der Hood?
Wir müssen abwarten und beobachten. Aber ich denke Obama ist ein grossartiger Mann, der grosse Dinge tun kann. Am 20. Januar wird er offiziell Präsident und dann können wir hoffen, dass wir eine friedliche Welt ohne George Bush haben werden.

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