Ugly Duckling – Für das neue Album haben wir 2’000 – 3’000 Samples verwendet

Int. Rap

Ugly Duckling haben sich wie kaum eine andere Rap-Crew ihre eigene Nische geschaffen. Seit zehn Jahren bringen sie in schöner Regelmässigkeit neue Alben unters Volk, welche alle aktuellen Trends völlig bewusst ignorieren. Die drei Herren aus Long Beach im sonnigen Kalifornien lassen sich bis heute von der Rap-Musik beeinflussen, mit welcher sie aufgewachsen sind. Ihnen sind ausgefeilte Beats, Humor und gute Live-Shows wichtig, genau damit konnten sie sich eine äusserst loyale Fanbase erspielen. Diese wird sich auch an ihrem neuesten Streich „Audacity“ erfreuen, welcher den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht und sich einzig durch etwas persönlichere Themen, mehr Melodien und ausgefeiltere Arrangements von den Vorgängern abhebt. Vor ihrem Konzert in Zürich sprachen wir mit dem äusserst entspannten Trio über das Essen auf Tour, Samples, ihr neues Album, Rap und Country.
Wir warten auf den Showstart. Ugly Duckling sind ja bekannt für ihre Live-Shows..
Dizzy: Ich dachte wegen meinem sexy Aussehen.
Andy Cooper: Ich wusste gar nicht, dass wir bekannt sind.

Heutzutage gehen die Verkaufszahlen immer mehr zurück und die Shows werden wichtiger. Spürt ihr die Probleme der Musikindustrie auch, oder ist es sogar ein Vorteil für euch, da ihr euch einen Namen machen konntet mit euren Konzerten?
Andy Cooper: Daran habe ich noch gar nie gedacht, vielleicht ist es sogar eine sehr gute Situation für uns. Das ist ein guter Punkt.
Dizzy: Ich dachte schon daran, man muss mehr auf Tour gehen um Geld zu verdienen. Wir hatten nie ein Problem damit, eine gute Show zu bieten. Andy stellt immer ein sehr gutes Set zusammen, er ist der Koordinator unserer Live-Shows.
Andy Cooper: Für uns ging es nie darum, möglichst viel Geld mit den Verkäufen zu verdienen. Aber man sorgt sich natürlich darum, ob man die Leute mit seiner Musik noch erreicht. Manchmal machen wir uns also etwas Sorgen, ob die Musik überhaupt noch zu den Hörern gelangt, aber möglicherweise sind die Shows unsere Art, um es zu den Leuten zu bringen.

Ihr seid ja sehr oft auf Tour. Was ist das Beste daran ständig auf der Welt rumzureisen?
Einstein: Dass man seine Fans treffen kann und verschiedene Kulturen erleben darf.

Was ist andersrum das Schlimmste am Touralltag?
Andy Cooper: Man schläft nie in seinem eigenen Bett.
Dizzy: Man vermisst die Familie.
Andy Cooper: Manchmal auch das Essen. Aber das gehört zum Reisen.

Ihr habt das Essen angesprochen. Probiert ihr jeweils die lokalen Gerichte oder seit ihr wie viele Amerikaner und geht auf direktem Weg zu Mc Donalds?
Andy Cooper: Wir probieren die lokalen Spezialitäten schon. Dizzy hatte soeben eine Bratwurst. Wir sind auch viel in Asien und versuchen dort sehr viele lokale Gerichte. Wir versuchen offen zu sein und es ist auch eine Möglichkeit, die Kultur zu entdecken.

Ihr habt seit den Anfangstagen euren Trademark Sound. Was unterscheidet eurer Meinung nach die neue Scheibe „Audacity“ von den Vorgängern?
Andy Cooper: Der Produktionsstil ist sehr ähnlich, wir versuchten aber das Songwriting etwas zu entwickeln. Wir legten mehr Wert auf die Refrains, die Bridges und Wechsel. Sachen, die wir schon zuvor hatten, auf die wir nun einfach noch mehr geachtet haben. Es ist auch melodiöser und inhaltlich halten wir es etwas persönlicher. Es geht nicht nur ums Feiern und B-Boy Stuff, davon haben wir jede Menge gemacht und wir wollten etwas Neues probieren.
Dizzy: Nachdem wir Erick Sermon auf einem Song singen hörten, dachten wir, das können wir auch.

„Audacity“ ist definitiv euer melodiösestes Album, was mich zu der Frage bringt, ob ihr euch vorstellen könntet, eines Tages eine Platte zu machen, die vielleicht nur noch entfernt etwas mit HipHop zu tun hat?
Andy Cooper: Nun, wir lieben Musik und wir würden uns auch nicht nur als reine HipHop-Band bezeichnen, auch wenn wir aus dieser Schule kommen. Aber ich weiss nicht, ob wir etwas machen könnten, das gar nichts mehr mit HipHop zu tun hat. Unser Produktionsstil basiert auf Loops und wir werden immer Musik auf diese Weise machen, was ja sehr traditionell HipHop ist. Wir versuchen ein bisschen zu singen und bringen mehr Melodie rein, aber wir mögen es immer noch sehr zu rappen. Ich könnte mir nicht vorstellen, ein Rockalbum aufzunehmen.

Ich dachte auch eher an etwas in Richtung Funk…
Andy Cooper: Gut möglich, dass wir eines Tages einen kompletten Song in diese Richtung machen, aber ein ganzes Album wohl kaum.
Dizzy: Aber Einstein arbeitet doch an einem Country Album..
Einstein: Ja, irgendwann vielleicht mal.
Andy Cooper: Das hat aber nicht direkt etwas mit Ugly Duckling zu tun.
Einstein: Wenn es mit HipHop mal nicht mehr läuft, mache ich ein Country Album.
Andy Cooper: Wie war dein Country-Name nochmals?
Einstein: Wayne Young.
Andy Cooper: Irgendwann werden wir dann die Hits schreiben, die er singen kann.

Soweit ich weiss, arbeitet ihr ausschliesslich mit Samples. Wisst ihr ungefähr, wie viele Samples ihr für das neue Album verwendet habt?
Einstein: Ja, wir arbeiten fast nur mit Samples.
Dizzy: Aber erzähle es niemandem.
Andy Cooper: Zumindest niemandem, der andere Leute wegen Sampling verklagt.
Einstein: Mindestens 2’000 bis 3’000.
Andy Cooper: Wir haben einen Song namens „Einstein Do It“, für welchen er schon alleine 20 Loops verwendet hat und mehr als hundert verschiedene Scratches.
Einstein: Es waren 20 Loops und dann noch unzählige kleine Soundschnippsel. Inklusive den Scratches sind auf diesem Song sicherlich 300 verschiedene Sounds zu hören.

Ist dies also auch der Grund, wieso es bei euch etwas länger dauert als bei anderen um ein Album fertigzustellen?
Einstein: Könnte sein. Aber wir brauchen ja nicht so lange wie Guns’n’Roses. (Gelächter)
Dizzy: Für HipHop-Verhältnisse brauchen wir vielleicht sehr lange.

Wobei alle zwei Jahre ist gar nicht so schlimm…
Andy Cooper: Ja wir sind sehr konstant. Aber wir haben eine sehr klare Vorstellung, wie es zu klingen hat.

Bleiben wir noch etwas bei den Samples. Gibt es bestimmte Musikstile, bei denen ihr euch bedient, oder kann es alles sein, was euch in die Finger kommt?
Einstein: Wenn es sich gut anhört und mich in einen guten Vibe versetzt, dann probier ich es.

Was ist die verrückteste Platte, die ihr jemals gesampled habt?
Einstein: Da gibt es Millionen davon, z.B. gewisse afrikanische Platten. Aber eigentlich sind die meisten ziemlich eigenartig. Nur die wenigsten Platten, die ich sample, sind amerikanischer Herkunft. Wir haben nicht viel Geld um Samples zu clearen, also müssen wir nach obskuren Platten suchen.

Dann trifft man dich also auch auf Tour öfters in den Plattenläden an?
Einstein: So oft ich die Möglichkeit dazu habe.

Meiner Meinung nach ist es im HipHop nach vielen Jahren in denen man entweder Gangster war oder das Niveau heruntergeschraubt hat, wieder erlaubt, witzig und fresh zu sein. Eigentlich ein gutes Zeichen für euch, oder?
Andy Cooper: Vielleicht. Wir haben viel darüber gesprochen, wann es war, als es mit HipHop wirklich bergab ging. Durch die schnelle Kommerzialisierung und den Gangsterism hat es sich in den letzten 10 Jahren ständig wiederholt. Das hat die Entwicklung für eine Zeit lang lahmgelegt. Nicht das HipHop nicht mehr existiert hätte, es war einfach schwierig, auf ein hohes Level zu kommen. Wir waren nie wirklich auf einem hohen Level, also hat es uns nicht beeinträchtigt. Es wird aber spannend zu beobachten sein, ob HipHop weiterhin im Rampenlicht bleiben kann, so wie es die letzten 10-15 Jahre war.

Habt ihr spezielle Erwartungen an „Audacity“, da sich die Vorzeichen etwas verändert haben?
Andy Cooper: Ich weiss nicht, wir hoffen einfach, dass wenn wir gute Songs produzieren und gute Shows spielen, dann auch gute Dinge geschehen. Damit wir wirklich den grossen Sprung schaffen, müsste etwas sehr Spezielles geschehen, wie z.B. ein Song der bei den Leuten hängen bleibt oder die Möglichkeit, bei richtig grossen Festivals aufzutreten. Es müsste schon etwas Aussergewöhnliches geschehen.

Beobachtet ihr noch was im HipHop so abgeht, oder habt ihr das Interesse verloren?
Dizzy: Wir verfolgen es so wie viele andere Leute, wir hören von vielen Sachen, weil wir es ständig im TV oder anderswo sehen. Was uns betrifft, hören wir lieber alte Sachen oder Tracks, die sich anhören, wie der Sound, mit dem wir aufgewachsen sind. Von den neuen Crews gibt es aber nur sehr wenige, die mir wirklich zusagen.
Andy Cooper: Es ist immer interessant zu verfolgen, was die grossen Produzenten machen und was sie versuchen. Wir haben heute gerade einen Song gehört, wo jemand mit Auto-Tune rappt, so wie es alle gemacht haben die letzten paar Jahre. Das ist gerade angesagt und in Mode, aber uns interessiert das überhaupt nicht. Ich denke, unser Fokus sollte voll darauf liegen, gute Musik zu machen. Denn gute Musik wird bleiben, während andere Sachen nur kommen und wieder gehen.
Dizzy: Vielleicht werden wir mit unserem 20. Album richtigen Erfolg haben. Dann sind wir wie die Rolling Stones.

Welches war die letzte Rap-CD, die ihr euch gekauft habt?
Einstein: People Under The Stairs
Dizzy: Hast du sie gekauft oder gaben sie dir eine?
Einstein: Ich hab sie gekauft.
Dizzy: Du bist ein guter Freund. Das letzte Album, das ich gekauft habe, war Led Zeppelin „Live“.
Andy Cooper: Er hat HipHop gesagt.
Dizzy: Oh Hiphop. Ich glaube, ich habe mir vor einigen Jahren in Deutschland ein Album von Aesop Rock gekauft.
Andy Cooper: Bei mir war es das Speech Defect Album.
Dizzy: Da weiss ich aber, dass du es nicht gekauft hast!
Andy Cooper: Nein, aber ich habe mich bemüht eines zu bekommen. Das ist eine HipHop-Gruppe aus Schweden, die wir sehr mögen. Wir haben einen Remix für sie gemacht und sie hatten Songs mit People Under The Stairs und Abdominal. Die haben vor rund 1,5 Jahren ein Album rausgebracht, das wirklich sehr gut ist.

Ihr seid eurem Stil von Beginn weg treu und ihr konntet euch damit eine sehr loyale Fanbase erarbeiten. Was für eine Person ist der typische Ugly Duckling Fan?
Andy Cooper: Nun, ich denke das sind Leute, die ein bisschen sind wie wir. Es sind vielseitige Personen, nicht unbedingt nur die totalen HipHop-Maniacs. Manchmal schon, aber normalerweise sind es Leute mit grossem Horizont, mit denen man auch über andere Musik sprechen kann oder die auch den älteren Stuff mögen. Es sind sicherlich auch vernünftige und intelligente Leute. Wir haben keine Vollidioten, die sich gegenseitig Flaschen über den Kopf schlagen.
Dizzy: Es sind normalerweise Leute, die sich mit dem was wir tun auseinandersetzen.
Andy Cooper: Die Fans sind wirklich sehr nice, wir haben eigentlich nie mit jemandem Probleme. Es fühlt sich so an, als ob wir mit diesen Leuten abhängen und nicht, als ob wir die Band sind und sie uns verehren. Wir fühlen uns wie ein Teil von ihnen.

Für euch ist es äusserst wichtig, Independent zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, sich gleichzeitig um das Geschäftliche zu kümmern und ein Künstler zu sein. Wie geht ihr damit um?
Andy Cooper: Wir gehen bei unserer Musik absolut keine Kompromisse ein. Danach versuchen wir es möglichst einfach zu halten. Wir haben Partner, denen wir unsere Musik lizenzieren. Mit denen sitzen wir zusammen und handeln einen Deal aus. Wir hatten gemischten Erfolg damit, einige sind vertrauenswürdig, andere weniger. Aber daraus lernt man. Manchmal konnten wir auch wirklich Gewinn daraus ziehen. Wenn wir unterwegs sind, wollen wir einfach für die Leute performen. Wir versuchen aber nicht, ihnen das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn man seine Geschäfte seriös betreibt und Partner findet, die ebenfalls seriös sind, läuft eigentlich alles problemlos. Unser Ziel ist es ja auch nicht, die Welt zu beherrschen. Es wäre vielleicht gut, wenn wir etwas gerissener wären in Sachen Business, aber das war niemals unser Fokus.
Dizzy: Wir bekommen heute nur 10 Franken Gage, deshalb sind wir so oft unterwegs, weil wir billig sind. (Gelächter)
Andy Cooper: Wir spielen für Schokolade.

Ihr habt also nicht zu viel Papierkram zu erledigen, der euch vom Musikmachen abhält?
Andy Cooper: Wir lassen es nicht soweit kommen. Wir hatten früher einen Manager, aber nach einer Weile fragten wir uns, was er eigentlich genau macht. Das können wir auch selber erledigen. Was wir geschäftlich machen ist nicht sehr kompliziert. Wir haben ein kleines, unabhängiges Business und einige Partner, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten.
Dizzy: Andy hat sowieso kein Leben neben der Musik, also kann er sich um das Business kümmern in der Freizeit. Im Grunde sind es ja nur E-Mail und einige Telefonanrufe, die eine Gruppe wie uns zur Spitze bringt. (Gelächter)
Andy Cooper: Die Leute tun manchmal sehr kompliziert, wenn es um Geschäftliches geht. Doch im Endeffekt bezahlen die Leute Eintritt um eine Show zu sehen, wir performen und der Promoter bezahlt uns. Dann gibt es noch einige Details und das ist es.

Eigentlich könnte es tatsächlich so einfach sein…
Andy Cooper: Vor allem in Bands benehmen sich viele wie Idioten. Sie haben drei Manager und dann noch die Plattenfirma. Bei uns sind es einfach wir Drei. Das ist auch ein Grund, wieso wir schon so lange dabei sind: Wir sind einfach, mellow und machen den Leuten keine Probleme. Aber ich denke, manchmal ist das Business so schwierig, wie du es machen willst.

Zurück zur Musik. Ihr habt nie andere Produzenten auf euren Alben und fast keine Features. Aber wieso produziert ihr eigentlich nie für andere Künstler?
Andy Cooper: Es hat uns eigentlich noch nie jemand gefragt.
Einstein: Und es braucht sehr lange. Wir benötigen für einen Song etwa drei Wochen. Wir haben einige Beats für andere Leute produziert, aber nur sehr selten, da es einfach viel Zeit benötigt. Wir geniessen unsere freie Zeit ausserhalb von Ugly Duckling.
Andy Cooper: Es war nie ein Fokus von uns. Zudem denke ich, dass unser Sound sehr einzigartig ist. Es sind nicht einfach Beats, über die jeder rappen könnte. Wir versuchen Songs zu machen, die eine Struktur haben. Ich weiss nicht, ob ein anderer Rapper auf unsere Beats passen würde.

Die „Fresh Mode“ EP liegt nun genau 10 Jahre zurück. Denkt ihr, dass ihr in 10 Jahren noch immer Platten veröffentlicht und Shows spielt?
Andy Cooper: Gut möglich, wenn die Leute unsere Shows immer noch sehen wollen.
Einstein: Wenn sich die Erde immer noch dreht.
Andy Cooper: Wir sind glücklich, die Leute zu unterhalten, solange eine Nachfrage besteht. Also hoffen wir, dass dies auch in 10 Jahren noch der Fall ist.

Der Plan B wäre dann Country Alben aufzunehmen?
Einstein: Irgendwann später, genau!

Letzte Worte an unsere Leser?
Dizzy: Letzte Worte, das hört sich an, als ob ich bald sterben würde. Checkt uns auf www.myspace.com/uglyduckling.
Andy Cooper: Ich möchte mich herzlich bei den Leuten in der Schweiz bedanken. Denn sie haben uns immer sehr unterstützt, die Shows waren immer sehr gut und wir sind äusserst glücklich, dass wir immer wieder hierherkommen und mit den netten Leuten hier abhängen können.
Einstein: Wir haben eine neue Platte namens „Audacity“. Wenn ihr sie nicht im Laden finden könnt, dann ladet sie runter, egal wie, auch wenn ihr sie stehlen müsst. Hört sie euch an und erzählt euren Freunden davon.

Int. Rap