Cassidy – Going Harder Than Ever

Int. Rap

Immer wieder hört man die Rufe nach einem Rapper, der Strasse ist, Skills mitbringt und auch noch die Fähigkeit besitzt, eine breite Masse zu erreichen. Eigentlich würde Cassidy alle diese Kriterien erfüllen. Er hat seine Sporen bei MC-Battles abverdient, hat ohne Zweifel so manche Strassengeschichten erlebt und dank der Hilfe seines Mentors Swizz Beatz gelang ihm auch der Sprung in die Clubs und Radios. Auf den ganz grossen Durchbruch wartet der Rapper aus Philly aber weiterhin. Dies lässt sich natürlich auch damit begründen, dass er eine achtmonatige Haftstrafe absitzen musste und nach einem schweren Verkehrsunfall im Koma lag und danach alle seine Texte vergessen hatte. Zwei Jahre nach seinem bislang persönlichsten Album „B.A.R.S.“ will er sich nun eindrücklich zurückmelden. Mit neuem Label, (fast?) ohne Swizz Beatz und grossen Plänen. Dass man ihn auch nach längerer Abstinenz im Auge behalten muss, beweisen seine Features auf den Statik Selektah Alben und zahlreiche Songs, die durch das weltweite Netz geistern.

Du bist momentan in der Schweiz um eine Show zu promoten, richtig? Wird dies dein erstes Konzert in der Schweiz ein?
Genau, ich werde am 11. April in Genf mit Chingy und Omarion auftreten. Ich war oft in Europa, hatte aber bislang nie die Chance, in der Schweiz zu performen.

Was sind deine Erwartungen an das Schweizer Publikum?
Soweit ich weiss, haben die Leute in der Schweiz nicht sehr oft die Möglichkeit, Künstler aus den USA, von der Eastcoast, zu sehen. Denn es ist nicht einfach für die Celebreties hierher zu kommen. Ich will den Leuten liebe geben und ihnen zeigen, dass ich für sie alles gebe. Als ich zuvor in Europa war, hat es mir sehr viel Spass gemacht, da die Leute HipHop so fühlen, wie es in Amerika früher mal war. Ich werde also sicher viel Spass haben und die Show richtig rocken.

Erzähl uns bitte über deine aktuelle Labelsituation und wie zu dem Wechsel von Swizz‘ Full Surface zu Krossover Entertainment, dem Label von NBA-Star Carmelo Anthony, kam!
Als ich ins Game kam, war ich bei Ruff Ryders unter Vertrag. So kam meine Beziehung zu Swizz zustande. Wir starteten Full Surface gemeinsam, meinen Major-Vertrag hatte ich aber bei J Records. Alle meine drei bisherigen Alben erschienen bei J Records, gottseidank hatte ich nun aber die Möglichkeit, diesen Vertrag aufzulösen, denn sie waren nicht in der Lage, einen HipHop-Künstler richtig zu promoten. Ich schätze was sie für mich gemacht haben, dass mein Name dadurch ein fester Begriff ist und ich nun auf einem anderen Level bin, als zu Beginn meiner Karriere. Aber ich fühle, dass ich ein grösserer Künstler sein sollte, als ich es im Moment bin, da sie nicht mit der Art Musik arbeiten konnten, die ich ihnen ablieferte. Swizz hat momentan sehr viele Projekte am Laufen und ich habe nicht das Gefühl, dass er meiner Musik die Aufmerksamkeit geben könnte, die sie verdient. Wir sind immer noch Familie und im Kontakt, aber ich musste mich weiterentwickeln. Bis zu einem gewissen Grad machen wir auch noch Business zusammen, aber ich bin nicht mehr bei Full Surface unter Vertrag. Er liess mich gehen, damit ich meine eigene Produktionsfirma Larsiny Family gründen konnte, mit welchen ich mit Carmelo Anthony und Krossover Entertainment arbeite. Durch dieses Umfeld habe ich nun die Power, die Sachen aufzutischen, welche ich schon seit dem Beginn wollte.

Existiert denn Full Surface überhaupt noch? Auf ihrer Website steht nur eine Mitteilung des Betreibers, dass sie die Rechnungen für die Domain bezahlen sollen.
Ich bin mir nicht sicher, denn ich war damals der einzige Künstler auf Full Surface. Deshalb weiss ich nicht, ob er diese Produktionsfirma weiter vorantreiben will. Ich kenne die Pläne von Swizz nicht, für mich war einfach klar, dass ich mein Ding durchziehen will und neues Material liefere, damit ich meiner Familie und meinen Freunden Essen auf den Tisch bringen kann. Man kann nicht sein ganzes Leben die selbe Position spielen. Als ich zu Full Surface kam, war ich gerade Mal 17 Jahre alt. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht viel über die Industrie und das Business, also brauchte ich diese Hilfe. Ich brauchte einen Executive Producer, einen CEO oder ein A&R Team für mein Projekt. Aber nun, wo ich so lange im Game bin, kenne ich das Business wie meine Westentasche und bin nicht auf diese Hilfe angewiesen. Ich bin mannsgenug um diese Verantwortung auf mich zu nehmen und benötige keine anderen Leute, die das übernehmen.

Zwischen deinem zweiten und deinem dritten Album verstrichen 2,5 Jahre, was sich mit deinem Gefängnisaufenthalt und dem fürchterlichen Unfall erklären lässt. Seit „B.A.R.S.“ sind nun aber auch bereits wieder mehr als zwei Jahre ins Land gezogen. Was geschah in deiner Karriere während dieser doch ziemlich langen Zeit?
Du hast die Frage schon ein wenig selbst beantwortet. Als ich aus dem Gefängnis kam, begann ich an meinem Album zu arbeiten, bis dieser Unfall kam. Danach musste ich erst meine Gesundheit wieder erlangen. Ich hatte Gehirnschäden und Gedächtnisverlust, es brauchte lange, bis ich wieder auf dem gesundheitlichen Level war, um Musik aufzunehmen und zu veröffentlichen. Durch diese lange Pause kam es auch zu den Problemen mit J Records. Schlussendlich gab es mit „Drink N My 2 Step“ nur eine Single. Aber heutzutage geht es gar nicht mehr um die Qualität der Musik, sondern um die Beständigkeit, besonders wegen des Internets. Leute wollen stetig neues von dir hören und da ich nur mit diesem einen Song rauskam, stagnierte meine Karriere und ich konnte nicht das nächste Level erreichen. Deshalb war ich auch so froh, dass ich J Records verlassen konnte. Es gibt keinen Rapper, dessen Geschichte so authentisch ist wie meine. Ich habe diesen Unfall überlebt und die Schäden am Gehirn überstanden. Ich war im Knast wegen Mord. Viele Rapper sprechen darüber, aber das ist nicht ihr tägliches Leben. Die Geschichte, die ich zu erzählen hatte war also viel besser als diejenigen der anderen Künstler, sie gaben mir aber nicht die Möglichkeit, sie der Welt zu erzählen. Die Leute waren verwirrt als ich mit „Drink N 2 Step“ rauskam, da sie nicht sicher waren, ob dies nun ein älterer Song ist und ich noch immer im Knast sitze oder im Krankenhaus bin. Niemand wusste genau, was in meiner Karriere abgeht. Seit der Veröffentlichung von „B.A.R.S.“ bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich einfach versucht, mein Business richtig aufzugleisen. Ich war immer in der Lage Musik rauszubringen, deshalb gibt es auch so viele Songs auf meiner MySpace und anderen Websites. Aber ich war nicht in der Lage Singles oder ein Album zu veröffentlichen, da die Business Situation nicht stimmte. Doch nun habe ich meine Produktionsfirma, den Deal mit Krossover Entertainment und Unmengen an fertigen Songs. Im Februar wird meine neue Single erscheinen und danach wird es noch eine ganze Menge neuer Musik von mir geben, denn meine Position ist nun gesichert. Aber es machte keinen Sinn neue Musik zu veröffentlichen, wenn das Geschäftliche nicht stimmt.

Wie du erwähnt hast, sind viele Tracks von dir im Internet aufgetaucht. Darunter auch ein Song namens „Get More Money“ mit Lil Wayne. War dieser Mal als Vorbote für ein Album gedacht?
Lil Wayne macht sein Ding und er war einer der Künstler, die das Game auf das nächste Level gebracht haben, als ich im Gefängnis war und mich von meinem Unfall erholte. Lil Wayne war ja bereits auf meinem zweiten Album zu hören. Ich wollte einfach möglichst viele Songs im Internet veröffentlichen, um den Strassen zu zeigen, that I go harder than ever. Das war einer dieser Songsund aber ich habe diverse Songs, die sich viel besser als Single eignen. Dies war einfach ein grosser Hood Song, aber eindeutig keine Single.

Ich frage nur, da es sich momentan wohl nicht viele Rapper erlauben können, ein Feature mit dem erfolgreichsten Rapper zur Zeit nur als Internet Song zu verwenden.
Da hast du vollkommen recht. Es gibt nicht viele Artists, die das tun können, was ich tue. Damit will ich den Leuten auch zeigen, wie ernst es mir ist mit der Musik. Dies ist nur ein Teil meines Aufbaus und wenn ich dann mit meiner richtigen Single komme, werden es die Strassen merken und respektieren.

Deine neue Single soll im Februar erscheinen, gibt es auch schon ein konkretes Veröffentlichungsdatum für dein neues Album?
Genau genommen ist es nicht die Single für mein nächstes Soloalbum. Ich habe einen Independent-Vertrieb, über welchen ich ein Album bringen werde, welches voraussichtlich „Apply Pressure“ heissen wird und bei Krossover Entertainment erscheint. Es wird Videos dazugeben und ein Budget für das Radio, aber es ist gedacht als Vorbereitung auf mein nächstes richtiges Soloalbum. Für dieses plane ich einen One-Album-Deal mit einem Major zu unterschreiben. In den nächsten Monaten sollte dieser Deal im Trockenen sein und im Frühling sollte dann die Single für mein nächstes Major-Soloalbum in die Läden kommen. Aber ich will nicht, dass die Strassen warten müssen auf neue Musik, bis ich die Situation mit den Labels geklärt habe. Also nutze ich meine Möglichkeiten, Independent zu veröffentlichen.

Du willst quasi deine zweite Karriere sehr weitsichtig aufbauen?
Ja, denn es geht darum konstant zu sein. Viele der heutigen Artists kommen mit einem Song und sind dann wieder weg. Ich will beweisen, dass ich mich von all diesen Künstlern unterscheide, in dem ich konstant gute Musik veröffentliche.

Wirst du auf den kommenden Veröffentlichungen auch wieder mit deinen verschiedenen Persönlichkeiten spielen oder willst du in eine spezifische Richtung gehen?
Ich will definitiv wider meine verschiedenen Persönlichkeiten ausleben, da ich es liebe, verschiedenste Arten von Musik zu machen. Viele Leute sind verwirrt, da meine Mixtapes immer sehr hart sind und ich darauf über mein Strassenleben und meine Erfahrungen berichte. Aber das sind nicht meine einzigen Themen. Ich bringe Songs für die Strassen, aber ich habe auch Tracks für die Frauen, für das kommerzielle Radio, das Internet, die Kids oder Grosseltern. Ich kann auch über Politik oder die Wirtschaft sprechen. Deshalb habe ich mein erstes Album „Split Personality“ genannt, damit es die Leute verstehen, wenn ich diese völlig unterschiedlichen Songs veröffentliche. Sie sollen nicht denken, dass mich jemand dazu gezwungen hat, solche Tracks zu machen, sondern dass ich es einfach mag, mit meiner Musik in verschiedene Richtungen zu gehen. Meine verschiedenen Persönlichkeiten wird man also sicher auch auf meinem nächsten Album antreffen, auch wenn der Albumtitel vielleicht keinen Hinweis darauf enthalten wird.

Du bist nicht mehr bei Swizz Beats unter Vertrag, arbeitest aber trotzdem noch mit ihm an Songs. Welche anderen Produzenten und Künstler sind sonst beteiligt an deinen neuen Tracks?
Ich habe meine Karriere mit Swizz gestartet, also werden wir immer eine spezielle Beziehung haben. Abgesehen davon, habe ich aber mein eigenes Produktionsteam. Ich arbeite aber auch mit vielen anderen Produzenten und in den nächsten Monaten möchte ich noch mit vielen weiteren ins Studio gehen. In einigen Wochen habe ich einen Termin mit Cool & Dre. Ich habe mit Infamous gearbeitet, auch mit Neo da Matrix arbeite ich weiterhin, mit David Banner würde ich gerne etwas machen. Zu Beginn ging ich nicht wirklich zu den Produzenten, die momentan angesagt sind, da ich mir etwas eigenes aufbauen wollte. Nun wo ich einen Grossteil der Songs für das Album im Kasten habe, würde ich gerne noch mit einigen Big Names arbeiten.

Du hast einen sehr dopen Part auf dem letzten Statik Selektah Album. Machst du solche Features auch aus dem Grund, dass du den Leuten, welche dich nur noch für einen Ladies Rapper halten, beweisen kannst, dass du dich in Sachen Punchlines vor keinem verstecken musst?
Das mag mitunter auch ein Grund sein. Wenn du einen Plattenvertrag unterschreibst, gibt es hunderte von Leuten, die irgendwie in dein Projekt involviert sind. Wenn ein Projekt nun nicht so gut läuft, schieben es die Leute aber immer auf den Künstler oder die Qualität der Musik. Dies ist aber nicht immer der Grund, manchmal sind es auch die Probleme zwischen dem Künstler und den Leuten, mit welchen er einen Vertrag hat. Ich wollte von Beginn weg beweisen, dass ich besser als die anderen MCs bin. Hör dir nur Mal die Freestyles an, die ich jeweils bei Radiostationen gekickt habe. Ich habe hunderte von Bars gekickt und nahm ständig an Battles teil. Aber nun wo ich ein etablierter Künstler bin, muss ich solche Sachen nicht mehr tun oder einfach auf eine andere Art. Aber leider hatte ich nicht immer die Möglichkeit, es so zu tun, wie ich das wollte. Doch nun habe ich mein eigenes Umfeld und mein eigenes Studio und niemand muss mir ein Budget geben, damit ich irgendwo Songs aufnehmen kann. Durch meine neue Situation habe ich nun die Möglichkeit, die besten Songs zu veröffentlichen, die ich jemals gemacht habe.

Du siehst dich heutzutage als Geschäftsmann und deine Zeiten als Battle Rapper sind endgültig vorbei. Besteht auch nicht die Chance, dass es zu einem Rematch gegen Freeway kommt?
Diese Zeit ist definitiv vorbei. Bevor ich den Battle mit Freeway hatte, habe ich ihn noch nie getroffen. Ich war damals mit Jay-Z und Swizz im Studio und so kam es zu diesem Battle. Es ging auch gar nicht um Freeway, ich sollte wohl einfach denjenigen battlen, welcher Roc-a-Fella zu diesem Zeitpunkt repräsentiert. Nach dem Battle haben wir uns getroffen und Freeway ist ein cooler Dude, der hart arbeitet. Ich denke nicht, dass wir nochmals battlen werden, denn es würde meiner Karriere keine Vorteile bringen, wenn ich ihn nochmals besiegen würde. Es würde auch ihm nicht viel nützen, nochmals gegen mich anzutreten. Deshalb haben wir auch einen Song auf dem ersten Statik Selektah Album gemacht. Wir respektieren uns gegenseitig und wir wollen beide vorwärtsgehen in unserer Karriere. Ich bin ziemlich sicher, dass er mit dem Gedanken gespielt hat, da dieses Battle immer wieder erwähnt wird. Aber wie gesagt, ich denke keiner von uns könnte von einer Revanche profitieren.

Du warst nicht zufrieden, wie J Records deine Platten vermarktet haben. Wie bist du generell mit deinem Status im Rap-Game zufrieden? Siehst du dich als unterbewertet?
Ich fühle mich definitiv unterbewertet. Es gibt Leute, die meine Fähigkeiten anerkennen. Aber als Ganzes betrachtet, erhalte ich sicherlich nicht den Respekt, der mir zusteht. Deshalb habe ich noch viel Arbeit vor mir, um mich zu beweisen. Aber viele Leute, die nun in der obersten Liga spielen, mussten lange darauf warten. Diddy hat als Praktikant ohne Lohn begonnen. Jay-Z hat für seine ersten Songs auch nicht den nötigen Respekt bekommen und es brauchte viel Zeit und gute Business Moves, bevor er das nächste Level erreichte. Ich bin glücklich, dass ich all dies durchleben konnte. Zum damaligen Zeitpunkt war ich zwar nicht glücklich, nun bin ich aber froh, dass ich es erlebt habe und daraus viel lernen konnte. Wenn du MTV, BET oder wen auch immer nach den besten Rappern fragst, wird mein Name nicht unbedingt in den Top 5 auftauchen, obwohl ich finde, er sollte. Dafür wirst du viele Namen hören, die nicht dafür qualifiziert sind aber trotzdem erwähnt werden, weil sie gerade einen Buzz haben. Aber ich habe es mir vorgenommen, es der Welt zu beweisen. Bei den Sachen, die ich bisher gemacht habe, erhielt ich nicht immer die Credits, sondern viele andere Leute. Doch nun stehe ich auf eigenen Beinen und somit werde ich auch die Credits erhalten, die mir zustehen.

Denkst du, dass es für dich als Artist aus Philadelphia schwerer war, als für jemanden aus New York oder Los Angeles?
(überlegt) Schwer zu sagen. Ich habe viele Familienmitglieder in New York und zu Beginn meiner Karriere kam ich direkt bei den Ruff Ryders unter, die in New York zuhause sind. Ich habe also meine Basis an der Eastcoast. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn ich von Los Angeles, Atlanta oder New York wäre. Aber wenn ich nicht von Philly wäre und dort so vieles erlebt hätte, hätte ich nicht die Möglichkeit, meine Geschichte so zu erzählen. Ich hätte auch nicht meinen Akzent oder die Art wie ich die Wörter betone. Wir haben diesen Eastcoast Flavour gleichzeitig aber auch diesen Down South Vibe, so dass ich auch der Markt im Süden mit der Musik aus Philly identifizieren kann. Ich kann also nicht sagen, ob es besser oder schlechter wäre, wenn ich von woanders käme.

Lass uns einen Blick in die Zukunft werfen. Welchen Weg wird HipHop 2009 musikalisch einschlagen?
Ich denke 2009 wird ein gutes Jahr für HipHop. Because I’ma go harder than ever. Ich bin sicher, dass ich damit auch andere Leute dazu inspirieren kann, in die richtige Richtung zu gehen. Es gab in der Vergangenheit Leute, die hart gearbeitet haben und das Game in die falsche Richtung gelenkt haben. Ich will die Leute aber dazu animieren, wieder mehr lyrisch zu sein, mehr Metaphern und Vergleiche zu verwenden, bessere Punchlines zu schreiben, kreativer mit ihren Flows zu sein und wieder eigene Ideen einzubringen und nicht nur alte Formate aufzuwärmen. Dafür braucht es einen Leader, der das Game auf Kurs bringt. Denn die Leute, die jetzt das Game beherrschen, führen es vielleicht in die Sing- oder die Autotune-Richtung. Aber für mich fühlt es sich nicht wie der richtige Weg an und deshalb würde ich gerne die ganze HipHop-Szene mit meiner Musik inspirieren und motivieren. Das Game ist ein Kreislauf und ich denke, dass jetzt wieder die Zeit gekommen ist, wo es mehr um Lyrics geht, wie es damals bei Nas, Biggie oder Jay-Z der Fall war. Viele Leute behaupten, HipHop sei tot, aber das Gegenteil ist der Fall. HipHop ist in mehr Werbungen, mehr Filmen, in TV-Shows und Videogames, meiner Meinung nach wächst es stetig. Nun geht es darum, dass sich die Künstler fokussieren und wieder kreativer sind, damit sich die Leute auch wieder so für HipHop interessieren, wie sie es früher taten.

Nun haben wir vor allem über die Musik gesprochen. Wie planst du gegen die sinkenden CD-Verkäufe zu tun? Werden Shows wichtiger für dich oder versuchst du dein Konto mit Ringtones aufzubessern, was dir ja mit „I’m a Hustla“ schon sehr erfolgreich geglückt ist?
Es ist nicht so, dass sich weniger Leute für HipHop interessieren. Die Verkäufe gehen zurück, weil es verschiedene andere Wege gibt um an die Musik zu gelangen. Hinzu kommt, dass bei vielen die Qualität nicht stimmt und sie deshalb die Fans nicht mehr supporten. Die Künstler müssen also einerseits bessere Qualität liefern, damit die Fans sie weiterhin unterstützen und sie müssen erkennen, wie sie Nutzen aus den neuen Technologien ziehen können. Ich will den Leuten mehr zum Downloaden geben, mehr Sachen mit denen sie mein Leben verfolgen können, damit sie mich auch als Person kennenlernen können. Natürlich versuche ich auch mehr Ringtones zu verkaufen. Es gibt immer noch Geld zu verdienen, man muss einfach neue Wege finden. Aber ich denke trotzdem, dass man mit einem starken Album und guter Promotion immer noch viele Alben verkaufen kann, wenn die Leute erkennen, dass man mehr ist als nur ein One-Hit-Wonder.

Letzte Worte?
Wir haben eigentlich ziemlich alles besprochen und ich denke, die Leute, die das lesen, werden verstehen, in welche Richtung ich gehen will. Momentan herrscht Rezession und ich weiss es ist hart für jeden. Deshalb will ich nur sagen, dass sie Gott an erste Stelle setzen den Glauben in HipHop nicht verlieren sollen, da es Künstler wie mich gibt. Haltet in den nächsten Monaten die Ohren offen für neues Material von mir. Natürlich hoffe ich, dass ihr alle zur Show am 11. April kommt und mich unterstützt. Ihr werdet dafür einige der neuen Sachen hören bevor es alle anderen können.

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