Zion I – Es braucht Courage als Künstler, denn die ganze Welt kann über dich urteilen

Int. Rap

Es ist immer wieder erfreulich, wenn man von einem Album so richtig überrascht wird. Wer Zion I bislang als eine beliebige Untergrundkapelle von der Westküste abgestempelt hatte, lag zwar sowieso falsch, schliesslich liessen sie schon immer viele Elemente in ihre Musik einfliessen und waren lyrisch äusserst vielschichtig. Aber mit einer Platte wie „The Take Over“ hatte wohl niemand gerechnet und sie dürfte auch so manchen Fan vor den Kopf stossen. Frech lassen Rapper Zumbi und Produzent und DJ AmpLive Electro Einflüsse einfliessen, eingängige Gitarren erklingen neben schönen Boom Bap Beats und auch vor unverschämt eingängige Melodien schrecken sie kein bisschen zurück. Manchen mag dies zu cheesy sein oder einfach nicht zu Zion I passen. Aber irgendwie ist es doch auch innovativ, wenn eine Crew wie Zion I plötzlich auf frische Art und Weise mit dem Mainstream liebäugelt. Wir unterhielten uns mit dem Duo aus der Bay Area über ihr neustes Album, an welchem sich die Geister mit Sicherheit scheiden werden.

Meiner Meinung nach, last sich “The Take Over” nicht mit euren bisherigen Alben vergleichen. Hattet ihr von Beginn weg ein Konzept für die Platte oder gab es gar einen spezifischen Song, welcher euch die Richtung vorgab?
Zumbi: Ich denke schon, dass „The Take Over“ vergleichbar ist mit unseren älteren Releases. Die Platte kombiniert viele Elemente der Vorgänger. Das Konzept war, die verschiedenen Stile zu kombinieren, welche die Afrikaner während ihrer Zeit in Amerika kreiert haben: Blues, Jazz, Rock, House, HipHop.

Was als erstes auffällt, ist dass ihr mehr elektronische Elemente in eurer Musik verwendet. Wurdet ihr dabei wie manche andere von europäischer Club Musik beeinflusst?
AmpLive: Wir sind beeinflusst von jeglicher Musik die da draussen existiert. Das war von Beginn weg so bei uns.
Zumbi: Uns inspirieren verschiedenste Szenen, bei weitem nicht nur HipHop.

Ihr habt gesagt, dass ihr für „The Take Over“ die besten Elemente aus euren Live-Shows verwendet habt. Kommt dieser Entscheid auch daher, dass Live-Shows immer wichtiger werden, jetzt wo die Verkäufe stetig sinken?
Zumbi: Nein, wir haben über die Jahre einfach gelernt, auf was unsere Fans reagieren. Ich gebe dir aber recht, dass die Live-Shows wichtiger geworden sind. Andererseits waren die Shows schon immer unsere Stärke und es ist für uns eine Möglichkeit zu lernen um bessere Künstler zu werden.
AmpLive: Konzerte waren für uns schon immer sehr wichtig. Wir lieben es, die Leute zu rocken. Wenn man mit den Fans in Kontakt tritt, besteht auch die Chance, dass man mehr Verkäufe erzielt.

Viele Leute sehen euch als eine Underground Crew oder sie schätzen vor allem die Inhalte oder die smoothen Beats. Habt ihr euch ein bisschen wie Common gefühlt, so dass ihr eure Platten auch im Club hören wolltet?
AmpLive: Es ist ein gutes Gefühl, wenn man die Leute zu seiner Musik tanzen sieht. Ich frage mich manchmal, wann dies etwas Schlechtes geworden ist.
Zumbi: Es ist richtig, dass einige unserer Songs in den Clubs gespielt werden können. Aber es ist nicht unser Hauptfokus, uns geht es darum, mit den Leuten in Kontakt zu treten. So dass sie etwas mitnehmen können, nachdem sie gehört haben, was wir machen.

Was haltet ihr vom sogenannten Hipster Rap und was würdet ihr sagen, wenn man euch nun auch in diese Kategorie verfrachtet?
Zumbi: Hipster Rap? Ich weiss wirklich nicht, was das heissen soll. Denn jeder der in diese Kategorie fällt, macht nicht wirklich etwas Neues. Sie sind einfach jünger als 25 und machen HipHop. Ich applaudiere den jungen Künstlern, da sie der Treibstoff sind, der die Kultur kreativ hält. Wenn die Leute uns als Hipster Rap klassifizieren, würde ich es einfach zu der grossen Sammlung von Schubladen hinzufügen, in welche man uns schon versuchte zu packen. I’m not into labels I’m into what’s dope. Egal wie man es nennt, am Schluss geht es darum, ob sich die Leute damit identifizieren können.

Ihr habt definitiv einige radiotaugliche Songs auf dem neuen Album. Hattet ihr auch versucht, einen Major-Deal an Land zu ziehen um so eine bessere Promotion zu erhalten und auch bei den Radios einen Takeover zu starten?
Zumbi: Nicht mit diesem Album. Wir waren fest entschlossen, es Independent zu veröffentlichen und uns selber mit einem anderen Stil und einer anderen Herangehensweise herauszufordern. Das Radio-Game ist ein teures Spiel und man braucht ein grosses Budget. Unser Schwerpunkt lag auf dem Netz.
AmpLive: Bei jedem Album versuchen wir Promotion wie bei einem Major zu bekommen, aber wir sind Independent im Moment. Je mehr Promotion du machen kannst, desto grössere Möglichkeiten hast du, es ist also wichtig, einen guten Rückhalt zu haben. Wenn wir volle Unterstützung von einem Major bekommen würden und trotzdem die kreative Kontrolle hätten, wäre das sehr tight.

Ich sah einige Plattenkritiken und auch Kommentare von Fans, die sich nicht damit abfinden können, dass ihr etwas Neues ausprobiert. Nehmt ihr bewusst auch ein gewisses Risiko auf euch?
Zumbi: Jedes Album ist ein Risiko. Ganz egal ob du den eingeschlagenen Weg weiterverfolgst oder ein total experimentelles Album machst. Es braucht Courage als Künstler, denn die ganze Welt kann über dich urteilen. Ich kann es verstehen, wenn einige Leute die Entwicklung unserer Musik nicht akzeptieren können. Alles was ich von ihnen möchte ist, dass sie es sich einige Male anhören. Inhaltlich gesehen ist unsere Musik sehr beständig, die Tonalität der Musik ist was sich verändert. The message is always there.
AmpLive: Jedes unserer Alben hat neue Fans. Es gibt immer jemanden, der nicht glücklich darüber ist. Es ist verrückt, wir haben schon das Publikum gefragt, welches ihr Lieblingsalbum sei und die Crowd hat sich in vier Gruppen geteilt. Aber zumindest besuchen alle diese Gruppen unsere Shows.

Wenn ihr jemandem nur zwei Songs zeigen könntet um „The Take Over“ zu präsentieren, welche wären es?
Zumbi: Ich würde „Antenna“ und die beiden Parts von „Caged Bird“ auswählen. „Antenna“ zeigt den spirituellen Aspekt des Albums, wo ich zu Gott spreche und um Führung durch diese schwierigen Zeiten bitte. „Caged Bird“ ist eine Metapher für den Kummer in dieser modernen Zeit.
AmpLive: Meine Wahl fiele auf „DJ DJ“ und „Coastin“. Ich mag sehr, was aus diesen beiden Joints geworden ist.

In Europa wissen wir nicht sehr viel über das Hyphy Movement. Wie würdet ihr dieses beschreiben und wie stark ist der Einfluss auf eure Musik?
Zumbi: Eigentlich hat es keinen sehr grossen Einfluss auf unsere Arbeit. Wir haben vor einigen Jahre ein paar Songs gemacht und seither sagen viele, dass wir nun Hyphy seien. In Wirklichkeit war dies aber nur ein Zwischenhalt auf unserer musikalischen Reise welche diverse Stile umfasst seit „Mind Over Matter“. Gleichzeitig ist es aber natürlich ein Stil, der dort entstand, wo wir herkommen und der uns somit stets umgibt. Es ist eine interessante Frage, denn die Leute verwenden dieses Wort gar nicht mehr. Es kam und ging, was enttäuschend war. Als Hyphy populär wurde, begannen die Leute den bekanntesten Song, „Tell Me When To Go“ von E-40, zu kopieren. Dies kreierte ein Movement, welches sich nicht länger kreativ anfühlte, da es nur immer den gleichen Slang und dieselben Konzepte wiederkaute. Somit war dies, was 2003 populär wurde, eigentlich 2006 schon wieder am verschwinden.
AmpLive: Wir haben einige Hyphy Songs für eine Compilation gemacht, aber ich verstehe nicht, wieso die Leute denken, unsere Musik sei Hyphy. Generell denke ich, dass dieser Begriff zu oft gebraucht wird. Nur weil du eine 808 für deine Musik verwendest, ist es noch lange nicht Hyphy. Ich mag es, wenn ich Leute zu unserer Musik tanzen sehe und sie gleichzeitig noch eine Message geliefert bekommen. So if that’s hyphy, all good.

Amp, du hast ein Radiohead Remix Projekt veröffentlicht und machst auch öfters Remixes, welche nichts mit Rap zu tun haben. Suchst du darin eine Balance zu deiner Arbeit für Zion I oder hast du das Ziel, dich als Produzent auch ausserhalb von HipHop zu etablieren?
AmpLive: Ich denke man muss alle meine Produktionen anschauen, damit sich das Bild zusammenfügt. Das Radiohead Projekt habe ich gemacht, da ich ein Fan von ihrer Musik bin. Seit ich dieses Projekt veröffentlicht habe, bekam ich definitiv mehr Möglichkeiten mit Gruppen aus dieser Richtung zu arbeiten. Aber ich habe auch bereits Projekte im elektronischen oder im Rock Bereich gemacht, als wir unsere Karriere starteten. Wir hatten einen grossen Song auf einer Linkin Park Scheibe anfangs des neuen Jahrtausends.

Für eure Alben lasst ihr euch immer die nötige Zeit, ihr veröffentlicht dazwischen aber auch immer wieder Mixtapes. Wie wichtig sind diese für euch?
Zumbi: Mixtapes sind dope, denn sie halten die Musik spontan und unterhaltsam. Mir persönlich erlaubt es, mich völlig frei zu machen und den Fans zu zeigen, wo ich gerade bin. Ich habe Spass daran, aktiver im Mixtape Markt zu sein und meine wilde Seite mehr zum Ausdruck zu bringen. Es gibt mir zudem die Möglichkeit, den Scheinwerfer auf meine Produktionen zu richten und all die Songs, welche ich mit anderen Künstlern mache, herausheben. Ich produziere ein wenig mit auf den Zion I Alben, but with my mixtapes I’m getting my chops up!

Sind bereits weitere Projekte in Planung, welche ihr gerne ankünden würdet?
AmpLive: Ich habe ein Electro Album namens „Murder at the Discotek“, welches erscheinen wird. Ausserdem produziere ich Alben für K.Flay und den Soulkünstler Codany Holiday. Einige Instrumental-Alben werden auch schon sehr bald erscheinen.
Zumbi: Ich habe ein Album mit The Are welches bald kommt, der Name der Gruppe ist „The Burnerz“. Dieses Album wird pures Feuer für alle Fans von klassischer Boom Bap Music. The Are kommt aus der Schule von Pete Rock, Dilla und Madlib. Er versteht sein Handwerk und bringt damit lyrisch eine ganz neue Seite von mir zum Vorschein. The Burnerz ist roher HipHop in reinster Form. Erwartet das Album im Sommer oder Frühherbst 2009. Ich arbeite ausserdem an einem Zumbi Soloalbum. Ich habe bereits mit den Aufnahmen begonnen und ich bin richtiggehend berauscht von all den Möglichkeiten, welche Kunst und Musik so offenbaren. Es ist eine wundervolle Zeit um ein Künstler zu sein. Zudem werde ich endlich die Möglichkeit erhalten, meine Produktionen der Welt zu präsentieren. Zudem habe ich ein weiteres Projekt mit Prince Po, Concise Kilgore, DJ Brisk und Finale namens „24“. Wir haben das ganze Album innert 24 Stunden auf die Beine gestellt, sowohl die Texte, Produktion wie auch die Aufnahmen. Es war intensiv, so viel Arbeit in solch kurzer Zeit zu machen. Ausserdem arbeiten wir an einem weiteren Zion I & The Grouch Album, welches für 2010 geplant ist. We grind over here.

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