Nosliw – Ich bin sicher kein Popschwein!

Int. Rap

Er gehört zur deutschen Reggae Speerspitze, ohne Frage! Und mit „Heiss & Laut“ legt er nun ein veritables German Dancehall Album vor, das wohl einigen Lärm machen wird. Wir hatten die Möglichkeit, mit einem aufgestellten und gut aufgelegten Künstler über die deutsche Musik, seine Vergangenheit und seine Familie zu sprechen. Aber lest selbst:

Deine Geschichte hat ja als Rapper begonnen. Was hat dich zum Reggae gezogen?
Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf die HipHop Szene. Die war nicht mehr das, was sie einmal war. Ich bin dafür auch zu alt geworden. Ich hab dann Nattyflo kennen gelernt, der auch fürs Juice-Magazin schrieb. Wir sind gute Freunde geworden und er hat mich den Rootdown-Leuten vorgestellt, wo ich erstmals Reggae-Luft schnuppern konnte. Ich fand Gefallen daran und begann erste Songs zu machen. Mit der Zeit wurden es immer mehr. Da meine Leute aus der HipHop Szene sowieso anderweitig beschäftigt waren, passierte eigentlich der Übergang zum Reggae recht nahtlos.

In den letzten 7 Jahren hast du dich in die deutsche Reggae-Elite hinaufgearbeitet. War das ein harter Weg?
Hart auf keinen Fall, aber sicher steinig. Jedoch hatte ich einen guten Vorsprung zu den anderen, rein textlich gesehen. Viele der anderen Reggae-Künstler machten keinen HipHop wie ich vorher und brachten dieselben peinlichen Reime wie viele Rapper. Da war ich schon Jahre voraus und konnte textlich wirklich punkten. Auch konnte ich gut singen, wie ich merkte. Denn das waren die ersten Songs, die ich mit Gesang aufgenommen habe. Es war wirklich eine geile Zeit. Nattyflo hat mich auf viele seiner Konzerte mitgenommen, wo ich viele Leute kennengelernt habe. Später habe ich dann auf den Dances auch 2, 3 Songs performt und es wurden immer mehr. Schliesslich wurde es zu einer Doppelshow von Nattyflo und mir. Es war dann aber an der Zeit ein eigenes Album zu machen und auch live eigene Wege zu gehen. Das war sehr spannend.

Du hast mit Grössen wie Max Herre oder Gentleman zusammengearbeitet. Warum ist dann kein so grosser Name auf dem Album drauf?
Weil ich jetzt selber gross werden will!!! (lacht): Nein, ich hab ja Olli Banjo drauf. Das ist schon ne feste Grösse, finde ich. Und es ist mir eine Ehre, dass er auf meinem Album drauf ist. Wüsste auch nicht, wie das noch zu toppen wäre. Es geht mir aber auch nicht um die grossen Namen. Ich habe festgelegt, dass ich maximal zwei Featurings auf dem Album habe, das es ja ein Nosliw-Album werden soll.

Du hast in deinem Pressetext geschrieben, dass dieses Album der Start der Nosliw-Dancehall-Ära sei. Was hat dich vom vorherigen sanften Album zum jetzigen clubbigen dancehall-geprägten Sound gebracht?
Also der Spruch im Pressetext ist für Mainstream-Leute, die keine Ahnung davon haben, was Reggae bedeutet. Das Album wird einfach einer weiteren Facette von mir gerecht. Auch das ist ein Teil von mir, den ich repräsentieren wollte. Das war das Gefühl und das Konzept. Ich hatte einfach richtig Bock drauf und finde es klingt geil.

Das Album ist ja sehr clubbig, auch von den Themen her. Du bist schon 33, verheiratet und hast Kinder. Gehst du noch in Clubs und auf Dances in der Freizeit? Oder ist das immer mit Auftritten verbunden?
Genau, bin schon eher vom Beruf her dort unterwegs. Klar bleibe ich manchmal nach Auftritten noch bis Ladenschluss. Oftmals bin ich aber professionell und gehe früh, da ich am nächsten Tag wieder auftreten muss. Das ist halt mein Berufsalltag. Es gibt noch viele andere Musik auf der Welt, die ich gerne höre. Da habe ich kein Bock privat noch auf nen Dance zu gehen.

Erzähl von der Produktionszeit. Wie war das? Pickt man einfach die Riddims oder arbeitest du mit Produzenten zusammen? Hast du auch exklusive Riddims?
Da ist komplett alles drin. Ich habe meine eigenen Riddims produziert. Habe auch mit „Tega“ im Studio gesessen und produziert oder er schickte mir per Mail ein Riddim und ich habe diesen noch angepasst oder was ganz eigenes draus gemacht. Und auch von anderen Produzenten habe ich Zeugs bekommen.

Du hast auch schon ein Album auf einem Major-Label released, jetzt bist du wieder indie. Du hast eine Familie, die du ernähren musst. Ist da bei der Produktion auch der Mainstream- , und Erfolgsgedanke im Hinterkopf oder kannst du zu 100% Künstler sein?
Ja, dieser Gedanke ist schon im Hinterkopf, aber ich mache meine Musik nicht mit dem Gedanken, dass sie sich verkaufen muss, nicht eine Sekunde. Ich weiss schon, dass ich nicht was brutal Wahnsinniges machen kann, was die Leute verstören würde, aber das will ich auch nicht. Hab zum guten Glück einen Musikgeschmack, der von vielen anderen geteilt wird, das ist Glücksache. Aber ich bin sicher kein Pop-Schwein. Ich bin im Moment sehr entspannt, was das betrifft. Klar, die Wirtschaftskrise und das illegale Downloaden bedrohen auch mich längerfristig, aber das gehört dazu. Ich muss den Leuten einfach irgendwie klarmachen, dass sie nicht illegal downloaden sollen, da sonst Albumproduktionen und Auftritte nicht mehr finanziert werden könnten. Aber auf jeden Fall weiss ich, dass auf meine Konzerte viele Leute kommen, auch solche, die keine Fachleute sind. Aber ich mache die Musik nicht, damit sie kommen, sondern ich freue mich daran, dass sie kommen und dass sie Spass an meiner Musik haben.

Was sagst du zu Peter Fox, der auch ohne Seeed Erfolg hat? Und Samy Deluxe kommt mit einen Album, dass mehr nach Reggae als nach Rap klingt. Gibt’s da eine Szene? Trifft man sich da und gibt sich Feedback oder ist da der Konkurrenz-Gedanke schon vorhanden?
Keine Ahnung. Samy Deluxe ist HipHop und Peter Fox ist Pop. Von daher kann man sicher nicht von Konkurrenz sprechen. Es ist mir eigentlich egal, was die machen. Ich habe auch keine Ahnung, warum die Leute Peter Fox als Reggae einordnen. Befremdend finde ich auch wenn Culcha Cundela und Clueso in einem Atemzug mit mir genannt werden. Leute nehmen Musik teilweise total anders wahr.
Aber meine Konzerte laufen super. Ich freue mich riesig auf die Sommer-Saison und bin auch gespannt auf die CD-Verkäufe. Reggae-Leute sehen das eben relativ easy mit downloaden und so.

Kommst du auch in die Schweiz? Gibt’s da schon Termine?
Ja sehr gern, aber Termine weiss ich jetzt noch nicht, aber es findet definitiv was statt. Ich glaube sogar noch vor dem Sommer.

Kennst du denn Schweizer Reggae-Acts?
Ja sicher, Phenomden. Kenn ihn schon bevor er berühmt und ein Pop-Schwein geworden ist. (lacht). Früher fand ich den noch cool, aber heute!?! (lacht). Nein im Ernst, der ist supernett und live supercool.

Hast du noch einen musikalischen Traum? Wo willst du noch hin?
Ich lebe meinen Traum gerade. Es gibt aber immer ein neues Ziel nach der nächsten Etappe, aber jetzt so konkret kann ich nichts sagen. Ein Ziel hat so was finales, als könnte ich danach abtreten. Aber ich will, dass es weitergeht und noch mehr wird. Ich will mehr Publikum, damit ich der Band mehr zahlen und sie vergrössern und noch ne geilere Show mache kann. Ich hab halt ne grosse Phantasie und viele Ideen. Aber das ist immer noch ne finanzielle Sache. Ich will einfach weitermachen bis ich keinen Bock mehr dazu habe.

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