Sa-Ra Creative Partners – Om’Mas Keith: „Wir regeln das am Telefon.“

Int. Rap

Trotz einigen hervorragenden Eigenkompositionen, Fremdproduktionen und Remixes und mehreren lukrativen Deals, ist das P-Funk-Trio Sa-Ra Creative Partners auch nach bald zehn Jahren im Business noch immer ein Geheimtipp geblieben. Wir sprachen mit dem selbstbewussten Sänger und Produzenten Om’Mas Keith über Ancient Rave, Konferenzschaltungen, P-Funk, das böste Musikbusiness und ihren neuen Homie Karl Lagerfeld.

 

Was ist die genaue Bedeutung des Wortes „Sa-Ra“?

Das altägyptische Wort Sa-Ra kann man als «Quelle der kraftvollsten Energie» übersetzen. Wir haben anerkannt, dass wir Kinder des Lichts, Kinder des Kosmos sind. Wir sind die Quelle der mächtigsten Energie. Wir haben ein Licht in uns, das auf die ganze Welt ausstrahlt. Wir strahlen so hell, und fürchten uns nicht vor unserer Kreativität.


Seit 2003 der von euch produzierte Pharoahe Monch-Track „Agent Orange“ erschienen ist, interessieren sich immer mehr Leute für euch. In geschäftlicher Hinsicht hattet ihr aber immer wieder Rückschläge einzustecken. Wo liegt das Problem?

Das mag vielleicht von aussen so wirken, aber im Gegenteil: unser Geschäft läuft hervorragend. Seit es Sa-Ra gibt, fliesst das Geld. Wir haben uns Häuser, Autos und neues Equipment gekauft. Ich glaube, das Problem ist folgendes: Du musst viel Zeit in deine Kunst investieren und du darfst nichts erwarten. Aber in deinem Innersten weisst du, womit harte Arbeit, Fleiss, und Hingabe schliesslich belohnt werden. Das Ausmass seines Erfolgs kann man dann nicht gross beeinflussen. Das muss man einfach akzeptieren.


Welche Künstler gehören für dich zum musikalischen Grundstock?

Puh, eine ganze Menge. Man sollte Brahms kennen, man sollte Bach kennen, Beethoven, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk, Louis Armstrong, Duke Ellington, John Coltrane und Miles Davis. So lernt man dann auch Michael Henderson und viele weitere kennen. Aber genauso sollte man Aerosmith, Run DMC, Roy Ayers und A Tribe Called Quest gehört haben. Das gehört einfach alles zusammen.


Ihr werden oft mit dem Begriff „P-Funk“ versehen. Zu Recht?

Ja, das kann ich gut verstehen. Wir werden oft mit diesem Begriff kategorisiert, und das hat auch seine Richtigkeit, obwohl der P-Funk ja eigentlich nur ein Aspekt unter vielen ist. Aber P-Funk ist halt auch eher eine Einstellung, und ich glaube schon, dass wir direkt bei George Clinton anknüpfen. George hat eine so spielerische Art, nichts an ihm ist verkrampft. Er ist ein Genie und hat es geschafft die Populärkultur zu verändern. Wir folgen den gleichen Quellen. George Clinton und Parliament waren genauso begeistert von Sun Ra wie Sa-Ra. Extrem viele ihrer Details entstammen in ihrem Ursprung der Musik von Sun Ra. Auch sie haben sich an den alten Ägyptern orientiert, um neue Wege der Kommunikation mit den Menschen zu finden. Das ist der Grund, warum uns die Leute mit ihnen in Verbindung bringen. Wir haben keine R’n’B-Stimmen wie Bobby Brown oder Michael Jackson, wir haben kraftvollere Stimmen, so wie George Clinton, Bootsy Collins oder James Brown. Nicht hübsch, sondern dreckig und düster.

Es gibt diesen schon etwas älteren Spacek-Remix von euch, der mit der Frage „Are we getting payed?“ beginnt und in dem ihr dann ziemlich grossmäulig feststellt „I guess it must be nice to be Spacek when you doin’ it real big with the Sa-Ra Remix“. Ist das nicht ein bisschen arrogant?

Nein. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man vorgehen sollte. Du wirst nicht erfolgreich, wenn du die Welt nicht von dir wissen lässt. Die Reaktion, die das oft hervorruft, ist: Wer um alles in der Welt sind Sa-Ra? Was denken die sich eigentlich, wer sie sind? Und schon wird über uns geredet.


Bei Sa-Ra seid ihr zu dritt. Taz Arnold, Shafiq Husayn und du – drei erfahrene Produzenten. Wie trifft man da Entscheidungen?

Wir regeln das am Telefon. Per Konferenzschaltung. Das ist der neue Weg.


Gut, gut. Aber wer entscheidet?

Wer entscheidet was?


Na wie ein Stück dann schlussendlich klingt!

Aha, nein, so funktioniert das nicht. Bei uns hat jeder seine eigene Rolle und auch seine ganz eigenes Reich innerhalb der grossen Sa-Ra-Welt. Das heisst: Je nach Projekt ist mal dieser, mal jener federführend. Oft sind an der tatsächlichen Produktion dann auch nicht alle drei handwerklich beteiligt. Früher waren wir alle drei in einem Raum und haben gemeinsam unsere Stücke erarbeitet. Heute besteht unsere Zusammenarbeit auch oft einfach aus einem Ideenaustausch.

Ihr hatten ja vor einigen Jahren diesen Vertrag mit Kanyes Label G.O.O.D. Music und dem Majorlabel Sony. Was ist eigentlich mit dem Vorschuss passiert?

Ha! Das Geld ist schon lange aufgebraucht. Aber es war gutes Geld. Unser Leben hat sich seither verändert. Wir haben jetzt alle Kinder, wir haben Familien, die sich auf uns verlassen. Wir hatten vier goldene Jahre. Vier Jahre, in denen wir alles gemeinsam gemacht haben. Wir sind aufgewacht, haben uns in Boxershorts an die Beatmaschine gesetzt, Beats gemacht, haben uns in Schale geworfen, sind an all die tollen Parties gegangen. Wir haben Sa-Ra mit den Jahren zu einer weltweit bekannten Marke gemacht. Aber um Sa-Ra zu repräsentieren, müssen wir heute nicht mehr gemeinsam auftreten. Dennoch arbeiten wir weiter intensiv zusammen. Schon sehr bald wird endlich unser erstes richtiges Album namens „Black Fuzz“ erscheinen.


„Black Fuzz“ ist ja das Album, das ihr ursprünglich für Sony aufgenommen habt, das aber nie erschienen ist. Werdet ihr es nun, wie verschiedentlich zu lesen war, bei Ubiquity veröffentlichen?

Nein, nein, auf keinen Fall. Das Album auf Ubiquity wird «Nuclear Evolution» heissen.


Wie weit seid ihr mit den Verhandlungen?

Im Moment führen wir Gespräche mit verschiedenen Major Labels. Man bedenke, dass wir die Majors gerade erst verlassen haben. Deshalb sind wir sehr vorsichtig. Zu dem Zeitpunkt, zu dem wir gegangen sind, fing ein neuer Zyklus an. Seit 2007 sind alle Major-Verträge umfassend, 360 Grand-Verträge.


Du meist die Beteiligung an Ringtone-Verkäufen und so weiter?

Das geht weiter über Klingeltöne hinaus. Es geht bis zu kurzen Filmauftritten und Werbedeals. Die Majorlabels wollen heute an allem beteiligt sein – auch an den Dingen, die mit der Musik selbst überhaupt nichts zu tun haben. Und das alles für den gleichen Betrag, den sie dir im Jahr zuvor noch ausschliesslich für die Musik geboten haben. Wenn du also im Jahr 2006 noch einen Vertrag über 500’000 Dollar für 3 Alben abschliessen konntest, haben sie dir 2007 den gleichen Betrag für vier Alben und einen gewaltigen Anteil an deinen Konzerteinnahmen, den Klingeltönen, den Filmauftritten, dem Merchandising und der Videogame-Werbung angeboten. Und wenn dir das nicht gefällt, dann kannst du deine Sachen packen.


Woran habt ihr in letzter Zeit denn sonst so gearbeitet?

Ganz verschiedene Sachen. Ich habe neben meiner Lehrtätigkeit hier an der Red Bull Music Acedemy unter anderem das gesamte Album der Sängerin und Komponistin Erica Rose produziert. Sa-Ra hat sich mit Fonzworth Bentley, Jim Jones und Sleepy Brown beschäftigt. Und natürlich mit Erykah Badu. Nachdem wir bereits auf dem letzten Album an sechs Tracks beteiligt waren, werden auf der nächsten LP auch wieder mindestens drei unserer Produktionen landen.

Was sind die unverzichtbaren Elemente eurer Musik?

Hm…vor allem der Rhythmus. Ein Rhythmus, der ganz unterschiedlichen Ursprung haben kann. Von einer Drummaschine, von Händen, Füssen, vom Mund, von einer Pussy – egal woher.


Kann man eure Rhythmen noch genauer definieren?

Nein, das geht kaum. Allerdings ist der „Slop“ immer ein Teil davon.


Damit meinst du diese verzögerten, hinkenden Beats, die ihr und auch J Dilla immer verwendet?

Genau. Den grössten Einfluss auf den „Slop“ haben die afrikanischen Rhythmen. Drum Circles in Afrika. Das Ganze ist sehr experimentell. Wir wollen das Geheimnis dieser Rhythmen erforschen. Nenn es Ancient Rave! (lacht)

Kann man das den Leuten überhaupt beibringen?

Nein, das geht nicht. Man kann es demonstrieren. Ich kann es mit meinem Körper und meinen Händen demonstrieren. Es wäre auch seltsam, wenn das jemand dann genau gleich reproduzieren könnte. Schliesslich macht niemand die gleiche Musik wie wir. Genauso wie niemand Musik wie J Dilla macht. Er verbrachte kurz vor seinem Tod noch drei Tage in unserem Haus. Er wollte sehen, wie wir Musik machen.

Was ist das beste Stück, das du bis jetzt gemacht hast?

Das ist ganz klar „Hollywood“. Das zweitbeste ist „Everybody“, das wir für Fonzworth Bentley (P. Diddys ehemaligen Butler, Anm. d. Red.) geschrieben haben. Das lief letzten Herbst eine Weile lang auf allen Radio- und Fernsehstationen. Endlich, endlich waren Sa-Ra mit einem Videoclip auf Heavy Rotation.

Mit zwei der besten Rapper überhaupt.

Exakt. Aber sie sind nicht nur zwei der besten Rapper, sie sind auch zwei der berühmtesten Menschen im ganzen Unterhaltungszirkus. Und wenn man sie fragt, wessen Musik sie mögen, dann sagen sie: „Wir lieben Sa-Ra!“. Ich meine, hallo? Wer soll uns da noch aufhalten? Mein Homie Taz war vor ein paar Tagen mit Karl Lagerfeld unterwegs!

Alben:

„The Second Time Around“ (2005)
„The Hollywood Recordings“ (2007)


Sa-Ra Tracks, die man gehört haben muss:

Sa-Ra „Hollywood“ (Original Version)
Fonzworth Bentley „Everybody“ feat. Kanye West & André3000 (prod. by Sa-Ra)
Pharoahe Monch „Agent Orange“ (prod. by Sa-Ra)
Roots Manuva „Too Cold“ (Sa-Ra Remix)
Spacek „Simply So“ (Sa-Ra Remix)
Goapele „Catch 22“ (Sa-Ra Remix)


Taz “TI$A“ Arnold, „Vote Obama“ (prod. by Daedalus)

http://www.youtube.com/watch?v=EbjBHkKiS4c


http://www.sa-ramusic.com

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