DJ Muggs – Wenn HipHop mich langweilt, mache ich ein Rockalbum

Int. Rap

Denkt man an Cypress Hill, fallen einem neben der unverkennbaren Stimme von B-Real auch sofort die Produktionen von DJ Muggs ein, der damals HipHop seinen völlig eigenen Stempel aufdrückte. Neben der äusserst erfolgreich verlaufenden Karriere mit Cypress Hill nahm sich der Kalifornier aber auch immer Zeit für spannende Nebenprojekte. Er schusterte House of Pain die Hits auf den Leib, wagte sich mit dem Album „Dust“ oder gemeinsam mit Tricky in neue musikalische Sphären, produzierte und remixte Künstler wie U2, Simply Red, Depeche Mode oder Janet Jackson und natürlich etablierte er die Soul Assassins Reihe. Diese führt er mit „Intermission“ nun weiter. Welche weiteren spannenden Projekte anstehen, verriet uns Muggs im Interview und da dieses vor einem seiner DJ-Gigs stattfand, unterhielten wir uns natürlich auch über seine Rückkehr zum DJing.

Du hast vor über 20 Jahren mit dem DJing begonnen. Erzähl uns, wie es damals losging!
Ich hatte eine Leidenschaft für HipHop als ich ein Kind war. Es war eine brandneue Kunst, eine völlig neue Kultur. Es war etwas für uns auf den Strassen. Ich machte keinen Sport, ich war Breakdancer. Mit dem DJing begann ich aus Spass, doch irgendwann wollte ich immer besser werden. Ich übte mehr, begann Partys zu machen und gewann schliesslich alle lokalen DJ-Battles. Ich gab weiterhin alles und gewann 1989 die Westcoast DMC Championships. Daraufhin war der Meinung, dass ich alles erreicht hatte, was zu dieser Zeit möglich war. Deshalb entschloss ich mich, meine Energie ins Produzieren zu investieren.

Die letzten zehn Jahre hast du dich vom DJing verabschiedet. Was hat dich dazu bewogen, wieder damit zu beginnen und nun auf Club-Tour zu gehen?
Nun, ich habe für eine längere Zeit aufgehört, da ich sonst sehr viel zu tun hatte. Ich war regelmässig auf Tour, machte viele Produktionen, war in Filmsoundtracks involviert, zudem habe ich mich um geschäftliche Dinge wie Immobilien gekümmert. Irgendwann kam ich an einen Punkt, wo ich wieder etwas Neues erreichen wollte. Zufällig traf ich in Deutschland meinen jetzigen Tourmanager Mike, der fragte mich, ob ich auch als DJ unterwegs sei und ich antwortete, dass ich jeweils an Afterpartys auflege. Ich war mir aber bewusst, dass wenn ich wieder als DJ unterwegs sein will, ich nicht einfach nur Platten laufen lassen kann. Es gibt zu viele, welche sich Serato kaufen, einige Songs runterladen und sich dann DJs nennen. Um wieder hinter die Turntables zu stehen, musste ich viel Zeit und Aufwand investieren, auch um den Kids beizubringen, dass DJing Skills braucht und eine Kunstform ist. Es ist zeitaufwändig, macht aber auch sehr viel Spass. Musik hat mich zu diesem Zeitpunkt nicht inspiriert, das DJing aber schon. Wenn HipHop mich langweilt, mache ich ein Rockalbum oder eine Scheibe wie „Dust“ und so finde ich dann auch die Inspiration wieder, um ein HipHop-Album zu produzieren. Es ist eine gute Situation als freier Künstler. Ich kann verschiedenste Dinge tun und ich bin froh, verschiedene Interessen zu haben. Viele sind nur DJs oder nur Teil einer Band, ich hingegen habe verschiedene Spielwiesen, die mich frisch und meine Kreativität am Leben halten.

Viele Produzenten begannen als DJs. War es für dich ein grosser Vorteil als zu mit dem Beatsproduzieren begannst?
Für mich war es wichtig, da mir das DJing vieles gezeigt hat. Ich wusste, welche Sounds gut zusammenpassen, wie es aufgebaut ist und so weiter. Es war wirklich der Beginn meiner Ausbildung bevor ich mit dem Produzieren begann.

Du integrierst sehr viele technische Elemente in deine DJ-Sets. Ist dies etwas, dass deiner Meinung nach heutzutage fehlt bei den Club-DJs?
Mein Ziel ist es, ein möglichst vielseitiger DJ zu sein. Gewisse DJs konzentrieren sich nur aufs Scratchen, andere spielen nur Club-Musik. Ich finde aber, dass man vielseitig sein sollte, dass man die Party rocken kann, das Scratchen auch beherrscht und eine gute Performance für die Leute abliefert mit Tricks und solchen Sachen. Man muss natürlich über eine gute Soundauswahl verfügen und man sollte gut sein am Mikrofon. Ein DJ muss sich auch einer Party anpassen können. Ich kann zu irgendeinem Event gehen und spüre sofort heraus, was für ein Set das passend ist. Das ist eine Kunst für sich. Jeder der „Guitar Hero“ hat denkt er sei ein Rockstar, selbiges geschieht mit Serato. Doch das sind keine DJs, sondern sie spielen einfach Songs. Sie verwechseln dies und sollten am besten das DJ aus ihrem Namen entfernen und üben. DJing ist eine Kunstform und viele nehmen es zu locker und denken, jeder kann ein DJ sein. Dies ist aber nicht der Fall.

Du bist selbst aber auch mit Serato unterwegs…
Ich nutze Serato als meine Plattenkiste. Es ist aber nicht mehr als dies, Serato hilft dir nicht. Es geht darum, gute Platten zu finden und sich eine Sammlung aufzubauen. Heute rufst du deinen Homie an, lädst bei ihm 20‘000 Songs runter und du bist am selben Abend ein DJ.

Wie erwähnt hast du vor 20 Jahren die Westcoast DMC Championships gewonnen. Wie stehst du zu den DJ-Battles heutzutage?
Ich denke nach Leuten wie Mixmaster Mike oder Craze war es vorbei. Viele der heutigen DJs sind zu mechanisch und hören sich wie Maschinen an, es ist kein Funk mehr vorhanden. Es fehlt an Originalität, sie machen nichts mehr, dass nicht schon ein anderer DJ gemacht hat. Sie pressen oftmals auch ihre eigenen Platten, was eigentlich ein Beschiss ist. Sie lernen ihre Routines, aber sie beherrschen das DJing nicht. Sie sitzen für ein Jahr in ihrem Raum und üben diese Routine, bis sie sie beherrschen.

In den letzten vier Jahren hast du drei Alben mit nur einem MC gemacht (GZA, Sick Jacken, Planet Asia). Hast du dies bewusst so gemacht oder ist es einfach mehr zufällig so geschehen?
Ich musste eine Pause nehmen von Cypress Hill und war deshalb einige Jahre nicht auf Tour. Diese Zeit wollte ich nutzen, um meine Kreativität auf andere Dinge zu lenken, denn es gab vieles, dass ich vernachlässigt habe durch meine Verpflichtungen bei Cypress Hill. Ich dachte daran ein weiteres Soul Assassins Album zu veröffentlichen, merkte dann aber, dass ich etwas anderes machen will und entschloss mich, ein Album zu machen mit nur einem MC. Als begann ich damit, diese Alben zu produzieren. Genau genommen sind es in fünf Alben in den letzten fünf Jahren. Ich habe die Alben mit GZA, Sick Jacken und Planet Asia gemacht, dazwischen das Mitchy Slick Album und nun noch die Soul Assassins Platte. Ausserdem das neue Cypress Hill Album und einige weitere Songs für andere Leute. Wir bleiben am Ball und ich denke, eine Platte pro Jahr ist ein gutes Ziel.

Hast du bereits Pläne für weitere Alben mit nur einem MC?
Ja definitiv. Im Moment arbeite ich an einem Album mit Ill Bill, aber ich kann dir nicht sagen, wann es fertig sein wird und wann es erscheint.

Soul Assassins erscheint bei Gold Dust. Existiert dein Label Angeles Records noch?
Nein, ich habe mein Label aufgegeben, es macht einfach zu viel Arbeit. Es kam soweit, dass ich zehn Stunden pro Tag in meinem Büro sass und telefonierte. Es fällt zu viel Arbeit an, die mich vom kreativ sein abhält. Ich habe meine eigenen Läden und besitze Immobilien, aber die Plattenfirma ist mit zu viel Aufwand verbunden. Bei den Plattenfirmen scheint es mir so, als ob niemand seinen Job richtig macht, jeder gibt nur 50 Prozent und alle schieben die Schuld den anderen zu. Deshalb habe ich beschlossen, einfach ein Künstler zu sein. Aber die Rechte an meinen Platten besitze ich selbst. Aber den Papierkram und das Tageschgeschäft überlasse ich lieber anderen. Im Endeffekt verdiene ich mehr, wenn ich das Album bei Gold Dust rausbringe und habe zudem noch mehr Freizeit.

Ich denke, viele Leute sind der Meinung, dass Soul Assassins nur der Name für deine Produzentenalben ist. Erkläre doch bitte, was sich dahinter verbirgt und was die Truppe repräsentiert.
Soul Assassins ist möglicherweise das grösste und wichtigste Künstlerkollektiv, das es je in Los Angeles gegeben hat. Wir sind aber nicht einfach eine Gruppe von Rappern, wie beispielsweise Wu-Tang, wir haben auch Grafiker oder Videokünstler. Ich sehe es wie einen Club, bei welchem man sich gegenseitig beim Erreichen der persönlichen und künstlerischen Ziele unterstützt.

Erzähl uns über die kommende Scheibe „Intermission“.
Die Platte trägt den Namen „Intermission“, da sie im Grunde die Zeit zwischen dem zweiten und dem dritten Teil von Soul Assassins überbrückt. „Soul Assassins 3“ ist so gut wie fertig, wir haben uns aber entschieden, mit der Veröffentlichung zu warten, da wir an einem Film arbeiten, der die Geschichte von Soul Assassins aufzeigt. „Intermission“ ist einfach gute Musik ohne die Ambition, Radio- oder Videoairplay zu erhalten.

Ich habe gelesen, dass du ausserdem einen 250-seitigen Rückblick auf Soul Assassins veröffentlichen willst. Steht dies im Zusammenhang mit dem Film?
Wir veröffentlichen ein Soul Assassins Magazin, welches schon bald fertig sein sollte.

Auf „Intermission“ hast du mit La Coka Nostra und diversen Künstlern von Army of the Pharaohs gearbeitet. Würdest du sogar soweit gehen, diese beiden Crews sowie dich und die Künstler in deinem Umfeld als ein neues Movement zu bezeichnen?
Dies sind definitiv coole Gruppen, aber ich denke nicht, dass sie etwas Neues ins Game bringen. Im Grund genommen machen sie denselben Shit, den andere Leute vor ihnen bereits gemacht haben, einfach ein bisschen anders. Ich mag ihren Stil und ihre Musik, für was sie stehen und was sie erreichen wollen, aber es ist nichts Neues. Es ist generell sehr schwierig, etwas noch nie dagewesenes zu erschaffen.

Natürlich erfinden sie Rap nicht neu, aber trotzdem unterscheiden sie sich deutlich von dem, was in den letzten Jahren so angesagt war.
Was La Coka Nostra macht, habe ich alles schon gesehen. Mir gefällt was sie machen, aber es ist nichts, dass ich nicht schon gesehen hätte. Es ist kein neuer Geschmack. Aber das muss auch nicht immer sein, man kann ein Steak auf fünf verschiedene Arten essen und wenn es immer gleich schmeckt, kann es trotzdem gut sein.

Natürlich muss ich dich nach dem neuen Cypress Hill Album fragen, wie ist da der Stand der Dinge?
Es ist so gut wie fertig. Ich habe noch keine Ahnung, wann es erscheinen wird und wir wissen auch noch nicht, bei welchem Label, aber die Platte hört sich gut an. Ich will noch nicht zu viel darüber verraten, aber ihr werdet es mögen. Ich habe einige der Songs produziert, Alchemist ist vertreten und auch DJ Premier und Pete Rock. Es ist eine gute Platte.

Was stehen sonst noch für Projekte bei dir an? Ich habe z.B. gehört, dass du am Raekwon Album beteiligt sein sollst.
Ich habe einige Songs für Raekwon gemacht, weiss aber nicht, ob diese dann auch effektiv auf dem Album sein werden. Ansonsten bin ich ziemlich ausgelastet mit dem DJing, dem Soul Assassins Film und „Intermission“. „Soul Assassins 3“ und ein Album mit Ill Bill sind in der Pipeline. Zudem arbeite ich an einem Dance-Album. Ich mag es, wenn die Girls tanzen, also mache ich eine Platte für sie.

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