La Coka Nostra – „Es gibt keinen Grund, das Rad neu zu erfinden“

Int. Rap

Als die Gründung der Supergroup La Coka Nostra bekannt wurde, sorgte dies alleine durch die Konstellation für Furore. Die komplette House of Pain Formation war wiedervereint dazu kamen noch gleichgesinnte wie der ehemalige Non Phixion MC Ill Bill, Slaine und Big Left. Die ersten Songs, die durchs weltweite Netz schwirrten, kurbelten den Hype weiter an. Bis zum ersten Album hat es freilich etwas Zeit gebraucht, doch schon der Albumtitel „A Brand You Can Trust“ lässt vermuten, dass uns Hardcore Rap in bester Qualität erwartet. Wir sprachen mit Slaine über das kommende Album, dessen Entstehung und wieso Eminem ihn dazu zwingt, sein Soloalbum nochmals zu überarbeiten.

Erzähl uns zu Beginn, wie La Coka Nostra entstand!
Das geht schon einige Jahre zurück; ich lernte Danny Boy bereits 1999 kennen. 2003 kam er nach Boston um einen Verse für mich aufzunehmen und schliesslich kam es soweit, dass ich nach L.A. flog und einen Produktionsdeal bei DJ Lethal unterschrieb. Dies war eigentlich der Beginn des ganzen. Einige Jahre später machte ich einen Song mit Everlast, Ill Bill war eine Woche später in L.A. und wir nahmen gemeinsam auf. So entwickelte es sich, dass wir erste gemeinsame Songs für Mixtapes aufnahmen und daraus entstand schliesslich eine Gruppe. Es hat sich völlig natürlich ergeben, die Chemie hat sofort gestimmt und wir hatten eine Menge Spass.

Ihr kommt aus verschiedenen Städten und aus verschiedenen Zeitabschnitten der HipHop-Geschichte. Welches sind die Gemeinsamkeiten, die euch zusammengeführt haben?
Auch wenn wir aus verschiedenen Epochen von HipHop kommen, sind wir musikalisch alle auf derselben Linie. Wir alle haben diesen rohen Untergrund Boom Bap Sound und wir leben auch einen ähnlichen Lifestyle. Einige von uns haben dieselben Sachen durchgemacht, uns verbindet also viel, auch wenn wir aus unterschiedlichen Städten stammen. Meine erste HipHop-Show waren House of Pain und Cypress Hill, da war ich gerade mal 14 Jahre alt. Ich komme aus einem irischen Viertel in Boston und als House of Pain rauskamen, war dies mein Shit.

Vor einigen Wochen hatte ich ein Interview mit DJ Muggs, in welchem er sagte, dass er euren Sound und für was ihr steht mag, dass eure Musik aber nichts Neues ist. Würdest du dem zustimmen oder was macht deiner Meinung nach den Sound von LCK einzigartig?
Es gibt keinen Grund, das Rad neu zu erfinden. Wir machen nichts, dass es zuvor nicht gegeben hat, es ist aber etwas, dass im Moment nicht zu finden ist. HipHop hat sich verändert und diese Entwicklung steht nicht mehr für das, was wir an HipHop mögen. Schlussendlich haben wir einfach eine HipHop-Platte gemacht, die uns selber gefällt. Wir kommen nicht raus, um die Musik neu zu erfinden, sondern um die Platte zu machen, die unserer Meinung nach im Game momentan fehlt.

HipHop war die letzten Jahre oftmals sehr soft. Könntest du dir vorstellen, dass Gruppen wie La Coka Nostra oder Army of the Pharoahs eine Art neues Movement sein könnten?
Das hängt von den Leuten ab. Jeder behauptet heutzutage ein Movement zu sein. Wir haben sicherlich das Potential dazu, da viele Leute hinter uns stehen und uns unterstützen. Wir sind definitiv auch unten mit der Army of the Pharoahs und ich mag ihren Sound. Am Ende des Tages sollte man einfach versuchen, gute Musik zu machen und was passieren soll, wird auch geschehen. Ich habe immer die Musik gemacht, die mir selber gefällt. Ich mache diesen Sound für mich und dies schon lange bevor es zu meinem Lebensverdienst wurde. Das ist das einzige, was ich tun kann. Wenn meine Karriere eines Tages zu Ende sein wird, werde ich immer noch Musik machen.

Am 14. Juli erscheint mit „A Brand You Can Trust“ endlich euer Album. Ist es, was die Fans nach den Mixtapesongs erwarten können, oder kommen auch einige musikalischen Überraschungen auf uns zu?
Ich denke schon, dass wir einige Überraschungen für die Leute bereithalten. Die Mixtapesachen waren mehr oder weniger alle von den ersten Sessions, die wir mit La Coka hatten. Auf „A Brand You Can Trust“ behandeln wir sehr unterschiedliche Themen und ich würde behaupten, dass es ein Album ist und nicht nur eine Zusammenstellung von diversen Songs. Musikalisch geht es in verschiedene Richtungen, einige die unsere Fans möglicherweise nicht erwarten würden, und inhaltlich soll es wie ein Film vor den Augen des Hörers ablaufen. Die Leute werden es mögen, da es einfach anders ist.

Die Features von Leuten wie Sick Jacken, Immortal Technique, Q-Unique und B-Real konnte man erwarten. Ich war jedoch überrascht, als ich las, dass auch Snoop Dogg zu hören sein wird. Wie kann man sich ihn auf dem harten LCN Sound vorstellen?
Klar hat Snoop Dogg einen ganz anderen Sound als wir, aber wenn ihr den Song hört, werdet ihr sehen, dass diese Kombination sehr gut funktioniert. Für mich ist Snoop Dogg eine Legende und „Doggystyle“ in meinen Augen eines der besten Rap-Alben aller Zeiten. Wenn man die Chance hat, mit ihm zu arbeiten, kann man sich dies nicht entgehen lassen. Die Connection kam über Everlast zustande, der einen Song für das letzte Album von Snoop geschrieben hat. Snoop Dogg war ausserdem einer der ersten, der uns auf einem Song erwähnt hat – dies bereits 2006.

Ich habe gelesen, dass ihr euch alle getroffen habt um die Songs gemeinsam aufzunehmen. Ich stelle mir vor, dass es nicht ganz einfach war, dies zu koordinieren.
Es war schon eine Herausforderung, da tausende von Meilen zwischen uns liegen. Aber wir wollten die Songs nicht via das Internet entstehen lassen und so entschieden wir uns, zusammenzukommen. Ill Bill und ich flogen nach L.A. um im Studio von DJ Lethal aufzunehmen und wir blieben jeweils für eine Woche oder zehn Tage dort. Wir haben sehr viele Songs aufgenommen, einige davon verwenden wir für das Album, einige haben wir verworfen und ein paar Songs haben wir geleaked. Auf diese Weise haben wir nur das Beste auf dem Album. So aufzunehmen hat natürlich länger gedauert. Dass das Album aber erst jetzt erscheint, hängt auch mit dem Musikgeschäft zusammen. Es hat uns einige Zeit gekostet, bis wir die richtige Möglichkeit gefunden haben, um das Album rauszubringen und uns in die bestmögliche Lage zu bringen.

Würdest du La Coka Nostra als eine Gruppe bezeichnen oder ist es eher ein Projekt, da alle Mitglieder auch ihren eigenen Karrieren nachgehen?
Es ist eine Gruppe, ein Familie.

Von einer Gruppe kann man dann auch erwarten, dass rund alle zwei Jahre ein neues Album erscheint!
Wir werden sehen. Ich persönlich hoffe, dass wir schon sehr bald ein neues Album machen können, denn wir sind ein Konglomerat und ein Team. Everlast arbeitet an Solostuff, Ill Bill macht ein Soloalbum sowie ein Album mit Muggs und mein Soloalbum ist in den Startlöchern. Aber ich hoffe, dass wir danach sofort wieder zusammen ins Studio gehen.

Das Interview wird kurz unterbrochen, da sich Slaine’s Sohn lautstark zu Wort meldet.

Ihr habt bereits eine sehr grosse Fanbase hier in Europa. Was denkst du ist der Grund, dass die Leute hier eure Musik so fühlen, obwohl viele von ihnen einen ganz anderen Background haben?
Die Schweiz hat einfach ein unglaubliches HipHop-Publikum, wieso weiss ich auch nicht. Ich war schon mit meiner anderen Gruppe Special Teamz in der Schweiz und mit La Coka Nostra hatte ich eine sehr dope Show am Royal Arena, was übrigens eine unserer ersten Shows überhaupt war. Ich bin nicht aus dem Ghetto, sondern aus einem Arbeiterquartier. Vieles ist bei uns sicherlich anders als hier in Europa, aber viele Dinge, über die wir sprechen, sind universell. Man muss also nicht zwangsläufig ähnliches wie wir durchgemacht haben, um sich mit unserer Musik identifizieren zu können.

Du hast deine Crew Special Teamz erwähnt. Was ist dort der Stand der Dinge? Existiert die Crew noch, arbeitet ihr sogar an einem neuen Album?
Ein neues Album ist so gut wie fertig. Es ist eine Frage des Timings, da das La Coka Album im Juli erscheint und Edo G sein Album mit Masta Ace voraussichtlich im August veröffentlicht. Auch wenn es schon fast fertig ist, wird das Album vermutlich erst zu Beginn des nächsten Jahres erscheinen.

Dieses Jahr soll auch noch dein erstes offizielles Soloalbum erscheinen. Was können wir erwarten?
Da ich Mitglied von zwei Crews bin und auch sonst sehr viele Kollaborationen mache, repräsentiert das Soloalbum einfach nur mich. Es sind 17 Tracks, aber es ist noch klar, wann und wo es erscheinen wird. Ich wollte das Konzept der beiden „The White Man is the Devil“ Mixtapes weiterziehen, das Konzept hat aber viele Parallelen zum neuen Eminem Album. Ich habe in den letzten drei Jahren in vielen Interviews über das Album und mein Konzept gesprochen. Ich will nun aber nicht darüber spekulieren, ob Eminem irgendwo davon gelesen hat. Das Album ist mehr oder weniger fertig, ich muss nun nur noch einige Songs anpassen und das Konzept leicht verändern.

Es scheint, als ob dies ein gutes Jahr wird für dich. In deiner Vergangenheit hattest du mit vielen Problemen, insbesondere den Drogen, zu kämpfen. Würdest du sagen, dass du nun deinen Traum leben kannst mit der Musik?
Absolut, ich leben meinen Traum jeden Tag. Es ist grossartig im Studio zu sein, auf Tour zu gehen und um die Welt zu reisen. Mein Leben ist besser, ich habe eine Möglichkeit mich auszudrücken und sehe etwas von der Welt, anstatt an einem Ort festzusitzen. Das beste halte ich im Moment gerade in meinen Armen – mein neugeborener Sohn. It’s a beautiful thing.

Ich würde sagen, dass dies ein schönes Schlusswort ist. Hast du den Leuten in der Schweiz noch etwas mitzuteilen?
Sag den Leuten, dass La Coka Nostra kommt um die Schweiz zu rocken. Ich liebe es in der Schweiz zu sein.

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