Smif N Wessun – Es gibt keinen typischen New York Sound

Int. Rap

Mit ihrem Debüt „Da Shining“ definierten Tek und Steele, wie sich Rapmusik aus Bucktown anzuhören hat und erschufen damit einen Klassiker. Während die HipHop-Zunft begeistert war, hielt sich die Freude beim Waffenhersteller Smith & Wesson in Grenzen, so dass das Duo seinen Namen in Cocoa Brovaz ändern musste. Nach dem „The Rude Awakening“ Album und einem Gastspiel bei Rawkus, dass nicht mit einer Albumveröffentlichung gekrönt wurde, dauerte es geschlagene sieben Jahre bis eine neue Platte der Boot Camp Clik Mitglieder erschien. Ihr Comeback „Reloaded“ überzeugt. Die Beiden hatten nichts von ihrer lyrischen Schärfe eingebüsst und waren musikalisch nicht bei ihrem Debüt hängengeblieben – ihrem Stil blieben sie trotzdem treu. Ihre ungebrochene Relevanz vermochten sie auch mit dem zwei Jahre später veröffentlichten „The Album“ wahren. Wir trafen Mr. Smif und Mr. Wessun nach ihrer Show in Aarau um sie nach ihren Soloprojekten, Vergangenheit und Zukunft sowie über Bucktown zu befragen.

Nachdem ich mir den Weg am etwas zu pflichtbewussten Security in den Backstage gebahnt hatte, erwarteten mich der entspannte Tek und ein gutgelaunter Steele, der sich genüsslich einen Blunt drehte und sich dem Hennessy widmete, was vielleicht auch seine teils etwas wirren Antworten erklärt. Tauchen wir ein in die Welt von Bucktown, New York.

Heute Abend habt ihr die Show als Smif’n’Wessun gerockt. Momentan seit ihr aber vorwiegend mit euren Soloprojekten beschäftigt. Was gibt es dazu zu erzählen?
Tek: Die Soloprojekte sind im vollen Gange. Mein Partner Steele hat soeben „Welcome to Bucktown“ veröffentlicht. Ich habe zu Beginn des Jahres „U.G.P. – Underground Prince“ rausgebracht, mit dem zweiten Teil von „Amerikkka’s Nightmare“ von Steele und „24Kt Smoke“ stehen noch zwei weitere Soloprojekte an für dieses Jahr. Dies sind einfach Dinge, die wir ausserhalb von Smif’n’Wessun tun, um in Form zu bleiben. Wir wollen stetig Musik rausbringen, da es das ist, was wir lieben. Aber alles hat seinen Ursprung bei Smif’n’Wessun.

Ihr seit bekannt als ein dynamisches Duo des HipHop. Ist es eine grosse Veränderung, wenn ihr an einer Soloplatte arbeitet?
Tek: Ja, es ist schon ein grosser Unterschied. Aber es entstand ganz natürlich, da wir uns schon immer gegenseitig dazu motiviert haben, Soloalben aufzunehmen. Lange hat einfach keiner von uns den Schritt gemacht. Bei mir handelt es sich sowieso eher um Mixtapes für die Hood, mit welchen ich die Strassen bediene. Damit kann ich auch die Lücke zur nächsten Generation schliessen und die Kids von 11 bis 17 erreichen, die zwar Tek kennen, aber nicht Tek von Smif’n’Wessun.
Steele: Wir sind zwei Künstler, die Smif’n’Wessun gegründet haben. Aber Tek und Steele sind zwei Individuen. Es gibt Zeiten, in denen wir nicht an einem Smif’n’Wessun Album arbeiten – an Musik arbeiten wir aber immer. Wir sind immer darauf bedacht, mehr Stuff zu veröffentlichen. Wenn jemand eine Idee hat, dann veröffentlicht er das einfach. Wir unterstützen uns sowieso immer gegenseitig, deshalb sehe ich diese Projekte auch gar nicht so sehr als Soloprojekte an. Es ist nicht so, dass wir völlig verschiedene Wege einschlagen, es ist einfach natürlich, dass wir Musik machen. Wir sind mental und spirituell miteinander verbunden. Alles was wir machen, dient unserer Entwicklung. We gotta be able to stand strong. Everybody stand strong on your own two. Do what you gotta do to get true. If you for real then you know the deal, I do or die and I never ran never will.

Wir ihr gesagt habt, arbeitet ihr konstant an neuer Musik. Wie war die Zeit nach dem Cocoa Brovaz Album, wo ihr bei Rawkus unter Vertrag wart, das Album aber nie erschien und ihr schlussendlich sieben Jahre lang keinen Release hattet?
Steele: Es war eine lange Zeit, aber wir arbeiteten während dessen z.B. am Soundbombing Projekt, spielten Shows und hatten unsere Boot Camp Familie, die an neuem Material arbeitete. Wir waren mit Sean Price und Buckshot auf Tour und natürlich nahmen wir auch stetig neue Songs auf. Man muss über uns wissen, dass wir nie aufhören zu arbeiten. Deshalb haben wir auch ein Album wie „Da Shining“, dass die Leute kennen und respektieren.

Ist „Da Shining“ manchmal wie ein Fluch für euch, da dieses zweifellos ein Klassiker ist und jede neue Veröffentlichung zwangsläufig mit dem Debüt verglichen wird?
Tek: Es ist Fluch und Segen gleichzeitig. Wenn dein erstes Album ein Klassiker wird, ist ein absoluter Segen. Natürlich wird danach alles damit verglichen. Aber die Zeiten und die Musik verändert sich und man wächst als Künstler. Es ist ein zweischneidiges Schwert, aber trotzdem immer noch eine wundervolle Sache.
Steele: Wenn du dir „Rude Awakening“ anhörst, gibt es Songs wie „Black Trump“ mit Raekwon, bei denen man denkt, dass man sie so nie erwartet hätte, die man aber unbewusst schon immer hören wollte.

Ihr repräsentiert den klassischen New York Sound…
Tek: (unterbricht) Nein, es gibt keinen typischen Sound aus New York. New York ist ein riesiger Schmelztiegel, es gibt dort alle möglichen Kulturen, Religionen und jedes Musikgenre, dass du dir vorstellen kannst. Es gibt einfach gute Musik aus New York, so wie es die auch aus jeder anderen Stadt gibt. Smif’n’Wesun haben ihren eigenen Sound.
Steele: Es gibt Smif’n’Wessun, Tek und Steele, den Boot Camp Sound. Wir sind Erfinder, wir setzen Standards und müssen nichts kopieren. Wir geben Respekt an jeden da draussen, der sein Ding macht. Aber wir müssen für uns selber schauen und unser Ding durchziehen.

Was ihr aber mit Sicherheit repräsentiert ist Bucktown…
Tek: To the fullest! For life!
Steele: All day every day!

Lebt ihr noch immer in der gleichen Gegend wie zu Beginn eurer Karriere?
Steele: Ziemlich, die Familie ist dort.
Tek: Man hat seine Wurzeln dort. Wenn man 20 Jahre dort gelebt hat, wieso sollte man umziehen?

Wie hat sich die Hood über die Jahre verändert?
Steele: In diesem Umfeld geht immer viel Scheisse ab. Die Hood ist immer noch die Hood. Man muss drin sein um es wirklich zu verstehen. Wir haben nicht genug Zeit in diesem Interview um wirklich darauf einzugehen, was sich verändert hat.
Tek: Neue Gesichter kommen in der Nacht und am Morgen sind sie wieder verschwunden.

Meiner Meinung nach war euer letztes Werk „The Album“ ruhiger und reflektierter. Gab es dafür einen bestimmten Auslöser?
Tek: Grundsätzlich wurde das Album hier in der Schweiz aufgenommen.
Steele: In Schweden.
Tek: Richtig, in Schweden. Wir haben es Collen & Webb, wie nennen sie die Cocaine Cowboys, und Ken Ring aufgenommen. Wir nannten es “The Album”, da es reflektiert, wie wir als Künstler gewachsen sind. Wir haben auf das Album gepackt, was wir zu dieser Zeit in unseren Seelen gefühlt haben und was wir rausbringen wollten. Wir wollten eine neuen Sound ausprobieren und mit neuen Produzenten arbeiten. Wir bekommen jeden Tag neue Beats geschickt, aber wir entschieden uns dazu, das komplette Album in einem anderen Land aufzunehmen. Die Leute dort haben ihre Arme und ihre Türen für uns geöffnet, wir lernten ihre Familien kennen und es war einfach eine wunderbare Erfahrung.

Ihr arbeitet öfters mit weniger bekannten Beatmakern und eben auch mit Produzenten aus Europa. Was sind denn eure Kriterien beim picken der Beats?
Steele: Als z.B. Tommy Tee hat mit sehr vielen US-Künstlern gearbeitet. Wir fanden heraus, dass er schon einen ziemlichen Namen hat.

Ich dachte auch nicht unbedingt an Tommy Tee…
Steele: Als Young Jeezy rauskam, arbeitete er mit Produzenten, die niemand kannte und er brachte sie auf die Titelseiten der Magazine. Ganz einfach weil der Sound dope war, er nannte es ja auch dope music. Oder Rick Ross kam mit der J.U.S.T.I.C.E. League. Haben die eigentlich was mit 9th Wonder und den Jungs zu tun?
Tek: Nein, das ist nicht diese Justus League.
Steele: Es gibt viele Produzenten, die einen völlig neuen Sound bringen, der dope ist. Wenn man immer mit den gleichen Produzenten arbeitet, was kann man denn Neues zu HipHop beitragen? Wenn du dir die Alben von Smif’n’Wessun anhörst, war jedes anders. Man kann den Wachstum und die Weiterentwicklung erkennen. „The Rude Awakening“ war z.B. ein sozialpolitisches Album, da wir zu diese Zeit viel auf Reisen waren und dadurch vieles gesehen und gelernt haben. Diese Erfahrungen geben wir sofort unseren Hörern weiter, es ist wie eine Konversation mit der Welt. Wenn wir hier in der Schweiz auftreten, können wir mit den Leuten hier kommunizieren. Genau so in diesem Interview – du erhältst die Möglichkeit, unsere Ansichten zu hören.
Tek: Wir stellen der Welt neue Produzenten vor. Auf meinem kommenden Solojoint kommen die Beats Grossteils von Cookin‘ Soul, einem Produzententeam, von welchem viele noch nichts gehört haben. Wir picken einfach die Musik, die uns bewegt, ob es nun ein Kopfnicker Beat ist, oder ein Instrumental, welches uns zum Nachdenken bringt. Wir tauschen uns auch mit unserem DJ aus, da er sehr viel in Clubs rockt. Wenn er der Meinung ist, dass ein Beat die Crowd packt, dann ist uns egal, wer den Beats produziert hat.

Ich habe gehört, dass ihr nun ein komplettes Album mit einem Produzenten macht, den ihr niemandem vorzustellen braucht: Pete Rock.
Tek: Das ist das neue Smif’n’Wessun Album. Das Projekt wird komplett von Pete Rock produziert werden. Sobald wir wieder zuhause sind, werden wir damit beginnen die Beats zu picken um dann herauszufinden, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln wird.

Wie steht es eigentlich um das „One Nation 2“ Album mit den Outlawz, ist dies bereits im Kasten?
Tek: Dieses Projekt hat viele politische Hürden. Um dieses Projekt wirklich zu realisieren, müssen wir zuerst mit den Outlawz, Afeni Shakur und ihrer Familie zusammensitzen und alles genau besprechen. Jeder soll sein Stück vom Kuchen erhalten und das Album soll ein Reflektion von beiden Gruppen sein, damit es das bestmögliche Album wird. Lasst euch nicht von dem Bootleg Stuff verwirren, solange ihr nicht den Outlawz und den Boot Camp Stempel auf dem Produkt seht, ist es nicht offiziell.

Ist es denn auch geplant, dass „One Nation“ Album mit Tupac und Buckshot offiziell zu veröffentlichen?
Tek: Das Album existiert, aber es ist wie ein Geist. Viele Leute glauben, dass Pac noch am Leben ist und er wird immer wieder Mal gesichtet. So ist es auch mit dem „One Nation“ Album, es taucht immer mal wieder auf, ist aber nie wirklich da. Es ist vorhanden, aber man kann es nicht in den Händen halten.

Die Zeit ist schon fast um. Habt ihr noch weiter Projekte die anstehen, vielleicht auch ein neues Boot Camp Album?
Tek: Wir haben mit einem neuen Boot Camp Album begonnen. Wie erwähnt kommt ein neues Smif’n’Wessun Album komplett produziert von Pete Rock. „Welcome to Bucktown“ von Steele ist draussen, mein Mixtape „U.T.P.“ ist im Handel. „24Kt Smoke“ kommt schon sehr bald. Wir sind immer dran. Besucht uns auf Myspace, folgt uns auf Twitter und checkt duckdown.com.
Steele: Geht ebenfalls aus bucktownusa.com. Da erfahrt ihr alles, was bei uns geht. Unsere DVD-Projekte, die TV-Show und all den Shit.

Int. Rap