Daniel Merriweather – Hip Hop ist ein grosser Teil meines Lebens!

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Daniel Merriweather hat eine grossartige Stimme! Wirklich. Der gebürtige Neuseeländer mit Wurzeln im Hip Hop wurde auch durch seine Stimme bekannt. Er schenkte sie dem Mark Ronson Hit „Stop me“ und hatte einen riesigen Impact in Radios auf der ganzen Welt. Nun knapp zwei Jahre später steht er mit dem eigenen Album „Love & War“, mit einem grossartigen Sound und einer immer noch unglaublichen Stimme da, um vielleicht ein wirklich ganz Grosser der Musik zu werden. Wir trafen den äusserst lockeren Daniel Merriwaether kurz vor Release in Zürich zum Interview.

Daniel, du bist nicht das erste Mal in der Schweiz?
Nein, das stimmt. Ich hatte schon mal einen Auftritt in Montreux, natürlich nicht als Soloartist. Das war aber dennoch grossartig.

Hier wurdest du vor deinem Album und deiner Single „Change“ vor allem durch den Song „Stop me“ mit Mark Ronson bekannt. Wie kamst du als „No Name“ zu Mark Ronson und diesen Song?
Vor über sechs Jahren nahm ich ein Demo auf und versuchte, einen Major Deal zu kriegen. Darum war in wohl jedem grösseren Musiklabel mein Tape. Und irgendjemand liess Mark Ronson so ein Demo zukommen. Oder ein Kollege von ihm hatte eines. Auf jeden Fall hörte er sich dies an und rief mich aus dem nichts einfach an und sagte mir: „Unterschreibe einfach nichts und komm für eine Woche nach New York.“

Wie war das für dich? Ich denke, dass war der Anruf, den sich jeder Künstler wünscht.
Ja, auf jeden Fall. Ich hatte ja noch gar nichts veröffentlicht zu jener Zeit. Und er war auch noch nicht ein grosser Produzent. Er war in New York als DJ ziemlich bekannt, aber auch nicht mehr. Ich kannte ihn, weil er für Nikki Costa produziert hatte. Darum hatte ich ein gutes Gefühl. Und er meinte, ich solle mit ihm abhangen kommen, was ich dann auch tat. Und wir verstanden uns super, hatten dieselben musikalischen Ansichten. Und so ging ich die folgenden Jahre über immer wieder nach New York, um ein Album zu produzieren, bis ich vor drei Jahren definitiv nach New York ging.

Hast du am Anfang nicht gedacht, dass das einfach eine Sackgasse ist, und er einfach ein weiterer Schwätzer in der Musikindustrie ist?
Nein, nicht wirklich. Ich kannte auch sein Umfeld und ich dachte mir, im schlimmsten Fall habe ich in New York gratis Ferien gemacht (lacht).

Dein Sounddesign auf dem Album hat einen gewissen Retro Touch. Wie seid ihr darauf gekommen?
Ich denke schon, dass das auch der Sound ist, den Mark Ronson ausmacht und der ihn durch Amy Winehouse auch so erfolgreich gemacht hat. Mein Ziel fürs Album war ganz einfach: „Sit down and write a bunch of great Songs.“ Und es war mein Ziel, dass auch gute Musiker dann diese Songs interpretieren. Ansonsten passierten auch viele glückliche Unfälle der band, die die Songs dann einspielte oder herumexperimentierte. Und so passierte alles sehr organisch und es war einfach Fun, dieses Album zu realisieren.

Also du hast vor allem Songs geschrieben und den Rest den anderen überlassen?
Ja, das stimmt schon. Ich war natürlich immer dabei, aber da war Mark Ronson schon stark involviert und kommunizierte mit der Band, die die Songs einspielten, und wir gaben ihnen einfach immer wieder Guidelines und Vorgaben.
Spannend war auch, dass die Band normalerweise überhaupt nicht den Style spielt, wie ich Musik mache und do war es auch für sie ein herumpröbeln und ausprobieren und sicherlich auch ein Grund, warum die Musik so frisch wirkt.

Du konntest also ohne Probleme deine Songs loslassen?
Klar, wenn ich eine bestimmte Bassline wollte oder mir etwas speziell auffiel, dann habe ich das schon gesagt. Manchmal ist es als Künstler wichtig, dass man die anderen ihr Ding ein bisschen mehr machen lässt. Und ich habe die Songs geschrieben und gesungen, wollte aber, dass Mark produziert und habe grosses Vertrauen in ihn gehabt.

Du hast mal gesagt: „There’s too much thinking in the musicindustry and too less singing songs“. Kannst du dieses Statement erklären?
Ich finde einfach, dass man heutzutage so viel Musik hört, die so kalkuliert und berechnend ist. Und man hört förmlich das Label im Hintergrund, wie sie sagen: Oh, dieser Song muss so tönen wie jener Hit. Und man hört zu viele Alben ohne Herz & Seele. Darum versuche ich wirklich einfach nur Songs zu schreiben und nicht in eine bestimmte Richtung oder Stil hin zu arbeiten. „I just have a lot of shit that I need to get off my chest“.


Und trotzdem hast du einen Major Deal und wirst weltweit promoted. Ist wirklich alles so easy für dich? Das wäre ja ein Musik-Märchen…

Ehrlich gesagt, es ist wirklich so was wie ein Traum für mich. Dass ich bei Mark Ronson unter kam und dass uns die Plattenfirma glaubte, dass wir ein gutes Album machen werden. Und wir konnten wirklich beide frei und ohne Einmischen von Aussenstehenden dieses Album machen. Und das kommt ja wirklich selten vor.

Du sprichst von „Beer-Songs“…
(lacht). Weißt du, viele meiner Songs sind eigentlich einfach „Crying into my Beer“. Und einfach weinen wegen der Welt und überhaupt.

Ist das ein bisschen deine Persönlichkeit?
Ein kleines bisschen schon. Ich habe schon eine melancholische Seite. Und oftmals wenn ich einen Song schreibe, ist das Glas eher halbleer als halbvoll.

Deine Bio liest sich wie ein Film. Von der Schule geflogen, dann in einem Fast Food Restaurant gearbeitet und quasi als letzte Option dann über die Musikkarriere gestolpert…
Also, ich habe schon seit meiner Kindheit Musik gemacht, ich singe seit ich zehn bin und spielte schon Geige als Vier Jähriger. Musik war ein riesen Teil meines Lebens. Als teenager hatte ich auch den Traum Sänger zu werden, aber ich glaubte einfach nicht daran. Darum bin ich wohl überhaupt in all diese Schwierigkeiten geraten. Und als ich dann mit 19 Jahren einen Vertrag bekam, merkte ich, dass es für mich eh nur diesen Weg gab, und definitiv nicht bei KFC (lacht.)

Kannst du denn noch Violine spielen?
Meine Mutter brachte eine Geige mit, als sie mich letzte Weihnachten besuchen kam. Aber es tönte wirklich wie eine sterbende Katze. Und es ist wirklich nicht wie beim Velofahren, weil Geige spielen kann man definitiv verlernen.

Du hast schon mit vielen Rapper zusammengearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?
Als ich noch in Melbourne war, hab ich für Rapkünstler produziert, ich war knie tief in dieser Szene drin. Ich fühlte mich in dieser Musik wohl und verstanden, weil ich von einem solchen Umfeld kam. Deshalb habe ich auch viele Hooks gesungen. Ich habe durch meinen Gesang einfach einen anderen Zugang. Wenn ich eine Melodie singe für einen Rapper wird es nicht wie eine typische RnB Hook klingen, aber dennoch aufgehen.
Und dann in New York habe ich über Mark Ronson viele Leute getroffen, weil sein Background als DJ auch der Hip Hop ist. Ich hörte viele Neo Soul Singers der 90er wie D’Angelo und dann immer merh auch hip Hop, ich war ein grosser Verehrer von J Dilla. Und auch alle meine Freunde waren into Hip Hop. In Melbourne ist Hip Hop big. Hip Hop ist definitiv ein grosser und wichtiger Teil meines Lebens.

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