Black Violin – Zwischen zwei Welten vermitteln

Int. Rap

Dem Klischee nach, ist Klassik ergrauten Damen und Herren aus der weissen Oberschicht vorenthalten. Das Duo Black Violin, bestehend aus Wil B. und Kev Markus, beweist das Gegenteil. Sie kombinieren ihre klassische Ausbildung an Geige und Bratsche mit ihrem musikalischen Background, der von HipHop über Funk, Jazz, Reggae oder Soul reicht. Das Duo aus Miami will damit zwei völlig unterschiedliche Welten verbinden. Dass dies zumindest bei den HipHop-Kids bestens funktioniert, zeigte ihre Show am Openair Frauenfeld. Wie die klassische Welt auf ihre Musik reagiert, wie sie auf die Idee kamen HipHop und Klassik zu kombinieren und wie sie Jugendliche motivieren wollen, erzählten sie nach ihrer Show in der Ostschweiz.

Erzählt uns zu Beginn, wie es bei euch mit der klassischen Musik begonnen hat!
Wil B.: Ich fing mit 14 Jahren an Bratsche zu spielen und es war sofort eine enorme Verbindung vorhanden. Ich liebte es, dieses Instrument zu spielen, auch wenn es eine ganz andere Welt repräsentiert, als diejenige in welcher ich aufwuchs und ich einen ganz anderen musikalischen Background mitbrachte. Mit HipHop und Reggae wuchs ich auf, aber mit der klassischen Musik haben sich so viele Türen für mich geöffnet, sowohl auf persönlicher, wie auf musikalischer Ebene.
Kev Markus: Meine Mutter hat mich dazu ermutigt, Geige zu spielen. Sie fand es wichtig, dass ich durch die Musik ein Ventil erhalte. In der Musikschule hatte es nur noch Platz bei den Geigenkursen und mit der Zeit wuchs eine richtige Liebe zum Geigenspiel heran. Ich spielte auch im College weiter und irgendwann konnte ich nicht mehr ohne – es war, als ob mir das Instrument eine Stimme geben würde, die ich zuvor nicht hatte. Musik ist eine internationale Sprache; ich kann in die Schweiz kommen und selbst wenn einige Leute kein Englisch verstehen, kann ich mit ihnen kommunizieren.

Ihr wollt nicht, dass die Leute eure Musik in eine Schublade stecken. Denkt ihr, dass ihr mit der Verbindung zweier musikalischer Welten ein neues Genre kreiert habt?
Wil B.: Ich denke eher, dass wir es vermischen. Wir vermitteln zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten. Leute, die nur klassische Musik hören, haben nun auch etwas, worüber sie mit HipHop-Leuten diskutieren können, oder umgekehrt. Wenn du unsere Shows siehst oder unsere CDs hörst, findest du dort auch weitere Musikstile wie Funk oder Jazz. Wir verbinden verschiedene Richtungen, bei denen man nie denken würde, dass diese zusammenkommen und erschaffen so einen völlig anderen Stil. Es ist grossartig, dass wir auch die Möglichkeit haben, unsere Message hier in der Schweiz den Leuten mitzuteilen. Wir werden weiter unser Ding machen und hoffentlich wird die Welt weiterhin die Musik lieben, die wir machen.

Ihr wollt zwischen zwei verschiedenen Welten vermitteln. Dass das HipHop-Publikum eure Musik liebt, konnten wir soeben bei eurer Show sehen. Wie ist es aber mit den Leuten, welche klassische Musik hören – werdet ihr in dieser Welt überhaupt wahrgenommen?
Wil B.: Sie wissen es genau so zu schätzen. Hauptsächlich, weil sie sehen können, dass wir klassisch ausgebildet sind. Wir bringen etwas Neues in die klassische Welt, denn diese liegt schon fast im Sterben, um ehrlich zu sein. Wenn Kids denken, die Geige sei nur ein Instrument für komische Nerds, können wir ihnen einen ganz anderen Blickwinkel geben. Bei uns sieht das Ganze cool aus und so nehmen sie vielleicht trotzdem eine Geige in die Hand und versuchen es. Wir bekommen aber definitiv Respekt von klassischen Musikern und den Leuten, die klassische Musik hören. Das ist das Schöne an unserer Musik – wir können jeden damit faszinieren.

Hört ihr privat klassische Musik?
Kev Markus: Ab und zu höre ich gerne klassische Musik. Lustigerweise habe ich eigentlich gar keine klassische Musik gehört, als ich begann Geige zu spielen, sondern HipHop, Jazz oder Funk. Wenn man übt spielt man natürlich enorm viele klassische Stücke und danach hat man irgendwann mal genug davon und möchte etwas Anderes hören. Dies ist wohl aber der Grund, wieso es uns leicht fällt, Klassik mit anderen Stilen zu mischen. Wir haben klassische Musik studiert, nebenher aber immer andere Musik gehört. Wir sind also nicht die typischen Geigenspieler und können dank unserem Background leicht verschiedene Stile mischen.

Habt ihr Lieblingskomponisten?
Kev Markus: Ich liebe Brahms – generell mag ich alles aus der Romantik. Tschaikowsky mag ich ebenfalls sehr. Ich überlege, ob es auch noch Komponisten aus der Schweiz gibt.

Ich glaube nicht, die kamen vor allem aus Österreich und Deutschland.
Kev Markus: Ich mag eher die späte klassische Musik, 1850 und später. Natürlich sind aber Sachen wie Bach auch grossartig. Von Brahms liebe ich diese wahnsinnigen Akkorde – ich bekomme schon Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.

Ihr seid vor allem bekannt für eure Liveshows. War es schwierig, die Energie dieser Shows ins Studio zu bringen und auf Platte zu konservieren?
Wil B.: Eigentlich nicht. Wir machen dies schon eine ganze Weile und diesen Vibe ins Studio zu transportieren, war schlussendlich nicht schwierig für uns. Es ist ein ganz natürlicher Prozess, egal ob man in die Booth geht oder auf der Bühne steht. Wir sind davon angetrieben, etwas zu erschaffen, das den Leuten gefällt. Aber selbst wenn ich ein Doktor wäre, würde ich dies noch nebenher machen, denn es ist, was ich liebe. Wir sind in der komfortablen Situation, dass alle lieben, was wir tun. Es geht manchmal so leicht, dass ich es selbst nicht glauben kann und mir gar nicht erklären kann, wieso die Leute es mögen.

In eurer Biographie erwähnt ihr Namen wie Diddy, 50 Cent, Kanye West, Aretha Franklin oder Aersosmith. Habt ihr Shows mit ihnen gespielt oder wurdet ihr von diesen Artists als Studiomusiker gebucht?
Wil B.: Wir haben als Vorgruppe von diesen Künstlern gespielt.

Ihr macht also keine Studiomusiker Jobs?
Kev Markus: Doch, das machen wir ab und zu auch. Wir arbeiten mit vielen grossen Produzenten, zuletzt gerade mit Jim Jonsin, der „Lollipop“ von Lil Wayne produziert hat.

Das erste Mal, als ich die Kombination von klassischer Musik und Black Musik hörte, war bei Miri Ben-Ari. Wie gefällt euch ihre Musik?
Kev Markus: Sie ist sehr talentiert. Wir starteten ungefähr zur selben Zeit und ich denke, dass wir uns dadurch auch gegenseitig helfen konnten. Wir respektieren sie auf jeden Fall und hoffen, dass sie uns denselben Respekt gibt. Ich mag besonders ihre Jazzalben, die sind grossartig. Sie hat Jazz in eine andere Richtung gelenkt, was ihr ja auch mit HipHop gelungen ist. Ehrlich gesagt, habe ich aber schon länger nichts mehr von ihr gehört.

Ihr habt ein Programm für Kids, welches dazu dienen soll, Kinder mit Musik in Berührung kommen zu lassen. Was könnt ihr mir darüber erzählen?
Wil B: Das ist definitiv eines unserer wichtigsten Projekte, vor allem, weil es genau unseren Background repräsentiert. Es ist uns wichtig, den Kindern, die ähnlich aufwachsen wie wir, etwas zu geben. Besonders in Miami gehen wir regelmässig in Schulen, spielen dort kostenlos und sprechen mit den Kindern. Wir wollen ihnen damit auch zeigen, dass alles möglich ist. Wir haben begonnen Geige zu spielen und mittlerweile touren wir mit Bands wie Linkin Park um die Welt. Dies ist definitiv unsere wichtigste Mission, denn jemand muss es tun. Nicht viele Künstler nehmen sich die Zeit, um mit den Kindern zu sprechen. Dabei schauen die Jugendlichen zu den Künstlern auf und beten sie an. Deshalb ist es wichtig den Kindern zu zeigen, dass man zwar berühmt und reich ist, dass es aber auch sehr viel Arbeit braucht, um an diesen Punkt zu gelangen. Das kann den Kindern auf jeden Fall die Augen öffnen und ihnen zeigen, dass es ohne harte Arbeit und Hingabe nicht möglich ist.

Habt ihr zum Schluss noch Projekte, die ihr gerne ankünden möchtet?
Kev Markus: Ende des Jahres wird ein neues Album von uns erscheinen. Geht auf blackviolin.net um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Wir werden im November in Skandinavien auf Tour sein und ich hoffe, dass wir bald auch wieder in die Schweiz kommen können. Natürlich sind wir auch auf MySpace, Facebook und Twitter, also checkt uns aus.
Wil B.: Falls es Leute gibt, dies noch nicht wissen, wir haben ein Album namens „Black Violin“ draussen, welches man bei iTunes kaufen kann. Neben dem neuen Album werden auch noch einige Mixtapes erscheinen. Black Violin taking over the world.

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