Melanie Fiona – Meine Musik entspricht mir!

Int. Rap

Klassischer R&B mit karibischem Einschlag: Die 27-jährige kanadische Sängerin Melanie Fiona hat diesen Sommer mit „The Bridge“ ein musikalisch ausgereiftes Album vorgelegt. Im Interview erzählt sie von ihrem Background, der Entstehung der Platte und ihren Lieblingsstücken.

Melanie, du machst handgemachten R&B mit klassischer Prägung. Was spielst du selber für ein Instrument?
Früher habe ich Klavier gespielt. Mittlerweile spiele ich allerdings nur noch selten. Aber ich werde wahrscheinlich wieder damit anfangen und richtig üben. Vielleicht getraue ich mich dann irgendwann auch mal auf der Bühne zu spielen. Aber abgesehen davon spiele ich kein Instrument. Mein Vater spielt Gitarre und ich hätte das auch immer gerne gekonnt. Vielleicht schaff ich das auch irgendwann noch. Als kleines Mädchen hab ich immer nur gejammert, mir würden vom Drücken die Finger wehtun.

Wie schreibst du deine Songs?
Das geschieht in meinem Kopf. Ich summe die Melodie. Oft entstehen meine Songs auch schon zu einem fertigen Instrumental. Dann lasse ich mich einfach davon inspirieren. I like the track to speak to me and tell me what I should do.

Wie war das bei „Sad Songs“, einem der einprägsamsten Lieder auf deinem Album?
Für „Sad Songs“ habe ich mit Andrea Martin zusammengearbeitet. Sie ist eine wunderbare Produzentin und Songschreiberin und hat mich bei einem grossen Teil des Albums unterstützt. Diesen Song hatte sie schon früher geschrieben. Als ich mich dann mit ihr traf, sagte sie: „Weisst du was? Ich glaube ich habe da einen Song, der dir gefallen könnte!“ Und sie hatte Recht, er gefiel mir sofort. Wir nahmen ihn dann als einen der Ersten auf.

Sind traurige Songs einfacher zu schreiben?
Ganz sicher, ja. Traurige Songs sind immer einfach zu schreiben, für mich zumindest. Was einen am Stärksten bewegt, ist Herzschmerz und Kummer. Das sind die Dinge, die einen fertig machen, zum Zusammenbrechen bringen und einen schliesslich auch stärker machen. Deswegen kann man darüber viel einfacher einen Song schreiben als über Glück.

„Sad Songs“ macht einen aber keineswegs traurig.
Stimmt! Genau das liebe ich an guten traurigen Songs. Ich singe über Liebe, über den Verlust von Liebe, aber auf der anderen Seite ist es ein fröhlicher, bounciger Groove mit einer betörenden, hohen Melodie. That’s the beautiful thing! Wieso sollte ein Song einen traurig machen? Der Song sollte einen ja wieder aufrichten und aus dem Schlamassel herausführen.

Du bist früher unter dem Namen Syren Hall aufgetreten und hast Dancehall gemacht. Wie kam es zum Namens- und Genrewechsel?
Syren war eigentlich mein Spitzname. Die DJs in Kanada haben mich „Symphony Syren“ genannt. Einfach so, weil sie meine Stimme mochten und den Namen cool fanden. Die Musik, die ich damals gemacht habe, hat die Kultur widergespiegelt, mit der ich als Tochter von guyanischen Eltern aufgewachsen bin. Da steckte viel Reggae, viel karibische Musik mit drin. Dann habe ich das Stück „Somebody Come Get Me“ aufgenommen und das Label hat dann aus meinem Spitznamen und meinen Nachnamen den Künstlernamen Syren Hall gemacht. Einfach weil mich die Leute unter dem Namen kannten. Das war okay damals, als ich bei einem Indie unter Vertrag war. Aber als ich dann meinen Deal unterschrieben habe und die Gelegenheit bekam, dieses Album aufzunehmen, wollte ich unbedingt unter meinem eigenen Namen auftreten.

War der Name Syren Hall nicht einfach auch zu einengend, weil er zu sehr für Reggae stand?
Doch, das auch. Ich war damals viel mehr auf modernen R&B, Reggae und Pop ausgerichtet, weil ich den Leuten meine Kultur nahe bringen wollte. Als ich mich dann entschied, klassischeren R&B zu machen, wollte ich auch einen klassischeren, authentischeren Künstlernamen. Deswegen verwende ich jetzt meine beiden Vornamen.

Du bist mit SRC jetzt bei einem HipHop-Label unter Vertrag und arbeitest ausserdem mit Jay-Z’s Freunden Jay Brown und Ty Ty von Roc Nation Management zusammen – dabei machst du klassischen R&B mit Karibik-Einschlag!
Das ist eben genau eine dieser Brücken, auf die der Titel meines Albums anspielt. Es geht darum, verschiedene Dinge zusammenzubringen. Und es geht um Kompetenz. Steve Rifkind bewundere ich schon seit Jahren für seine Arbeit mit Loud Records und jetzt mit Akon und David Banner. Er ist schon sehr, sehr lange dabei und weiss genau, was er macht. Als er mich kontaktiert hat, ging es ihm nicht um HipHop oder R&B, sondern einfach darum, gute Musik zu veröffentlichen. Er war von Anfang an persönlich angetan von meiner Musik. Er war ihr gegenüber sehr leidenschaftlich, und genau das brauche ich. Jay Brown kannte ich schon vorher. Ich hatte einen Song für Rihanna geschrieben und dabei mit ihm zusammengearbeitet. Als ich dann mein Projekt anging und ich mir um das richtige Management Gedanken gemacht habe, viel meine Wahl schnell auf ihn.

Das sind also die richtigen Leute, auch um die Art von live eingespieltem R&B zu machen, die du machst?
Ja, weil sie von Anfang an Leidenschaft für mein Projekt entwickelt haben. Ich hab nicht bei einem HipHop-Label unterschrieben, um HipHop zu machen. That’s just where the passion was. Es war mir wichtig, dass mir Steve Rifkind erlaubt hat das Album zu machen, das ich machen wollte.

Wie hast du die richtigen Produzenten gefunden?
Durch mein Management und meine Produktionsfirma Title 9. Ausserdem haben uns, sobald wir mit dem ganzen Projekt angefangen hatten, viele Leute direkt kontaktiert. Der Song „Bang Bang“ war zum Beispiel so einer. Dieses Lied fand zu uns. Wir waren schon fast fertig mit dem ganzen Projekt, als uns die beiden Songwriter kontaktierten und uns das Stück vorlegten. Ganz einfach, weil sie fanden, ich sei dafür am Geeignetsten. Es war überhaupt nicht so, dass die Leute mir aufgezwungen worden sind oder so. It was done very naturally. (gähnt ausgiebig und entschuldigt sich)

Du bist derzeit auf einer extensiven Promotour?
Ja… Es ist ziemlich anstrengend. Ich bin wirklich voll eingespannt. Hier in Zürich bin ich nur für einen Tag. Erst die ganzen Interviews, dann der Showcase und dann weiter in die nächste Stadt, ins nächste Land.

Was findet man auf deinem iPod, was man dort nicht vermuten würde?
Hm, vielleicht die Musik der Bassistin Meshell Ndegeocello. Ich mag ihr Gemisch aus New Age, Vibe, Soul, Rock, Neosoul und Spoken Word. Sie baut eine starke Stimmung auf und macht sehr futuristische Musik. Ich finde ihre Stücke sehr inspirierend.

Welche drei Songs würdest du nie von deinem iPod löschen?
Ganz sicher „Cupid“ von Sam Cooke. Er ist für mich der Vater des Soul. Er hat von Stevie Wonder über Donny Hathaway, Al Green und Marvin Gaye einfach alle beeinflusst. Er hatte eine unglaubliche Stimme. Und dann noch dieser Song: Er richtet sich an Cupid, um ihn zu fragen, ob er ihm helfen könne, dass seine Herzensdame in ihn verliebt. Das ist einfach süss. Auch niemals löschen könnte ich natürlich meinen Lieblings-HipHop-Song aller Zeiten: „One More Chance“ von Notorious B.I.G.. Biggie ist für mich einer der Besten überhaupt. Mir gefällt sein Flow auf diesem Lied. Er war der erste Rapper, bei dem ich das Gefühl hatte, dass auch Frauen seine Musik voll nachvollziehen können. He was so smooth with it, the lyrics were so slick, he was just so confident with his delivery. Der dritte Song ist „The Greatest Love Of All“ von Whitney Houston. Sie ist für mich die beste Sängerin aller Zeiten. Punkt. Durch ihre Stimme habe ich mich in Musik verliebt.

Hast du Angst davor, mit deiner Musik dem aktuellen Oldschool-R&B-Trend zugeordnet zu werden?
Das werde ich immer wieder gefragt. Man spielt da natürlich auf Leute wie Amy Winehouse, Duffy und Daniel Merriweather an. Und es ist wirklich eine Bewegung, die zurzeit stattfindet. Ich will nicht sagen, dass ich irgendwelche neuen Trends setze, aber die Musik, die ich mache, entspricht mir. Das kommt ganz natürlich. Und sollte es ein Trend sein, dann ist es nicht der schlechteste. Es ist positive Musik, es ist echte Musik und es ist reiche Musik. Ausserdem finde ich, dass ich einzigartig bin. Es gibt keine andere karibisch-kanadische Soulsängerin im Moment.

Du hast Songs für Rihanna und verschiedene kanadische Künstler geschrieben und wirst das in Zukunft wohl auch noch häufiger tun. Wie gehst du dabei vor?
Für mich ist es wichtig zu wissen, dass der jeweilige Künstler etwas Spezielles aus dem Song macht. Ich glaube, ich will nicht, dass sich jemand meine Songs nicht zu Eigen macht und ihm seinen eigenen Touch verpasst. Das ist wichtig. Rihanna kommt wie ich aus der Karibik. Deshalb hat sie sich in den One-Drop-Riddim-Track, den ich ihr gegeben habe, auch gleich einfühlen können. Deshalb machte das Sinn.

Für wen denn?
Da ist noch nichts spruchreif. Aber ich habe einen Publishing Deal. Da sind schon ein paar neue Projekte aufgegleist.

Rihanna hat von dir also den ganzen Song, samt Melodie und Beat bekommen?
Ja. Ich habe den Song mit einem Produzenten und einem Co-Writer geschrieben.

Du hast vorhin Biggie erwähnt. Wen magst du von den jungen, aufstrebenden Rappern?
Ich mag Drake, auch weil ich ihn gut kenne. Aber abgesehen davon, dass wir viel Zeit miteinander verbringen und auch gemeinsam Musik machen, halte ich ihn für hochtalentiert. He’s the hottest rapper in the game right now.

Das Album „The Bridge“ (SRC/Motown/Universal) ist bereits erschienen.

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