La Coka Nostra – Wir machen keine Drogendealer-Platte

Int. Rap

Nach langer Wartezeit hat die Supergroup La Coka Nostra endlich ihr Album „A Brand You Can Trust“ veröffentlicht. Nachdem wir bereits im Vorfeld telefonisch mit Slaine über ihr Debüt gesprochen hatten (HIER), wollten wir uns die Chance nicht nehmen lassen, in Frauenfeld persönlich mit ihnen zu sprechen. Natürlich hofften wir, dass auch Everlast beim Interviewtermin anwesend sein würde, doch der nicht mehr ganz junge House of Pain-Frontmann brauchte vor der Show noch ein wenig Schlaf. So setzten wir uns mit Ill Bill und Slaine hin und unterhielten uns über das Kokain-Album des Jahres, Verschwörungstheorien, Obama und anstehende Projekte.

Stimmt es eigentlich, dass ihr die Albumproduktion mit den Einnahmen von eurem Merchandise finanziert habt?
Ill Bill: Wir haben unser eigenes Studio; das Geld vom Merchandise haben wir behalten und damit Ferraris gekauft.
Slaine: Ich habe es für Huren ausgegeben.
Ill Bill: Er hat es in Kokain und Huren investiert, ich bevorzuge Sportwagen.

In diesem Jahr erscheinen auch die Alben von Clipse und Raekwon. Wer macht das Kokain-Album des Jahres?
Ill Bill: Nicht wir. „A Brand You Can Trust“ ist kein Kokain-Album im Sinne einer Drogendealer-Platte. Das erste Raekwon Album war ein richtiges Kokain-Album, unseres kann man damit nicht vergleichen.
Slaine: Unser Name steht nicht für Kokain, es ist mehr ein Insiderwitz, der irgendwie geblieben ist.
Ill Bill: Es ist eher eine Metapher für verschiedene Dinge. Man nennt Kokain auch „White“ und wir sind ein Haufen weisser Dudes. Kokain ist eine Droge, genauso wie Musik oder Liebe. Wir haben alle unsere Verbindung zu Drogen; wir haben selber Drogen genommen und auch gesehen, wie sie das Leben von Leuten, die wir lieben, vernichtet haben. Es sind verschiedene Gründe, die dazu geführt haben, dass wir uns so nennen. Aber es geht definitiv nicht darum, dass wir darüber sprechen, wie wir Kokain verkaufen. Ich denke, das beste Kokain-Album des Jahres wird „Only Built 4 Cuban Linx 2“ von Raekwon werden. Mein Bruder hat einen Beat auf dem Album.
Slaine: Der Song mit Raekwon und Ghostface auf dem Necro Beat ist einfach dope. Einer der besten Ghostface Verses aller Zeiten.

Was man öfters bei euch findet, sind sogenannte Verschwörungstheorien…
Ill Bill (unterbricht): Nicht unbedingt Theorien.

Okay, vielleicht auch Fakten. Woher bezieht ihr die Informationen für diese Texte?
Ill Bill: Von überall. Unsere Gehirne sind wie Antennen und wir saugen eine Menge Informationen auf.
Slaine: Wir reisen sehr viel und sehen unterschiedliche Dinge.
Ill Bill: Wir sind universell und ständig unterwegs. Wir lesen und sehen sehr viel und lernen daraus. Natürlich ist vieles davon Bullshit, aber fast überall findet man einen Funken Wahrheit. Wir entziffern die Informationen und verschlüsseln sie dann wieder mit unserem eigenen Code.

Wenn Fans mehr zu diesen Themen wissen möchten, was würdet ihr empfehlen?
Ill Bill: Da gibt es so viele Möglichkeiten. Ich könnte dir jetzt aber kein Verschwörungsbuch empfehlen. Ein Buch zu lesen, ist wie eine indirekte Konversation mit jemandem zu führen. Von daher würde es mehr Sinn machen, ein Buch wie „Community of Self“ von Na’Im Akbar zu lesen. Ein kurzes aber sehr gutes Buch, das von den Regeln des Lebens handelt und Wege zeigt, wie man sein Leben führen kann. Solche Art von Büchern würde ich den Leuten empfehlen – diese Verschwörungsbücher sind eher Unterhaltung. Ehrlich gesagt müsste ich zurück zu meiner Büchersammlung, um mehr empfehlen zu können. Wir waren so oft im Studio und auf Tour, dass ich dafür kaum noch Zeit fand. Ich habe aber immer sehr viel gelesen. Als wir jung waren, lasen wir Bücher über Themen, die erst jetzt von den Leuten entdeckt werden. Ein Buch wie „Behold a pale horse“ haben wir vor 20 Jahren gelesen.

Eure Parts sind sehr von der Wut geprägt. Ist es schwierig, jedes Mal im Studio auf diesen Vibe zu kommen, selbst wenn ihr eigentlich einen guten Tag hattet?
Ill Bill: Ich denke nicht, dass ich immer aus dem selben Blickwinkel meine Songs schreibe. Auf meinem neuen Soloalbum habe ich z.B. einen Song für meine Tochter, das ist überhaupt kein wütender Track. Wenn wir einen guten Tag hatten, beeinflusst dies auf jeden Fall auch unsere Musik.

Auf „Hour of Reprisal“ sagst du, dass du auf Mags wie The Source, XXL und die Medien generell einen Fick gibst. Versucht ihr die potenziellen Fans alleine durchs Internet und mit euren Shows zu erreichen?
Ill Bill: Es ist nicht so, dass wir diese Magazine nicht gerne nutzen würden, aber sie schreiben nicht über uns und ignorieren uns komplett. Sie schreiben dieselben Artikel über die immer gleichen Künstler, dabei gibt es so viele verschiedene Artists. Ich habe viele Freunde im Musikgeschäft, die ebenfalls von bestimmten Magazinen ignoriert werden. Aber sie können uns nicht alle ignorieren. Als Journalist sollte man darüber berichten, was neu ist und nicht Artikel über seine Freunde oder jemanden, dem man noch einen Gefallen schuldet, verfassen. Dann ist man kein richtiger Journalist. Wenn wir um die Welt touren und Alben veröffentlichen, kann man nicht so tun, als ob wir nicht existieren würden. Wenn man dies aber trotzdem tut, werden wir dies auch sagen und das habe ich auf dem Song getan.

Merkt ihr in Sachen Medienaufmerksamkeit einen Unterschied zwischen den USA und Europa?
Ill Bill: Definitiv, wir werden viel mehr anerkannt in Europa. Ich denke dies liegt auch daran, dass wir Amerikaner sind und die Leute etwas Abwechslung mögen. In Amerika sind wir einfach Amerikaner, wie jeder Andere auch. Wenn wir hierher kommen, können wir den Leuten etwas Anderes geben, als was sie jeden Tag in der Schweiz bekommen.

Ihr habt George Bush nie gemocht, wie beurteilt ihr Obama nach den ersten paar Monaten?
Ill Bill: Ich hasse ihn nicht – ich liebe ihn aber auch nicht. Wir werden sehen.
Slaine: Ich mag Obama. Ich denke er wird viele gute Dinge bewegen. Er ist der richtige Typ zur richtigen Zeit.
Ill Bill: Ich vertraue keinem Politiker zu 100 Prozent. Aber er ist definitiv die beste Person für diesen Job im Moment und es macht Sinn, dass er jetzt in dieser Position ist. Fakt ist, dass viele die Amerikaner momentan hassen. Wegen George Bush denken sie, wir seien engstirnige und kulturell einseitige Leute. Obama ist der Beweis dafür, dass unser Land doch ein wenig offener ist, als man es uns zugetraut hätte. Ausserdem zeigt es, dass die Leute, die nicht für George Bush wählen wollten, ebenfalls eine Stimme haben. Perfekt für diesen Job ist aber niemand; Präsident der USA zu sein ist wohl einer der schwierigsten Jobs auf diesem Planeten. Bislang macht er sicherlich einen guten Job. Es ist aber noch zu früh, um ein endgültiges Urteil abzugeben.

Hilft seine Wahl bzw. das Ende der Ära Bush gegen deine Paranoia?
Ill Bill: Nein, nicht zu 100 Prozent. Ich bin immer noch Paranoid.
Slaine: Wenn Obama gewisse Grenzen überschreitet, werden sie ihn umlegen. Obama kann viel bewirken, aber es gibt Kräfte, welche die Möglichkeiten eines einzelnen Landes bei weitem übertreffen. Wenn es dumm läuft, schiessen sie ihm in den Kopf, wie sie es bei JFK taten. Obama ist gezwungen, in einem gewissen Bereich zu bleiben. Aber trotzdem denke ich, dass er einen guten Job macht.

Kehren wir zurück zur Musik. Slaine, du hast bereits bei unserem letzten Gespräch dein Soloalbum angekündet. Bei dir Bill sollen ein Album mit DJ Muggs und diverse Collabo-Alben auf dem Programm stehen. Was kannst du uns darüber erzählen?
Ill Bill: Im Moment liegt mein Fokus zu 100 Prozent auf La Coka Nostra. Als nächstes wird dann das Album mit Muggs auf dem Programm stehen, welches rund zur Hälfte im Kasten ist. Zwischenzeitlich arbeite ich auch mit Vinnie Paz und Sean Price an Musik.

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