DJ Exile – Ich will nicht, dass mich der Begriff traditionell einschränkt

Int. Rap

Exile darf getrost zu den spannendsten Produzenten der Gegenwart gezählt werden. Ob er nun mit Emanon die Grenzen von HipHop auslotet, mit Blu ein herrliches Rapalbum veröffentlicht, seine Beats Leuten wie Snoop, Mobb Deep oder Akon zur Verfügung stellt oder auf seinem „Radio“ Projekt wirkliche Innovation beweist – Qualität ist bei ihm garantiert. Nach seiner Show mit Blu am Royal Arena Festival trafen wir den von den Freigetränken bereits etwas gekennzeichneten Producer, DJ und Gelegenheitsrapper zum Gespräch.

Du arbeitest momentan an dem Debütalbum von Fashawn. Wann können wir damit rechnen und was kannst du uns darüber erzählen?
Es heisst „Boy Meets World“ und wird am 20. Oktober in den Läden stehen. Ich wollte einen jungen, frischen MC haben, mit dem ich ein ganzes Album machen kann. Ich kannte bereits seine Mixtapes und da ich seinen Manager schon länger kenne, kamen wir in Kontakt und begannen zusammen Musik zu machen. Die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt.

Ich habe gehört, dass das Album sehr von den Neunzigern beeinflusst sein soll.
Es ist sicherlich von traditionellem HipHop beeinflusst, aber trotzdem soll es gleichzeitig ein Schritt nach vorne sein. Wir versuchen nicht in eine bestimmte Ära zurückzukehren. Wir geben mit dem Sound Respekt an die Musik, mit welcher wir gross geworden sind und dies ist nun mal guter, traditioneller HipHop. Ich will aber nicht, dass mich der Begriff traditionell einschränkt in dem was ich tue. Dies ist keineswegs der Fall und ich will auch nicht, dass die Leute dies denken. Wir haben Musik gemacht, welche die Heads fühlen werden. Wir haben unseren Stil nicht angepasst, um möglichst viel Geld zu verdienen. Geld soll nicht unsere Motivation sein, sondern was wir in uns drin fühlen.

Du ziehst es vor, ein ganzes Album mit einem MC aufzunehmen, anstatt deine Beats wahllos zu verteilen. Hast du bereits andere Projekte mit aufstrebenden MCs in der Pipeline?
Ich habe das Album „Days Chasing Days“ von Blame One als Executive Producer betreut. Darauf sind Aloe Blacc und Blu als Gäste zu hören. Ausserdem arbeite ich mit dem MC Johaz, wir haben zusammen eine Gruppe namens Dag Savage. Dieses Album ist fertig und ich mische es gerade. Zudem arbeite ich im Moment an einem Album mit Adad. Er kommt aus Chicago und wir haben uns auch dort kennengelernt. Zudem arbeite ich an einem Album, wo ich rappe. Das gesamte Album wird auf einem Four Track aufgenommen, deshalb wird es den Titel „Four Track Mind“ tragen. Ein neues Emanon Album ist ebenfalls in Arbeit. Zuguterletzt gibt es noch ein Instrumentalalbum namens „Zip-Discs and Floppys“ mit Beats, die noch rumlagen.

Gut zu hören, dass ein neues Emanon Album erscheinen wird. Was war der Grund, dass es so lange gedauert hat?
Aloe und ich hatten beide sehr viele andere Projekte am laufen. Ich habe mit Blu gearbeitet und vor allem mein „Radio“ Album hat sehr viel Zeit benötigt. Aloe hat vier Alben fertig, die allesamt noch nicht veröffentlicht wurden. Deshalb war es schwierig, wieder zusammen ins Studio zu gehen. Nachdem wir zehn Jahre zusammen Musik gemacht haben, war es an der Zeit auch andere Projekte zu veröffentlichen. Nun ist aber die Zeit gekommen, es wieder zurück zu bringen.

Wird das Album musikalisch in verschiedene Richtungen gehen, wie es bei Aloe’s Soloalbum der Fall war?
Es wird definitiv ein HipHop-Album. Man wird ihn sicherlich auch singen hören, aber es ist auf alle Fälle eine HipHop-Platte.

Dein „Radio“ Album ist etwas völlig Neues. Hast du dir damit vielleicht die Messlatte in Sachen Kreativität selber sehr hoch gesetzt für weitere Instrumentalprojekte?
Eigentlich überlege ich mir bereits, in welches Land ich gehen soll, um das nächste Album zu machen. Ich denke darüber nach, nach Indien zu gehen und nur von indischen Radios zu samplen. Ich werde sicherlich versuchen, das „Radio“ Album zu übertreffen, aber im Endeffekt soll es vor allem das widerspiegeln, was ich in dem Moment machen will. Wir werden sehen, was passiert. Aber es muss sicherlich mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als das „Radio“ Album sein.

Auch wenn du es bevorzugst, ganze Alben zu produzieren, hast du auch schon einzelne Beats an Künstler wie Snoop Dogg, Mobb Deep oder Kardinal Offishall mit Akon produziert. Wie gelangen deine Beats jeweils zu diesen Artists?
Ich arbeite mit gewissen Leuten, die wissen was sie tun müssen, dass meine Beats zu den richtigen Leuten gelangen. So kamen meine Beats zu 50 Cent, was ich schon sehr cool fand. Später erfuhr ich dann, das Mobb Deep einen Track über einen meiner Beats aufgenommen haben. Das hat mich noch mehr gefreut, denn ich bin ein Mobb Deep Fan seit 1994. Auf dem Song sprechen sie davon, Jesus ins Gesicht zu schlagen und ich überlegte mir, ob ich nun wohl auch in die Hölle komme. Das ist aber wohl, was sie zu diesem Moment gefühlt haben und ich respektiere das. Ich liebe den Song.

Du hast es aber schon lieber, wenn du Einfluss nehmen kannst, vielleicht auch auf die Texte?
Wenn es jemand ist, der nicht so berühmt ist, ziehe ich diese Arbeitsweise definitiv vor. Wenn es aber berühmte Künstler wie Mobb Deep oder Akon sind, schicken sie mir den Song einfach und ich gebe mein Einverständnis. Mit Leuten wie Blu oder Fashawn will ich aber definitiv persönlich arbeiten.

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