Cosmo Baker – ein Kandidat für das Perfekte Promidinner oder einfach nur Original?

Int. Rap

The Rub ist seit einigen Jahren einer der angesagtesten HipHop Clubs in Brooklyn, New York, wenn nicht sogar der angesagteste Club überhaupt. Neben DJ Eleven und DJ Ayers steht Cosmo Baker hinter The Rub. Aightgenossen traf den überaus sympathischen und witzigen Cosmo Baker zusammen mit Tobias Kirmayer vom Münchener Label Tramp Records, um mehr über ihn und seinen Beruf als DJ zu erfahren. Dabei fielen auch kritische Töne über seine Wahlheimat, New York City.

The Rub ist einer der angesagtesten HipHop-Clubs in New York City. Gleichzeitig geniesst du einen Namen als Party-DJ für Prominente wie Paris Hilton. Wie lautet deine musikalische Formel?
Ich komme aus Philadelphia, der Hauptstadt für DJs schlechthin. Die Stadt hat mit ihren Soundsystemen und DJs bereits in den frühen 70er Jahren Geschichte geschrieben. Namen wie Cash Money, Jazzy Jeff und Cosmic Kev stehen für die Stadt. Meine Formel lautet, mich meinem Background anzupassen. Ich bin in Philadelphia mit HipHop aufgewachsen, als er seinen grossen Aufschwung erlebte. HipHop war mein zweites Ich. Philadelphia ist aber auch sehr emotional. Ich habe zu keinem Zeitpunkt etwas anderes als mich selbst präsentiert, und das so emotional wie möglich. Emotionalität war dabei keinesfalls nur ein Klischee, sondern ich habe als DJ meinen Emotionen freien Lauf gelassen und meine Gefühle auszudrücken versucht. Bei den Leuten findet das Anklang, was mich unheimlich glücklich macht. The Rub, wir haben verschiedene Backgrounds. Eleven kommt aus Oakland, Kalifornien, und Ayers aus dem Süden, aus Mississippi. Gemeinsam haben wir die gleichen Ideen und musikalischen Visionen. Trotzdem hat jeder für sich seinen eigenen Stil und Musikgeschmack, was ein weiterer Schlüssel zu unserem Erfolg gewesen sein wird. Als wir The Rub starteten, war New Yorks Clubszene ziemlich am Boden. Wir haben uns gesagt, lasst uns zurück nach Brooklyn ziehen, und unser Konzept ging bis heute auf.

Lass uns noch einmal auf die Sache mit den Promis zu sprechen kommen!
Das ist eine lustige Geschichte. Eigentlich sind wir nämlich HipHop-DJs, welche auch andere Musik spielen. Wir haben unsere HipHop-, Rock- und Funk-Nächte. Wenn ein Club gut läuft, rufen die Leute an und buchen uns für ihre Veranstaltungen. Diese Veranstaltungen sind nicht sonderlich tiefsinnig, bringen aber gutes Geld. Und wer möchte das nicht gerne mitnehmen?

Falls es jemanden gibt, der dich nicht kennt, wie würdest du dich ihm vorstellen?
Ich bin ein ganz normaler Typ aus Süd-Philadelphia. Als ich ins Spiel kam, in den spätern Achtzigern, war HipHop Untergrund, und man musste noch nach Platten suchen, wenn man an bestimmte Beats herankommen wollte. Als ich King Britt traf, nahm er mich an die Hand, und wir veranstalteten zusammen Parties. The Roots waren um uns herum, noch bevor sie überhaupt eine Band waren, und als sie noch an den Strassenecken spielten. ?uestlove und ich, wir legten zusammen in lokalen HipHop-Clubs auf. Bis heute gebe ich mein Bestes, emotionale Musik als DJ technisch gut zu verarbeiten. Seit sechs Jahren lebe ich Brooklyn, durch welches ich neu beeinflusst wurde, und was sich unweigerlich in meiner Musik wiederspiegelt. Als Künstler ist man ständig am Wachsen und entwickelt sich weiter.

Steckt New York City noch immer in seiner Identifikationskrise oder hat es sich langsam aus seiner Misere erholt?
Wir brauchen gar nicht um den grossen Brei herum reden. Es steckt nach wie vor in einer Krise. New York war seit den Anfängen und noch lange Zeit danach die HipHop-Königin schlechthin. HipHop breitete sich über die ganze Welt aus und wurde immer facettenreicher. Mir scheint es, als hätte sich New York derweil auf seinem Niveau ausgeruht. Man dachte sich wohl, wir sind die Könige des HipHop, und brauchen uns daher nicht mehr anzustrengen. Ehe man sich versah, war HipHop von der Westküste grösser als alles andere. New York konnte diesem Trend Höhepunkte wie Wu-Tang, Biggie Smalls oder Jay-Z entgegen setzen. Allerdings gab es innerhalb der Stadt keinen kollektiven Willen mehr, auch wirklich an der Spitze bleiben zu wollen. New York hatte seit Mitte der 90er bis Anfang 2000 noch eine interessante Independentszene zu bieten, welche sich aber auch viel anmasste und überzogene Egos an den Tag legte. Man dachte im Hier und Jetzt, anstatt sich langfristig Ziele zu stecken. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, sich als König zu fühlen und miterleben zu müssen, wie mit einem Mal der Süden das Ruder an sich reisst und alles zunichte macht? Der Süden hatte über Jahre hinweg alles, was man brauchte, um erfolgreich zu sein. Die Chemie unter den Künstlern stimmte, und sie entwickelten ihren eigenen Stil, welchen sie ständig weiter entwickelten, jahrein, jahraus. Wer kann das schon von sich in New York behaupten? Seine Künstler spielen immer wieder die gleiche alte Leier und erzählen nichts Neues in ihren Texten. Wo bleibt die Entwicklung? Dabei müssen die New Yorker nur einmal richtigen Kehraus machen, um wieder Appetit auf etwas Neues zu verspüren. Aber HipHop wird so oder so immer um uns herum sein. Deshalb sollten wir abwarten, was die Zukunft bringt.

In diesem Zusammenhang hatten Backspin ihrerzeit ein interessantes Interview mit Hanif Jamiyl. Seiner Ansicht nach versucht New York alles zu kopieren, was gerade angesagt ist.
Damit hat er völlig recht, und das ist das grosse Probleme der Identitätskrise. Man steht dermassen unter Druck, originelle Ideen zu finden, dass man von einem Trend auf den anderen aufspringt. Dabei hören sich New Yorks Rapper ziemlich peinlich an, wenn sie andere Stile kopieren. Sie sollten sich viel lieber auf ihren New York Style konzentrieren. Dieser ist grimmig, hart und rau. Das ist New York! Man sollte immer die Stadt reflektieren, aus welcher man stammt. Bis New York zu dieser Erkenntnis gelangt, wird sein Karren zwangsläufig im Dreck stecken bleiben.

Neben The Rub kennt man dich als Produzenten. Was sind das für Produktionen?
Ich produziere Beats, Remixes und Mixtapes. Seit The Rub in den letzten vier Jahren durchgestartet ist, sind die Produktionen eingeschlafen. Ständig bin ich auf der Bühne und auf Tour. Hoffentlich gelingt es mir bald wieder, eine Pause zu machen und zu produzieren wie ich es schon immer getan habe. Seinerzeit hatte ein Majorlabel unsere Beats geklaut und mir damit die Suppe kräftig versalzen. Trotzdem habe ich niemals aufgehört, Beats zu produzieren.

Deine Beats lassen sich aber nicht nur auf HipHop reduzieren, richtig?
The Rub, wir produzieren Clubmusik, Baltimore Sound, welcher Washington-DC-Sound nahe kommt, und House Musik gefällt mir auch sehr gut. Allerdings spiele ich House bei weitem noch nicht so lange wie HipHop. Es ist aktuell einiges in der Pipeline. Mein letzter Remix war „Alice“ von Smokey, welches ich mit einem Beat von Larry Smith in Old-School-HipHop verwandelt habe. Für das Festival South By South West in Texas haben wir eine EP zusammen mit verschiedenen DJs aufgenommen. Nicht vergessen darf man die letzte The Rub Remix EP.

Du hast ziemlich gute Kontakte in Israel. Wie beurteilst Du die Szene dort?
Kutiman haben mich mit Soulico aus Tel Aviv in Verbindung gebracht. Soulico luden mich ein, und ich habe alles erwartet, nur nicht solch eine riesige HipHop- und Funkszene. Die Künstler sind sehr talentiert, und Kutiman sind sowieso unglaublich! Kutiman sind in Deutschland bei Olski seinem Label Melting Pot Music unter Vertrag. Olski wiederum stand hinter einer meiner ersten Platten, einer Hip-House-Remix-Single.

In der Regel kommen Künstler von Übersee nach Europa und lassen sich feiern. Du bist jemand, der offen auf die Menschen zugeht…
Als ich jung war, war ich total auf HipHop reduziert. Nichts anderes durfte in meine Ohren gelangen. Meine Familie hörte viel Musik, von Jazz über Rock, Soul bis Folk. Dann bin ich zufällig von einer Bekanntschaft in die nächste getappt. Es ist wie mit diesem Spiel, Six Degrees Of Separation. Jeder Mensch ist Teil eines anderen irgendwo auf der Welt. Eine Bekanntschaft kennt jemanden in Neapel, welcher wieder jemanden kennt, der wieder wiederum jemanden kennt… Durch den technischen Vorsprung ist es heutzutage auch viel einfacher, mit den Leuten in Kontakt zu treten. Dadurch kommen einzigartige Verbindungen und einzigartige Musik zustande. Die Gemeinschaft wird immer grösser, und die Erde immer kleiner.

Ist The Rub eigentlich nur auf Euch DJs reduziert oder kann man dort auch Liveacts hören?
Bisher hatten wir noch keine Bands zu Gast. Zuletzt kam jedoch Jeru und spielte „Come Clean“ live. Von Public Enemy, Sharon Jones bis Red Hot Chilli Peppers spielen wir zusammen mit Livebands, allerdings nicht im The Rub.

Haben wir sonst noch etwas vergessen?
Ich grüsse meine Leute in Brooklyn, überall auf dem Globus. Grüsse an meine Leute in Philly. Meldet Euch bei mir, damit wir zusammen etwas auf die Beine stellen können!

http://www.cosmobaker.com

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