Hilltop Hoods – Es ist keine Competition, sondern Musik

Int. Rap

In ihrer Heimat Australien können sich die Hilltop Hoods bereits Platinauszeichnungen an die Studiowand hängen. Erstaunlicherweise, ohne sich in irgendeiner Weise dem Mainstream anbiedern zu müssen. Mit ihrer mehr als soliden Basis in der Heimat macht sich das Trio aus Adelaide nun auch auf in andere Teile der Welt. Mit dem neuen Album „State of the Art“ im Gepäck, machte das äusserst sympathische Trio auch Halt am Openair Frauenfeld.

Ihr habt in eurer Heimat enormen Erfolg, ohne dass ihr euch den momentan angesagten Sounds anbiedern müsst. Ist in Australien generell dieser klassische Rap angesagt?
Pressure: Eigentlich war in Australien kommerzieller HipHop oder Gangsta Rap nie wirklich gross.
Suffa: Weil wir ihnen gar nie eine Chance gegeben haben. Wenn es doch irgendwelche Gangsta Rapper gab, haben wir sie schnell wieder zum Schweigen gebracht.

Aber ihr habt sicherlich auch Künstler, welche die gängigen US-Klischees kopieren?
Pressure: Ganz wenige, aber sie bringen es zu nichts. In Australien fehlt der Bezug dazu also hat es auch nicht funktioniert, was gut ist.

Es scheint euch wichtig zu sein, die australische Szene zu unterstützen. Ihr habt z.B. die Hilltop Hood Initiative, mit welcher ihr vor allem Künstler aus dem Süden Australiens unterstützt.
Suffa: Diese Initiative vergibt jedes Jahr 5‘000 Dollar an eine junge Gruppe, damit sie die Möglichkeit bekommen, ein Album zu veröffentlichen. Wir tun das, um aufstrebenden Künstlern eine Plattform zu geben. Je grösser die Szene wird, desto besser ist es für alle.

Das ist eine Einstellung, die ich nur noch selten antreffe. Oft habe ich das Gefühl, dass sofort Eifersucht aufkommt, sobald jemand Erfolg hat.
Suffa: Wir haben immer gesagt, dass es keine Competition ist, sondern Musik. Was gut für uns ist, soll auch für alle anderen gut sein. Wenn wir zwei Jahre Pause machen, um auf Tour zu gehen und in dieser Zeit halten zehn andere Gruppen das Ding am Laufen, ist es auch gut für uns. Wenn wir zurückkehren ist das HipHop-Ding immer noch gross. Ich denke, man muss es einfach aus der richtigen Perspektive betrachten.

Das Album „The Hard Road“ habt ihr in einer neuen Version mit dem Adelaide Symphony Orchestra aufgenommen. Wie kam es zu dieser speziellen Zusammenarbeit?
Suffa: Wir performten bei den ARIA Music Awards, das ist die australische Version von den Grammys, und spielten dort mit einem Streichquartett. Durch die Zusammenarbeit mit dem Komponisten merkten wir, dass diese Symbiose funktioniert und wir noch mehr zusammen machen sollten. Wir bauten das Projekt aus, so dass wir schliesslich mit einem 31-köpfigen Orchester ein komplettes Album aufnahmen. Es war schon ein Wagnis, denn es hätte auch in die Hose gehen können. Aber wir sind sehr zufrieden damit, wie es geworden ist und dass sich die harte Arbeit gelohnt hat.

Ihr tourt ja auch oft ausserhalb von Australien und trotzdem habt ihr nie versucht euren australischen Akzent zu vertuschen. Wie sind denn die Reaktionen, besonders in anderen englischsprachigen Ländern?
Suffa: Wir haben schon in London, Kanada oder Neuseeland gespielt. Es war aber nie ein Problem.
Pressure: Man hat uns gesagt wir sollen etwas langsamer sprechen, wenn wir hier in der Schweiz und in Deutschland sind.
Suffa: Unser Booking Agent meinte, wenn wir zwischen den Songs nicht langsamer sprechen, versteht uns hier keiner. (Gelächter)

In der Schweiz ist es vielleicht gar nicht so ein Problem, da sowieso viele nach Australien gehen um Englisch zu lernen.
Suffa: Stimmt, ich habe sogar einige kennengelernt. Ihr könnt ruhig noch mehr Girls zu uns runterschicken. (Gelächter)

Ihr hattet also nie das Gefühl, das euer Akzent ein Hindernis ist?
Suffa: Ich denke sogar eher, dass es ein Vorteil ist, da es einfach etwas Anderes ist. Da Australier Grossteils sehr chillige Leute sind, mögen die Leute uns auch – denke ich zumindest.

Für euer neues Album „State of the Art“ habt ihr euer eigenes Label „Golden Era“ gegründet. Habt ihr den Namen gewählt, da ihr euch am meisten mit dieser Ära des Raps verbunden fühlt?
Suffa: Wir mögen zwar diese Art von Rap, aber das war nicht der Grund für den Namen. Wie soll ich das Konzept erklären…
Pressure: Unsere Theorie ist, dass jeder seine goldene Ära hat, da er eine bestimmte Musik mit seiner Jugend verbindet. Man denkt gerne an diese Zeit zurück und haltet sie deshalb für die „Golden Era“. Wir wollen mit unserer Musik den Leuten dieses Gefühl vermitteln.

Ihr definiert die Golden Era also eher durch das Alter des Betrachters?
Pressure: Genau. Wir versuchen auch überhaupt nicht, ein throwback Album zu machen, dass sich nach 93 anhört.
Suffa: Wir wollen einfach dieses Gefühl aufleben lassen, dass man hatte, als man seine Lieblingsplatten entdeckte.

Was waren die Gründe für euch, das Business in die eigenen Hände zu nehmen?
Suffa: Wir waren bereits zuvor Independent. Nun haben wir einen guten Deal mit Universal, die unsere Platten vertreiben. Dies macht es nun uns auch einfacher hierher zu kommen, denn unser altes Label hatte keine Kontakte nach Übersee.

Auf der neuen Platte habt ihr nur zwei Gäste: Pharoahe Monch und DJ Numark. Wieso genau diese Beiden?
Pressure: Pharoahe Monch ist einer unserer absoluten Lieblingsrapper, schon seit der Zeit als er noch bei Organized Konfusion war. Unser Manager fragte uns, ob er irgendwelche Kontakte herstellen soll und wir sagten beide Pharoahe Monch.
Suffa: Er war der Einzige, den wir wollten.
Pressure: Pharoahe flog dann mit seinem Manager für eine Woche zu uns nach Adelaide und wir nahmen zusammen den Song auf. Es war grossartig.
Suffa: Numark war früher mit Jurassic 5 oft in Australien. Er kannte unsere Musik bereits und spielte auch das Instrumental von unserem Song „Nose Bleed Section“ jeweils bei ihren Shows in Australien. Er hat uns dann diesen Beat gegeben, der einfach unglaublich ist. Da konnten wir nicht nein sagen, obwohl wir normalerweise keine auswärtigen Produzenten auf unseren Platten haben.

Nach den Festivals hier in Europa geht ihr auf grosse Tour in Australien. Wie kann man sich eure Shows vorstellen? Ist eine klassische DJ/MC Performance oder habt ihr euch etwas Spezielles überlegt?
Suffa: Wir haben eine neue Show, die mit sehr vielen Visuals arbeitet. Es ist das erste Mal, dass wir so intensiv mit Bildern arbeiten, wir sind gespannt wie es wird.
Pressure: Ansonsten werden wir aber nur zu dritt auf der Bühne sein. Vor einigen Jahren waren wir mit dem Streichquartett und einer Band unterwegs. Nun ist es wieder Zeit für eine Veränderung.
Suffa: Wir sind eigentlich ganz zufrieden, wenn wir nur zu dritt auf der Bühne stehen.

Hier in Frauenfeld hatte ja fast jeder eine Band dabei und bei vielen denke ich mir, dass es gar nicht nötig wäre und es völlig ausreichen würde mit einem DJ.
Suffa: So mögen wir es.
Pressure: Das ist die Art und Weise, wie wir unsere Shows spielen. Wir haben einige Sachen ausprobiert, sind nun aber glücklich, wieder zu unserem ursprünglichen Rezept zurückzukehren.

Das neue Album „State of the Art“ ging innert kürzester Zeit Platin. Habt ihr nun das Gefühl, in Australien alles erreicht zu haben, was möglich ist?
Suffa: Nicht wenn du unseren Manager fragst. (Gelächter)
Pressure: Er würde gerne sehen, dass wir 50fach Platin gehen.
Suffa: In Australien läuft es für uns unglaublich. Dies ermöglicht uns, hierher zu kommen und in neuen Regionen und Länder zu spielen. Und es scheint zu funktionieren.

Ich denke ihr müsst langsam los. Gibt es noch kommende Projekte zu verkünden?
Suffa: Nein, eigentlich noch nicht. Wir hoffen, dass wir bald wieder in der Schweiz sein können.
Pressure: Wir hoffen, dass unser Album „State of the Art“ hier in der Schweiz überall erhältlich ist und ihr es euch anhört.

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