DJ Premier – Respect the Culture

Int. Rap

Auch heute kann man kaum eine HipHop-Party besuchen, ohne dass man mindestens einen Track um die Ohren gefegt bekommt, der im Studio von DJ Premier geschraubt wurde. Dass man problemlos einen Abend mit Premier-Bangern gestalten kann, beweist der Meister Himself jeweils bei seinen nicht seltenen Besuchen in der Schweiz. Auch wenn gewisse Nörgler, darunter auch sein langjähriger Partner Guru, ihn nach der Zusammenarbeit mit Christina Aguilera in die Popecke abgeschrieben haben, verfolgt Premo konsequent, man könnte es auch dickköpfig nennen, seine Definition von echtem HipHop. Wir trafen einen der diskussionslos wichtigsten Produzenten der HipHop-Geschichte, um mit ihm über seine kommenden Projekte, Gang Starr, seinen unverkennbaren Stil und natürlich Real HipHop zu sprechen.

Meiner Meinung nach bist du so etwas wie eine Institution für Real HipHop. Wenn du etwas oder jemanden unterstützt, wissen die Leute, was sie erwartet. Siehst du dich selber als Bewahrer des echten HipHop?
In einem gewissen Mass. Ich bin aber nicht der Einzige. Jeder, den ich anerkenne, ist ebenfalls ein Bewahrer. Es gibt viele von uns und jeder macht andere Schritte, um es am Leben zu erhalten. Ich mache es mit meinem Label Year Round Records, meiner Radioshow sowie den DJ-Gigs. Oder auch mit Dingen wie dem Videoclip, den ich für die Roc Raida Tribute Show gemacht habe, bei der ich leider nicht anwesend sein konnte. Es gibt Dinge, bei denen ich weiss, dass ich ein Teil davon sein muss. Ich respektiere die Kultur und weiss, was dazugehört und was nicht.

Bald wird auf deinem Label Year Round das neue NYGz Album erscheinen. Dies ist, abgesehen von den Gang Starr Platten, das erste Album seit „Wrath of the Math“ von Jeru the Damaja 1996 das du komplett produziert hast. Wieso gerade mit den NYGz?
Wir waren bereits Freunde vor dem Business. Eigentlich waren sie Künstler von Guru bei dessen Ill Kid Label und nannten sich Operation Ratification. Sie hatten bereits Songs wie „Tray Pound God“ und „Rotten Apple“ veröffentlicht. Eigentlich nannten sie sich schon immer NYGz, aber wegen der Ähnlichkeit des Namens zu den New York Giants waren sie als Operation Ratification unterwegs. Eines Tages sagte ich ihnen, dass sie den Namen doch einfach anders als das Football Team schreiben sollen. Panchi lernte ich kennen, als ich an die 183th Street in der Bronx zog, wo ich mit Guru zusammenlebte. Guru’s damalige Freundin ging für einige Zeit nach Kalifornien und wir konnten für diese Zeit ihre Wohnung haben. Die erste Person, die ich kennenlernte, war Panchi und wir waren sofort unten miteinander. In seiner Gegend war er schon immer eine sehr respektierte Person auf der Strasse – jeder kannte ihn. Es ist grosses Ding in der Hood, wenn alle Leute dich respektieren. Er hatte eine grosse Anerkennung für die Lyrics im HipHop und rappte alle Texte mit.
Ich sagte ihm irgendwann, dass er doch seine eigenen Lyrics schreiben solle und dass es mit der richtigen Hilfe im Studio dope klingen würde. Daraufhin meinte er, dass ich sein Lehrer sein soll. Ich zeigte ihm also die verschiedenen Schritte des Aufnehmens. Shabeeno hingegen wollte schon von Beginn weg immer rappen, Panchi hatte damals jedoch keine Ahnung davon. Mit der Zeit wurde er aber immer besser und besser. Eines Tages kam er zu mir und meinte, dass er eine Sache im Leben unbedingt machen wolle: Ein komplett von mir produziertes Album. Da wir uns schon so lange kennen ist es, als ob einige Freunde zusammen ein Album machen. So kam es dazu, dass ich nun die ganze Scheibe produziere.

Bevorzugst du es sonst, nur einen oder zwei Beats auf einem Album zu plazieren?
Es kommt darauf an. Es hängt von meiner verfügbaren Zeit ab, auch davon, wer sonst noch an einem Album mitwirkt und noch diversen anderen Punkten. Wenn ein Album aber bei Year Round erscheint, produziere ich die Mehrheit der Songs.

Ich sah ein Interview, in dem du gesagt hast, dass du ein komplettes Album mit KRS One aufnehmen willst.
Wir sind ständig in Kontakt. Wenn ich wieder zurück in den Staaten bin, wird er in meinem Studio an einem anderen Projekt arbeiten und dann werde ich ihm sicherlich einige Beats vorspielen. Wir wollen das definitiv machen. Absolut!

Du unterstützt aufstrebende Künstler wie Termanology, arbeitest mit verdienten MCs wie Blaq Poet oder Royce da 5’9“ aber auch mit Christina Aguilera. Hast du bestimmte Kriterien, nach denen du dir die Künstler, mit denen du arbeitest, aussuchst?
Bei Christina Aguilera war es so, dass sie mich angefragt haben. Ich wollte unbedingt etwas im Pop-Bereich machen, um zu zeigen, dass ich auch das beherrsche. Es sollte gleichzeitig nach dem klingen, was ich im HipHop mache und auch Christina und ihr Label zufriedenstellen.

Was sind denn die Kriterien bei MCs?
Sie müssen einfach über genügend Skills verfügen, so dass ich sie mit den MCs aus meiner Ära vergleichen kann. Sie müssen nicht klingen wie die MCs von damals, aber ein Level haben, bei dem ich sage: „Du hast es verdient, dass Leute dich wahrnehmen.“ So wie bei Termanology – ich habe sein Demo und was er mit Statik Selektah gemacht hat gehört und war sofort bereit, mit ihm zu arbeiten. „Watch How It Go Down“ war eigentlich ein Beat, den ich für das Album von Blaq Poet zur Seite gelegt hatte. Es hätte ein Song mit Alchemist werden sollen. Beide hatten ihre Rhymes bereits aufgenommen, aber sie haben den Song nie fertiggestellt und der Track wurde langsam alt. Als Statik Selektah bei mir im Studio war und den Beat hörte, fragte er mich, ob er ihn für Termanology haben könne. Term schrieb dann seine Raps, ich machte die Cuts und so kam dieser Song zustande. Termanology ist ein sehr hungriger Künstler, der eine enorme Arbeitsmoral besitzt. Er verfügt über den nötigen Willen und deshalb wird er auch lange im Game bleiben.

Du hast ein Mal gesagt, dass der echte HipHop niemals verschwunden ist, sondern zurück in den Untergrund ging. Nun ist z.B. das Raekwon Album in die Top 5 der US-Charts eingestiegen. Ist dies ein Zeichen, dass echter Rap wieder im Mainstream ankommt?
Es ist eine sehr gute Sache, dass Raekwon so erfolgreich ist. Der Mainstream musste irgendwann auseinanderfallen, um den ganzen Müll loszuwerden. Es wurde zu gross und irgendwann geht es bergab. Wir hingegen sind immer da, weil wir uns treu bleiben und es raw halten. Uns geht es gut. Die grossen Künstler jammern, dass sie nicht mehr so viele Platten verkaufen und nicht mehr auf Tour gehen können. Wir hingegen sind immer noch unterwegs und machen Alben. Ich bin sogar froh, dass die Industrie bröckelt, denn nun muss man wieder mehr Zeit investieren und richtig gut sein, um eine Chance zu bekommen. Eine Zeit lang wurde jeder gesignt – das konnte nicht gut gehen!

Du bist deinem Stil über die Jahre treu geblieben; meistens weiss ich nach wenigen Sekunden, dass es sich um einen Premier Beat handelt. Ist es dir wichtig, diesen Trademark Sound zu haben?
Absolut. Teilweise ändere ich meinen Stil auch ein wenig, wie z.B. für „Shake This“ vom neuen Royce da 5’9“ Album oder bei dem Track auf dem neuen M.O.P. Album. Dieser hört sich eher nach einem Beat von Dilla an. Ich wollte für mich ausprobieren, einen Beat im Stil von Dilla zu produzieren und als Lil Fame ihn hörte, wollte er ihn für das M.O.P. Album haben. Eigentlich war es nicht meine Absicht, dass sie einen solchen Beat von mir picken – ich hatte vor, einen Hardcore Song mit ihnen aufzunehmen. Sie meinten aber, dass wir noch nie etwas in diese Richtung gemacht hätten, also willigte ich dann doch ein. Es gibt zwei Versionen von dem Song, eine mit gesungenem Hook und die richtige Version mit Scratches. Die Scratch-Version ist dope, aber leider nicht auf dem Album.

Guru sagt in Interviews unter anderem, dass du nun ein Pop-Produzent seiest. Du betonst aber immer, dass du jederzeit ein weiteres Gang Starr Album machen würdest, er müsse sich nur bei dir melden. Seine Aussagen machen dich also nicht wütend?
Es gibt keinen Grund dafür. Wir haben zu viele Jahre miteinander verbracht, um wütend zu sein. Wir waren eine Gruppe von 1988 bis 2004, wir lebten fünf Jahre zusammen, waren immer gemeinsam auf Tour. Es gibt halt zu viele Erinnerungen. Wenn ich zurückdenke, auch an unsere Streits, muss ich einfach darüber lachen. Wenn er in der Stimmung ist, lasse ich alles andere liegen und mache das Album mit ihm. Wenn nicht, wird es meinen Arbeitsfluss nicht bremsen. Ich liebe es einfach, bangende Musik zu machen.

Hast du dir die Alben von Guru angehört?
Natürlich, ich halte die Ohren immer offen. Ich bin mir ganz sicher, dass Guru, egal wo er gerade steckt, ebenfalls immer abcheckt, was ich mache. (lacht)

Was haltest du von den Alben, speziell von den Beats von Solar, über die ja viel diskutiert wird?
Sie sind okay. Es sind keine Gang Starr Alben, denn dies geht nur, wenn Guru und Premier zusammenkommen. Er hat schon immer eigene Projekte verfolgt wie Jazzmatazz oder das Album bei Ill Kid Records. Die Alben sind cool, aber natürlich höre ich mir lieber an, was wir als Gang Starr erschaffen haben.

Natürlich muss ich dich nach deinem Soloalbum „A Men of Few Words“ fragen. Das wird ja langsam zu einer Eastcoast Version von „Detox“.
(lacht) Ich habe gesagt, dass ich es nächstes Jahr mache. Die Alben von NYGz, Nick Javas und Khaleel werden zuerst erscheinen und dann bin ich bereit, es fertigzustellen. Es muss verrückt werden!!

Du hast einen Remix für den Song „Go Slow“ des Schweizer Soulsängers Seven mit Talib  Kweli produziert. Wie kam es dazu?
Das war dope. Sie schickten mir das Original mit dem Verse von Talib Kweli und fragten mich, ob ich einen Remix davon machen könnte. Wenn ich gesungene Songs produziere, spiele ich gerne selber Sachen ein – ich beherrsche ja auch einige Instrumente. Ich spiele die Keyboards ein, füge dann Cuts und meine regulären Drums hinzu und stelle sicher, dass es bounct. Ich bin sehr zufrieden damit.

Kannst du uns noch ein kleines Update über deine kommenden Projekte, deine Produktionen und über die Veröffentlichungen bei Year Round Records geben?
Als Nächstes kommt das NYGz Album. Wir haben unterdessen den Titel von „Pros and Cons“ auf „Hustlers Union – Local NYGz“ geändert. Nick Javas aus New Jersey arbeitet an seinem Album „Destination Unknown“. Haltet danach Ausschau! Khaleel, ein Artist aus Texas, arbeitet ebenfalls an seinem Debüt. Er hat einen sehr eigenen Stil. Alle Künstler von Year Round werden auch auf dem NYGz Album zu hören sein. Ich habe wieder mit Christina Aguilera gearbeitet, aber keiner der Songs wird auf dem Album sein. Nächstes Jahr liegt meine Priorität bei den Veröffentlichungen von Year Round. Checkt ausserdem das Royce da 5’9“ Album „Street Hop“, das ich als Executive Producer betreut habe.

Die Leute kennen deine Arbeit für Gang Starr oder die Beats für Nas, Jay-Z, KRS und so weiter. Wenn du nun fünf Songs aus deiner Diskografie aussuchen müsstest, welche nicht so bekannt sind, die Leute aber unbedingt abchecken sollten, welche wären das?
Ich würde sagen „Goldyn Chyld“ von Ras Kass. „Extra Extra“ von Paula Perry. (überlegt) Weisst du, eigentlich denke ich nie über meine eigenen Platten nach. Sobald ich einen Song gemacht habe, denke ich bereits an den Nächsten. Dasselbe bei Interviews – ich vergesse das schnell wieder und plötzlich kommt jemand auf mich zu, der mich im Fernsehen gesehen hat. Ich bin gewöhnt an meine Routine und denke immer schon an das nächste Projekt.

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