Slaughterhouse – Slaughterhouse muss bei einem Major sein!“

Int. Rap

In Zeiten von miserablen Plattenverkäufen kriegt die Formierung einer Supergroup schnell den Beigeschmack einer Zusammenlegung der einzelnen Fanbases. Wenn sich aber Royce da 5’9“ (Detroit), Joell Ortiz (Brooklyn), Joe Budden (New Jersey) und Crooked I (Long Beach) zusammenschliessen, ist der Ausdruck Gipfeltreffen keineswegs eine Übertreibung. Sieht man die vier Ausnahmespitter im Backstage herumalbern, glaubt man ihnen auch, dass Freundschaft ebenfalls ein wichtiger Faktor war bei der Gründung von Slaughterhouse. Die feuchtfröhliche Stimmung machte das Herauskitzeln von vernünftigen Antworten zwar nicht unbedingt einfacher, trotzdem konnten wir vor ihrer Show in Zürich einiges über ihre kommenden Moves herausfinden. Dass man sie besser nicht über ihre nicht wenigen Beef-Geschichten oder ihre Vergangenheit bei Def Jam, Aftermath oder Death Row befragt, machten sie bereits in ihrem Song „Move On“ unmissverständlich klar.

Ich kann mir vorstellen, dass ihr nicht die Möglichkeit habt, euch sehr oft zu sehen. Nutzt ihr die Zeit auf Tour auch, um an neuem Material zu arbeiten?
Royce: Das sollten wir eigentlich tun. Aber irgendwie klappt das nicht. Wir trinken viel, wenn wir unterwegs sind.
Joell Ortiz: Wir haben einfach Spass auf Tour.
Royce: Wir sollten aber eigentlich auch etwas auf die Beine stellen.
Crooked I: Joell nimmt immer irgendetwas auf.
Joe Budden: Joell arbeitet immer an etwas. Das wichtigste ist, dass wir viel Spass haben, wenn wir auf Tour gehen.
Royce: Wir denken eigentlich gar nicht ans Aufnehmen. Aber mach dir keine Sorgen, sobald wir wieder zu Hause sind, werden wir sehr viel Zeit zusammen im Studio verbringen, wenn wir mit dem neuen Album beginnen. Es gibt keinen Grund zur Eile.
Joell Ortiz: Nur unsere Manager sind wütend, wenn wir nichts tun. (Gelächter)


In letzter Zeit gab es ja viele Gerüchte über einen möglichen Wechsel zu Shady Records oder einem anderen Major. Was ist der Stand der Dinge?

Royce: Wir werden definitiv einen Vertrag unterschreiben und unser nächstes Album bei einem Major veröffentlichen. Es wird kein zweites Independent-Album von Slaughterhouse geben.

Ihr seid also der Meinung, dass ein Major die richtige Heimat für eine Gruppe ist, die sehr auf den lyrischen Aspekt fokussiert ist?

Royce: Wir hatten das Number 1 Independent-HipHop-Album im Land und nun ist es an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen. Wenn wir diese Maschine hinter uns haben, können wir noch viel mehr Platten verkaufen. Ich denke, dass ein Major ein guter Platz für uns ist, denn wir machen grossartige Songs.
Crooked I: Bei einer Gruppe von talentierten, rohen MC’s wollen die Leute, dass man Untergrund bleibt. Die Fans betrachten es als Sell-Out, wenn man zu einem Major geht. Aber wir verkaufen uns nicht. Durch einen Major können wir viel mehr Menschen erreichen, die sonst vielleicht niemals von Slaughterhouse gehört hätten. Slaughterhouse muss bei einem Major sein. Spread the word!
Joe Budden: Spread the gospel!

Viele Künstler bevorzugen im Moment aber den anderen Weg und sind der Meinung, dass man Independent mehr verdienen kann, selbst wenn man weniger verkauft.
Royce: Wer sagt das und wie viel Geld haben sie wirklich verdient?
Crooked I: Die meisten Künstler, die Independent viel Geld verdient haben, hatten trotzdem eine grosse Maschine im Hintergrund. Sie verfügten über genügend Geld, um ein eigenes Label zu gründen, welches dann unter dem Dach eines Majorlabels läuft. Rap-a-Lot ist beispielsweise ein Independentlabel, das sehr viel Geld macht und mit Warner zusammenarbeitet. Zwischen einem solchen Label und den Independentlabels, von denen du die meisten Rapper sprechen hörst, besteht aber ein grosser Unterschied.
Royce: Ich mag das Konzept, von anderen Leuten Geld zu nehmen, um selber welches zu verdienen. Das ist ein geniales Konzept in meinen Augen.

Euer erstes Album habt ihr in nur einer Woche eingespielt. Crooked I hat in einem Interview gesagt, dass ihr euch dieses Mal mehr Zeit nehmen wollt. Habt ihr bereits eine Ahnung, wie der Prozess aussehen wird?
Joell Ortiz: Dieses Mal nehmen wir uns mindestens zwei Wochen Zeit. (Gelächter) Um ganz ehrlich zu sein, haben wir noch überhaupt keine Ahnung, wie die Herangehensweise sein wird.
Royce: Hoffentlich werden wir vom Label keine Deadline bekommen, die uns zu sehr unter Druck setzt. Ich persönlich glaube nicht, dass wir sonderlich viel Zeit benötigen werden für das Album. Bei der ersten Platte haben wir uns keinen Kopf gemacht, sind ins Studio gegangen und haben die Songs einfach reingeschmettert.
Joell Ortiz: Es wird auf jeden Fall interessant und lustig, wie alles, was wir zusammen machen.
Crooked I: Es soll einfach ein natürlicher Prozess sein.
Joell Ortiz: Genau. Sobald wir herausgefunden haben, was wir genau machen wollen, werden wir es schnell und gut machen.
Royce: Ich denke, wir nehmen einfach solange auf, bis das Budget aufgebraucht ist.

Ihr arbeitet alle auch an neuen Soloprojekten. Gebt uns ein Update!

Royce: Ich arbeite an „Bar Exam 3“. Wenn alles klappt, sollte es am 13. März erscheinen.
Joell Ortiz: Ich habe mein Album „Free Agent“ auf den 20. April verschoben. Haltet danach Ausschau!
Joe Budden: „The Great Escape“ – coming soon.
Crooked I: Ich arbeite an einigen Sachen – ihr werdet die Ersten sein, die davon erfahren.

Soll 2010 mit all diesen kommenden Projekten also das Slaughterhouse-Jahr werden?
Joell Ortiz: Es ist seit 2009 unsere Zeit.
Royce: 2010 sollte definitiv unser Jahr werden – die Maschine ist in vollem Gange! Wir werden alle unsere Soloprojekte veröffentlichen und das gemeinsame Album auf dem Major. Wir versuchen uns stetig zu steigern und so sollte es hoffentlich ein grossartiges Jahr für uns alle werden.

Auf „Cut You Loose“ malt ihr ein ziemlich düsteres Bild über HipHop und die Musik im Allgemeinen.
Joe Budden: Ich muss mich nicht wie KRS One über den Zustand der HipHop-Kultur äussern. Es ist nicht meine Angelegenheit, wer was veröffentlicht, wie viel sie verkaufen oder wer wo unter Vertrag kommt. Mich interessieren nur meine Solokarriere, die Karrieren der anderen Mitglieder und die Entwicklung dieser Gruppe. Solange wir das im Auge behalten und uns darum kümmern, wird HipHop in Ordnung sein.

Slaughterhouse besteht noch nicht sehr lange, doch auch dank diverser Blogs kam sehr schnell ein grosser Hype zustande. Als wie wichtig würdet ihr den Einfluss des Internets auf eure Karriere bewerten?
Joe Budden: Das Internet ist immer sehr wichtig. In der heutigen Ära, wo so viele Leute, egal ob Major, Independent oder ohne Vertrag, versuchen, genau das gleiche zu tun, muss man alles beanspruchen, das einem von den Restlichen abhebt. Es geht dabei nicht nur um die Musik, deshalb muss man wirklich jeden möglichen Vorzug zu nützen wissen. Zu unserem Glück hat es die Internet-Community sehr gut mit uns gemeint. Wieso also etwas reparieren, das nicht kaputt ist?
Royce: Ich habe alle meine Internet-Fans von Joe Budden. Sie lieben mich nun auch.
Joe Budden: Shut the fuck up.
Royce: Es hat damit angefangen, als er mich gedisst hat. Als ich mich dann verteidigte, begannen sie auch meine Musik zu mögen. (Gelächter)

Obwohl jeder von euch schon viele Jahre am Start ist, sagt jeder von euch, dass ihr noch immer voneinander lernen könnt, wenn ihr zusammen im Studio seid.
Joe Budden: Ich lerne jeden Tag von diesen drei Jungs.

Aber was genau?
Joe Budden: Wir sind vier Dudes mit verschiedenen Backgrounds. Ich lerne von ihnen nicht nur, wenn wir im Studio sind. Sie zeigen mir, was es heisst, ein Mann zu sein. Es gibt eine ganze Menge Sachen und wenn ich alles aufzählen müsste, dann würde das eine Weile dauern. Der Lernprozess ist niemals zu Ende – für keinen von uns.
Joell Ortiz: Wir sind alle Studenten des Lebens. Real Talk. Wenn wir im Studio in die Booth gehen lernen wir; wenn wir auf Tour sind und Witze reissen lernen wir ebenso, wie wenn wir ein wichtiges Geschäftsmeeting haben. Es ist ein Lernprozess in welchem man einmal der Lehrer und dann wieder der Student ist.
Royce: Ich habe von Joell gelernt, dass man viel Beifall erhält, wenn man sehr schnell flowt oder spricht. Von Crooked I habe ich gelernt, wie man Silben reimt und von Joe, dass es definitiv nicht nice ist, ein Arschloch zu sein. (Gelächter)

Wenn das kein schönes Schlusswort ist. Vielen Dank für das Gespräch!

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