Alexandra Burke – Man wird wirklich nur nach dem Talent beurteilt!

Int. Rap

Alexandra Burke Who? Das mag sich vielleicht der eine oder andere fragen. Wenn man dann erzählen möchte, dass diese Sängerin in England die Casting Show X-Factor gewonnen hat, erwickt das hierzulande noch keine grosse Reaktion. Wenn man dann hört, dass sie mit ihrem Debut Album „Overcome“ mehr Platten als Comebacker Robbie Williams verkaufte, beginnt man die Dimensionen der dortigen Casting-Show Relevanz zu erahnen. Hört man aber einfach ihre Stimme, weiss man, dass sie nicht einfach nur eine Nachfolgerin von Leona Lewis ist, sondern eine unglaublich talentierte Musikerin. Wir haben die aufgestellte junge Künstlerin mit viel Witz in ihrem Tourbus getroffen und mit ihr über Castings und ihre Zukunft gesprochen!

Bist du eigentlich das erste Mal in der Schweiz?

Ja.


Und hast du die Berge schon von nahem gesehen?

Nein leider nicht, aber ich war in einem Schokoladen-Shop (lacht), bei Sprüngli, hmm.

Du bist jetzt also auf Promo-Tour durch ganz Europa?

Ja genau. Ich war in Paris und gleich nach der Show ging es weiter nach Milano. Zwischenzeitlich war ich noch einmal kurz in London, weil es im Studio noch letzte Arbeiten gab. Und ich bin wirklich begeistert. Es macht mir grossen Spass und ist eine riesige Ehre für mich durch ganz Europa zu fahren und mein neues Album zu promoten.
Ich hätte wirklich nie daran geglaubt diese Möglichkeit zu haben. Als ich vom Label erfuhr, dass wir jetzt auch nach Europa und dann weltweit gehen wollen, war ich schon sehr erstaunt und begeistert zugleich.

Es ist also nicht nur Europa?

Nein, das wird weltweit promotet, also hoffentlich. Wir schauen jetzt mal wie’s in Europa läuft. Wir gehen es Schritt für Schritt an.

Das erste was mir in den Sinn kam, ist, dass wenn man in der Schweiz eine Casting-Show gewinnt, man es fast gar nicht ernst nehmen kann. Als ich dann aber auf Youtube ging und deinen Hallelujah-Song hörte, merkte ich, dass es auch anders sein kann.

Das gefällt mir!!!

Wie ist das denn? Ist diese Show „X-Factor“, die du gewonnen hast, wirklich eine ernst gemeinte Sendung mit dem Ziel neue musikalische Talente zu fördern und hervor zu bringen in Grossbritannien? Weil in der Schweiz haben wir MusicStar und da ist es definitiv nicht so.

X-Factor ist wirklich eine sehr ernst gemeinte Sendung. Wir haben jeweils 20 Millionen Zuschauer, so ernst ist das. Und die Show bietet einfach grossartige Chancen, die man sonst nicht hätte, wenn man einfach bei einem Label anklopfen würde. Man wird wirklich nur nach dem Talent beurteilt. Nicht wie man aussieht, nach der Haarfarbe oder welche Hautfarbe man hat; einfach nur ob man singen kann oder nicht. Und das ist noch nicht das Beste. Die Jury-Mitglieder bewerten dich nicht einfach nur in den Shows, sondern werden auch zu Betreuern und Mentoren, so dass man immer eine helfende Hand an der Seite hat. Und diese Leute kommen aus dem Musik-Geschäft und wissen genau von was sie sprechen. Die ganze Sache ist also wirklich sehr ernst gemeint.

Ist es denn bei euch nicht so, dass man diesen Stempel hat, wenn man an einer Casting-Show teilnahm. Bei uns in der Schweiz ist das so. Die Leute aus dem Music-Business lachen über die Castingteilnehmer, weil sie oftmals auch wirklich nicht gut sind. Wenn man es aus eigener Kraft nicht schafft, geht man zu einer Castingshow. So denkt man in der Schweiz.

Nein, das ist bei uns ganz anders. Ich finde das auch gar nicht nett. Ich denke wenn ihr einen Typen wie Simon Cowell in der Show hättet, würde es vielleicht auch ernster genommen.

Ja eben, das ganze Konzept ist ein wenig anders bei euch. Du wurdest also nie kritisiert, weil du bei dieser Show teilgenommen hast?

Nein wirklich nicht. Vielleicht mögen das einige Leute da draussen in der Welt denken. Aber ich finde, dass ich dank dieser Show erst hier bin, wo ich jetzt bin. Diese Show machte mich zu dem was ich bin und hat mir Erfolg in Grossbritannien beschert. Und sie hat mir die Möglichkeit gegeben nach Europa zu kommen. Diese Show hat mir eine Plattform gegeben und das bedeutet mir sehr viel. Und deshalb finde ich solche Shows auch grossartig.
Ich meine vor 20 Jahren konntest du zu einem Plattenlabel gehen und wurdest „gesigned“, egal wie du ausgesehen hast. Heute jedoch wollen die Labels schon die Arbeit zur Hälfte fertig, sie wollen schon ein fertige Produkt und nicht mehr viel Geld in einen Künstler investieren. Aber bei X-Factor wirst du unterstützt bei deiner Entwicklung.

Aber du hast schon im Jahr 2005 teilgenommen und wurdest rausgeworfen.

Ja genau.

Warum hast du Ihnen nochmals eine zweite Chance gegeben.

Oh glaube mir, sie haben MIR eine zweite Chance gegeben. Beim ersten Mal war ich noch ein 16-Jähriges Mädchen, das sehr naiv war. Ich schloss gerade die Schulde ab, habe mich aber nicht fürs College oder die Uni eingeschrieben, da ich das nicht für nötig hielt. Ich dachte, ich wisse, was die Welt für mich bereit zu halten hat. Und für mich gab es nur eine Option: Singen!

Was hast du denn danach gemacht?

Ich habe einfach gearbeitet, auf Partys in Bars und in Restaurants. Am Wochenende habe ich dann gesungen und war auch manchmal im Studio. Ich habe einfach versucht mich weiterzuentwickeln und vorwärts zu kommen um mich zu einer besseren Künstlerin zu machen.

Und dann gab es nie Angebote von Typen von Labels die auf deine Stimme aufmerksam wurden?

Nein richtige gute Angebote habe ich nie bekommen. Ich wollte dann eigentlich gar nicht zu der Show X-Factor zurück. Ich hatte Angst wieder abgewiesen zu werden, nicht gut genug zu sein, ich hatte Angst, dass sie mir sagen, Singen wäre nicht das richtige für mich. Schliesslich haben mich meine Mutter und mein jüngerer Bruder dazu motiviert, ja fast gedrängt haben. Ich habe also wirklich eine grossartige Familie.

Kann man sich auf den Tag vorbereiten, wenn man die Show gewinnt? Klar bist du immer noch dieselbe Person. Aber alles andere wird nie mehr gleich sein, ist auf einen Schlag anders.

Nein, man kann sich nie auf das unerwartete vorbereiten. Man muss einfach mit dem Flow gehen, was ich auch getan habe. Ich habe nie erwartet zu gewinnen oder jemals da zu sein wo ich jetzt bin. Ich hatte einfach hohe Hoffnungen. Ich hoffte immer das Beste.

Konntest du dir vorstelle zu gewinnen?

Nein, was mich betraf, war ich überzeugt, dass eine Band gewinnen wird. Ich habe bei mir keine Chance gesehen. Alles was ich wollte war, dass ich beachtet werde und man mir sagt, dass ich talentiert bin. Ich habe den Sieg wirklich nicht erwartet.

Gewöhnst du dich langsam daran, einen Musikerin, ein Star zu sein und immer wieder Fragen zu beantworten?

Nein, man kann sich nicht daran gewöhnen. Zumindest ich kann das nicht und ich bin jetzt seit über einem Jahr dabei. Ich kann es immer noch kaum fassen wenn ich einen Song von mir im Radio höre, oder ein Clip am Fernsehen von mir kommt. Ich fühle mich dann als das glücklichste Mädchen auf der Welt. Und ich hoffe, daran gewöhne ich mich nie, denn dieses Gefühl will ich nicht missen. Es ist so ein magisches Gefühl.

Also, reden wir über deine Musik. Ich habe dein Album „Overcome“ durchgehört und muss sagen, du hast sehr eine soulige Stimme. Aber das Album beinhaltet viele verschiedene Stile. Es ist nicht einfach ein reines Popalbum.

Ja das stimmt genau. Ich habe zu meinem Labelmanager gesagt, ich will, dass mein Album eine Mischung aus allen Genres, die es da draussen gibt, wird. Denn das repräsentiert meine Persönlichkeit. Jeder, der mich kenn und das Album hört, wird das bestätigen. Es gibt so viele Dinge, die ich liebe. Ich bin eine sehr vielseitige Person. Und was ich auch sehr cool finde: Das Album enthält nur 3 Balladen. Ich will die Leute damit nicht langweilen. Ich will, dass sie so glücklich sind wie ich und Freude haben wie ich, wenn sie am morgen aufstehen.

Da war noch diese Motown-Idee. Warum wurde diese wieder verworfen?

Ich erinnere mich, als der Manager kam und mich fragte in welche Richtung ich mit meinem Album gehen wollte. Und ich sagte, oh ich liebe Motown. Weil ich einfach nur Motown kannte. Dann aber überlegte ich es mir nochmals und bat um 10 Tage Pause, in denen ich alles nochmals überdenken konnte. Ich ging auf Youtube und hörte mir Nonstop Musik an, von AC / DC über Bon Jovi bis zu Spice-Girls und Britney Spears. Ich hörte mir alles an was mich auch schon als Kind glücklich gemacht hat. Und dann merkte ich plötzlich, dass ich alles gern habe. Also wollte ich auch alles machen. Ich ging ins Büro und sagte, ich will Pop. Aber ich will Pop mit einer Mischung aus allem. Ich will Rock dabei haben, den Sound von R’n’B, Hip-Hop und Soul. Meine Stimme ist ja auch soulig, also hat sowieso alles was ich singe, diesen Touch, das wurde auch von mir erwartet. Ich wollte auch ein Album, das Spass macht und mich aufheitert, wenn ich traurig bin und so ist es auch geworden. Ich lieb es.

Wie stark warst du ins Songwriting involviert? Bei unseren Shows ist 3 Tage nach dem Sieg das Album draussen. Bei dir dauerte es mehr als ein Jahr?

Oh nein nein, das mag einigen so lange vorgekommen sein. Es hat 7 Monate gedauert. Aber ich habe wirklich hart gearbeitet. Ich war mit meiner Schwester im Hotelzimmer. Aber sie hat mich manchmal 2 Wochen nicht gesehen. Ich bin aufgestanden, habe mich aufgewärmt, ging ins Studio, kam zurück und ging wieder schlafen. Und das lief die ganze Zeit so. Wir haben extrem viele Songs aufgenommen. Ich kam immer mit meinem Tagebuch, das ich seit elf Jahren führe, ins Studio und konnte Situationen schildern oder Dinge, die mich beschäftigten oder mir wichtig sind. Ich musste den Produzenten klar machen, wer ich bin. Dass sie mich kennen lernen und zu verstehen begannen wie ich fühle. Mein Teil der Arbeit war es also sie zu inspirieren. Ich wollte keine Puppe sein, die irgendwas nachsingt. Wenn ich auf die Bühne gehe soll da eine Geschichte, ein Gefühl von mir sein hinter dem Song, die auch die Leute berührt.

Wie sieht es mit Live-Auftritten aus? Weil seit diesen 15 Minuten, die ich dich kenne, muss ich sagen, du hast sehr viel Unterhaltungswert.

Ohh danke schon, das ist sehr lieb. Ja weißt du, wenn ich mich frei fühle, dann auf der Bühne. Ich tanze und kann Lieder singen, die ich liebe. Und dann fühle ich mich frei und es ist niemand und nichts im Raum, das mich ablenkt und nichts anderes zählt in diesem Moment.
Ich hatte im November einen kleinen Charity-Auftritt. Und als ich den Song „Silence“ performte war da eine Person in der ersten Reihe, die den Text mitsang. Und das von einem Lied, das erst released wurde. Ich fragte sie dann, warum die den Text so gut kann. Sie hat geantwortet, dass das einer ihrer Lieblings-Songs ist. Und das hat mich so berührt, dass ich weinen musste.
Also ich liebe es wirklich aufzutreten, eine Live-Band zu haben und sie zu kontrollieren und das Mikrophon in meiner Hand zu haben. Ich liebe es einfach zu performen. Dann fühle ich mich frei.

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