50 Cent – HipHop-Künstler verkaufen keine Platten mehr

Int. Rap

Es lief schon besser für Curtis. Erst verlor er das Verkaufsbattle gegen Kanye, dann wurde „Before I Self Destruct“ immer wieder verschoben und als es dann schliesslich in den Läden stand, war es bereits seit vier Wochen im Netz kostenlos zu haben. Dies ist natürlich ein Grund für die ernüchternden Verkaufszahlen, aber mit Sicherheit nicht der Einzige. Der Zenit scheint klar überschritten zu sein. Seine Taschen füllt er sich unterdessen vermehrt mit Filmprojekten und lukrativen Aktivitäten in anderen Geschäftszweigen. Doch wie geht der einst so erfolgsverwöhnte Fiddy mit diesen Rückschlägen um und wie soll es nun weitergehen? Wir wollten es herausfinden und sprachen mit dem G-Unit-Leader kurz vor seiner Show im erschreckend schlecht gefüllten Hallenstadion.

Du hast dich mehrfach über den Stand der Dinge im Musikgeschäft beschwert. Das Internet ruiniere das Geschäft und die grossen Firmen seien nicht mehr dazu bereit, ihre Marketing-Dollars zu investieren. Was hält dich trotzdem in diesem nicht mehr sonderlich lukrativen Business?

Hauptsächlich verspüre ich immer noch eine grosse Leidenschaft für die Musik. Es ist grossartig, wenn man von einem Fan zu einer der einflussreichsten Personen dieser Musik werden kann.
Seit sieben Jahren habe ich das Privileg Musik zu erschaffen, welche die Leute weltweit geniessen. Ich liebe es, wenn ich die Reaktionen auf meine Musik erleben kann. Meine Partner Eminem und Dre ziehen es vor, ihre Musik zu machen und zu Hause zu bleiben. Ich hingegen toure rund um die Welt und geniesse die Reaktionen meiner Fans.


Die Verkäufe von „Before I Self Destruct“ blieben nun aber klar hinter den Erwartungen zurück.

Es gibt momentan keine grossen Verkäufe mehr im HipHop. Mein Album war vier Wochen vor der Veröffentlichung im Netz zu finden und jeder der es wollte, hatte es bereits. Diejenigen Fans die es sich noch gekauft haben, taten dies nur aus Support. Aber wie gesagt gibt es keine HipHop-Künstler mehr, die viele Platten verkaufen, auch ein Lil Wayne nicht. Was es noch gibt sind Hit-Singles wie gerade „Beamer, Benz or Bentley“ von Lloyd Banks und Juelz Santana. Diese Platte geht durch die Decke, man sieht es nur schon an den Reaktionen in den Nightclubs in den Staaten. Das wird ein sehr grosser Song werden, das kann man nicht mehr aufhalten.

Du sollst bereits an einem neuen Album arbeiten.

Ich habe ein Projekt namens „Black Magic“ fast fertig gestellt, es fehlen vielleicht noch zwei Songs. Ausserdem habe ich bereits mit meinem neuen Soloalbum begonnen, mit welchem ich nach „Black Magic“ rauskommen werde.


Ist es möglich, dass du nach dem immensen Erfolg über all die Jahre etwas gesättigt warst und du durch die Verkaufszahlen von „Before I Self Destruct“ wieder zusätzlich motiviert bist?

Ich denke, dass die Leute da zu viel hineininterpretieren. Es hat nichts damit zu tun, dass ich gesättigt war. Die Zahlen sprechen immer noch für sich. Viele waren der Meinung, dass ich mit „Curtis“ gescheitert bin. Aber waren „Ayo Technology“ und „I Get Money“ nicht beides Nummer 1 Hits? Auch „I’ll Still Kill“ mit Akon und „Follow My Lead“ mit Robin Thick waren Hits. Womit soll ich gescheitert sein?


Wahrscheinlich wird bei dir aufgrund deines Erfolgs mit den ersten Alben ein anderer Massstab angesetzt.

Ich werde auf eine ganz andere Art betrachtet – als ob ich nicht mehr menschlich wäre. Trotzdem hole ich mit meinen Songs immer noch das Maximum heraus – es sind Nummer 1 Songs. Das Timing hat nicht gestimmt und deshalb war das Album auch nicht auf Platz 1 als es erschien. Die Leute scheinen zu erwarten, dass ich für den Rest meines Lebens jedes Jahr ein Album veröffentliche und jedes davon direkt auf Platz 1 einsteigt. Ich verstehe schon, woher diese Erwartungshaltung kommt: Ich hatte mit „Get Rich or Die Trying“ das erfolgreichste Debüt der HipHop-Geschichte und konnte 12 Millionen Platten scannen. Aber ein Hit-Song bleibt ein Hit-Song. Ich bin gespannt was diese Leute sagen, wenn das erste Album von einem talentierten Künstler wie Drake erscheint. Werden sie sagen, dass er gescheitert ist, wenn er nicht so viele Platten verkauft? Vermutlich nicht, da er diesen Erfolg bislang nie hatte. Bei mir betrachten sie es aber ganz anders, sogar wenn ich mit Künstlern wie Jay-Z verglichen werde, was öfters geschieht. Er hatte eine lange Karriere und nach jedem Projekt wuchsen die Zweifel, ob er es noch drauf hat. Er hat es immer wieder bewiesen und das halte ich ihm zugute. Aber wenn man die Zahlen betrachtet, habe ich in vier Jahren mehr Platten verkauft als er während seiner 15-jährigen Karriere. Ich bin von aggressiver Natur, geprägt dadurch wo ich herkomme und wie ich aufgewachsen bin. Wenn mich also jemand herausfordert, dann werde ich zurückschlagen. Das bringt die Leute zum Durchdrehen. Sie könnten es bestimmt leichter verdauen, wenn ein weniger konfliktfreudiger Künstler auf Platz 1 wäre.

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