Statik Selektah – Ich will auf jedem wichtigen Album vertreten sein!

Int. Rap

Die Produktionen von Statik Selektah stehen für eine erlesene Sample-Auswahl, knackige Drums und punktgenaue Scratches. Dies mag sich nun ziemlich altbacken anhören. Dem ursprünglich aus Boston stammenden DJ und Producer gelingt aber das Kunststück, diese klassische Formel zeitgemäss klingen zu lassen. Nachdem er sich im Mixtape-Game einen beachtlichen Namen machen konnte, hat sich der Selektah in den letzten Jahren auch den Status als einen der dopesten Producer gesichert. Seinen momentanen Lauf verdankt er aber nicht nur dem guten Händchen für satte Beats, sondern auch seiner schier unglaublichen Arbeitsmoral. Nachdem der Output mit drei Producer-Alben innert drei Jahren, zahlreichen Fremdproduktionen und etlichen weiteren Projekten schon hoch war, soll dieses Jahr der Markt förmlich überflutet werden. Über die zahlreichen anstehenden Veröffentlichungen, seinen Werdegang und das aktuelle Album „100 Proof: The Hangover“ sprachen wir mit Statik Selektah bei seinem Besuch in der Schweiz.

Ich kann mich erinnern deinen Namen erstmals 2001 auf dem Reks Album „Along Came The Chosen“ gelesen zu haben. Ich habe gehört, dass du bis vor einigen Jahren das Produzieren gar nicht so ernst genommen hast und du erst richtig damit begonnen hast, als du die meisten Songs nicht mehr gefühlt hast. Könnte man also sagen, dass du als Fan enttäuscht warst und deshalb kurzerhand selbst etwas zu einer Veränderung beitragen wolltest?
Das war damals der erste Beat, der jemals von mir erschienen ist. Ich wollte schon immer ein Producer sein. Verglichen mit dem, was ich jetzt mache, nahm ich es aber nicht sehr ernst. Ich versuchte nicht, meine Beats zu platzieren, obwohl ich 2003 einen Beat auf einem KRS One Album hatte. Richtig los ging es dann, als ich 2006 den Beat zum Song „Animal“ auf AZ’s Album „Format“ produzierte.


Inzwischen hat sich vieles verändert und einige sehen dich schon als den Retter des originalen Eastcoast-Sounds. Wie stehst du dazu?

Es ist unglaublich, dass das gesagt wird. Das war immer ein Ziel – ich wollte immer den Fussstapfen von Premo, Pete Rock und all diesen Leuten folgen. Es ist dope, dass mich einige Leute bereits in dieser Tradition sehen.

Du fühlst dich wegen dieser grossen Vergleich aber nicht unter Druck gesetzt?
Überhaupt nicht, ich fange erst an. Ich bin noch ein Rookie – gebt mir noch ein paar Jahre.

Die Gäste auf deinen Alben sind jeweils eine Mischung aus Veteranen und aufstrebenden MC’s. Für deine Mixtapes hast du auch schon mit Künstlern wie Nas, Akon oder der G-Unit gearbeitet. Hast du dir nie überlegt, auch solche Big Names auf deine Alben zu packen?
Ich werde nächste Woche für Nas auflegen, mal schauen, ob sich da etwas ergeben wird. Ich habe diesen Künstlern immer Beats geschickt: 50 Cent hat Beats von mir für seine letzten beiden Alben erhalten, auch Nas habe ich etwas geschickt, als er an seiner letzten Platte gearbeitet hat. Der Track „The Thrill Is Gone“ war ursprünglich für Kanye gedacht. Er hat etwas darauf aufgenommen, leider habe ich es aber bislang nicht gehört. Ich schicke also immer wieder Beats raus und je grösser ich werde, desto mehr erhalte ich die Möglichkeit, gewissen Künstlern meine Produktionen vorzuspielen.

Es ist also schon ein Ziel von dir, deine Beats auch auf den richtig grossen Alben zu platzieren?
Absolut! Mein Hauptziel für dieses Jahr ist es, auf jedem wichtigen Album vertreten zu sein.

Du sollst ja auch Diddy einige Beats geschickt haben.
Ich ging mit ihnen ins Studio und habe rund 15 Beats vorgespielt.

Wie sehr unterscheiden sich die Beats, die du ihm vorspielst, von dem, was man sonst von dir zu hören bekommt?
Eigentlich nur ein wenig – es ist immer noch mein Sound. Es sind aber richtig grosse Tracks, nicht nur auf den Underground ausgerichtet. Ich verwende dafür aber immer noch Samples und harte Drums.

Es wäre sicherlich spannend und wünschenswert, solchen Sound auch wieder im Mainstream zu hören.
Das ist definitiv das Ziel.

Sprechen wir von deinem neuen Album „100 Proof: The Hangover“. Du sagtest, dass die Platte düsterer ist, da du, trotz dem musikalischen Erfolg, kein sonderlich gutes Jahr hattest. Könntest du das etwas spezifisieren?
Ich denke, wir alle hatten kein wahnsinnig tolles Jahr: die Wirtschaft war in der Krise, viele Leute starben. Bei mir kamen noch viele persönliche Dinge dazu, so dass es trotz dem Erfolg ein schlechtes Jahr war. Aber ich bin überzeugt, dass dieses Jahr viel besser wird.

Wie hast du die MC’s gesteuert, dass sie ihren Teil zum düsteren Soundbild beitragen?
Im Prinzip habe ich ihnen einfach die Beats und das Konzept geschickt. Im Grunde genommen ist das Album ja auch nicht so düster geworden – es ist keine Depro-Musik. Die Richtung des Albums kristallisierte sich heraus mit dem Part von Bun B auf „So Close, So Fare“, den er eigentlich auf einem ganz anderen Beats aufgenommen hat. Die Themen, die er da anspricht, gaben dem Album die Richtung. Gewisse Songs reflektieren, was zu dieser Zeit in meinem Leben abging.

Haben sich deine Prioritäten über die Jahre verändert, oder würdest du sagen, dass du immer noch als Erstes ein DJ bist?
Ich werde immer zuerst ein DJ sein. Trotzdem haben sich die Prioritäten verschoben; ich bin viel öfter im Studio, als dass ich als DJ unterwegs bin. Das möchte ich allerdings gerne wieder etwas ändern. In letzter Zeit war ich sehr oft auf Tour, dann ist es sowieso anders. Zuhause in New York triffst du mich aber jeden Tag im Studio.

Wie stehst du denn heute zu dem ganzen Mixtape-Game? Ich habe gehört, du sollst nur noch Mixtapes machen, wenn du anständig dafür entlöhnt wirst.
Das stimmt nicht. Soeben habe ich das Reflection Eternal Mixtape gemacht, ohne dafür bezahlt zu werden. Da geht es um gegenseitigen Respekt. Bei solchen Projekten bin ich sofort dabei. Wenn ein aufstrebender Künstler zu mir kommt und will, dass ich für ihn ein Mixtape mache, möchte ich dafür aber natürlich auch bezahlt werden. Mixtapes mit neuen Tracks reizen mich jedoch nicht mehr sonderlich, da mache ich lieber ein Album. Ausnahmen sind Themen-Mixtapes wie „The Look Of Love“ von Q-Tip, das Dilla gewidmet ist, oder die „Soundtrack to the Summer“ Mixtapes. Ausserdem ist meine Radioshow auf Shade45 wie ein wöchentliches Mixtape.

Bevor deine Firma Showoff ein Label wurde, war eine Marketing- und Promotionfirma. Denkst du, dass dieses Wissen über den Business-Aspekt dir geholfen hat für deine Karriere?
Auf jeden Fall. Seit das Internet ein so wichtigen Part bei der Promotion spielt, nutze ich es intensiv. Alles was ich mache, ist auf den wichtigen Websites zu finden. Das ist nicht nur, weil die Musik gut ist, sondern auch, weil ich über die Jahre viele Beziehungen aufbauen konnte.

Du machst das also alles weiterhin selbst?
Ich habe einige Leute, die mich dabei unterstützen, aber wenn es darum geht, mit den wichtigen Leuten in Kontakt zu sein, mache ich alles selber. Ich bin quasi mein eigener Verleger.

Deine Arbeitsmoral ist unglaublich. Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus, wenn du zuhause in New York bist?
Just party and bullshit (lacht). Ich wache auf und mache Musik. Ich habe einige Radioshows, also muss ich diese jeweils vorbereiten. Zwei- oder dreimal die Woche gehe ich raus in die Clubs, aber nicht mehr jeden Tag wie früher.

Nebenher erledigst du dann noch die ganze Promotion?
Das ist der einfache Teil der Arbeit. Ich versende eine Mail und die News landen bei allen wichtigen Websites. Aber natürlich gibt es viele Beziehungen, die aufrechterhalten werden müssen. Viele Leute haben mir geholfen und da muss man sich auch wieder revanchieren.

Du warst hier in Europa auch mit Saigon auf Tour und ihr sollt geplant haben, ein zweites „All In A Days Work“ Album zu produzieren. Ist das zustande gekommen?
Wir werden es machen, aber nun ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Er ist nun endlich raus aus seinem Vertrag mit Atlantic und ist im Besitz der Masters von seinem Album „The Greatest Story Never Told“, das er mit Just Blaze gemacht hat. Nun will er dieses zuerst rausbringen, was auch absolut verständlich ist, denn darauf warten seine Fans. Ich will seine Fans also nicht verärgern, obwohl sie unser Album auch gefühlt haben.

Dieses Jahr sollen komplette Alben mit Sean Price, Bahamadia, Joe Scudda, Souls of Mischief und JFK erscheinen…
Die meisten davon sind bereits im Kasten.

Wie schaffst du es, an so vielen Projekten gleichzeitig zu arbeiten? Bei vielen Künstlern kann man froh sein, wenn alle 2-3 Jahre etwas Neues erscheint!
Ich verstehe es, wenn Künstler sich Zeit nehmen. Aber das muss nicht unbedingt zu besserer Qualität führen. Das neue Album von Reks haben wir in zwei Monaten gemacht und ich versprich dir, dass es das beste Album des Jahres wird. Er hat DJ Premier, Nottz, Sean C & LV, Pete Rock und zahlreiche Beats von mir. Er lebt in Miami und da er für die Aufnahmen immer nach New York kam, haben wir pro Tag zwei, drei Songs aufgenommen und schlussendlich hatten wir das Album in sechs, sieben Tagen im Kasten. Ich kann es nicht verstehen, wieso gewisse Künstler so lange brauchen für ein Album. Wir leben in einer neuen Ära und man muss die Leute stetig mit Musik versorgen. Bei vielen liegt es wohl am Ego und ich weiss natürlich auch nicht, welchen Lifestyle diese Leute haben. Keine Ahnung was sie machen, aber Arbeiten kann man das sicherlich nicht nennen. Eine Crew wie Clipse veröffentlicht zwar nicht jedes Jahr ein Album, dafür sind sie ständig auf Tour. Das respektiere ich auch.

Kannst du also bestätigen, dass all die zuvor erwähnten Alben auch dieses Jahr erscheinen werden?
Das Album mit Termanology, „1982“, ist fertig, ebenso die Platte mit Joe Scudda. Alle Beats für das Album mit Souls of Mischief sind im Kasten und die Songs sind alle geschrieben – ich weiss nur nicht genau, wie viele Tracks sie bereits aufgenommen haben. Das Album von Reks ist fertig. Mit Sean Price werde ich erst noch beginnen, aber das läuft sehr easy bei uns. An dem Projekt mit Bahamadia arbeiten wir noch. Ausserdem werde ich EP’s mit Freddie Foxxx und Slaine von La Coka Nostra veröffentlichen. Mit Bun B würde ich auch gerne ein Projekt in Angriff nehmen. Jedes Mal wenn er bei mir ist, nimmt er einen Verse auf und die Zusammenarbeit läuft sehr unkompliziert.

Du scheinst sowieso eine sehr spezielle Beziehung zu Bun B zu haben.
Auf jeden Fall! Genau so mit Freeway. Ich würde auch mit ihm gerne ein Projekt machen, aber er hat erst gerade sein Album mit Jake One veröffentlicht. Nun wird zuerst sein nächstes Soloalbum erscheinen, auf dem ich wohl einige Beats produzieren werde. Auch auf den neuen Alben von Joell Ortiz und Consequence werde ich ein paar Beats haben. Es ist einiges los!

Die erwähnten Künstler leben ziemlich verstreut in den Staaten. Kommen alle bei dir im Studio vorbei oder schickst du ihnen die Beats?
Es waren alle schon bei mir im Studio, aber es entstehen nicht alle Tracks dann auch bei mir. Ich mische jedoch immer alles selber. Consequence ist zum Beispiel fast jeden Tag bei mir im Studio, Bun B und Freeway kommen immer vorbei, wenn sie in New York sind, auch Styles P schaut regelmässig rein.

Es gibt ein anderes spannendes Projekt mit Consequence, Paula Campbell und Rik Cordero namens Band Camp, welches ihr als „die HipHop-Version von Lucy Pearl“ bezeichnet.
Consequence hat diesen Vergleich mal gebracht und ich habe ihn einfach übernommen. Es ist ein sehr spannendes Projekt, vor allem auch, weil wir Rik Cordero, der nun einige Filme am drehen ist, mit an Board ist.

Was ist denn seine Aufgabe bei dem Projekt?
Es wird zu jedem Song ein Video geben, was der Gruppe ein völlig anderes Element hinzufügt. Er ist aber eigentlich auch ein Musiker.

Es klingt so, als ob sich dieses Projekt ziemlich von dem unterscheiden würde, was du sonst so machst.
Eigentlich nicht wirklich. Es ist sehr schwer zu erklären, wie es sich anhören wird, aber es wird grossartig werden. Jedoch dürfte es noch länger dauern: Paula wohnt in Baltimore, Rik dreht andauern Videos, während Consequence und ich ständig auf Tour sind. Etwa drei Songs sind bislang im Kasten.

Wir haben nun über zahlreiche Projekte gesprochen, ging dabei noch etwas vergessen?
Lass mich überlegen, es läuft so viel im Moment. Hauptsächlich promote ich nun mein neues Album. Wir haben soeben ein Video zu dem Track „Life is Short“ mit Consequence gedreht. Es gibt einen Clip zu „So Close, So Fare“ mit Bun B und Wale. Es soll ausserdem noch ein Video zu „Do It 2 Death“ mit Lil Fame, Havoc und Kool G Rap geben. In etwa zwei Monaten wird es noch ein Instrumental-Album geben. Das ist sehr easy, ich werde es einfach selber rausbringen. Die nächste Priorität wird dann das „1982“ Album mit Termanology sein.

Das hat ja etwas länger gedauert. Als ich letzten Sommer mit Term sprach, meinte er, dass alle Beats schon fertig seien und er nun nur noch einige Songs schreiben müsse.
Am Schluss ging dann alles sehr schnell. Wir haben Tracks mit Bun B, Freeway, Saigon, Masspike Miles, M.O.P. und Inspectah Deck.

Int. Rap