Naturally 7 – Es braucht Zeit, Mauern zu durchbrechen!

Int. Rap


Naturally 7 sind einzigartig. Sie sind Accapella und doch wieder nicht! Sie brauchen zwar keine Instrumente, aber sind denncoh eine Band, denn sie spielen einfach alles mit dem Mund. Vor einigen Jahren noch als Exoten Band abgetan, touren die sieben Stimmkünstler nun mit Michael Bublé durch die Welt und werden ihr aktuelles Album „Vocal Play“ zum ersten Mal auch in ihrer Heimat, den USA releasen. Wir haben mit Roger Thomas, dem Gründer der Crew gesprochen.

Ihr Jungs spielt aber viel in der Schweiz, verglichen mit anderen europäischen Ländern.

Ja, die Schweiz ist sicher in unseren Top 3 europaweit. Wir haben hier und in Deutschland viel getourt.


Stimmt es, dass ihr eigentlich zuerst in Europa durchgestartet seid, bevor ihr in den USA richtig bekannt wurdet?

Von den Albumverkäufen her stimmt das, weil wir unser erstes Studioalbum über ein Schweizer Label rausbrachten. Das hat unser damaliger Manager, der in der Schweiz lebt, so eingefädelt. Aber wir haben auch schon in den Staaten viel getourt, bevor wir nach Europa kamen.

Ich habe gelesen, dass ihr in vielen Fernsehshows Auftritte habt. Also werdet ihr auch dort immer bekannter?

Wir sind ja auf Tour mit Michael Bublé. Das hat uns extrem viel Medienpräsenz verschafft. Ausserdem haben wir das Video „Wall of Sound“ veröffentlicht, was auch sehr viele Leute gesehen hatten. Und wir hatten viele grosse Shows. Und das ohne je ein Album in den USA veröffentlicht zu haben.

Was? Gibt es kein Naturally 7-Album in den USA?

Nein. Das wird sich aber in den ersten Monaten dieses Jahres ändern. Das Album, das wir jetzt releasen wird auch in den USA herauskommen, zum ersten Mal.

Was denkt ihr, warum hat es so lange gedauert? Weil es zu viele ähnliche Gruppen gibt?

Nein, ich glaube es ist genau das Gegenteil. Es gibt schon einige A Capella Gruppen, welche die Leute kennen, zum Beispiel Take 6. Aber wir machen trotzdem etwas ganz anderes. Und bis die Leute unser Konzept begriffen haben und auch glaubten, dass es funktionieren kann, dauerte es schon eine Weile. Viele der Studio und Radio Leute haben gesagt, ah a capella, cool, macht vielleicht einen oder 2 Songs, aber das ganz Album? Stimmen werden zu Instrumenten? Ich weiss nicht. Es hat also wirklich Zeit gebraucht diese Mauern durchzubrechen.

Aber trotz dem neuen, innovativen, coolen Konzept, braucht ihr einen Hit, wie ein normaler Pop oder R’n’B-Sänger, sonst werden sie euch nicht spielen.

Jaja, das ist das was sie immer sagen. Welches ist der Hit, welches ist der Hit? So funktioniert diese Industrie nun mal. Wir waren halt auf all den Touren die wir in den USA gemacht haben immer sehr volksnahe und eher underground und nicht auf der grossen Bühne.

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit Michael Bublé zustande gekommen?

Im Jahr 2007 suchte er eine A Capella-Gruppe, die nicht zuviel Platz auf seiner Bühne braucht, da er ja eine grosse Band hat. Und er wollte auf Europa-Tournee gehen. Da hat ihm jemand gesagt. Wenn du die beste A Capella-Gruppe Europas dabeihaben möchtest, dann nimm Naturally 7. Eigentlich waren wir nur für 3 Woche geplant. Aber das hat super geklappt, die Leute waren immer begeistert. Wir haben auch eine Freundschaft mit ihm aufgebaut. Also wollte er uns länger dabei haben und wir sind mit ihm durch die ganze Welt getourt, insgesamt 14 Monate. Und jetzt haben wir entschieden es dieses Jahr wieder zu tun, mal schauen wie es jetzt klappt.

Und da war ja noch das Xavier Naidoo-Ding. Wie kam diese Verbindung zustande? Er ist sehr berühmt in Deutschland und hat wie ihr auch spirituelle Texte. War das auch ein Grund oder war es doch nur das Musikalische?

Wir haben diese Zusammenarbeit beschlossen ohne uns je einmal getroffen zu haben. Wir waren zu dieser Zeit in den USA und er hat uns den Song geschickt und uns angefragt ob wir mitmachen. Wir waren sehr glücklich darüber, weil wir seine Musik lieben. Der Song ist übrigens für einen Animationsfilm, der rauskommen wird: „Animals United“, von einem deutschen Produktionsteam.

Und was ich gehört habe, ihr habt auch was mit Chris Martin gemacht?

Ja, er hat uns im Radio gehört und dann zu seiner Show eingeladen. Wir haben uns am nächsten Tag in seinem Studio kennengelernt und ein wenig gejamt. Seit dem ist eine richtige Freundschaft entstanden.

Zu eurer Show kam auch der Produzent Brian Eno. Könnte er euch als Produzent überhaupt helfen, weil ihr ja alle gar keine Instrumente spielt.

Ja es wäre sicher ein Experiment und ich werde ihm dieselbe Frage auch stellen. In der Vergangenheit hatten viele Produzenten Schwierigkeiten uns zu produzieren, weil einfach das was wir machen so anders ist. Aber manchmal entsteht so auch etwas völlig Neues und Kreatives. Und Brian ist nicht konventionell, sondern denkt auch über die Schranken hinaus, was sicher zu uns passen würde.

Dann habt ihr bis jetzt keinen Produzenten? Ich hab euer Promo-Album gehört. Ihr habt Bläser, Gitarren und vieles mehr; alles Zutaten die ein normaler Song auch hat. Also seid ihr auch grossartige Produzenten.

Ja danke.

Davon abgesehen, dass ihr alles mit der Stimme und dem Mund macht. Ist es ein R’n’B-Album, ein Pop-Album? Wie würdet ihr den Stil benennen?

Es ist schwierig uns einzuordnen. Wir werden oft auch an Jazz-Festivals eingeladen. Wir waren zum Beispiel schon drei Mal in Montreux. Einfach weil wie wir unsere Stimmen arrangieren, das ist Jazz. Auf der anderen Seite wie wir unsere Beats machen, das ist eher R’n’B oder HipHop.

Ist es schwieriger für euch CDs zu verkaufen, weil ihr keine Band im herkömmlichen Sinne seid?

Interessante Frage. Ich weiss nicht, ob wir mehr CDs verkaufen würden, wenn wir eine normale Band wären. Ich glaube manchmal geht es einfach darum, das Ding oder den Song zu finden, der voll durchstartet. Wenn man den Durchbruch so geschafft hat, kommt es nicht mehr so darauf an ob wir jetzt eine normale Band sind oder nicht. Dann wird es eher leichter, weil das etwas komplett Neues ist seit Jahrzehnten.

Ihr seid in der Kirche verwurzelt, bewegt euch aber in der säkularen Musikszene, vor allem in Europa. Wie wichtig ist es für euch eine positive, christliche Message rüberzubringen?

Das hat Priorität. Wenn man sich dafür entscheidet ist das genau so wichtig wie die Musik. Das ist der Grund warum wir das machen.

Bekommt ihr jeweils Feedback zu diesem Thema?

Ja sehr oft sogar. Die Leute sagen uns wie sehr sie bewegt wurden von der Musik und der Message.
Deshalb versuchen wir auch verschiedene Messages in die Songs zu packen. Aber wir schauen schon auch, dass es nicht zu viel ist, nicht einfach mit der Faust „in ya face“, sondern dass einer den die Message nicht anspricht den Song trotzdem noch geniessen kann.

Was ist euer Ziel mit dem neuen Album, dass in der Schweiz, aber auch in den USA rauskommt.

Wir haben grosse Ziele. Wir wollen Mauern einreissen. Es gibt ja einen Song auf dem Album, wo es darum geht. Wir wollen den Weg für Vocal-Groups ebnen und einfach auch etwas anderes machen und bieten, als es schon gibt. Wir wollen Naturally7 auf ein ganz neues Level bringen. Dass wenn Leute von Vocal-Music oder Vocal-Play sprechen, sie sagen: Ah wie Naturally7? Das ist unser Ziel.

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