A Tribe Called Quest – Phife Dawg: Ich hatte meinen Spass im Rampenlicht

Int. Rap

Als Mitglied von A Tribe Called Quest hat Phife Dawg dem Rap-Game unwiderruflich seinen Stempel aufgedrückt. Nachdem die Truppe 1998 nach „The Love Movement“ getrennte Wege ging, veröffentlichte Phife kurz nach Q-Tip sein erstes Soloalbum „Ventilation“. Danach wurde es aber still um den MC aus Brooklyn und auch aus einer erhofften Tribe-Reunion wurde es bekanntlich nichts. Zehn Jahre nach seinem Debüt soll in diesem Jahr nun endlich der Nachfolger erscheinen. Im Rahmen seiner Europatour sprachen wir mit Phife über seine lange Abwesenheit, seine grosse Leidenschaft für den Sport oder die geplante Dokumentation über A Tribe Called Quest. Natürlich wollten wir auch wissen, ob er sich ein goldenes Näschen damit verdient hat, dass seine Stimme für den Hit „A Millie“ von Lil Wayne verwendet wurde.

Dein Soloalbum “Ventilation” liegt nun ziemlich genau zehn Jahre zurück.
Hauptsächlich musste ich aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nehmen. Das habe ich nun aber hinter mir und ich arbeite an einem neuen Album. Diese Tour dient als Vorbereitung dafür und natürlich will ich wieder touren, sobald die Platte erschienen ist.


Deine Diabetes-Erkrankung hatte also Einfluss auf deine Arbeit als Musiker?

Diabetes wirkte sich auf meine Nieren aus, so dass ich mich einer Nierentransplantation unterziehen musste. Dies war im September 2008 und seit ich das überstanden habe, widme ich mich wieder voll der Musik. Anfänglich wollte ich gar nicht mehr rappen, sondern mich auf das Produzieren und die verschiedenen Künstlern, mit denen ich arbeite, konzentrieren. Damit ich diesen Künstlern aber den Weg ebnen kann, ging ich zurück nach New York und begann wieder mit dem Schreiben. Der Hauptgrund wieder an Songs zu arbeiten, war es, eine gute Ausgangslage für meine Platten- und Produktionsfirma zu schaffen.

Was kannst du bereits über das kommende Album „Songs in the Key of Phife Vol. 1: Cherly’s Big Son“ verraten?
Die Platte vereint ganz unterschiedliche Elemente und kein Song wird sich wie der nächste anhören. Es ist eine Spass-Platte, die dir aber auch die Möglichkeit gibt, über das Leben nachzudenken. Die Platte lässt dich lachen, weinen oder in deinem Haus tanzen, wenn du gerade am Putzen bist. Es ist auf jeden Fall ein komplettes Album.

Was kannst du uns über dein Label Smokin’ Needles Records erzählen?
Das Label wird von mir und DJ Rasta Root betrieben. Zudem haben wir die Produktionsfirma namens Riddim Kidz, die aus mir, Rasta Root und Snack Box besteht. Wir produzieren Beats von R&B bis HipHop.

Diese Firmen dienen dir also dazu, zukünftig vermehrt im Hintergrund zu agieren?
Absolut! Ich hatte meinen Spass im Rampenlicht, aber alle guten Dinge gehen irgendwann einmal zu Ende. Ich habe die letzten paar Jahre verloren, doch schon zuvor habe ich mich darauf eingestellt, vermehrt im Hintergrund tätig zu sein. Ich fühle mich bereit dazu, diesen Wechsel zu vollziehen.

Deine Stimme wurde ja für „A Millie“ von Lil Wayne verwendet. Wurdest du zuvor angefragt, oder siehst du jetzt Geld dafür?
Ich habe auch gehört, dass es meine Stimme sein soll auf diesem Track, ich hätte das aber nicht gemerkt. Ehrlich gesagt hat mich das aber nicht sonderlich interessiert. Ich dachte mir: das ist nun Mal HipHop, da wird halt gesamplet, was soll die ganze Aufregung. Mein Label tut, was es tun muss und heutzutage ist es so, dass man solche Sachen clearen muss. Bislang haben wir aber nur einen sehr kleinen Betrag erhalten. Shout out an Bangladesh, der den Beat gemacht hat.

In deiner Biographie steht, dass du Sport noch mehr liebst als die Musik und dass die Musik dein Beruf, der Sport aber deine grosse Leidenschaft ist. Bereust du es, nicht Sport zum Beruf gemacht zu haben?
Ich würde nicht sagen, dass ich Musik nur als Beruf betrachte.

So steht’s zumindest in dieser Bio…
Ich liebe die Musik, aber meine erste Liebe war der Sport. Im Moment arbeite ich an der Pilotfolge für eine Show, die Musik und Sport vereint. Es gibt Basketballspieler, die vielleicht lieber NFL-Stars wären. Die erste Liebe von Allen Iverson war Football, aber er wurde einer der besten Basketballspieler, obwohl er als Quaterback begann. Ich bin sicher, er würde sehr gerne Footballspieler sein. Shaq wollte ein Rapper sein, nun hat er seine Karriere gemacht. Ich wollte immer ein Sportkommentator sein, seit ich in meiner Jugend Football, Baseball und Basketball spielte. Sport hat mich immer begleitet und wenn mich die Musikindustrie frustriert, finde ich dort meinen Zufluchtsort. Wenn ich genug von der Musik habe, gehe ich an ein Spiel und tanke dort Energie.

Wo siehst du Gemeinsamkeiten zwischen Musik und Sport?
HipHop und Basketball sind quasi verheiratet! Basketballspieler wollen Rapper sein und umgekehrt. Ich gebe dir einige Beispiele: Stephon Marbury spielte in einer Liga namens Gaucho in der Bronx. In derselben Liga spielten auch Cam’ron und Ma$e. Common war früher ein Balljunge bei den Chicago Bulls. Snoop und Ice Cube sind beide L.A. Lakers Fans und beide haben auch Basketball gespielt früher, oder vielleicht auch immer noch. Es gibt sogar eine eigene Liga mit Leuten aus der Musikindustrie.

Oft redet man ja bei Sport und Musik auch von den beiden Optionen, um aus der Hood zu gelangen.
Das ist das Klischee und es liegt an uns Erwachsenen, den Kids zu zeigen, dass sie es auch auf eine andere Art und Weise aus der Hood schaffen können. Viele sehen nur diese zwei Optionen, aber das stimmt nun mal einfach nicht. Man kann auch Regisseur, Schauspieler, Doktor oder Anwalt werden. Es gibt viele Möglichkeiten, man muss sich bloss darauf fokussieren.

Nas produziert eine Dokumentation über die Geschichte von A Tribe Called Quest. Was ist der Stand der Dinge?
Nas ist der ausführende Produzent und der Schauspieler Michael Rapaport wird Regie führen. Der Film ist so gut wie im Kasten, im Moment wird er gerade editiert. Hoffentlich wird er im Sommer oder Herbst erscheinen.

Es keimt ja immer wieder die Hoffnung einer Tribe-Reunion auf. Ich habe kürzlich gelesen, dass Statik Selektah gesagt hat, dass er den wohl letzten A Tribe Called Quest Song produziert hat.
Davon weiss ich ehrlich gesagt nichts. Vielleicht hat er etwas für Q-Tip gemacht, aber nicht für A Tribe Called Quest.

Gibt es heutzutage Crews, welche die Fackel vom Sound und der positiven Energie, die A Tribe Called Quest damals ins Rap-Game brachten, weitertragen?
Nicht unbedingt Crews, aber Künstler wie Kanye, Talib Kweli und Mos Def oder Common. Natürlich auch seit jeher The Roots. Ich mag auch Gruppen wie The Cool Kids und Pac Division. Ich warte sehnlichst auf ein neues Album von Nas. Die letzte Platte, die ich mir gekauft habe, war das neue Clipse Album. Sie sind eine meiner Lieblingsgruppen.

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