Chip-Fu – Ich will HipHop und Reggae zusammenbringen

Int. Rap

Den älteren Semestern dürfte der Name Chip-Fu noch als Teil der Fu-Schnickens geläufig sein, die Anfangs der 90er ihren frischen Stil ins Rap-Game brachten. Nach ihrem 94er-Album „Nervous Breakdown“ erschien von dem Trio aus Brooklyn jedoch nur noch eine Greatest Hits. Auch Chip-Fu verschwand von der Bildfläche – bis sein Name in den letzten Jahren plötzlich wieder vermehrt als Feature-Gast auftauchte. Diese Gastbeiträge bei u.a. Pete Rock, Nicolay & Kay oder Apathy zeigen, dass sich Chip-Fu mit seinem unglaublichen Flow überhaupt nicht vor der jungen MC-Garde zu verstecken braucht. Ausserdem hat er sich auch zu einem beachtlichen Reggae-Künstler entwickelt. So bleibt zu hoffen, dass er sich bald mit dem neuen Projekt „War Paint“ zurückmeldet, auf dem Qualitätsgaranten wie Black Milk, Illmind, The Are oder The Beatminerz für die Unterlage sorgen werden.

Wieso hatten sich die Fu-Schnickens nach nur zwei Alben aufgelöst?
Wir hatten damals bandinterne Probleme, als es darum ging, in welche Richtung unsere Alben gehen sollen. Jive gab uns eigentlich freie Hand. Anstatt uns im Schlechten zu trennen, entschieden wir uns, die Gruppe aufzulösen, um so den Plattenvertrag zu beenden. Es kam auch nicht mehr zu einer Reunion, da wir weiterhin andere Vorstellungen von der Musik hatten.


Konntest du denn die letzten 16 Jahre von der Musik leben, oder musstest du wieder einen regulären Job annehmen?

Als die ganzen vertraglichen Dinge mit Jive geklärt waren, ging ich zurück zur Schule und habe einige Abschlüsse gemacht. Ich wollte meine Gehirnzellen auf Trab halten, egal was ich danach machen wollte.

Was gab schliesslich den Ausschlag, dass du plötzlich wieder vermehrt als Feature-Gast zu hören warst?
Ich kam zu einem Punkt, wo in meiner Familie alles gut und ausgeglichen war und ich das tun konnte, was ich tun musste. Da ich über diverse Abschlüsse verfüge, konnte ich das Ganze auch ohne Risiko angehen. Denn selbst wenn ich scheitern sollte, bin ich nicht völlig verloren. Das machte es mir einfacher, mich wieder der Musik zu widmen und auf den Alben von Apathy, Tiye Phoenix, Pete Rock, Nicolay & Kay oder Ali Shaheed vertreten zu sein. Diese Gastauftritte haben mich schliesslich zu meinem eigenen Sound geführt.

Ich erinnere mich, dass ich 2006 mit Ali Shaheed ein Interview hatte, wo er verkündete, dass du auf seinem Label Garden Seeker unter Vertrag stehst und noch in diesem Jahr ein Album erscheinen soll.
Dieses Album namens „M.A.T.H.“ erschien nie und ich habe es dann unter dem Namen „Stop Playing“ als Free Download veröffentlicht. Nichts als Liebe für Ali Shaheed – es war nicht sein Fehler, dass die Platte nicht erschien. Er wollte seinen Künstlern eine Plattform bieten, damit diese machen können, was sie wollen. Doch die Firmen, mit denen er zusammen arbeitete, konnten seine Vision nicht erkennen. Deshalb gingen wir getrennte Wege, wir arbeiten musikalisch aber immer noch zusammen. Er bleibt für immer mein Bruder; gäbe es ihn und A Tribe Called Quest nicht, würde ich nicht in diesem Business existieren.

Für deine EP „War Paint“ hast du ja sehr viele dope Produzenten an Land gezogen. Was erwartet uns?
Absolut! Es werden Black Milk, Needlz, The Are, Illmind, Apathy und Vitamin D dabei sein. Es ist Material, das ich mit der Zeit aufgenommen, aber nie veröffentlicht habe und deshalb sind auch so viele Produzenten dabei. Die EP soll als Vorgeschmack für mein Album dienen. Ich denke mit den Features habe ich die Richtung festgelegt, was man von mir als Künstler erwarten kann, sowohl im HipHop wie auch im Reggae und nun freue ich mich sehr darauf, dies auch auf meinem eigenen Release zu zeigen.

Du willst also HipHop und Reggae in deiner Musik zusammenführen?
Ich will, dass die Leute sehen, dass HipHop und Reggae nicht so weiter auseinander liegen, wie einige vielleicht denken. Die Leute sollen erkennen, dass ich als MC plötzlich auch Reggae-Musik machen und diese beiden Communities zusammenbringen kann. Ich denke in vielen HipHop-Künstlern steckt das Potential, auch Reggae zu machen, aber sie trauen sich nicht. Ich will beides vereinen.

Würdest du sagen, dass du mit deinen schnell gerappten Parts viele Rapper inspiriert hast, die heute diese Schiene fahren?
Ich weiss, dass ich sie inspiriert habe! Sie müssten es nur noch zugeben. Aber es ist wie es ist. Sie nahmen sich die Inspiration, die sie brauchten und ich wünsche ihnen alles Gute, aber am Ende des Tages erreichen sie doch nicht mein Level.

Gibt’s noch was anzukünden?
Ich will nur mitteilen, dass „War Paint“ im Anmarsch ist. Es wird den Ton für viele weitere Sachen angeben. Wir arbeiten auch an dem Projekt BQE, Brooklyn Queens Express Way. Das ist die Gruppe von mir und Phife Dawg. Checkt auch sein kommendes Album. Es ist vieles in Arbeit und das Ziel ist es, den Leuten gute Musik zu geben. Mein Label und Produktionsfirma ist Black Inc. Ihr findet mich auf Twitter, MySpace, Facebook und was es sonst noch so gibt.

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