Large Professor – Skills sind mein Marketing

Int. Rap

Noch fast ein Teenager arbeite Large Professor mit Rakim oder Kool G Rap. Mit seiner Gruppe Main Source gelang ihm der Klassiker „Breaking Atoms“. Er war der Mentor von Nas in dessen Anfangszeiten und produzierte drei Tracks auf dem legendären „Illmatic“. Kurz gesagt hat der Producer, Rapper und Gelegenheits-DJ den klassischen New York Sound geprägt wie nur wenige Andere. Trotzdem hat er nie den Status anderer einflussreicher Produzenten seiner Ära erreicht. Im Gespräch mit dem ruhigen Veteranen wird auch klar wieso: Er ist kein Mann der grossen Worte und trotz seiner Verdienste äusserst bescheiden geblieben. Es geht im einzig darum, Tracks zu machen, die dem entsprechen, was er als echten HipHop ansieht. Alles kein Problem – den Legendenstatus hat er auch ohne grosskotzige Sprüche und stündliche Twitter-Updates auf sicher.

Wenn ich Produzenten nach ihren Einflüssen frage, höre ich neben DJ Premier und Pete Rock häufig auch deinen Namen. Hättet du dir damals erträumt, dass du jemals einen solchen Einfluss auf mindestens eine kommende Generation von HipHop-Produzenten haben könntest?

Nein, überhaupt nicht. Als ich anfing, wollte ich nur eine Platte machen. Wenn man damit Erfolg hat, will man eine weitere Platte machen und so ging das immer weiter. HipHop bedeutet für mich: Each one teach one. Deshalb wollte ich mit so vielen Leuten wie möglich arbeiten, deren Skills ich respektiere.


Auch wenn du ähnlichen Einfluss hattest wie Premo oder Pete Rock, hast du nie denselben Status erlangt. Wo siehst du die Gründe dafür?

Schwer zu sagen. Ich war immer eher zurückhaltend und wollte mir meine Zeit nehmen. Diese Beiden sind ausserdem einfach DJ’s und Produzenten, ich rappe aber auch noch und denke entsprechend auch oft über meine Texte nach.

Ich könnte mir vorstellen, dass es auch damit zu tun hat, dass Pete Rock und Premier Teil von sehr populären Duos waren, während du als Einmannarmee unterwegs bist. War dies der einzig gehbare Weg nach der Trennung von Main Source?

Definitiv. Ich habe auch vor Main Source schon Musik gemacht, daher sah ich dies als den einzigen Weg. Ich könnte mir aber schon vorstellen, wieder Teil einer Gruppe zu sein, was dann wieder etwas Anderes wäre.

Als ich das Interview vorbereitete, kam mir der Gedanke, dass Nas & Large Professor genau so gut geklungen hätte wie Pete & C.L. oder Guru & Premier.

Wow, das wäre schon sehr cool. Aber Nas bewegt sich momentan halt auf einem anderen Level. Aber damals wäre das sicher sehr cool gewesen.

Wenn wir von Nas sprechen: Viele sind der Meinung, er sollte wieder ein Album mit dem Producer-Line-Up von „Illmatic“ aufnehmen. Was hältst du von dieser Idee?

Das ist etwas, was er machen sollte. Er hatte grossen kommerziellen Erfolg, er muss also in dieser Hinsicht nichts mehr beweisen. Seine ursprüngliche Fanbase sind die Real HipHop Headz und er sollte sich wieder an diese richten. Ich bin also völlig dieser Meinung.

Denkst du denn, dass nochmals so ein wegweisendes Album wie „Illmatic“ entstehen könnte?

Es wäre sicherlich nicht das exakt Gleiche wie „Illmatic“. Aber seine Rhymes und auch die Beats wären genau so ill. Aber natürlich ist Nas nicht mehr der Junge aus dem Ghetto. Er ist ein erwachsener Mann, der viel Erfolg hatte. Seine Reime und die Poesie sind aber immer noch erstklassig, es würde also mit Bestimmtheit ein gutes Album resultieren.

Wie du zuvor gesagt hast, nimmst du dir gerne Zeit. In über 20 Jahren hast du drei Soloalben aufgenommen plus die Platte mit Main Source. Wieso ist dein Output verhältnismässig eher bescheiden?

Das liegt daran, dass ich verschiedene Dinge zu verschiedener Zeit mache. Ich bin nicht nur Produzent oder Rapper. Neben dem Produzieren habe ich ausserdem das DJing und das Rappen. An einem Tag bin ich am Schreiben und Auflegen, am nächsten dann am Produzieren oder ich mache etwas als Engineer. Ich bin einfach sehr vielseitig.

Gehörst du denn zu denen, die täglich im Studio sind, oder hast du auch noch andere Geschäfte neben der Musik am laufen?

Auf irgendeine Art mache ich jeden Tag Musik, es dreht sich immer um sie. Auch wenn ich vielleicht an einem Tag nur Musik höre und keine produziere.

Früher waren die Produzenten eher im Hintergrund. Heutzutage sind sie Popstars und die Leute picken ihre Beats nicht unbedingt wegen der Qualität, sondern auch des Namen wegen. Was denkst du über diese Entwicklung?

Das ist schon cool. Aber ich komme aus den alten Tagen des HipHop, als Skills wichtiger waren als alles Andere. Damals wollte man, dass deine Skills dein Marketing sind. Das ganze Tamtam hat mich nie interessiert, das ist einfach nur fake. Meine Fähigkeiten sollen für sich selbst sprechen, so dass nur die echten Leute zu mir kommen und mit mir arbeiten wollen. Wenn man gerade im Trend ist, kommen alle Leute angerannt und wollen etwas. Sobald der Trend vorbei ist, melden sie sich nie wieder.

Dein Mentor war Paul C. Gibt es auch Produzenten, die du unter deine Fittiche genommen hast?

Ich habe meinen Dude Hill, der einige Produktionen wie „Purple“ oder „Black Zombie“ für Nas gemacht hat. Es gibt viele Produzenten, mit denen ich arbeite und mich austausche. Aber es liegt an ihnen und nicht an mir zu sagen, ob ich ihnen etwas beigebracht habe oder nicht.

Dein erstes offizielles Soloalbum „1st Class“ erschien 2002. Ein Jahr zuvor hatte Jay-Z meiner Meinung nach mit dem „Blueprint“ Album die Samples wieder zurück in den Mainstream gebracht. Gab dir das damals das Gefühl, dass diese Art von Rap-Musik wieder im Mainstream stattfinden könnte?

Definitiv, denn er hatte sehr harte Beats auf dem Album, was ich mutig fand. Aber das Ganze ist immer ein Kreislauf. Harte Rapmusik ist immer vorhanden, manchmal bekommt sie mehr Aufmerksamkeit und dann verschwindet sie wieder im Untergrund. Im Moment verwenden alle Autotune – auch das wird irgendwann wieder vorüber sein.

Dein letztes Soloalbum „Main Source“ erinnert musikalisch eher an deine Anfangstage. Bei „1st Class“ hatte ich eher das Gefühl, dass du dich ein wenig der aktuellen Musik angenähert hattest.

Für „1st Class“ nutzte ich anderes Equipment wie die ASR-X, welche bereits Sounds gespeichert hat. Ich wollte den Leuten zeigen, dass ich auch mit diesen Maschinen arbeiten kann. Den Jungen hat es gut gefallen, während die Fans aus Main Source-Zeiten es lieber haben, wenn ich Samples choppe.

Für das „Main Source“ Album hast du dementsprechend wieder dasselbe Equipment wie in deinen Anfangstagen verwendet?

Genau, ich habe wieder mit der SP-1200, ASR10 und der MPC 1000 gearbeitet.

Rakim und Kool G Rap waren zwei der ersten Artists, mit denen du gearbeitet hast. Sie sind beide noch heute aktiv. Ist es vielleicht geplant wieder mit ihnen ins Studio zu gehen?

Ich bin noch immer mit Rakim in Kontakt und habe ihm auch einige Beats für sein letztes Album gegeben. Es hat dann zwar nicht geklappt, aber ich habe immer Respekt für Rakim – ebenso für Kool G Rap. Beides sind bis zum heutigen Tag meine Idole.

Du hast mal gesagt, dass du einige Dinge im aktuellen HipHop magst, mit gewissen aber nicht einverstanden bist. Kannst du das ein wenig konkretisieren?

Ich mag nicht, dass die Unternehmen HipHop vergewaltigen. Sie investieren viel Geld, interessieren sich aber überhaupt nicht für die Kultur. HipHop erzieht die Kinder von heute und deshalb sollten auch die richtigen Platten veröffentlicht werden. Aber sobald grosse Firmen ins Spiel kommen, geht der ursprüngliche Gedanke verloren – nicht nur bei HipHop. Ich versuche mich einfach davon fernzuhalten. Ich zeige Respekt und arbeite mit Leuten, die über die Kultur und den echten HipHop Bescheid wissen. Die grossen Firmen werden niemals den richtigen HipHop rausbringen.

Du hast in den letzten Jahren mit Leuten wie Statik Selektah, Marco Polo oder dem französischen Produzenten DeLa gearbeitet. Gibt es noch andere Produzenten, die diesen Spirit am Leben erhalten?

Ich habe einen nicen Track mit einen Typen namens Southpaw Chop aufgenommen. Ich mag viele der neuen Produzenten und zeige ihnen Liebe, da ich weiss, wie es war, als ich begann. Wenn ich etwas höre, das rockt, bin ich auf alle Fälle dabei!

Hast du eigentlich jemals daran gedacht, ein Produzentenalbum zu machen?

Einer meiner Geschäftspartner will, dass ich eines aufnehme. Das wird sicher irgendwann passieren.

Welche MC’s hättest du dafür auf der Liste?

Es gäbe sicherlich eine Mischung aus Künstlern von meiner Generation und neuen Rappern. Ich denke an Leute wie Jadakiss, Nas oder Jay Electronica.

Arbeitest du momentan schon konkret an neuen Projekten?

Ich arbeite an verschiedenen Dingen. Zum Einen will ich ein Tribute-Album für Killa Sha aufnehmen, andererseits sind auch ein Instrumentalalbum und andere Projekte von mir in Planung. Keep working man.

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