Redman – Ich bin zu talentiert, um mich auf HipHop zu beschränken

Int. Rap

Besucht man über einige Jahre Rap-Konzerte, schleicht sich irgendwann immer öfters eine gepflegte Langeweile ein. Nicht so bei Redman und Method Man. Ob nun zusammen oder solo – diese beiden Veteranen verstehen es, eine Show zu rocken und dem Publikum etwas für ihr Eintrittsgeld zu bieten. Etwas weniger zuverlässig verhielt es sich mit ihren Releases: satte zehn Jahre mussten wir uns auf den Nachfolger zu „Blackout“ gedulden. Nach der erfolgreichen Rückkehr mit der eisernen Lunge, will Redman nun wieder auf Solopfaden wandeln. Oder genauer gesagt, er überlässt das Feld Reggie Nobel. Auf dem neuen Album „Reggie“ steht dieser im Vordergrund und mit ihm kommt auch eine neue musikalische Brise. Nach einer wieder Mal überaus unterhaltenden Show in Baden unterhielten wir uns mit dem bestens gelaunten Funk Doc über sein kommendes Projekt.

Du sagtest, dass wir auf dem neuen Album nicht Redman, sondern Reggie Noble hören werden. Was kann Reggie, das Redman nicht darf?

Reggie ist mehr auf Competition aus und zukunftsorientierter. Er wagt sich weiter heraus, während Redman lieber an Altbewährtem festhält und das harte Neunziger-Feeling bringt. Reggie mag aber auch andere Musik und versucht sich mit Pop, Reggae oder Clubmusik. Das ist, was ich machen will, denn ich bin so talentiert, dass ich mich nicht auf HipHop beschränken kann. Mit HipHop hat für mich alles begonnen, aber ich mochte auch schon immer Clubmusik, Techno oder Reggae. Dafür steht dieses Album. Es ist etwas zeitgemässer, nicht auf diesen 90er-Sound limitiert und trotzdem immer noch HipHop. Das will Reggie Noble machen, egal was die Leute davon halten.


Reggie Noble ist auch dein richtiger Name. Reflektiert dich diese Platte mehr als Privatperson?

Absolut! Redman reflektiert mich als den Vater von meinem eigenen Stil im HipHop. Reggie Noble stand immer hinter ihm, doch es kam der Punkt, an dem er auch andere Musik machen wollte, ohne dass es völlig aus dem Rahmen fällt. Deshalb heisst es auch: Redman presents Reggie Noble. Aber das bin trotzdem immer noch zu 100 Prozent ich. Ich fühlte einfach, dass ich etwas Neues machen muss. Danach werde ich die Leute aber wieder zurücknehmen und das „Muddy Waters Part 2“ Album veröffentlichen, auf dem es wieder den harten Neunziger-Vibe zu hören geben wird.

Wolltest du aus dem ausbrechen, wofür Redman seit vielen Jahren steht?

Nein, ganz und gar nicht. Bereits auf meinem ersten Album hatte ich einen Song namens „Redman meets Reggie Noble“ und schon damals wusste ich, dass ich eines Tages wohl Reggie Noble hervorholen und unter seinem Namen ein Album machen werde. Ich wusste schon 1992, dass es Sachen gibt, die Redman nicht machen kann, obwohl er Lust darauf hätte. Ich bin älter geworden, habe mich entwickelt und bin erfolgreicher, nun ist für mich der Moment gekommen, wo ich diesen Schritt wagen kann. Ich denke, dass die Leute mittlerweile auch ein besser geschultes Ohr haben und erkennen können, was Reggie und was Redman ist. Ich werde auf jeden Fall meinen Spass haben.

Denkst du nicht, dass du damit auch viele Fans vor den Kopf stossen wirst, wenn du nun plötzlich Popsongs machst oder mit Autotune experimentierst?

Ich denke, dass meine Fans im Club auch zu den neuen Songs tanzen. Ich habe gar nichts gegen den neuen HipHop – er müsste einfach mehr Konzept haben. Die Neunziger waren eine der spannendsten Ära im HipHop, da wir die Schnittstelle waren zwischen den MC’s aus den 80ern und den 2000er Rappern. Wir durchbrachen die Barriere und ermöglichten den Künstlern danach weiterzugehen. Die Neunziger waren eine harte Zeit für MC’s. Man brauchte eine Basis, so wie ich sie durch EPMD hatte, die mich rausbrachten und mir die Möglichkeit gaben, mich als Künstler zu entwickeln. So wie das später bei Dre und Eminem, oder Em und 50 Cent war. Doch es reichte nicht, dass ich mit EPMD am Start war: Ich musste mich beweisen. Heutzutage hat man schnell im Internet einen Hit und es verbreitet sich mittels Mundzumund-Propaganda. Ein Beispiel: Erinnerst du dich an all die Rapper, die in den letzten Jahren aus dem Süden kamen? Davon sind nur noch ganz wenige übrig. Oder alle tragen im Moment enge Jeans und rappen zu Keyboard Sounds. Was hat Afrika Bambaataa damals gemacht? Sie hatten enge Klamotten und spacige Beats aus dem Keyboard. Alles was diese neuen Artists machen, ist die „Planet Rock“ Ära in die Gegenwart zu verfrachten. Irgendwann wird also auch die Zeit kommen, in der plötzlich wieder harte Beats und Samples gefragt sind.
Ein anderes Beispiel: Als wir damals rauskamen, hatten wir Superheldennamen wie Busta Rhymes, Method Man, Keith Murray, ODB, Mos Def oder Redman. Das waren richtig klingende Namen.

Und heute gibt es Young Dies und Lil Das…

Genau. Das verwirrt doch die Leute nur und sie können und wollen sich diese Namen gar nicht erst merken. Nichtsdestotrotz mag ich den neuen HipHop. Denn schon als wir rauskamen, gab es Jungs aus den Achtzigern, die uns nicht ernst nehmen wollten. Viele glaubten wohl nicht, dass Leute wie ich oder Method Man HipHop weitertragen können. Aber wir haben einen guten Job gemacht.

Du bist schon seit deinen Anfängen bei Def Jam unter Vertrag. Kürzlich hast du mal gesagt, dass du einen Spezialstatus geniesst, da du schon so viel für das Label gemacht hast. Sie geben dir ein kleines Budget, du machst das Album und sie bringen es raus. Klingt eigentlich gar nicht schlecht, trotzdem hattet ihr so eure Differenzen.

Dies hat schon mit meinem Dienstalter zu tun. Def Jam hat nur leider verlernt, wie man einen MC aufbaut. Früher zeigte Def Jam den anderen Labels, wie man einen MC richtig rausbringt. Nun sind sie in den Trott gekommen, dass sie nur noch Künstler unter Vertrag nehmen, die sich bereits einen Namen gemacht haben und bei den Radios liefen. Das ist nicht cool! Seit sich das Label gewandelt hat, distanziere ich mich etwas von ihnen. Sie kriegen von mir das Album wenn es fertig ist, ich habe also eine ziemliche Freiheit. Um diesen Spielraum zu haben, muss man aber schon ein Weilchen dabei sein.

Im Netz ist ein Song von dir und Illmind namens „Buck Buck“ aufgetaucht, der aber nur der Vorbote für ein Album von euch sein soll.

Illmind is my dude! Wir sind schon seit Jahren in Kontakt und haben immer mal wieder über ein Projekt gesprochen, aber dieses Jahr gilt es nun ernst. Wir werden einfach stetig Songs aufnehmen, bis wir genug für ein Album haben. Es wird dann nach „Muddy Waters Part 2“ erscheinen, auf welchem er auch einen unglaublichen Beat hat.

Du hast im Laufe deiner Karriere immer mit mehr oder weniger denselben Produzenten gearbeitet. Was braucht ein Produzent, dass du intensiv mit ihm zusammenarbeitest?

Illmind versteht es, die Härte der Neunziger mit einem futuristischen Sound zu kombinieren. Ein anderer Produzenten, mit dem ich an meinem neuen Album gearbeitet habe, ist Nasty Kutt aus Norwegen, der „City Lights“ auf „Blackout 2“ produziert hat. Ich habe ihn auf Tour kennengelernt, er gab mir seine Beat-CD und so kamen wir in Kontakt. Ich höre mir viele Beat-CD’s an und will nun auch mein eigenes Produzententeam zusammenstellen.

Du gehörst also zu denen, die verstanden haben, dass es sich lohnt, sich auch in Europa umzuhören, anstatt drittklassige Beats von amerikanischen Top-Produzenten für teures Geld zu kaufen.

Ich spreche nicht nur darüber, ich mache es auch wirklich. Nasty Kutt gab mir vor einem Jahr seine CD und nun ist er auf „Blackout 2“ und auf meinem neuen Album. Wenn jemand heisse Beats hat, steht einer Zusammenarbeit nichts im Wege.

Deine Shows und natürlich auch jene gemeinsam mit Meth sind einfach wahnsinnig, während viele Rap-Shows schlicht pure Langeweile bieten. Was machen die anderen falsch oder ihr besser?

Ich kam schon nach Europa, als ich noch keine Platte draussen hatte. 1990 war ich mit EPMD hier und trug ihre Taschen. Übersee ist meine zweite Heimat und ich komme seit rund 20 Jahren jedes Jahr hierher auf Tour. Ich war schon längst hier, als die meisten US-Künstler erst begriffen, dass es auch wichtig ist in Übersee präsent zu sein. Mittlerweile haben wir einen solchen Namen aufgebaut, dass Redman und Method Man zehn Jahre kein Album veröffentlichen und trotzdem jedes Jahr hier spielen können. Die Leute hier drüben lieben diesen 90er-Vibe noch, sie verstehen es zu feiern und stehen nicht nur herum, weil sie selber ja auch rappen. Viele US-Künstler, die hierherkommen, wissen nicht, wie wichtig Europa ist und zeigen nicht den nötigen Respekt. Wenn sie aber rüberfliegen und denselben Scheiss abziehen wie zu Hause, wird es die Fans nicht interessieren. Sie verstehen nicht, dass man die Fans miteinbeziehen muss – deshalb sind viele Shows auch so lahm. Ich konnte über die Jahre eine Beziehung zu den Fans aufbauen und ich wuchs mit den Menschen. Viele Künstler sind der Meinung, dass sie eine halbbatzige Show abziehen, das Geld nehmen und wieder nach Hause fliegen können. Die Motherfuckers in den States kriegen es zwar nicht mit, aber ich weiss, dass schon viele grosse Namen vom Publikum ausgebuht wurden. Das ist auch gut so! An alle Fans: wenn einer das Gefühl hat, er müsse sich keine Mühe geben, buht in von der verdammten Bühne! Und noch was: Macht unbedingt euer eigenes Ding und kopiert nicht, was wir in den Staaten machen. Denn in den States kopiert sowieso nur jeder den anderen. Wenn jemand in eurer Stadt dope ist, dann unterstützt ihn auch! Repräsentiert eure Leute!

Die Leute hier haben definitiv Liebe für dich und Meth. Auch war „Blackout 2“ ein Erfolg, also hoffe ich doch, dass ihr uns nicht weitere zehn Jahre warten lässt!

Überhaupt nicht, wir machen gleich weiter. Wir wollen euch einen weiteren Film und ein neues Album geben. We’re working for real!

Ich habe jedoch gehört, dass es keinen „How High 2“ geben soll, oder zumindest nicht unter diesem Namen.

Es wird nicht in Zusammenarbeit mit Universal passieren, welche die Rechte an dem Filmtitel und den Figuren besitzen. Wir müssen den Film also unter einem anderen Namen und mit anderen Charakteren machen. Der Streifen wird aber mit Sicherheit grasbezogen sein, also bitte unterstützt ihn.

Als wir uns vor einigen Jahren unterhielten, erzähltest du von den Plänen mit deinem Label Gilla House. Soweit ich weiss, gab es aber bislang keine Veröffentlichungen.

Ich komme aus einer Zeit, wo man in Plattenläden auftreten, Leute treffen und Hände schütteln musste. Heutzutage läuft ein Grossteil der Promotion über das Internet. Das hatte ich verschlafen, irgendwann merkte ich aber, dass auch ich auf Twitter sein muss. Was ich meinen Künstlern beibringe ist, dass der erste Eindruck zählt. Deshalb ist es manchmal besser erst abzuwarten, da man vielleicht keine zweite Chance bekommt. Aus diesem Grund ist bislang nichts erschienen. Man wird Ready Roc, Runt Dawg, Saukrates, Melanie und E3 jedoch auf meinem Album hören, ebenso auf den Mixtapes, die ich droppen werde. Dieses Jahr wird man einiges von Gilla House hören, glaub mir. Ich habe diese Künstler nun seit langer Zeit unter meinen Fittichen und nun ist es an der Zeit für diese stinking asses herauszukommen und ihr Geld zu machen.

Du meintest damals auch, dass die Möglichkeit für ein weiteres Def Squad Album besteht.

Ich und Keith Murray sind bereit, du musst mit Erick Sermon sprechen. Ohne mindestens sieben Beats von ihm, ist es einfach nicht möglich. Also schreib bitte, dass der Fehler einzig bei Erick Sermons liegt und dass Redman bereit ist!

Auf der Bühne hast du verkündet, dass du einen Song mit Larry F machen wirst.

Larry F und die Ufojugend Leute sind absolut crazy und ich will unbedingt einen Song mit ihnen aufnehmen. Ich war in einem Fitnesscenter hier in der Schweiz und habe MTV geschaut. Dort lief sein Video zu „Ufojugend“ und ich mochte den Typen auf Anhieb. Daraufhin sagte ich einem meiner Homegirls hier in der Schweiz, dass sie herausfinden soll, wie ich mit ihm in Kontakt treten kann. Sie gab mir seine Nummer, ich rief ihn an und wir blieben die letzten sechs, sieben Monate in Kontakt. So einfach lief das ohne Manager und sonstigen Bullshit. Ich mochte einfach seine Musik und wollte mit ihm arbeiten. Big up an Larry F und seine ganze Crew!

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