Army Of The Pharaohs – Apathy – No Compromises

Int. Rap

Irgendwie schon erstaunlich, dass ein MC wie Apathy, der uns seit rund einem Jahrzehnt mit hochkarätiger Musik versorgt, noch nicht über den Status eines Geheimtipps herausgekommen ist. Möglicherweise hatte gar nicht viel gefehlt, als er damals, wohl zum Schrecken vieler Underground-Jünger, seine Unterschrift unter einen Plattenvertrag beim Major Atlantic setzte. Doch wie so oft scheiterte die Zusammenarbeit an verschiedenen Vorstellungen und der Ausflug blieb ohne Veröffentlichung. Anstatt Major-Checks einzulösen, versorgt uns der Rapper und Producer aus Connecticut weiterhin mit kompromisslosem Material seiner beiden Crews Demigodz und Army of the Pharaohs. Ausserdem hat er neben diversen Mixtapes auch zwei hervorragende Soloalben veröffentlicht, die leider vielerorts übergangen wurden. Etwas zugänglicher präsentiert er sich bei seinem neusten Projekt Get Busy Committee, für welches sich Apathy mit Demigodz-Kumpel Ryo und Hitproduzent Scoop DeVille (u.a. I Wanna Rock von Snoop) zusammengetan hat. Auch wenn er längst nicht den Status erreicht hat, den er aufgrund seiner Skills eigentlich verdient hätte, arbeitet er fortwährend an neuen Projekten, wie wir beim Gespräch am Make the Hood Look Good Festival erfahren konnten.

Zuerst würde ich gerne von dir wissen, was dich so an dem Wort „Swagger“ stört, dass du sogar T-Shirts mit dem Aufdruck „I Boycot The Word Swagger“ gedruckt hast.

Es ist nicht so, dass ich das Wort an und für sich hasse, ich habe einfach ein Problem mit der ganzen Mentalität heutzutage. Die Kids brauchen dieses Swagger-Ding als Ersatz für nicht vorhandene Skillls. Es ist so ein klischeebehaftetes Schlagwort, dass die Leute schon gar nicht mehr wissen, was es überhaupt bedeutet. Es gibt Leute wie Slick Rick oder Ghostface Killah, die wirklich Swagger haben, aber bei den meisten, die davon sprechen, trifft es einfach nicht zu.


Das Wort repräsentiert für dich also einen Teil von HipHop, mit dem du nichts anfangen kannst?

Yeah, it’s a whole movement of bullshit!

Du hast soeben den Diss-Song „We’re Gonna Kill You“ ins Netz gestellt, auf dem du in Richtung Asher Roth und Charles Hamilton zielst. Wieso hast du genau diese beiden ausgesucht?

Erstmal gibt es viele dope Rapper und ebenso viele, die wack sind. Aber genau diese Zwei werden von vielen als die New School MC’s angesehen, aber sie sind einfach nicht dope. Dabei gäbe es viele gute neue MC’s wie Jay Electronica, der einfach grossartig ist. Ich bin ein Fan seiner Musik. Es geht mir also nicht darum, gegen alles zu haten, was neu ist. Ich gehe nur gegen die MC’s, die meinen dope zu sein, aber eigentlich total corny sind. Das lasse ich nicht so stehen.

Du sagst, dass du nicht haten, sondern einfach klarstellen willst, dass diese Dudes schlecht sind. Denkst du, dass dieser Teil von HipHop verloren gegangen ist und dass die Leute nur noch Disses aufnehmen, um Promo zu bekommen und nicht, weil sie den Anderen wirklich schlecht finden?

Ganz genau. Niemand macht es mehr wie KRS One damals, der die Namen der Rapper genannt hat, die einfach schlecht waren. So müsste es eigentlich sein. Das ist dein Job als MC und als Fan von HipHop. Heutzutage lässt man aber alle ihr Ding machen. Es ist nicht so, dass ich eifersüchtig oder wütend bin, ihre Musik klingt für mich einfach wie Müll.

„Eastern Philosophy“ und „Wanna Snuggle?“ gehören meiner Meinung nach zu den besten Rap-Alben der letzten Jahre. Trotzdem würde ich dich immer noch als einen Insidertipp bezeichnen. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Erstmals danke für das Kompliment. Ich denke die Begründung ist relativ simpel: Ich verkaufe meinen Arsch nicht und ich mache das, worauf ich Lust habe. Ich bin ein Dickkopf und tue nicht das, was andere Leute von mir erwarten. Es ist eine andere Generation heutzutage und ich habe keine Lust, mich anzupassen, da ich vieles davon einfach nicht fühle.

Wenn ich einen Song wie „Hard Times on Planet Earth“ anhöre, macht es mir doch den Eindruck, als ob du dir ab und zu überlegen würdest, ob es der richtige Weg ist, den du eingeschlagen hast. Auch wenn du zu Beginn des Songs sagst, dass du nichts bereust.

Natürlich mache ich mir Gedanken. Von all den Dingen, die ich hätte tun können, habe ich die meiste Zeit in die Musik investiert. Wenn es sich nicht auszahlt und nicht alles nach Wunsch läuft, kommt schon die Frage hoch, ob dies nun der richtige Weg war und man wirklich das richtige tut. Aber jeder normale Mensch kommt irgendwann an diesen Punkt. „Hard Times on Planet Earth“ ist aber auf jeden Fall der persönlichste Track, den ich jemals gemacht habe.

Auf deiner MySpace hast du mal geschrieben, dass dich die Fans schon mehrfach davon abgehalten haben, alles hinzuschmeissen. Wie würdest du den Hustle eines Independent Künstlers beschreiben?

Es ist extrem mühselig und anstrengend. Es ist einfach zu viel Arbeit die anfällt und die einem zu schaffen machen.

Nachdem ihr 2002 die Demigodz EP „The Godz Must Be Crazy“ veröffentlicht habt, zeigten diverse Majors, darunter Interscope, Interesse. Wie kam es dazu, dass du schlussendlich als Solokünstler bei Atlantic gelandet bist?

Das Interesse von Interscope liess nach und ich hatte von Atlantic ein Angebot auf dem Tisch, das mir garantierte, dass Celph Titled weiterhin die Produktion übernehmen kann. Sie hatten also wohl eine sehr konkrete Vorstellung, in dem sie mich als Solokünstler verpflichteten, gleichzeitig aber wollten, dass Celph einen Teil der Produktion übernimmt und auch als Gast mit dabei ist.

Die Zeit bei Atlantic endete schliesslich ohne Veröffentlichung und wie ich gehört hatte, wollten sie dein Image ziemlich verändern.

Genau, sie wollten mich zu einem skatenden Studenten machen. Ausserdem hatte ich Beat-CD’s von Leuten wie Timbaland oder Lil Jon. Sie wollte aus mir jemanden machen, der ich nicht bin und damit war ich natürlich nicht einverstanden.

Als du den Vertrag unterschriebst, hattest du da die Hoffnung, dass du weiterhin dieselbe Musik machen kannst einfach mit anderen Mitteln, oder warst du bereit, dich für den Mainstream zu öffnen?

Ich hatte ehrlich gesagt keinen Plan, da ich noch zu jung war und direkt aus dem Untergrund kam. Ich wusste wirklich nicht, was ich tun wollte. Alles was ich zu diesem Zeitpunkt wusste war, dass ich den Fussstapfen von Leuten wie Rakim, Jay-Z und anderen bekannten Rappern folgen wollte, die bei einem Major und trotzdem als Lyricists respektiert waren. Über den ganzen Majorlabel-Prozess hatte ich mir jedoch keine Gedanken gemacht.

Denkst du, dass es überhaupt noch möglich ist, als Lyricist einen guten Deal abzustauben?

Das ist sicherlich alles andere als einfach, aber wahrscheinlich schon noch möglich. Ich weiss nicht genau, ob Jay Electronica einen Deal beim Major hat, aber er hängt zumindest mit Leuten wie Diddy ab. Das ist eine schwierige Frage, da plötzlich ein Künstler aufkreuzen kann, der etwas völlig Neues macht und das Interesse der Majors weckt.

Dein letztes Album „Wanna Snuggle?“ hast du ohne Unterstützung eines Labels veröffentlicht. Denkst du, dass es heutzutage nicht mehr zwingend nötig ist, einen Plattenvertrag zu haben?

Nicht wirklich. Natürlich kann es hilfreich sein, wenn eine ganze Gruppe von Leuten an deinem Projekt mitarbeitet und dir den Druck von den Schultern nimmt. Aber es geht mittlerweile auch ganz gut ohne ein Label.

Gerade aber dein neues Projekt Get Busy Committee ist doch ein Projekt, das für grössere Firmen durchaus interessant sein könnte?

Es gab Majors, die uns unter Vertrag nehmen wollten, aber wir waren nicht wirklich interessiert, da uns niemand den Deal geben konnte, den wir uns vorgestellt hatten. Es gibt gewisse Dinge, bei denen wir keine Kompromisse eingehen und bis nicht alle unsere Vorstellungen erfüllt sind, werden wir nichts unterschreiben.

Du hast mal gesagt, dass du Underground bist, die Demigodz sehr Untergrund, während Get Busy Committee ein Projekt ist, das mehr Leute ansprechen könnte. Denkst du, dass ihr das Ziel erreicht habt, Leute ausserhalb eurer Fanbase zu erreichen?

Das Ziel war es nicht, mehr Leute anzusprechen, sondern mehr Spass zu haben. Wir haben uns nicht zusammengetan, um Crossover-Musik zu machen und uns dem Mainstream anzupassen. Vieles hat uns einfach gelangweilt und deshalb wollten wir ganz unterschiedliche Songs machen mit lustigen Konzepten und einfach Spass dabei haben. Dieses Ziel haben wir mit Sicherheit erreicht, denn wir hatten jede Menge Spass und es war das Beste, was wir zu diesem Zeitpunkt hätten machen können.

Auf „Eastern Philosophy“ produzierte Chum the Skrilla Guerilla die meisten Tracks, während du auf „Wanna Snuggle?“ den Grossteil der Beats beigesteuert hast. Liegt beim Produzieren dein neuer Fokus?

Ich habe ja bereits für die ersten Demigodz Sachen produziert, aber nun hat sich mein Fokus definitiv verändert. Im Moment macht mir das Produzieren sogar mehr Spass als das Rappen. Chum und ich hängen aber immer noch die ganze Zeit zusammen ab – wir sind wie Brüder. Das ist also nicht der Grund, dass er nicht mehr so viele Beats beigesteuerte. Im Mittelpunkt steht der Song. Es geht nicht darum, ob nun Chum oder ich die Beats machen, sondern wer gerade die richtigen Beats am Start hat. Zu dieser Zeit hatte ich viel produziert und deshalb sind auch so viele der Beats auf „Wanna Snuggle?“ von mir. Chum ist aber nicht verärgert deswegen, er liebt meine Produktionen und ist stolz auf mich.

Wäre es auch eine Option für dich, deine Beats vermehrt bei anderen Künstlern zu platzieren, so wie es dein Get Busy Committee Kollege Scoop DeVille auch macht?

Absolut! Wenn das passierte, würde mich das auf jeden Fall freuen. Ich habe noch nicht damit begonnen, meine Beats anzubieten, da ich noch an eigenen Projekten arbeite, aber ich werde sicherlich zukünftig versuchen meine Beats unter die Leute zu bringen.

Was ist eigentlich mit dem Beat geschehen, den du für das Cypress Hill Album produziert hast?

Es ist der Bonustrack, wenn man sich das Album bei iTunes kauft. Von der regulären CD-Version wurde er durch den Track mit Pitbull und Marc Anthony verdrängt.

Dann habe ich gehört, dass ein Demigodz Album in Arbeit sei.

Es ist schon fast fertig. Das wird ein verdammter Klassiker. Ich reisse mir den Arsch auf, dass es noch dieses Jahr erscheinen wird.

Aus wem setzen sich die Demigodz denn nun genau zusammen?

Es sind viele Leute unten mit uns, aber der harte Kern besteht aus Celph Titled, Ryo, Esoteric, Emilio Lopez, Motive und mir.

Zudem hast du mit Diabolic eine Gruppe gegründet und auch von Get Busy Committee soll etwas Neues kommen.

Mein Homie Diabolic und ich nennen uns Sleeper Cell. Wir arbeiten momentan an dem Album. Mit Get Busy Committee schrauben wir an neuem Material, für das wir bereits einen Song mit Busta Rhymes aufgenommen haben.

Du bist Teil von Army of the Pharaohs, den Demigodz, Get Busy Committee und nun hast du noch die Crew mit Diabolic. Bist du eher ein Teamplayer?

Ich liebe es, mit meinen Freunden Musik zu machen und meiner Meinung nach sind die Leute, die ich als meine Freunde bezeichnen darf, einige der besten Rapper, die es im Moment gibt. Ich würde auch gerne etwas mit Evidence für mein nächstes Album machen und mit Rakaa habe ich auch eben erst gesprochen. Ich arbeite mit Leuten, von denen ich ein Fan bin. Ich versuche auch Beats für Jay Electronica zu produzieren, der im Moment mein Lieblingsrapper ist.

Gleichzeitig soll auch noch ein neues Soloalbum namens „Honkey Kong“ erscheinen. Ist es vergleichbar mit deinen bisherigen Solosachen?

Es wird grossartig! Es ist absolut hardcore und lässt sich nicht mit meinen zwei bisherigen Alben vergleichen. Es erinnert eher an die AOTP Sachen, allerdings im Apathy-Style.

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