Dilated Peoples – Rakaa – Ich führe die Idee von Afrika Bambaataa weiter

Int. Rap

Vier Jahre sind bereits verstrichen, seit Dilated Peoples mit „20/20“ ihr letztes Album beim Major veröffentlichten und den Ausstieg danach mit der „Release Party DVD“ feierten. Untätig waren die Mitglieder des kalifornischen Trios in der Zwischenzeit nicht: Evidence und DJ Babu überzeugten mit ihren diversen Soloprojekten. Etwas stiller wurde es um Rakaa, dessen lange angekündigtes Soloalbum „Crown of Thorns“ nun aber endlich ein Veröffentlichungsdatum erhalten hat. Wir nutzen den Auftritt von Dilated am Make The Hood Look Good Festival um mit Rakaa über sein erstes Soloalbum zu sprechen, das von seinen beiden Mitstreitern, Alchemist, Oh No, den Sid Roams, DJ Honda, Illmind sowie El-P. produziert wurde und als Gäste u.a. KRS One, Aloe Blacc, Krondon, Chali 2Na, Fashawn, Defari und Evidence auffährt. Natürlich musste man bei dieser Gelegenheit auch nachfragen, wann man wieder mit einem Gemeinschaftswerk von einer der erfolgreichsten und besten Underground-Kapellen rechnen darf.

Am 20.07. erscheint endlich dein erstes Soloalbum „Crown of Thorns“. Das ja schon fast so lange angekündigt ist wie Dre’s „Detox“. Wieso mussten wir so lange darauf warten?

Mein einziges Ziel war es, vor Dr. Dre zu veröffentlichen und ich habe Evidence versprochen, dass es vor „Detox“ erscheinen wird (lacht). Es gingen einfach unglaublich viele Sachen bei uns in der Gruppe ab – sowohl auf der kreativen wie auch auf der geschäftlichen Seite. Dilated haben nie eine Pause gemacht; wir waren auf Tour, oder haben Mixtapes, Singles, Alben, EP’s oder DVD’s veröffentlicht. Es gab also immer viel zu tun mit Dilated. Ausserdem wollte ich nicht ein Album veröffentlichen, nur weil Evidence und Babu bereits ihre Platten am Start hatten. Ich wollte darauf warten, bis ich mir wirklich im Klaren war, was ich mit dem Album ausdrücken will. Es hat mich also einen Moment gekostet, alles zu bereinigen und mich vollständig darauf zu fokussieren.


Es hatte aber nichts damit zu tun, dass du wieder auf die Schule gingst für ein Studium?

Nein, das hat mich im Gegenteil sogar sehr inspiriert. Ursprünglich wollte ich meinen Abschluss in Architektur nachholen, habe mich dann aber dazu entschlossen Werbung zu studieren und darin mein Diplom zu machen. Die letzten paar Jahre habe ich also damit verbracht, mich mit der Werbung auseinanderzusetzen und in gut einem Jahr werde ich das Studium abschliessen. Schlussendlich ist die Werbung für mich nichts anderes als Propaganda. Dieses Studium hat mir also die guten wie auch die schlechten Seiten davon aufgezeigt. Es hat mich wie gesagt zusätzlich inspiriert und mir gelehrt, klarer zu denken und auf einem anderen Level mit den Menschen zu kommunizieren.

Das Album soll, bewusst oder nicht, dein komplettes Leben reflektieren. Hat dieser Anspruch die Produktion auch schwierig gemacht, weil du ein richtiges Masterpiece erschaffen wolltest, das dich zu 100 Prozent reflektiert?

Es war schon ein Druck vorhanden, vor allem weil Evidence und Babu schon so dope Projekte veröffentlicht hatten. Mir war klar, dass die Leute sehr genau beobachten werden, was ich release. Ich hatte deswegen aber nie das Gefühl, ein besseres Album als die anderen veröffentlichen zu müssen. Ich wollte einfach mein Ding durchziehen und das so gut, wie es nur möglich ist.

In einem Interview hast du gesagt, dass das Album politisch sei, aber nicht in dem Sinn, dass du über die Regierung oder ähnliches sprichst. Wie darf man das verstehen?

Politik dreht sich um die gegenseitige Beeinflussung der Menschen im täglichen Leben. Es muss sich also nicht immer zwingend um die Regierung drehen. Es gibt Politics in der Beziehung, auf der Strasse, bei den Gangs, im Graffiti und sonst überall. Ich wollte über das tägliche Leben berichten, aber ich spreche auf dem Album auch über die Politik der Regierung. Es gibt Songs wie „Mezcal“ oder vor allem „The Observatory“, die sich sehr explizit mit der Regierung auseinandersetzen. Aber jeder Song auf dem Album handelt von einem gewissen Level von Politics. Die Gesellschaft in der wir Leben ist eine politische Gemeinschaft und deshalb dreht sich alles irgendwie um eine gewisse Politik.

Wenn du von der Strasse bis zu Graffiti verschiedenste Themen auf das Album packst, könnte man sagen, dass du alle deine Inspirationen vereint hast?

Ich bin der Meinung, dass ich eine komplette Person bin und ich wollte, dass das Album dies auch repräsentiert. Mein Soloalbum soll keinesfalls nur eine Seite meiner Persönlichkeit zeigen, sondern all das erzählen, was mir auf dem Herzen liegt. Es soll die Gesamtheit meiner Person aufzeigen und ich versuche, das so gut wie möglich an die Hörer weiterzugeben.

Das Reisen soll ebenfalls ein wichtiger Einfluss gewesen sein.

Definitiv! Wir sind um die ganze Welt gereist und haben Menschen von überall her getroffen. Darunter auch unglaublich talentierte Menschen, von denen man in den Staaten möglicherweise nie etwas hören wird, obwohl sie in ihrer Heimat grosse Stars sind. Von solchen Leuten kann ich viel lernen. Diese Leute verkaufen vielleicht mehr Platten und spielen grössere Shows als ich. Nur weil ich nicht dieselbe Sprache spreche, heisst das nicht, dass ich nicht von ihnen lernen kann. Das Reisen hatte aber auch sonst einen deutlichen Einfluss auf die Platte: „Mezcal“ habe ich in Amsterdam aufgenommen, auf „Ambassador Slang“ sind Künstler aus Korea, Japan, den Philippinen, Samoa, Neuseeland und Hawaii zu hören. Was ich beim Reisen gelernt habe ist, dass sowohl die lokalen Künstler wie auch die Presse den roten Teppich für US-Künstler ausrollen. Sie geben uns viel Geld, Weed und vielleicht sogar ihre Freundinnen und wir sehen das als selbstverständlich an. Wie viele Künstler in den USA geben aber den Künstlern von Übersee irgend etwas zurück? Wer würde einem internationalen Künstler helfen eine Show in den Staaten spielen zu können? Ich will jetzt nicht propagieren, dass ich der Beste darin bin, aber ich habe erkannt, dass man eine Brücke bilden muss und beide Seiten davon profitieren sollten.

Du hast den Song „Ambassador Slang“ erwähnt, auf dem zahlreiche asiatische Künstler zu hören sind. Wie kam der Track zustande und was genau ist die Idee dahinter?

Wie der Titel sagt, sind alle MC’s auf dem Track Botschafter, die einen anderen Teil der Welt repräsentieren. Es ist auch mein Plan, eine Serie daraus zu machen. Ich bin aus L.A. und hier wird HipHop durch die Schwarzen, die Latinos und auch durch die Weissen repräsentiert. Es gibt aber keine wirkliche Repräsentation von Asien oder den pazifischen Inseln. Vielleicht beim B-Boying und DJing, aber, abgesehen von einigen Ausnahmen, nicht im Rap. Ich repräsentiere die Universal Zulu Nation und das Ziel von Bambaataa war es immer, die Menschen aus verschienen Teilen der Welt zu vereinen. Ich mache also nichts anderes, als diese Idee weiterzuführen. Mit diesem Song wollte ich die Vielseitigkeit und Reichweite aufzeigen und die falsche Auffassung widerlegen, dass Skills nur an bestimmten Orten vorhanden sind. Talent ist etwas Universelles, es gibt überall Leute mit Potential. Gewisse Leute sind durch ihr Umfeld eher dazu bestimmt, aber am Ende des Tages bist du nice oder wack, egal woher du stammst oder wie du aussiehst. Ausserdem ist meine Mutter in Südkorea geboren, was man mir nicht auf den ersten Blick ansieht. Aber da ich ein Viertel Koreaner bin und dieses Blut in meinen Adern fliesst, war es mir wichtig, diese Seite ebenfalls auf dem Album zu haben.

Hast du Südkorea auch schon bereist?

Ich war vergangenes Jahr da um zu performen. Shout out an Tiger JK und die ganze Drunken Tiger Crew. Es war eine tolle Zeit und ich hoffe, dass ich bald wieder rüber kann.

Als wir uns vor einigen Jahren unterhielten, hast du gesagt, dass du all die Musikrichtungen auf „Crown of Thorn“ integrieren willst, die dich in deiner Kindheit geprägt haben. Ist das Album also mehr als nur ein HipHop-Album?

Das Album ist wie HipHop. Es nimmt seine Inspiration aus verschiedenen Genres. Die DJ’s nahmen früher Breaks von Soul- oder Rockplatten, ein Riff aus einem Bluessong oder die Bassline eines Funk-Tracks. Von Disco bis Punk konnte alles miteinfliessen. Ab einem gewissen Punkt ist dann alles zusammengewachsen und aus diesem Mosaik ist das entstanden, was wir heute als HipHop kennen. Als die Leute dann begannen HipHop zu produzieren, waren sie nicht mehr direkt von anderen Musikrichtungen beeinflusst, höchstens noch durch das Sampling. Ich denke, das hat dem Ganzen auch ein wenig die Kreativität geraubt. Wenn man versucht, aus verschiedenen Musikrichtungen etwas Neues zu erschaffen, ist es etwas anderes, als wenn man einfach ein Sample verwendet – ausser man ist jemand wie DJ Premier, der zwar sehr minimalistisch vorgeht, dabei aber trotzdem enorm dynamische Musik erschafft.

Vor einigen Tagen habe ich Aloe Blacc interviewt und er hat eine interessante Aussage gemacht: Die Producer lassen sich von verschiedenen Musikrichtungen inspirieren, wieso sollte der Lyricist das nicht auch tun? Verfolgst du einen ähnlichen Ansatz?

Es gibt auf dem Album den Song „Rosetta Stone Grove (Universal Language)“, auf dem ich mich ziemlich geöffnet habe. Der „Rosetta Stone“ ist ein Stein, bei dem die Leute glauben, dass er alle Sprachen der Welt übersetzen kann. Auf diesem Song spreche ich über die Weiterführung des Blues. Die Leute aus Afrika kamen über den Ozean, wurden versklavt, haben schliesslich Blues, Jazz und so weiter erschaffen. Das sind die Wurzeln. Der Song würde ich als World Beat bezeichnen. Produziert haben ihn DJ Rhettmatic und Eric Bobo von Cypress Hill, es hat also viel Perkussion, was dem Song einen sehr rhythmischen Vibe gibt. Natürlich versuche ich mich auf dem Album jetzt nicht als Sänger, obwohl viele Sänger mich inspiriert haben. Jimi Hendrix ist alleine durch seine Ausdrucksweise und die Bildhaftigkeit seiner Texte eine Inspiration für mich. Das würde man an meiner Musik und meinem Flow nicht erkennen, aber ohne solche Inspirationsquellen könnte ich heute nicht das tun, was ich tue.

Eine weitere sehr spannende Zusammenarbeit ist „Mean Streak“ mit Chali 2Na und einem Beat von El-P.

Der Song zeigt im Prinzip die Geschichte von Graffiti in L.A. auf, besonders die Ära, in der ich sehr darin involviert war. Chali 2Na ist ursprünglich aus Chicago, zog dann aber nach L.A. als er in der High School war. Er war zu dieser Zeit ebenfalls stark in die Graffiti Szene involviert, deshalb habe ich ihn für den Chorus ausgewählt und natürlich auch wegen seiner charakteristischen Stimme. Über El-P kann ich eigentlich gar nicht mehr sagen, als dass er einer meiner Lieblingsrapper und –produzenten ist. Er ist stark auf der Bühne, schreibt dope Texte, hat verrückte Beats und ist auch noch ein sehr cooler Typ. Es war ein grosser Spass mit diesen beiden Dudes einen Track zu machen.

Ist nach den Soloprojekten auch wieder ein Dilated Album geplant, oder arbeitet ihr sogar parallel an neuen Tracks?

Aber natürlich, wir arbeiten an unterschiedlichsten Dingen zusammen. Dazwischen gibt es immer wieder verschiedene Soloprojekte, bei welchen wir uns aber auch immer unterstützen. Nächstes Jahr wird es dann aber sicherlich ein neues Dilated Peoples-Album geben. Wir haben damit begonnen uns erste Konzepte zu überlegen. Nun wird zuerst mein Album erscheinen, dann folgt „Cats & Dogs“ von Evidence und dann ist definitiv die Zeit für ein neues Crew-Album gekommen.

Ihr werdet also wohl kaum das Problem haben, euch als Gruppe wieder finden zu müssen, da ihr bei den Soloalben auch immer zusammen arbeitet?

Wir arbeiten wirklich ständig zusammen. Wenn Evidence beispielsweise in Kalifornien eine Show spielt, ist die Chance gross, dass ich noch für einen Gastauftritt vorbeischaue. Umgekehrt natürlich genau so. Auch bei den Projekten von Babu sind wir immer irgendwie involviert. Wir unterstützen uns aber nicht nur auf der kreativen Seite bei unseren Soloprojekten. Es kann auch vorkommen, dass ich einige Telefonate mache, um Evidence beim Booking für seine Tour zu helfen. Oder Evidence gibt mir im Studio Tipps, selbst wenn der Beat nicht von ihm stammt. Wir unterstützen uns komplett.

Das erklärt auch die Zeile: „ Ev told me I could be more Emo / Then I just laughed and said, Fuck that we need more Premo!“.

(lacht) Ganz genau.

Apropos Premier: Du hast sowohl mit ihm wie auch mit Guru gearbeitet. Was denkst du zu der unsäglichen Situation nach Guru’s Tod mit Solar?

Shout out an Premo. He’s the big brother and Gang Starr’s the big brother crew. Rest in Paradise Guru my brother. Das war eine herzensbrechende Situation. Was Solar betrifft, denke ich, dass ihn seine Taten irgendwann einholen werden. Ich will keine Zeit damit verschwenden, schlecht über ihn zu reden, denn es gibt genügend Dinge, die auf ihn zurückkommen werden, für all die Negativität die er gestreut hat. Er disrespektiert das Erbe von Guru und die Geschichte von Gang Starr. Es ist eine Schande, dass es soweit kommen musste! Ich habe aber mit Premo gesprochen und er und Guru wussten, was wirklich abging. Solange die beiden wussten, was abgeht, ist es absolut irrelevant, was Solar versucht in der Presse zu erzählen.

Word up! Hast du noch etwas anzukünden?

Checkt „Crown of Thorns“, das am 20. Juli in die Läden kommt. Danke an alle Leute hier, die uns unterstützen, jedes Mal wenn wir hier sind. Dilated Peoples are still in full effect. „Cats & Dogs“ ist unterwegs und „Duck Season 3“ steht bereits in den Läden. Support the whole family – we support y’all too. Peace

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