Prinz Pi – Es sind die Experimente, die eine Musik nach vorne bringen

DE-Rap

Seit etlichen Jahren gehört Prinz Pi zu den eigenständigsten Künstlern, die Rap-Deutschland zu bieten hat. Dank regelmässiger Präsenz auf Tonträgern und Bühnen erspielte sich der Berliner eine treue Fanbase. Doch genau diese zeigte sich enorm kritisch, als Prinz Pi mit „Neopunk“ sein erstes Album beim Major ablieferte und musikalisch neue Töne anschlug. Seither hat er sich sowohl vom Major, wie auch seinem langjährigen Label No Peanuts getrennt und bereits wieder zahlreiche Projekte veröffentlicht oder in Angriff genommen. Nach seinem Auftritt am Touch the Lake nahm er sich kurz Zeit, um uns über seine Pläne zu informieren.


Sogenannte Verschwörungstheorien sind immer wieder Teil deiner Musik. Wie würdest du deine Weltanschauung beschreiben?

Es ist das Weltbild eines sehr krassen Skeptikers und somit sehr pessimistisch. Ich betrachte alles mit sehr viel Zweifel.

Sind denn Filme wie „Zeitgeist“ eine Inspiration für dich?
Filme wie „Zeitgeist“ oder Bücher wie „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco haben mich schon sehr geprägt und sind eine grosse Inspiration für mich.

Die „Illuminati EP“ ist ausschliesslich auf deiner Website erhältlich. Ist das nun der nächste Schritt zur vollständigen Unabhängigkeit nachdem du dich bereits zuvor von zwei Labels getrennt hast?
Alles alleine zu machen und direkt zu den Fans zu gehen ist natürlich die grösstmögliche Unabhängigkeit. Ohne Mittelmann zu den Fans zu gelangen ist eigentlich am coolsten – auch wenn man dann natürlich nicht so viele Platten verkauft. Das ist aber auch egal, denn so erreicht man nur die Leute, welche die Musik auch wirklich mögen.

Willst du diesen Weg auch weitergehen, oder ist das nur für diese EP?
Die „Illuminati EP“ sollte etwas Besonderes, Kleines und Limitiertes sein. In Zukunft stehen die CD’s aber sicherlich wieder in den Läden. Wir haben ja unser eigenes kleines Label und dabei wird’s vorerst auch bleiben.

Nun soll dieses Jahr bereits ein neues Album kommen. Was kannst du uns schon dazu erzählen?
Die Platte ist so gut wie fertig aufgenommen. Es geht auf der Platte vor allem um… (überlegt). Es geht eigentlich nur um mich – die Platte ist sehr persönlich. Ich habe wieder sehr viel mit Biztram gearbeitet. Dann auch mit Whizz Vienna, der für mich derzeit einer der interessantesten aller Produzenten ist. Ausserdem sind noch Beatzarre und Djorkaeff mit dabei.

Ich erinnere mich an ein Juice Interview, wo du daran gezweifelt hast, ob deine Fans dir weiterhin Treu bleiben, nachdem bei vielen “Neopunk” durchgefallen ist. Hast du das Gefühl, dass du deine Fangemeinde wieder voll und ganz hinter dir hast?
Auf jeden Fall. „Neopunk“ hat halt einigen Leuten nicht gefallen. Aber ehrlich gesagt sind das dann nicht besonders tolerante und offene Leute, wenn sie nicht akzeptieren können, dass man als Künstler einen anderen Film fahren will. Ich verstehe das irgendwie schon, denn Musik ist immer Geschmacksache, aber man sollte auch die Toleranz haben und sich für etwas Neues öffnen können. Ich probiere meine Musik spannend zu halten, in dem ich immer wieder neue Sachen versuche.

Es hat dich aber sicherlich beschäftigt, gerade weil du in dieses Album extrem viel reingesteckt hast.
Es steckt sehr viel Arbeit und Mühe darin und natürlich ist es schade, wenn es den Leuten dann nicht so gefällt. Das hat mich schon ein bisschen traurig gemacht.

Als Künstler ist man zwangsläufig irgendwie von seinen Hörern abhängig. Hast du nach “Neopunk” manchmal im Studio die Meinung deiner Fans im Hinterkopf und überlegst, ob ihnen das nun gefallen würde?
Nein, eigentlich gar nicht. Wenn man damit anfängt, wird die Musik meiner Meinung nach sofort scheisse.

Vor einigen Wochen war die Premiere von “Der Rap der Nibelungen”, was man als HipHop-Oper bezeichnen kann. Wie darf man sich das vorstellen?
Das ist ein krasses Projekt, bei dem „Der Ring der Nibelungen“ von Richard Wagner umgesetzt wird. Es sind einige Rapper dabei, gleichzeitig aber auch sehr gute Opernsänger und –sängerinnen, hervorragende Tänzer, ein komplettes Orchester, aber auch HipHop-Beats, bei welchen die Melodien von Wagner mit dem Synthesizer nachgespielt wurden. Es ist auf jeden Fall ein sehr spannendes Projekt und etwas Neues. Das sind meiner Meinung nach Dinge, die eine Musik auch weiterbringen können. Das wird niemals ein kommerzieller Erfolg, aber es sind die Experimente, die eine Musik nach vorne bringen.

Gibt es sonst noch Projekte von dir oder Keine Liebe Records, die du gerne ankünden möchtest!
Mein neues Album wird voraussichtlich im September erscheinen. Es wird definitiv ein grosses Projekt, an dem ich jetzt auch schon länger arbeite. Bereits während der Arbeit an den letzten zwei Alben legte ich jeweils Songs für diese Platte zur Seite. Es wird ein sehr schönes Album werden, denke ich. Als Künstler findet man ja immer sein aktuelles Album am besten, da es einem zu diesem Zeitpunkt am besten widerspiegelt. Das muss ich also eigentlich nicht sagen, auch dass es voll persönlich ist sagen alle Künstler. Schlussendlich sollen sich die Leute selber ein Bild davon machen.

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