Jedi Mind Tricks – Jeder hat das Recht auf die Wahrheit

Int. Rap

Seit ihrem 1997 erschienen Debüt konnten sich Jedi Mind Tricks als eine der wichtigsten independent HipHop-Formationenen etablieren – ob die nicht gerade spärlich gesäten Kritiker das nun wahrhaben und akzeptieren wollen oder nicht. Nach sechs JMT-Alben und drei Releases mit der Supergroup Army of the Pharoahs ist für Vinnie Paz nun die Zeit für das erste Soloalbum gekommen. Um sich deutlich von den Releases seiner Crew zu unterscheiden, hat Vinnie auch überraschende Produzenten wie Lord Finesse, Da Beatminerz, Madlib oder den fast vergessengeglaubten Wu-Tang Beatschmied 4th Disciple ins Boot geholt. Wir unterhielten uns mit dem MC aus Philly über „Season of the Assassin“, sein neues Label Enemy Soil, die Zukunft von Jedi Mind Tricks, sein Verhältnis zu den Fans und auch einige spannende Verschwörungstheorien waren Teil des Gesprächs.

In der Biographie zu deinem Soloalbum steht, dass es immer noch genug Ungerechtigkeit, Leiden und soziale Unruhe gibt, die dich antreiben. Sind Wut und Schmerz immer noch die treibende Kraft hinter deiner Musik?
Das trifft es ziemlich genau. Ich bin einfach eine Person, die auf sein Umfeld reagiert. Die sozialen, wirtschaftlichen und globalen Dinge, die rund um mich ablaufen, haben einen Einfluss auf mich. Ich habe eine Nichte und zwei Neffen und ich sorge mich um sie, wenn sie in dieser Scheisse aufwachsen müssen. Ich mache mir auch stetig Sorgen um meine Mutter.

Du sagst auch du seiest eine eher traurige Person. Dies, obwohl du den Traum von Tausenden leben und damit auch deine Familie ernähren kannst. Was würde es brauchen, dass aus dir ein fröhlicher, zufriedener Mensch wird?
Wenn ich das wüsste, würde ich es ändern. Ich denke, dass Geld und andere materielle Dinge nicht glücklich machen. Man muss diese Freude in sich drin finden. Ich arbeite daran, aber so wirklich funktionieren will das noch nicht. Gewisse sind deprimiert, weil sie nicht bei ihrer Freundin sein können oder weil ihre Grossmutter gestorben ist. Bei mir braucht es keinen speziellen Auslöser, ich fühle mich jeden Tag so. Es ist chronisch wie bei einer manischen Depression.

Du nennst dein Soloalbum „Season of the Assassin“ eine künstlerische Herausforderung. Was sind die grössten Unterschiede zu einem Jedi Mind-Album, abgesehen davon, dass Stoupe nicht produziert hat?
Wir sind eine Gruppe seit 18 Jahren und haben einen bestimmten Weg gefunden, wie wir unsere Musik kreieren. Das kennst du sicherlich auch, als Journalist gehst du auch immer nach einem ähnlichen Schema vor. Wenn man sich aus dem bekannten System begibt, fühlt sich dies zu Beginn ziemlich verrückt an. Ich war entweder alleine im Studio oder dann mit Produzenten, mit denen ich zuvor noch nie gearbeitet hatte. Der ganze Prozess war also völlig anders und es lag alles bei mir: Vom kreativen Prozess bis zum Artwork. Es war eine Herausforderung, aber ich mag das. Ausserdem bin ich ein Kontrollfreak und bevorzuge es sowieso, wenn alle Fäden bei mir zusammenlaufen. Ich hatte bei keiner Platte so viel Spass wie bei der Entstehung von „Season of the Assassin“.

Kannst du mir einige Songs nennen, die du unmöglich auf einem Jedi Mind-Album hättest veröffentlichen können?
Das ist wirklich eine gute Frage (überlegt). Im Grunde genommen wäre keiner der Songs jemals auf einem Jedi Mind-Album, nur schon auf Grund der Produktion, welche über 18 Jahre entwickelt wurde. Aus lyrischer Sicht würde ein Song wie „Bad Day“, der von den Beatminerz produziert wurde und eher eine witzige Story erzählt, nicht auf ein Jedi Mind-Album passen. Auch einen Song mit Paul Wall würde es nicht geben. Nicht weil ich ihn nicht mag, im Gegenteil, aber er würde einfach nicht auf ein Jedi Mind-Album gehören. Ich arbeitete für das Album mit vielen Künstlern, die ich mag und bei denen viele Leute wohl nicht erwartet hätten, dass ich deren Musik höre.

Wie sieht es denn mit einem sehr persönlichen Song wie „Same Story (My Dedication)“ aus? Hast du dir das auch bewusst für dein Soloalbum aufgehoben?
Ich wüsste nicht, ob der Beat in eine ähnliche Richtung gehen würde, einen solchen Text hingegen könnte ich mir bei JMT schon vorstellen. Aber ich denke dieser Song hebt sich eher produktionstechnisch von JMT ab, da alles von den Drums, Keys über Bass bis zum Gesang live ist. Aber ich habe auch auf den Jedi Mind-Alben schon über mein Leben geschrieben.

Du sagst, dass eure grosse Fangemeinde gewisse Erwartungen hätte, was Fluch und Segen zugleich sei. Mit dem Soloalbum wollest du dich von diesen Erwartungen etwas entfernen. Das klingt, als ob ihr die Meinungen der Fans stark berücksichtigt, wenn ihr an einem Jedi Mind-Album arbeitet.
Absolut! Es ist wirklich ein Fluch und ein Segen: Wir sind unheimlich froh, dass die Fans uns lieben und die Musik feiern. Gleichzeitig fühlt man sich in die Enge gedrängt, weil man das Gefühl hat, die Fans wollen, dass sich jedes Album mehr oder weniger gleich anhört. Wenn das dann nicht der Fall ist, gehen sie ins Internet und beschweren sich wie kleine Babys. Die Kids wollen ihre Lieblingskünstler nicht wachsen sehen und beschweren sich, wenn man eine Weiterentwicklung durchmacht. Aber natürlich beschweren sie sich auch, wenn man sich gar nicht verändert. Entweder finden sie, es würde alles gleich klingen, oder sie sind der Meinung, dass man sich verändert hat und Sell-Out sei, wenn man etwas ändert. Ich komme aus einer anderen Generation und habe es nicht nötig, an den Computer zu sitzen und wie eine kleine Bitch rumzuheulen und Künstler zu kritisieren. Wenn du nicht kannst, was ich kann, dann sprich nicht darüber! Wenn ich als Jugendlicher einen Computer gehabt hätte, wäre ich nicht ins Netz gegangen und hätte Scheisse über die Rapper aus den 80igern geredet. Ich habe Respekt für jeden, der mit Herz und Motivation Musik macht. Egal ob Metal, Punkrock, HipHop, Jazz oder Soul. Das braucht Eier, was diese Kids nicht haben, da sie nur anonym hinter ihrem Computer sitzen. Keiner würde mir das persönlich sagen, da sie dann eine ins Gesicht bekommen würden.

Ihr hattet über die Jahre einen konstanten Output mit Jedi Mind Tricks. Waren die Soloprojekte von dir und Stoupe auch dazu da, wieder Inspiration und Motivation für weitere Jedi Mind-Alben zu finden?
Genau so ist das. Wenn man über eine solch lange Zeitspanne mit denselben Leuten in einer Band ist, braucht man manchmal einen Adrenalinstoss und diesen hole ich mir, indem ich etwas Neues mache. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns aufgelöst hätten oder es Beef gegeben hätte. Wir wollten uns anderen Projekten widmen, um unsere Musik neu zu beleben und die Leidenschaft zurückzubringen. Ich war schon lange nicht mehr mit so viel Leidenschaft dabei, wie bei der Entstehung von „Season of the Assassin“. Dieser Prozess hat mich richtig glücklich gemacht, obwohl ich ja, wie bereits besprochen, keine fröhliche Person bin. Es hat einfach Spass gemacht für ein Jahr im Studio zu sein, völlige Freiheit zu geniessen und mit den Leuten zu arbeiten, mit denen ich wollte. Es war grossartig mit Da Beatminerz, Madlib oder Lord Finesse, mit dem ich in den ehemaligen D&D Studios war, zu kollaborieren. Oder auch mit Lil Fame von M.O.P., die eine meiner Lieblingsgruppen ist. Mein Hunger kam zurück und ich fühlte mich wie ein Kind, das wieder auf der High School ist.

Wenn ich die Producer Credits durchschaue, habe ich das Gefühl, dass du dir einige Kindheitsträume erfüllt hast.
Das ist genau, was ich gemacht habe. Das sind Leute, die mich und Stoupe beeinflusst haben, was man auch in unserem Sound und dem Produktionsstil wiedererkennt. Ich bin in Philadelphia, nur 90 Meilen von New York, grossgeworden und mit dem New York-Sound aufgewachsen. Es ist das Grösste mit den Helden meiner Jugend im Studio zu sein. Lord Finesse erzählte mir Geschichten wie er Big L kennenlernte, mit Biggie gearbeitet hat und ein Teil von Puffy’s Hitmen Produktionsteam war. Viele wissen das nicht, ebenso wenig, dass er einen Beat auf dem „2001“ Album von Dr. Dre produziert hat. Wenn man eine schlaue Person ist, hält man das Maul und hört solchen Leuten einfach nur zu. Ich habe geschwiegen und bin in die Rolle des Studenten geschlüpft. Diese Leute sind schon viel länger dabei, haben mehr erlebt und daher haben sie ein Wissen, das man sich sonst nicht aneignen kann.

Der meiner Meinung nach interessanteste Song des Albums ist „End of Days“. Worum geht es in dem Track?
Ich wollte den Leuten mit diesem Song einiges beibringen, was sie in den News nicht zu sehen bekommen. In den Nachrichten, egal ob hier drüben oder in den USA, erfährst du nur, was sie wollen, dass du es erfährst. Sie wollen nicht, dass eine Massenpanik ausbricht. Ich bin jedoch der Meinung, dass jeder Mensch das Recht auf die Wahrheit hat. Deshalb versuchte ich so viel Wahrheit wie nur möglich in einen 3-minütigen Song zu packen. Natürlich kann ich nicht alles erwähnen, aber vielleicht öffnet der Song einigen Menschen die Augen. Mehr kann ich nicht tun.

Der Song startet mit der Zeile: “Everybody is slave, only some are aware.” Könnte man den Song auch als eine Warnung verstehen?
Sicher, denn das Wissen ist der halbe Kampf. Wenn man informiert ist, kann man auch etwas unternehmen. Wenn dir gewissen Sachen aber nicht bewusst sind, dann verfolgen sie dich dein ganzes Leben lang und du läufst durchs Leben wie ein Zombie.

Kannst du mir die folgende Zeile erklären: “How they clones Barack Hussein Obama in a test tube”?
Einige Leute haben die Theorie, dass es drei oder vier Klone von Barack Obama gibt. Einer der Gründe dafür ist, dass sie ihn problemlos ersetzen könnten, wenn ihm etwas zustossen würde. Ich weiss es klingt verrückt, aber es gibt einige Leute die fest davon überzeugt sind, dass es von jedem Präsidenten, egal ob Bush oder Clinton, Klone gibt. Es klingt aber vor allem verrückt, weil uns nie jemand so etwas beigebracht hat als wir Kinder waren. Genversuche und Klonen gibt es schon seit Jahren – das ist ein Fakt. Man muss nicht glauben, dass es Klone von Obama gibt, aber es gab schon geklonte Menschen lange bevor sie sagten, dass sie ein Schaf geklont haben. Oder der HI-Virus: Dieser wurde 1977 in einem Labor entwickelt und dann zur Bevölkerungskontrolle in der Gay- und Schwarzen-Community eingeführt. Ein anderes Beispiel ist, dass die Impfung gegen Kinderlähmung später zu Krebs führt. Das sind alles Mechanismen der Bevölkerungskontrolle.

Wenn nun von Obama Klone existieren heisst das auch, dass er von irgendwelchen Leuten eingesetzt wurde und nur eine Marionette ist?
Absolut! Alle glaubten seinen Worten von einer Veränderung, doch ich wusste, dass er genau gleich ist. Obama, George Bush und Dick Cheney sind Cousins dritten Grades. Sie können ihm nicht mal eine Geburtsurkunde ausstellen, da Barack Obama gar nicht sein richtiger Name ist. Sein echter Name ist Barry und er wurde in Kenia geboren, obwohl man eigentlich in den USA geboren sein muss, um Präsident zu werden. Es ist doch verrückt, bevor jemand Präsident wird, hört man schon einige Jahre vorher regelmässig von ihm. Obama kam aus dem Nichts! Ich hatte noch nie etwas von diesem Typen gehört und nun ist er der Präsident der freien Welt! Er wurde eingesetzt. Da kommen wir zu dem ganzen New World Order Shit. Die Bilderbergers gehen zurück bis zur königlichen Familie. Sie sind also alle auf irgendeine Art Nachkommen des Könighauses. George Bush ist zum Beispiel ein Nachkomme von Aleister Crowley – das ist verrückt.

Würdest du somit sagen, dass Leute wie die Bilderberger, also die Elite aus Wirtschaft, Politik, Militär und Medien, dafür gesorgt haben, dass Obama an die Macht kam?
Sie sind zum Teil dafür verantwortlich. Ich meine, sie kontrollieren die Federal Bank und somit den ganzen Geldfluss auf der Welt. Du hast nicht wirklich eine Wahl, wenn es um den Präsidenten geht. Jeder, der wirklich eine Veränderung bringen würde, hätte niemals eine Chance, gewählt zu werden. Es gab Mal einen Kandidaten namens Ron Paul. Ich war ein grosser Supporter, aber alle hatten Angst vor ihm. Er wollte Institutionen wie die CIA oder die IRS abschaffen.

Kehren wir zurück zur Musik. Neben langjährigen Freunden wie Ill Bill oder R.A. the Rugged Man hast du auch eher überraschende Gäste wie Paul Wall, Freeway, Beanie Sigel oder Clipse auf dem Album. Wie hast du die Gäste ausgesucht und wieso hast du so viele Features auf deinem ersten Sololbum?
Freeway und Beanie Sigel kenne ich schon ewig – das ist halt Philadelphia. Zu Clipse kam ich durch meinen Mann Ab-Liva, der ja ein Teil der Re-Up Gang ist. Der Grund für die vielen Gäste liegt in der Masse der Songs. Es sind 21 Songs auf dem Album und ohne Gäste würde das langweilig werden. Mit Ill Bill arbeite ich ja auch an einem gemeinsamen Album namens „Heavy Metal Kings“ und mitten in der Produktion haben wir noch diesen Song für mein Album gemacht. Umgekehrt bin ich auf dem Titeltrack seines „Kill Devil Hills“ Album mit DJ Muggs zu hören.

Als wir uns das letzte Mal unterhielten, bezeichnetest du „History of Violence“ als die 2008-Version von „Violent by Design“. Würdest du nun, zwei Jahre später, sagen, dass die Platte ähnlich prägend und wichtig war wie „Violent by Design“?
Ich weiss nicht, ob die Platte bei den Fans einen ähnlichen Status geniesst. Als ich das gesagt habe, meinte ich damit vor allem, dass auf „History of Violence“ nach langer Zeit wieder ich, Stoupe und Jus Allah zu hören sind. Die Zukunft wird zeigen, wie wichtig diese Platte war. Nun arbeiten wir an einem neuen Jedi Mind-Album und wir versuchen bei jeder Platte besser zu werden. Wenn das nicht mehr der Fall ist, sollte man besser aufhören. Deshalb bin ich auch so glücklich mit „Season of the Assassin“, da es meiner Meinung nach das Beste ist, was ich jemals gemacht habe. Wenn ich mit 32 Jahren noch immer gute Musik machen kann, ist alles gut.

Kommerziell gesehen konnte „History of Violence“ nicht an die Vorgänger anschliessen. Hängt das mit der Wirtschaftskrise zusammen, die auch Musiker nicht verschont?
Das steht auf jeden Fall in Zusammenhang mit der Wirtschaft und auch der Downloadproblematik. Als ich zur High School ging musste man 700’000 Exemplare verkaufen um auf Platz 1 einzusteigen. Letzten Monat reichten schon 60’000. Die heutige Generation kauft sich kaum noch Musik, sondern klickt einfach auf den Downloadbutton. Ich glaube das letzte 50 Cent Album ging nicht mal Gold. Wenn ein solcher Popstar nicht Gold geht, dann liegt die Industrie wirklich am Boden. Ich war also nicht enttäuscht, da ich wusste, dass das Game fucked up ist. Deshalb sind Festivals und Tourneen so wichtig für uns – dort verdienen die Künstler ihr Geld. Man muss sein Einkommen mit anderen Dingen ergänzen und mit neuen Ideen kommen, welche die Kids dazu bewegen, deine Sachen zu kaufen. Zum Beispiel veröffentliche ich „Season of the Assassin“ auch als Doppelvinyl, wobei die Platten farbig sind. Das ist zumindest besser als eine langweilige CD in einer noch langweiligerer Verpackung.

Ihr habt euch von Babygrande gelöst und du hast dein eigenes Label Enemy Soil ins Leben gerufen. Seid ihr in einer Position, wo ihr keine Unterstützung von seiten eines Labels benötigt?
Wir hätten gar nie die Unterstützung einer Firma benötigt. Sie sind nur der Mittelsmann zum Vertrieb und ziehen dir das Geld aus der Tasche. Mehr hat unser Label nie gemacht: Sie betrieben kein Marketing und keine Promotion. Wir haben alles selber gemacht, weil wir hungrig waren. Wir brauchten ihre Hilfe nicht um auf Tour zu gehen und auch die Interviews haben wir immer selber organisiert. Als wir den Vertrag unterschrieben, waren wir jung. Wenn man sein Leben lang arm war und jemand kommt mit Geld und einem Vertrag, dann unterschreibt man. Das würde ich heute nie mehr tun, ich war ein Idiot damals mit 23 Jahren.

Was sind die Ziele und Pläne bei Enemy Soil?
Soeben sind „Fight Music“ von Reef the Lost Cauze, mein Album und Stoupe’s Sideproject Dutch erschienen. Outerspace kommen mit ihrem Album „My Brother’s Keeper“ und Jus Allah wird „Meanest Man Alive“ veröffentlichen. Auch das neue Jedi Mind Album und „Heavy Metal Kings“ mit Ill Bill werden bei Enemy Soil rauskommen.

Du hältst es also in der Familie?
Kann man so sagen. Tragedy Khadafi kam erst letzte Woche aus dem Knast und seit er draussen ist haben wir ständig miteinander gesprochen. Er ist ein guter Freund und ich hoffe, dass wir zusammenarbeiten und ich ihm bei seinem Album helfen kann.

Sind Labelbesitzer und Executive Producer Jobs, die du dir nach deiner aktiven Karriere vorstellen könntest?
Weisst du, ich liebe diesen Shit schon seit jeher. Selbst als wir noch bei Babygrande waren, war ich jeweils der Executive Producer bei Outerspace. Einige lieben es, ständig auf Tour zu sein, andere sind am liebsten im Studio. Ein Boxer, der immer nur in der Trainingshalle ist, nennt man eine Gym-Rat – ich bin dann also eine Studio-Rat. Es ist nicht schwierig für mich, einen anderen Hut zu tragen: Ich mag die Business-Seite, ebenso die künstlerischen Aspekte und auch für die Crowd zu rocken. Es ist eine Ehre, das machen zu können. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, weiss ich, dass ich gesegnet bin mit meinem Leben, während viele andere Künstler das Gefühl haben, dieses Leben sei ihnen in die Wiege gelegt worden. Ich ging nie aufs College, habe keine Berufserfahrung, alles was ich kenne ist die Strasse. Wenn ich nicht Musiker wäre, würde ich Drogen verkaufen. Da ich aber nicht im Knast landen will, bin ich dankbar für jeden, der meine Musik mag und supportet.

Auch wenn die Verkäufe zurückgehen seid ihr doch stetig auf Tour, rockt riesige Festivals und habt sogar am Jazzfestival in Montreux gespielt. Würdest du sagen, dass Jedi Mind auf einem neuen Level angekommen sind?
Es ginge nicht ohne die Hilfe von anderen Leuten, wie hier in der Schweiz von Mirco (Anmerkung: von Mos Music). Er glaubt schon seit Jahren an uns. Es ist schon komisch wie die Zeit fliegt: Wir kennen uns schon seit sechs Jahren, damals war er noch Single und nun ist er verheiratet und hat Kinder. Man wächst mit diesen Leuten, es entwickeln sich Freundschaften und das in einer Industrie, wo man nicht allzu viele Freunde hat. Viele in der Industrie behandeln dich wie Abschaum, doch hier fühle ich mich wie ein Teil der Familie. Vielleicht lieben uns die Leute in der Schweiz, aber das würde nichts nützen, wenn wir nicht den richtigen Promoter hätten, der an uns glaubt. Zum Glück konnten wir überall auf der Welt solche Beziehungen aufbauen. Wir haben zum Beispiel in Bogota, Kolumbien, auf dem Gipfel eines Bergs für 3’000 Kids gespielt. Das alles ist nur möglich, weil wir schlau genug waren dafür zu sorgen, dass die Leute unsere Musik hören können. Die Welt ist globalisiert und HipHop ist ein weltweites Phänomen geworden. Es gibt MC’s von Hongkong bis in die Schweiz.

Vor zwei Jahren hast du einige Releases erwähnt, die bislang nicht erschienen sind. Gib mir doch ein kurzes Update, wann wir mit „Heavy Metal Kings“, „Meanest Man Alive“ von Jus Allah und dem DJ Kwestion Produceralbum rechnen können!
Wir haben bereits 23 Songs für „Heavy Metal Kings“ im Kasten, nehmen aber weiterhin auf bis es rund 40 Tracks sind. Wir hoffen, dass das Album im Januar oder Februar nächsten Jahres rauskommt. Jus hat bis jetzt etwa neun Songs aufgenommen. Er hatte schon viele Tracks fertig, mochte sie aber nicht mehr und wir begannen wieder von vorne. Was Kwestion angeht musst du ihn selber fragen. Er raucht zu viel Weed und spielt zu oft auf seiner X-box. Ich sage ihm die ganze Zeit er solle sein Album fertig machen und irgendwann wird es dann sicherlich auch kommen.

Immerhin hat Stoupe endlich etwas Eigenes veröffentlicht.
Ich bin sehr stolz auf ihn. Das Dutch-Album ist meiner Meinung nach eines der besten Alben des Jahres. Vergiss HipHop, das ist einfach gute Musik. Outerspace haben auch schon 15 Tracks aufgenommen und sie arbeiten weiter, bis sie die besten Songs auswählen können. Alle Sachen, von denen wir schon letztes Mal gesprochen haben, werden irgendwann erscheinen. Einige arbeiten langsamer, bei Anderen geht’s schneller. Früher sagten mir die Leute, ich sei langsam, aber ich denke dass hat sich geändert.

Int. Rap