The Knux – Guitars, Girls and Glory

Int. Rap

Heutzutage gehen die Plattenfirmen keinerlei Risiken ein und nehmen fast ausnahmslos Künstler unter Vertrag, die sich bereits unabhängig einen Namen aufgebaut haben. Um so erstaunlicher war es, als Interscope ein bislang gänzlich unbekanntes Brüderduo namens The Knux signte. Krispy und Joey Le’Strat rechtfertigten das Vertrauen jedoch postwendend mit ihrem Debüt „Remind Me In 3 Days“, auf dem unverkrampft Rap, Rock und elektronische Elemente zu einer eigenständigen Mischung verknüpft wurden. Es gelang ihnen, eingängige Songs zu kreieren, ohne dabei beliebig oder anbiedernd zu klingen. Neben den locker geflowten Raps stammte auch die gesamte Produktion aus ihrer Feder, ebenso spielten sie die meisten Instrumente gleich selbst ein. In ihrem Erstaunen bezeichneten Kritiker The Knux als „Rap’s erste Rockband“ oder ordneten sie noch hilfloser in der Hipster Rap-Schublade ein. Unterdessen haben die beiden aus New Orleans stammenden aber in Los Angeles wohnhaften Brüder so ziemlich alle grossen Festivals in den USA gespielt und ihr zweites Album im Kasten. Wir trafen The Knux bei ihrem ersten Gig in der Schweiz am Openair Frauenfeld zum Gespräch.

Euer Debüt „Remind Me In 3 Days“ erschien direkt bei Branchenriese Interscope, ihr habt gute Reviews eingefahren und es gab sogar Vergleiche mit Outkast. Ging das alles fast zu schnell oder hattet ihr nur darauf gewartet?

Joey Le’Strat
: Wir wollten das auf jeden Fall, aber so etwas geht immer irgendwie zu schnell. Man will etwas unbedingt und sobald es dann eintrifft, muss man aufpassen, dass man noch folgen kann. Im Musikgeschäft ist es nicht möglich so etwas zu planen – es geschieht einfach. Unser nächstes Album wird aber sowieso zehnmal besser werden als das Debüt.

Bevor ihr selber einen Plattenvertrag hattet, habt ihr für andere Künstler geschrieben und produziert. Macht ihr das immer noch, oder war das nur ein Mittel zum Zweck?

Krispy
: Das Ghostwriting war für den Lebensunterhalt, das machen wir heute nicht mehr. Wir produzieren aber immer noch für andere Künstler.

Nach Katrina seid ihr von New Orleans zuerst nach Texas und schliesslich nach Los Angeles gezogen. Hatte dieses neue Umfeld einen Einfluss auf eure Musik?

Joey
: Es gab schon einen gewissen Einfluss. Besonders die Zeit zwischen New Orleans und Los Angeles war prägend. Ebenso hatte L.A. einen Einfluss, aber eher als wir schon ein Weilchen da waren.

Im Moment hat New Orleans sehr viele verschiedene Künstler zu bieten: Typischen Südstaatenrap, euren Sound oder auch starke Lyricists wie Jay Electronica. Reflektiert diese Vielfalt auch die Musikszene von New Orleans?

Joey
: Das ist definitiv der Fall.
Krispy: Die Leute denken immer, eine bestimmte Region müsse auch an einen spezifischen Sound gebunden sein. Es ist jedoch so, dass die Majorlabels immer nur in den Sound investieren, der gerade in einer bestimmten Region angesagt ist. New Orleans hat eine Vielfalt wie jede andere Grossstadt zu bieten. Möglicherweise eine noch grössere, denn man findet viele talentierte Künstler in New Orleans. Vielfalt alleine bedeutet ja noch keine Qualität: In New Orleans stimmt sowohl die Abwechslung wie auch die Qualität. Das erkennt man an Künstlern wie Jay Electronica, Curren$y, uns oder auch dem ganzen Cash Money Stuff. Alle diese Künstler machen verschiedenartige Musik, aber jeder auf Topniveau. Das unterscheidet New Orleans von anderen Städten.

Schon bald soll euer neues Album „Pop Killer“ in die Läden kommen. Können wir darauf eine ähnliche musikalische Vielfalt wie auf dem Debüt erwarten?

Joey
: Eigentlich haben wir den Albumnamen inzwischen verworfen und diskutieren noch, wie die Platte nun heissen soll. Das Album ist fertig, wann es erscheinen wird wissen wir allerdings noch nicht genau. Die erste Single wird aber schon sehr, sehr bald losgelassen, wir warten nur noch auf den richtigen Moment. Was die Vielfalt anbelangt wird das Album denselben Ansatz verfolgen wie „Remind Me In 3 Days“. Die Songs sind jedoch viel ausgefeilter und grösser geworden. Wir haben unseren Stil beibehalten und haben das Maximum daraus rausgeholt.

Seit „Remind Me in 3 Days“ ist nur die Free Download EP „Fuck You“ erschienen.

Krispy
: Die EP vereint eigentlich Songs, die wir direkt nach „Remind Me In 3 Days“ gemacht haben, mit Tracks, die eher das neue Album repräsentieren. Songs wie „Fuck You“ oder „Watchu Say“ sind älter, während „Floozy“ und „Pop The Cork“ kurz vor dem neuen Album entstanden. Wir haben die Songs zusammengenommen und somit stellt die EP eine Brücke zwischen den beiden Alben dar. Wir schuldeten das den Fans, die ständig nach neuem Material verlangten.

Dauert es bei euch einfach ein bisschen länger, da ihr nicht nur die Songs schreibt, sondern auch alles produziert und die Instrumente einspielt?

Joey
: Ganz genau, endlich mal jemand, der das bemerkt! Viele verstehen nicht, dass dies ein Prozess ist. Wir lassen uns nicht einfach Beattapes zuschicken und schreiben dann die Lyrics. Wir spielen erst alle Instrumente ein, dann folgt die Produktion, als nächstes das Arrangement und das Engineering. Wir nehmen uns gerne viel Zeit für die Details, deshalb ist es immer ein langer Prozess.

Ihr sollt sehr spannende Features auf dem kommenden Album haben, nämlich Lupe Fiasco und vor allem The Streets.

Joey
: Kid Cudi wird ebenfalls dabei sein.
Krispy: Wir lieben die Musik von The Streets.

Kennt man denn seine Musik in den USA

Krispy
: Er ist nicht sonderlich bekannt in den Staaten, obwohl er es sein sollte.
Joey: Man kennt ihn in Kanada und eigentlich sonst überall, aber in den USA…
Krispy: Hier wird so viel schlechte Musik gehört. Selbst wenn die Leute europäische Musik hören, dann nur die schlechtesten Sachen.

Und dann samplen die Produzenten auch noch unsäglich schlechte europäische Musik.

Krispy
: Genau, die geschmacklosen Eurodance Sachen.

Ihr habt auch angekündigt, mit einem europäischen Electro-Produzenten zu arbeiten. Ich gehe davon aus, es ist jemand von Ed Banger. Seht ihr die Künstler dieses Labels als musikalische Seelenverwandte?

Krispy
: Ed Banger sind riesig in Los Angeles, weil ihr Partnerlabel Dim Mak hier beheimatet ist. Deren Chef Steve Aoki ist ein guter Freund von uns, wie auch von den Leuten bei Ed Banger. Meiner Meinung nach bringen Ed Banger die beste Dancemusic aus Europa. Künstler wie Daft Punk, Justice oder DJ Mehdi waren Vorreiter wenn es darum geht, Samples zu choppen oder zu editieren. Sie machen keine gewöhnliche Dancemusic, sondern haben es auf ein neues Level gebracht.

Wer an eurem Album mitgearbeitet hat könnt ihr mir aber nicht verraten?

Joey
: Nein, es soll noch einige Überraschungen geben, wenn die Platte dann erscheint.

Ihr habt das erste Album komplett in eurem Homestudio aufgenommen. Wo seht ihr die Vorteile und habt ihr beim neuen Album wieder nach dem gleichen Prinzip gearbeitet?

Joey
: Wir haben auch dieses Mal bis auf den Mix wieder alles zu Hause gemacht, da uns grosse, kalte Studios einfach nicht inspirieren. Wir bevorzugen den Homie-Vibe und wollen nicht in diesen Betongebäuden sitzen. Ausserdem kommen unsere Ideen manchmal völlig aus dem Blauen heraus, zum Beispiel wenn wir von einer Party nach Hause kommen. Ein eigenes Studio gibt uns die Möglichkeit auch nachts um drei noch an einer Idee zu arbeiten. Wir müssen uns nicht an irgendwelche Ablaufpläne halten, sondern können ins Studio wann immer wir uns danach fühlen.

Ihr habt fast alle grossen Festivals in den USA gespielt und wie ich gehört habe, sollt ihr zu den besten Performern gehören. Viele HipHop-Shows sind leider sehr langweilig. Was macht den Unterschied?

Krispy
: HipHop ist eine der besten Musikrichtungen, die man hören kann, aber wohl eine der schlechtesten, die man live sehen kann. Viele Rap-Shows sind sogar schlechter als wenn ein DJ nichts anderes macht, als Dancemusic aufzulegen. Wir versuchen das zu ändern, denn es ärgert uns, dass viele HipHop-Shows so langweilig sind. Ich sage es dir direkt: Wir sind der beste Live-HipHop-Act. Andere haben grössere Shows und ein grösseres Set-Up, das macht ihre Show aber nicht besser, nur weil mehr Geld dahintersteckt.
Joey: Wir bezeichnen uns als Artists und Performer, was bei vielen anderen HipHop-Acts nicht der Fall ist. Sie nennen sich nur Rapper.
Krispy: Unsere Shows sind die Besten und wenn wir die Mittel hätten um eine grössere Show aufzuziehen, wäre es noch unglaublicher. Es wäre dann, als würde man Pink Floyd sehen wie sie „Darkside on the Moon“ oder „The Wall“ performen.
Joey: Oder Queen (lacht).

Seid ihr mit einer kompletten Liveband unterwegs?

Krispy
: Nein, im Moment sind wir nur zu dritt und spielen selber die Instrumente.
Joey: Ich will nicht angeben, aber es gibt momentan zweifellos keinen besseren rappenden Gitarristen als mich. Was unsere Shows auch auszeichnet, ist, dass wir keine Berührungsängste haben und mit den Fans connecten. Meiner Meinung nach muss man nur richtig viel Energie in die Musik stecken und dann wird es funktionieren, egal in welchem Genre man aktiv ist.

Die Leute konnten eure Musik nicht kategorisieren und nannten euch deswegen „Rap’s erste Rockband“ oder „Hipster Rap“. Wie würdet ihr selbst den Sound eures kommenden Albums benennen?

Joey
: Ich würde es einfach „Alternative Music“ nennen. Alternative Musik existiert für Leute wie uns, da man dadurch eine andere Wahl hat. Ich mochte es noch nie, mich in eine Schublade stecken zu lassen. Wenn ich dann nämlich etwas anderes machen will, versteht niemand, wieso ich nun aus meiner Schublade ausgebrochen bin. So habe ich die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues zu kreieren.
Krispy: Eine gewisse Basis haben wir aber schon. Das ist: Guitars, Girls and Glory. Wir haben tobende Gitarren und verbal gesehen ist es sehr sexuelle Musik. Unsere Musik ist sehr sexy. Wir versuchen das Beste aus elektronischem Sound, Gitarrenmusik und rohem HipHop zu vereinen. Wir sind grosse Fans von elektronischer Musik. Als Producer ist es eigentlich nicht möglich, kein Fan von elektronischer Musik zu sein. Es kommt bei dieser Mischung zwar nicht immer etwas Dopes heraus, wenn aber schon, dann ist es einfach nur fantastisch.

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