Nas – & Damian Marley – Africa Must Wake Up

Int. Rap

Was mit dem Song „Road To Zion“ auf dem letzten Damian Marley begann, sollte erst zu einer EP werden und ist schliesslich zu der wohl spannendsten Kollaboration des Jahres mutiert. Rap trifft auf Reggae und mit Nas und Damian Marley vereinen sich zwei der wichtigsten Vertreter der beiden Genres. Anstatt sich den ausgelutschten Rap- und Reggae-Thematiken anzunehmen, entschieden sich die Beiden, zu ihren Wurzeln zu gehen und Afrika als roten Faden des Albums zu verwenden. Dies schlug sich schliesslich nicht nur Inhaltlich, sondern auch in der Musik nieder. Wir hatten die Möglichkeit, den Beiden kurz vor ihrer Show in Frauenfeld in etwas hektischer Atmosphäre einige Statements zu entlocken.

Was schätzt ihr besonders aneinander?

Damian Marley
: In erster Linie seine Musik. Die Gefühle, die er damit transportiert, seine Lyrics, seine Perspektive, die Geschichten und sein Style. Eigentlich alles.
Nas: Seine Stimme, die Texte, Melodien, Beats, die Songkonzepte und wie er die Wahrheit spricht.

Ihr habt beide betont, dass die Platte weder nach einem Nas- noch einem Damian Marley-Album klingt. Wie hat sich die musikalische Unterlage entwickelt?

Nas
: Das war eigentlich ganz einfach, denn Reggae- und HipHop-Beats sind nicht sehr weit von afrikanischen Beats entfernt. Man findet viele afrikanische Elemente in diesen Musikstilen und somit mussten wir nur zu unseren Wurzeln finden.
Damian Marley: Wie Nas richtig sagt, liegen HipHop und Reggae nicht sehr weit auseinander und es kam schon öfters vor, dass diese beiden Welten aufeinander trafen. Selbst auf meinen Alben „Welcome to Jamrock“ gab es Beats, die eher am HipHop orientiert waren. Mein Bruder Stephen und ich lieben HipHop-Musik und bei diesem Projekt haben wir auch viel mit afrikanischer Musik experimentiert.

K’Naan ist nicht nur auf zwei Songs zu hören, er soll auch während der gesamten Produktion mit euch im Studio gewesen sein. Wie würdet ihr seinen Einfluss beschreiben?

Damian
: Er war nicht die ganze Zeit mit dabei.
Nas: Es war einfach eine Familienangelegenheit. Meine Crew und Damian’s Crew waren dabei, viele andere Leute schauten vorbei und haben irgendwie ihren Teil dazu beigetragen und die Entstehung miterlebt. K’Naan ist definitiv unser Bruder.

Auf dem Album habt ihr den Song „Leaders“, der sich an die Mächtigen dieser Welt richtet. Wer waren die Leader in eurer Jugend?

Nas
: Ein Leader kann im Prinzip jeder sein, der uns dazu motiviert selber aktiv zu werden. Wenn wir jemanden sehen, der mutig genug ist etwas zu bewegen und damit die Welt oder die Community zu verändern, inspiriert uns das. Wir bewundern Menschen, die etwas von Herzen machen und das sind im Normalfall die Leader. Mit diesem Song sprechen wir nicht nur von Leaders, die dazu auserkoren wurden. Wir sprechen von Leadern im alltäglichen Leben. Deshalb können sich die Hörer auch mit diesem Song identifizieren, denn wir sprechen von ihnen.

Wer waren denn aber eure Leader?

Nas
: Meine Mutter und mein Vater. Musikalisch gesehen hat mich von Rock über Rap bis Pop alles Mögliche beeinflusst. Meine Leader waren Leute wie Rick James, Bob Marley, Michael Jackson, Run DMC oder Slick Rick. Es gab viele grossartige Künstler zu dieser Zeit, die das Game verändert und den aufstrebenden Künstlern eine Plattform geschaffen haben, bevor es so etwas wie MTV gab.
Damian: Leader sind eine Inspiration und jeden Tag findet man eine neue Quelle der Inspiration. Ich möchte deshalb gar keine speziellen Leute hervorheben. Manchmal führt man, ohne es zu merken und manchmal folgt man, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Ich finde meine Leader in ganz normalen Menschen.

Versucht ihr selber Leader zu sein?

Nas
: (schüttelt den Kopf)
Damian: Manchmal (lacht).

Wenn wir von Leadern sprechen: Wer führt momentan das Rap-Game an?

Nas
: Das Rap-Game ist offen für verschiedenste Levels. Es gibt junge Leader wie Drake, aber auch Leute wie Eminem, ich, Jay-Z oder Raekwon machen noch immer ihr Ding. Verschiedene Leute repräsentieren verschiedene Richtungen. Es gibt nicht nur einen einzigen Leader im Rap-Game. Jemand hat ein heisses Album, eine Tour oder einen Film und dann kommt schon der Nächste, der die Führung übernimmt. Es gab aber noch nie einen einzigen Leader im Rap. Im Moment macht Rick Ross sehr viel Lärm – er wird der nächste Leader sein.

Und danach ist wieder Nas an der Reihe?

Nas
: Weisst du, eigentlich bin ich sehr zufrieden mit meiner Position. Ich habe bereits getan, was ich tun musste und nun sollen auch alle anderen ihre Chance erhalten. Sobald ich mit meinem nächsten Album beginne, werde ich in einer anderen Stimmung sein. Ich weiss jetzt noch nicht, wo mir der Kopf dann stehen wird. Aber momentan bin ich mit meinem Bruder Damian in einem Bereich, in dem wir ohne Konkurrenz sind.

Euer Hauptthema auf dem Album ist Afrika. Nun fand in Südafrika die Fussballweltmeisterschaft statt und die Organisatoren sprachen immer davon, dass dieser Event einen nachhaltigen Einfluss auf den ganzen Kontinent haben würde. Glaubt ihr daran, dass ein einziger Sportanlass so viel verändern kann?

Nas
: Auf jeden Fall, das wird passieren. So war es auch als 1996 in Atlanta die Olympischen Spiele stattfanden. Atlanta war zuvor einfach eine Stadt im Süden. Als die Leute dann wegen der Olympiade dorthin reisten, konnten sie eine neue Welt entdecken. Dadurch hat sich Atlanta zu einer grossartigen Stadt entwickelt. Vorher wussten die Leute gar nicht, dass Atlanta existiert. Nun ziehen die Leute dorthin, kaufen sich Grundstücke, bauen ihr Business auf und werden damit stinkreich. Afrika wird die gleiche Öffnung erfahren: Die Leute werden ihre Geschäfte eröffnen, Land kaufen und den Kontinent für neue Möglichkeiten öffnen. Das geht im Moment in Afrika ab.

Was sind denn die wichtigsten Veränderungen, die eurer Meinung nach in Afrika geschehen müssen?

Nas
: Wir möchten, dass die Menschen in Afrika diese Entscheidung selber treffen, das liegt nicht an Damian und mir. Afrika hat sehr viel zu bieten und wir stellen nur eine Verbindung her, um ihnen zu zeigen, dass wir Fans sind und die Veränderungen beobachten. Wir sind auch daran interessiert, nach Afrika zu gehen und über unsere Wurzeln zu lernen. Sie können unsere Lehrer sein, umgekehrt können wir unsere Erfahrungen mitbringen. Es soll ein gleichseitiger Austausch sein. Sie müssen aber selber wissen, was für sie das Beste ist. Wir sagen ihnen nur, dass sie aufwachen und etwas tun sollen. Wir wollen sehen, wie Afrika etwas unternimmt.

Nas, dein Wurzeln liegen auch in Queensbridge. Wie ist es für dich, dorthin zurückzukehren?

Nas
: Ich gehe immer wieder zurück. Viele Rapper nehmen eine Kamera mit, wenn sie in die Hood gehen. Das ist überhaupt nicht mein Ding, aber manchmal hat einer meiner Leute trotzdem eine Kamera dabei und gewisse Videos landen auf Youtube. Aber eigentlich gehe ich nur dorthin, um zu chillen. Meistens gehe ich im Laufe des Tages und bleibe dann die ganze Nacht.

Wie kam es dazu, dass ihr auf dem Song „Patience“ ein Sample des Songs „Sabali“ von Amadou & Mariam verwendet habt?

Damian
: Der Beat stammt von meinem Bruder Stephen, ich kannte den Song „Sabali“ zu diesem Zeitpunkt nicht. Als er mir den Beat das erste Mal vorspielte fand ich sofort, dass die Melodie einfach verrückt ist. Selbst wenn man nicht versteht, was sie singt, fühlt man es. Es gibt auch noch eine andere Übersetzung für „Sabali“, nämlich Weisheit. Das hätte auch sehr gut gepasst, schlussendlich haben wir es aber im Kontext von Geduld verwendet. Das Sample löst auf jeden Fall Gefühle aus und inspiriert.

Wie wichtig ist denn die Geduld für euch im Musikgeschäft, in dem man sich vielmals nach den Plänen der Plattenfirmen richten muss?

Damian
: Man sagt, Geduld sei eine wichtige Tugend. Es ist also sicherlich nützlich, wenn man diese Eigenschaft mitbringt. Das ist aber etwas, das man für das Leben lernen muss, nicht nur für das Musikgeschäft.

Nas, bei deinen beiden letzten Alben wurde schon kontrovers diskutiert, bevor die Leute überhaupt einen einzigen Song gehört hatten. Dies aufgrund der Albumtitel und der dazugehörigen Konzepte. Fühlst du dich dazu genötigt, wieder ein solches Konzept zu bringen?

Nas
: Nein, man sollte nie etwas machen, weil man sich dazu gedrängt fühlt. Es sollte einfach so geschehen. „HipHop is Dead“ habe ich gemacht, weil ich zu diesem Zeitpunkt so empfunden habe. Das „Nigger“ Album war dazu da, mich zu diesen Themen zu äussern. Die Kontroverse entstand aufgrund meiner Person. Wäre es irgendein Untergrundkünstler gewesen, hätte das nicht für ein solches Aufsehen gesorgt. Im Moment gibt es aber kein Thema, das mir so unter den Nägeln brennt und ich will auch nichts erzwingen, nur damit es wieder etwas zu diskutieren gibt.

Es soll ein ganzes Album von dir und Jay Electronica zur Diskussion stehen.

Nas
: Er hat bereits an meinem letzten Album mitgearbeitet und der Typ ist einfach verrückt – er ist der Shit! Zu diesem Zeitpunkt will ich aber mit niemandem ein komplettes Album aufnehmen. Ich habe erst gerade „Distant Relatives” gemacht und es war sehr viel Arbeit.

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