DJ Exile – Ich suche die Herausforderung

Int. Rap

Exile hat nicht nur die kompletten Alben von Blu (Below the Heavens) und Fashawn (Boy Meets World) produziert, sondern auch mit „Radio“ eines der sicherlich spannendsten Instrumentalalben der letzten Jahre abgeliefert. Auf diesem verwendet der Kalifornier ausschliesslich Samples von lokalen Radiostationen. Das Projekt erntete nicht nur bei den Kritikern Bestnoten, sondern wurde auch von vielen Musikerkollegen beachtet. Somit verwundert es nicht, dass Ende August mit „AM/FM“ ein Remixalbum erscheint, auf dem zahlreiche Produzenten und Rapper die Beats neu interpretieren. Auch sonst arbeitet der Beatnerd an zahlreichen weiteren Projekten, immer mit dem Ziel, sich selber herauszufordern.

War es von Beginn weg geplant, das „Radio“ Album zu remixen?
Es war nicht von Anfang an geplant, als ich aber die Idee hatte, habe ich diese gestreut und sehr viele Reaktionen darauf erhalten. Evidence hatte sogar schon damit begonnen, ein ganzes Mixtape über die Beats von „Radio“ aufzunehmen. Als er dann erfuhr, dass ich eine Remix-Album veröffentliche, hat er das Projekt aber wieder begraben. Dadurch hatte ich von ihm aber natürlich viel Material zur Auswahl. Das Remix-Album ist auch eine gute Möglichkeit, nochmals auf „Radio“ aufmerksam zu machen. Zudem ist es sehr spannend zu beobachten, was die Leute aus meinen Songs machen. Schlussendlich hatte ich so viele Remixes beisammen, dass ich gar nicht alle auf das Album packen konnte und deshalb kann man sich kostenlos das „Radio Bonus“ Mixtape downloaden.

Diverse MC’s haben ihre Vocals auf den originalen Beats des Albums aufgenommen. Wie lief es aber mit den Instrumental-Remixes?
Den MC’s gab ich inhaltlichen Input, manchmal war das aber auch gar nicht nötig. Wenn die Remixes ins Konzept passen, werden sie auch veröffentlicht. Die Produzenten arbeiteten mit denselben Samples, fügten aber auch weitere Samples hinzu. Schlussendlich überliess ich ihnen die Entscheidung, was ihre Definition eines Remixes ist. Wenn es meiner Meinung nach nichts mehr mit dem Original zu tun hatte, verwendete ich es einfach nicht. Das konnte ich aber grossteils dadurch vermeiden, indem ich nur Leute auswählte, die auch verstehen, was es bedeutet, einen Remix zu produzieren.

Letztes Mal hast du angetönt, dass du gerne einen zweiten Teil von „Radio“ aufnehmen würdest. Du spieltest mit dem Gedanken, nach Indien zu gehen und aus dem dortigen Radio zu samplen.
Der Regisseur, der diverse Videos für mich und Fashawn gedreht hat, besitzt ein Haus in Indien. Wir haben darüber gesprochen zusammen dorthin zu gehen und diese Erfahrung zu dokumentieren. Das ist also weiterhin eine Möglichkeit. Jedoch ist es mir wichtig, auf dem zweiten Teil Samples von englischsprachigen Radiosendern zu verwenden, da ich auch wissen möchte, was ich genau verwende.

Ausserdem sollst du ein weiteres spannendes Projekt planen: Ein Album auf dem du nur Samples von der Musik deines Vaters verwendest.
Mein Vater starb als ich 18 Jahre alt war. Er machte Musik seit den Sechzigern und brachte diverse Platten heraus. Kürzlich stiess ich ausserdem auf eine riesige Sammlung von Vierspur-Kassetten. Aus diesen Aufnahmen würde ich nun gerne ein ganzes Album zusammenstellen. Ich fand sogar zwei Tapes, die mit meinem Namen beschriftet waren. Bislang konnte ich mir die Kassetten aber noch nicht anhören, da ich mein Vierspurgerät verloren habe und noch keine neues auftreiben konnte. Mir geht es vor allem darum, die Musik meines Vaters zu ehren und etwas zu erschaffen, worauf er stolz gewesen wäre. So ein Projekt habe ich noch nie in Angriff genommen und ich bin sicher, dass es mich sehr inspirieren und dazu motivieren wird, das bestmögliche Album zu erschaffen.

Es macht mir den Anschein, als ob du dich gerne in herausfordernde Projekte stürzen würdest. Ist dir ein normales Produzentenalbum schlicht zu langweilig?
Ich würde es nicht unbedingt als langweilig bezeichnen, aber ich habe es bereits gemacht und viele andere vor mir. Deshalb ist es wohl so, dass ich die Herausforderung suche und meinen Spass in schwierigeren Projekten finde. Wer weiss, vielleicht bin ich sogar gelangweilt. Spannende Projekte geben mir den nötigen Antrieb. Deshalb will ich auch unbedingt ein weiteres „Radio“ Album aufnehmen, da ich der Meinung bin, dass die Menschen immer noch sehr viele interessante Sachen sagen und diese Aussagen und Momente will ich mittels meiner Musik einfangen.

Langweilt es dich auch Beat-CD’s rumzuschicken, in der Hoffnung, irgendein grosser Name würde sich etwas picken? Seit du auf den Alben von u.a. Mobb Deep oder Snoop warst, sind wieder einige Jahre verstrichen.
Ich habe das gemacht und weiss auch, dass ich es noch viel mehr forcieren könnte. Es ist sicherlich nicht meine Priorität, jedoch würde es mich weiterhin reizen, meine Beats auf verschiedenen Alben zu hören. Aber in letzter Zeit habe ich mich vor allem darauf konzentriert, mit Künstlern ganze Alben aufzunehmen. Ich will meine Energie nicht dafür verschwenden, meine Beats überall anzubieten. Wenn das jemand für mich übernimmt, bin ich dabei, aber ich investiere meine Energie lieber in andere Projekte.

Aloe Blacc hat das neue Emanon Album „Birds Eye View“ für Anfangs 2011 angekündigt. Was kannst du mir darüber verraten?
Es wird eine düsterere Seite von Aloe Blacc zum Vorschein bringen. Möglicherweise auch von meinen Beats.

Ihr seid beide sehr vielseitige Künstler mit einer sehr klaren Vision von Musik. Kommt es oft zu Diskussionen, wenn ihr im Studio seid?
Beim ersten Album sehr oft. Heutzutage sind wir zwar noch viel mehr auf Perfektion aus, trotzdem kommt es zu viel weniger Diskussionen als früher.

War es nach all den verschiedenen Soloprojekten nicht schwierig, wieder gemeinsam an einem Album zu arbeiten?
Eigentlich war das Gegenteil der Fall – die Zusammenarbeit verlief viel einfacher. In unseren Anfangstagen waren wir jung und frei und machten einfach Musik. Beim ersten Album „The Waiting Room“ versuchte dann jeder seine Vorstellung durchzusetzen. Aloe und ich kennen uns schon sehr lange und wir sind beides Dickschädel. Wir konnten sehr viel lernen aus den verschiedenen Projekten, an denen wir mit unterschiedlichsten Leuten gearbeitet haben. Beim neuen Album haben wir verstanden, was die Stärken des anderen sind und wie wir das am besten kombinieren können.

Wann können wir deinem Rap-Album „Four Track Mind“, dem Dag Savage Album mit Johaz und der Platte mit Adad aus Chicago rechnen?
Dieses Jahr sollten das Dag Savage Album, „Four Track Mind“, wohl auch die Emanon Platte und vielleicht auch ein weiteres Album mit Blu erscheinen. An der Platte mit Adad arbeite ich immer noch.

Ist der Titel deines kommenden Rap-Albums „Four Track Mind“ auch eine Anspielung auf deine Anfangstage, wo du mit sehr simplem Equipment arbeiten musstest?
Als ich mit Blu das „Below the Heavens“ Album machte, war ich in einem Studio, indem mit Pro-Tools gearbeitet wurde. Zur gleichen Zeit arbeitete ich zu Hause an meinem Rap-Album. Natürlich hatte ich bei mir zu Hause keine Pro-Tools, da stand nur dieses Vierspur rum. Ich entschied mich dann, das komplette Album darauf aufzunehmen und aus der Not quasi ein Konzept zu machen. Es ist sicherlich auch eine Referenz an unsere Anfangstage. Mit Aloe Blacc hatte ich noch vor unserer ersten offiziellen Veröffentlichung drei Alben auf einem Vierspurgerät aufgenommen. Ich gehe mit „Four Track Mind“ zurück zu den Wurzeln und zeige gleichzeitig, dass auch auf einem Vierspur gute Songs entstehen können.

Int. Rap