Fashawn – Es fühlt sich an, als ob ich alles machen könnte

Int. Rap

Es ist noch nicht lange her, da war Fashawn nur einer der unzähligen hungrigen MC’s, die versuchten mittels Mixtape die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Nur vier Jahre nach seinem ersten Mixtape muss man feststellen, dass ihm das zweifelsfrei gelungen ist. Sein Talent war bald über die Grenzen seiner Heimatstadt Fresno heraus bekannt und zahlreiche Leute an der Westcoast wurden auf den Jungspitter aufmerksam. Darunter auch Exile, der daraufhin für Fashawn’s Debüt „Boy Meets World“ alle Beats produzierte. Sein Erstling darf getrost zu den Höhepunkten des Rap-Jahres 2009 gezählt werden. Mit gerade Mal 21 Jahren wird Fashawn nicht nur von der Untergrund-Gemeinde zur Hoffnung auserkoren, auch der Branchenführer XXL packte ihn auf das Cover seiner „XXL Freshmen“ Ausgabe. Bevor er nächstes Jahr sein zweites Album „The Ecology“ vorlegen wird, geht er zurück zu seinen Wurzeln und versorgt die wachsende Fangemeinde mit Mixtape Material. Soeben erschienen ist „Ode to Illmatic“, ein Tribut auf das Debüt von Nas, mit dem Fashawn nicht selten verglichen wird Auch sonst stehen schon diverse Projekte in der Pipeline und schon fast nebenbei war er auch noch als Ghostwriter für Dr. Dre’s Endlosprojekt „Detox“ tätig. Hier ist jemand dabei, Geschichte zu schreiben.

Als „Illmatic“ erschien, warst du erst fünf Jahre alt und hast dich wohl noch nicht sonderlich für die Platte interessiert. Wann hast du das Album entdeckt und wie würdest du den Einfluss einordnen?
Zum ersten Mal hörte ich Nas 1998 auf dem Song „How Ya Livin’“ von AZ’s „Pieces of a Man“ Album. Ich fand ihn dope. Richtig auf ihm aufmerksam wurde ich als „Stillmatic“ erschien und er den Beef mit Jay-Z hatte. Das war auch die Zeit, als ich selber zu reimen begann. Ich war elf oder zwölf Jahre alt, also auch noch sehr jung. Ich erinnere mich, wie im Bus alle über den Beef sprachen und sich stritten, wer nun der Bessere sei. Für mich war klar, dass Nas ihn gekillt hatte. Auf dem Track „Got Ur Self a Gun“ sagt Nas, man solle in den Plattenladen gehen und alle seine Alben kaufen. Als erstes holte ich mir „Illmatic“ und ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich es in meinen CD-Player legte: Es hat mich völlig überwältigt. Was er sagte hatte Bezug zu dem, was ich zu dieser Zeit durchmachte. Meine Mutter war drogenabhängig und einer meiner Stiefväter war ein Jazzmusiker, genau wie Nas’ Vater. Ich liebte das Album und deshalb habe ich nun diesen Tribut aufgenommen. Ich denke einen Tribut für ein ganzes Album hat es im Rap noch nie gegeben. Ich versuchte die Texte so anzupassen, dass sie auf mein Leben und das Umfeld hier in Kalifornien passen. Genau so soll es aber auch die Leute an der Ostküste ansprechen.

Gewisse Kritiker hatten bereits aufgrund der Inhalte und auch des Covers dein Debüt „Boy Meets World“ mit „Illmatic“ verglichen. Siehst du da ebenfalls Parallelen?
Auf dem Cover sieht man nicht mich, sondern einen kleinen Homie von mir. Das Bild soll sinnbildlich stehen für die Story, die ich mit dem Album erzählen will. Natürlich hatte Nas einen grossen Einfluss auf mich, deshalb mache ich nun auch „Ode to Illmatic“. Er war ungefähr gleich alt wie ich, als er sein erstes Album aufnahm.

Du sagtest, dass sich „Ode to Illmatic“ für dich wie ein neues Fashawn-Album anfühlt. Bist du das Projekt also wie ein Album und nicht bloss wie ein Mixtape-Projekt angegangen?
Definitiv, ich habe es so behandelt, als wäre es mein zweites Album. Ich habe viel Zeit darin investiert, die Pattern nachzumachen, obwohl das natürlich niemand so hinbekommt wie Nas. Aber ich denke durch den Versuch, es so gut wie möglich zu kopieren, habe ich meine eigenen Pattern erschaffen. „Ode to Illmatic“ ist genau das richtige Projekt zwischen „Boy Meets World“ und meinem nächsten Soloalbum.

Was waren die grössten Herausforderungen, als du diesen Klassiker neu geschrieben hast?
Der Druck, in seine Fussstapfen zu treten und im dümmsten Fall von den Hörern und von HipHop gekreuzigt zu werden. Besondern von HipHop-Puristen oder HipHop-Philosophen wie Michael Eric Dyson oder Kevin Powell. Ich habe jedoch keine Ahnung, ob diese Leute es gehört haben.

Weisst du, ob Nas es gehört hat?
Eigentlich sollte er, denn Green Lantern war an „Ode to Illmatic“ beteiligt und er ist der DJ von Nas. Aber ich weiss nicht, wie er dazu steht. Genauso wie Nas nicht wusste, was Rakim von „Unauthorized Biography of Rakim“ hält. Ich hoffe, dass ich ihn am Splash Festival sehe.

Du warst einer der zehn Rapper, die auf dem XXL Freshmen Cover gelandet sind. Denkst du, dass dies ein wichtiger Schritt in deiner Karriere war?
Ich weiss nicht wie wichtig das XXL Magazine im Ausland ist, aber in den USA ist es eines der wichtigsten HipHop-Mags und man kann es in jedem beliebigen Supermarkt kaufen. Ich denke mein Namen war schon vielen Leuten bekannt, da ich schon seit Jahren dran bin, nun haben sie aber auch noch ein Gesicht dazu. Dass ich für das Cover ausgewählt wurde, zeigt mir, dass ich nun das Gesamtpaket aus Message, Flow und Stimme beieinander habe.

War es als MC aus Fresno, mitten in Kalifornien, schwieriger die Aufmerksamkeit zu bekommen?
Irgendwie schon, doch das gleiche gilt eigentlich für alle Künstler auf dem Cover. Big Sean ist aus Detroit. Freddie Gibbs kommt aus Gary in Indiana, demselben Ort wo Michael Jackson herkommt. Keiner kommt von den wichtigsten Orten im Rap wie New York oder Compton. Ich fand es wirklich verrückt, dass niemand auf dem Cover aus New York, dem Geburtsort von HipHop, stammt. Für das Shooting waren wir aber alle in New York. Das sagt sehr viel über die Entwicklung von HipHop aus. Man kann von überall her kommen, so lange man eine eigene Perspektive reinbringt.

Planet Asia war der bislang bekannteste MC aus Fresno. Wie war sein Einfluss auf deine Entwicklung und deine Karriere?
Einfach gesagt: Was Rakim für Nas war, war Planet Asia für mich.

Du arbeitest oft mit Artists wie Alchemist, Dilated Peoples, Blu, Strong Arm Steady und so weiter. Wie würdest du den kreativen Austausch zwischen all diesen Leuten beschreiben?
Es herrscht einfach ein gegenseitiger Respekt für unsere Kunst. So entstehen auch die Möglichkeiten, zusammen ins Studio zu gehen. Es macht auf jeden Fall Spass und ich will das weiterhin machen, bis zum Tag wo ich sterbe.

Es soll sogar ein Projekt mit Alchemist und Evidence namens „The Far Left“ geben.
Es ist eine Familenangelegenheit, eine Idee, die gewachsen ist und mittlerweile haben die Leute schon davon Wind bekommen. Wir brauchen dafür einfach Zeit. Wir sind alle auf Tour, Evidence arbeitet an seinem Album, von Dilated kommt etwas Neues, Alchemist killt es mit Eminem. Es wird sicher nicht einfach alle in einen Raum zu bringen und die Energien zu bündeln, da wir alle auf unserer eigenen Reise sind.

Wie erwähnt bist du ständig auf Tour, man kann also behaupten, dass der Boy die Welt nun getroffen hat. Wie haben diese Erfahrungen dein Leben verändert?
Es hat mir geholfen mich als Person zu entwickeln und zu einem Mann zu wachsen. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge und nun fühle ich mich wie ein Don, ein Boss und als Meister meines Fachs.

„Boy Meets World“ war eine Reflektion der Erfahrungen in deiner Nachbarschaft, während dein nächstes Album „The Ecology“ die Erfahrungen beschreiben soll, die du auf deinen Reisen gemacht hast.
„Boy Meets World“ ist ein Album, das noch eine völlig naive Perspektive auf das Leben widerspiegelt. Ich war jung und wollte die Welt sehen. „The Ecology“ reflektiert mich nachdem ich viel von der Welt gesehen habe und viele menschliche Emotionen in vielen Sprachen, Kulturen, Religionen und Perspektiven eingefangen habe. Das Album geht darum, wie sich Menschen gegenseitig beeinflussen.

Siehst du „Boy Meets World“ bereits als ein Album, das aus seiner sehr limitierten Perspektive entstanden ist?
Nein, so würde ich das nicht sagen. Das Album gab mir sehr viel Platz, um mich weiterzuentwickeln. Beispielsweise singe ich auf dem letzten Song, was man bislang von mir nie gehört hat. Vielleicht hört man mich ja sogar mal auf Albumlänge singen. Es hat meine Neugierde auf jeden Fall auf ein neues Level gebracht und es fühlt sich an, als ob ich alles machen könnte, was mit Musik und Kreativität zu tun hat.

Kann man also auf „The Ecology“ eine grössere Vielfalt erwarten? Ich nehme auch an, dass du mit verschiedenen Produzenten arbeiten wirst.
Das steht noch in den Sternen, ich weiss nur, dass ich mit wahnsinnig vielen grossartigen Leuten zusammenarbeite. Nach „Boy Meets World“, „Ode to Illmatic“ und auch meinem kommenden Mixtape „Grizzly City 3“ habe ich schon so viele Sachen geplant und ich kann es kaum erwarten, die Leute richtig zu überraschen.

Neben „Grizzly City 3“ sollst du auch schon an einem Projekt namens Dangerous Minds arbeiten. Was kannst du mir darüber erzählen?
„Grizzly City 3“ ist Fortsetzung von der Mixtape-Reihe, die ich 2006 begonnen habe. Das ist das Movement und für alle meine Grizzly’s in Fresno und sonst überall, die auf ihrem Grind sind. Das Mixtape kann man sich ab dem 24. August gratis downloaden. Bis zu „The Ecology“ werde ich die Leute noch mit viel kostenloser Musik versorgen. Das Dangerous Minds-Projekt ist aus Grizzly City entstanden und wird meine Crew Section 8 vorstellen, die aus Bravo, Grafik und Night aka The Pay Per View Kid besteht. Das Projekt unterscheidet sich ziemlich von meinen anderen Releases und bringt vier verschiedene Perspektiven aus Grizzly City. Ich konnte mich mit meinen Mixtapes den Leuten vorstellen und jetzt, wo ich die Aufmerksamkeit bekomme, sollen die Leute nun auch mein Camp kennenlernen. Ihr könnt noch viel Musik von Section 8 erwarten!

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