Urthboy – Musik ist eine universelle Sprache

Int. Rap

Die grossen Festivals bieten nicht nur die Möglichkeit Weltstars wie Eminem oder Jay-Z live zu erleben, sondern auch neue Künstler zu entdecken. Zum Beispiel konnte man am Sonntag in Frauenfeld, sofern man genüg früh aus den Federn kam, die energiegeladene Show des Australiers Urthboy mitverfolgen. Hierzulande weitgehend noch unbekannt, gehört er in seiner Heimat zu den wichtigsten HipHop-Vertretern. Neben seiner Solokarriere, die bislang in drei Alben resultierte, ist er auch Teil der Liveband The Herd und unterstützt die Szene mit seinem eigenen Label Elefant Traks. Gründe genug, sich nach der Show mit Urthboy und The Herd-Sängerin Jane Tyrrell zum Gespräch zu treffen.

Habt ihr hier beim Openair Frauenfeld wirklich im Zelt übernachtet?

Urthboy
: In Australien machen wir das nie, aber hier wollten wir das Festival einfach richtig miterleben und wir haben uns auch viele Konzerte angeschaut. Wir hatten aber ungefähr 1,5 Stunden bis wir das Zelt aufgestellt hatten, da wir sonst wirklich ein Bett bevorzugen.

Stellt euch unseren Lesern doch mal vor!

Urthboy
: Wir sind eine HipHop-Gruppe aus Australien und haben schon einige Alben veröffentlicht. Ausserdem führen wir ein Label, bei dem verschiedenste Künstler veröffentlichen. Grossteils HipHop, aber auch Reggae und instrumentale Musik.

Dies ist eure erste Tour durch Europa. Wo wart ihr überall und wie war es bislang?

Urthboy
: Wir sind eigentlich erst angekommen und werden einige Shows in London, Deutschland und hier in der Schweiz spielen. Zum Abschluss das Splash Festival. Wir sind aber auch hier, um Europa zu geniessen und ein wenig rumzureisen.

Ist es auch euer erstes Mal in Europa abgesehen von der Musik?

Urthboy
: Wir waren schon hier, allerdings nicht sehr lange. Dies ist mein erstes Mal in der Schweiz.

Wart ihr auch ein bisschen unsicher, wie die Reaktionen ausfallen würden?

Jane
: Wir waren nicht sicher, ob wirklich jemand kommen würde. Es ist immer interessant in einem neuen Land vor einem neuen Publikum aufzutreten. Aber die Reaktionen hier waren sehr gut und die ganze Szenerie ist auch wunderschön.
Urthboy: Ich denke Musik ist eine universelle Sprache. Die Leute kennen uns zwar nicht, aber es ist eine grossartige Möglichkeit für uns, den Leuten zu zeigen, was wir tun. Hoffentlich können die Leute, auch wenn sie die Platten nicht kennen, die Liveshow geniessen.

Ihr seid nach den Hilltop Hoods die zweite australische Crew die hier in Frauenfeld auftritt. Eure Musik ist ziemlich verschieden. Ist dies auch eine Reflektion der australischen HipHop-Szene?

Urthboy
: Absolut, es gibt sehr verschiedene Richtungen. Das einzige was wir nicht haben, ist Gangsta-Rap. Die erfolgreichste Musik ist diejenige, welche die australischen Lifestyles reflektiert. Vor einigen Jahren versuchten es einige mit viel kommerziellerer Musik, aber die Leute mochten es nicht wirklich. Dann kamen die Hilltop Hoods, die sehr erfolgreich sind mit grossen HipHop-Songs, ohne arrogant oder mit einem aufgeblasenen Ego aufzutreten.

Eure Musik vereint sehr viele verschiedene Stile. Welche Genres oder Künstler sind eure Hauptinspirationen?

Urthboy
: Unser grösster Einfluss ist A Tribe Called Quest. Ausserdem bin ich mit Run DMC und dem ganzen Native Tongues-Stuff aufgewachsen. Aber auch viel Gangsta-Rap wie N.W.A., Paris oder die Geto Boys. Das war alles sehr prägend für mich. Ich höre aber auch ganz andere Sachen wie Folk, Indie-Music oder Reggae.
Jane: Ein eklektischer Mix.

Es fliessen aber auch elektronische Einflüsse in eure Musik ein.

Urthboy
: Unser DJ Elgusto ist in einer Band namens Hermitude, die instrumentale Musik machen. Ihr Sound ist zwar im HipHop verankert, sie haben aber auch Einflüsse aus Dubstep, Breaks oder Latin. Er bringt diesen eher elektronischen Blickwinkel in unsere Musik, was uns sehr gefällt, da wir nicht kopieren wollen, was andere machen.

Ist es für die Australier auch wichtig, sich vom US-HipHop abzuheben?

Urthboy
: Das ist die erste Priorität.
Jane: Absolut, wir wollen einfach uns selber sein.
Urthboy: Es gibt viele grossartige US-Künstler und es würde für uns auch gar keinen Sinn ergeben, mit ihnen zu konkurrenzieren. Dort kommt HipHop her, aber mittlerweile hat jedes Land seinen eigenen Weg. Speziell bei den Liveshows spielt es keine Rolle, ob man aus den USA, Australien, Deutschland oder der Schweiz ist: Entweder hat man eine gute Liveshow oder nicht.

Ihr seid eine der wenigen australischen HipHop-Acts mit einem weltweiten Vertrieb. Wieso gibt es nur wenige davon?

Urthboy
: Wir hatten einen sehr populären Song in Australien, der dann von einem internationalen Label lizenziert wurde. Das ist eher ungewöhnlich, da wir Australier einen anderen Akzent haben und die Leute von ausserhalb damit nicht immer klarkommen.

Trotzdem ist es immer noch Englisch und jeder könnte es verstehen.

Urthboy
: Das ist wahr. Vor zehn Jahren glaubte in Australien niemand daran, dass man mit HipHop Erfolg haben könnte. Der Erfolg kam aber relativ rasch, die Hilltop Hoods waren sehr erfolgreich und gewisse Acts haben bis zu 5’000 Leuten bei ihren Shows. Wenn es sich in Australien so schnell verändert hat, könnte das auch weltweit so geschehen.

Liegt euer Fokus aber weiterhin auf dem Heimmarkt oder wollt ihr euch vor allem im Ausland einen Namen schaffen?

Jane
: Weltübernahme (lacht).
Urthboy: Etwas vom Wichtigsten für uns ist live zu spielen. Wenn wir in anderen Ländern Konzerte spielen können, ist es das Grösste. Aber wir lieben Australien und die heimische Musikszene, wo wir viele Anhänger haben.

Wie zuvor erwähnt bist du auch Label Manager bei Elefant Traks. Was kannst du uns über das Label erzählen?

Urthboy
: Wir haben bereits über 50 Releases gehabt. Jedes Jahr ist es eine Mischung aus Recording und Touring. Das Label soll jungen Künstlern eine Plattform bieten. Wir organisieren Tourneen, die Fabrikation der CD’s oder das Merchandise. Eigentlich all die kleinen Jobs, die bei einer Plattenfirma anfallen. Wir sind aber mehr als nur ein Label –wir versuchen die Künstler zu unterstützen. Es geht nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern wir wollen den Künstlern wirklich helfen und sie aufbauen. Wenn andere Bands erfolgreich sind, kann dies auch uns wieder helfen. Wir haben eine sehr enge Bindung zu unseren Bands und ich denke, das macht Elefant Traks ziemlich einzigartig.

Wie schwierig ist es denn in Australien von seiner Kunst leben zu können?

Jane
: Australien ist zwar ein riesiges Land, hat aber doch nur rund 20 Millionen Einwohner. Sehr viele CD’s kann man also nicht verkaufen. Natürlich gibt es bei uns auch die Problematik mit den Downloads.
Urthboy: Ich könnte mit dir den ganzen Tag darüber sprechen. Ein Künstler muss versuchen, sein Geld in verschiedenen Bereichen zu verdienen: Mit den Konzerten, den CD-Verkäufen oder auch, indem er seine Musik in einen Werbespot oder ähnlichem platzieren kann. Bei den meisten geht es aber trotzdem nicht ohne mindestens einen Teilzeitjob neben der Musik. Wenn nun also ein Teil dieses Konstrukts, in diesem Fall die CD-Verkäufe, wegfällt, wird es nur noch schwieriger. Auf Tour zu gehen wird immer mehr zu einem Ersatz für die schwindenden Verkaufszahlen wegen den illegalen Downloads. Es wird dadurch zwar schwieriger, aber das Schöne ist, dass durch die vielen Konzerte auch immer mehr Leute mit unserer Musik in Kontakt kommen und unsere Message hören können. Es ist also nicht alles nur Schlecht.

Was sind die nächsten Pläne? Ein weiteres Soloalbum oder etwas Neues mit The Herd?

Urthboy
: Es soll schon bald ein weiteres Soloalbum geben.
Jane: Wir haben begonnen, an einem neuen The Herd-Album zu schreiben. Wir versuchen immer am Ball zu bleiben, denn wir brauchen die Musik zum Atmen, wir können gar nicht aufhören! Wir arbeiten also sowohl am neuen Urthboy-Album, als auch an einer neuen The Herd-Scheibe, die dann nächstes Jahr erscheinen wird.

Int. Rap