Ty – HipHop ist träge geworden

Int. Rap

In England schiessen neue Trends und Musikstile wie Pilze aus dem Boden, so dass man ziemlich schnell die Orientierung verlieren kann. Völlig unbeeindruckt von diesem Getue und ständigen Hypes produziert der Londoner Ty seit einer Dekade seine Musik. Dabei ist es ihm gelungen, aus jedem seiner vier Alben ein eigenständiges, kleines Meisterwerk zu basteln. Die Wiederholung ist sein grösster Feind und so kann man auch kein Album mit dem Anderen vergleichen. Auch wenn seine Musik äusserst vielschichtig daherkommt und er verschiedenste Musikstile integriert, will er seinen Sound doch als nichts anderes als HipHop verstanden wissen. Wir sprachen mit dem hervorragenden Live-Performer über sein neues Album „Special Kind Of Fool“, das Anderssein, seine musikalischen Visionen, KRS One, Soulja Boy und nicht zuletzt HipHop!

Anlässlich der Veröffentlichung deines neuen Albums „Special Kind Of Fool“ sagtest du, du hättest es satt, dass dich alle immer dafür beglückwünschen „anders“ oder „alternativ“ zu sein. Denkst du, die öffentliche Wahrnehmung hat sich mit der neuen Platte verändert?
Ich bin mir wirklich nicht sicher. Generell ist es sehr schwer zu erfassen, was die Leute denken. Aber ich weiss, was ich mit dem Sound und den Songs des neuen Albums erreichen wollte. Mit dem Ergebnis der Musik bin ich sehr zufrieden; ob das aber etwas in den Köpfen der Menschen geändert hat, kann ich nicht beurteilen. Ich bin unterwegs für Konzerte und um meine Platte zu pushen, für Anderes bleibt mir wenig Zeit.

Würdest du sagen, dass du deiner Karriere eine neue Richtung geben wolltest, auch mit dem Labelwechsel von Big Dada zu BBE?
Eigentlich nicht wirklich. Der Wechsel des Labels ist für mich eine weitere Möglichkeit, meine Musik zu veröffentlichen. Ich sehe es auch eher als eine Kollaboration zwischen Ty Music und BBE. Es ist daher kein kompletter Labelwechsel. Es war mir immer wichtig, dass meine Platten in der richtigen Abteilung der Plattenläden zu finden sind. Bei Ninja Tune (Anm.: Big Dada ist das HipHop-Unterlabel von Ninja Tune) landeten meine Alben in der „Alternative Sektion“ anstatt unter HipHop. Mit BBE sollte es nun klappen, dass die Platten am richtigen Ort zu finden sind.

Bist du der Meinung, musikalisch eine neue Richtung eingeschlagen zu haben?
Ich denke, jede meiner Platten ist ein anderes Lebewesen. Ich mache keine Alben mit einem bestimmten Plan, sondern lasse mich von der Musik leiten. Ich diktiere nicht wie sich das Album anhört – das machen die 13 Songs die du darauf hörst.

Du sagtest, du fühlest dich wie ein Rebell, da du dich nicht dem Mainstream anpasst und auch weiterhin den Fokus auf Inhalte legst. Wenn du nicht mehr als „anders“ oder „alternativ“ bezeichnet werden willst, bedeutet das auch, dass du kein Rebell mehr sein willst?
Nein, ganz und gar nicht! Wenn man Leute als „anders“ oder „alternativ“ brandmarkt, ist das eine andere Art zu sagen, dass diese Künstler gar nicht erst über das Potential verfügen, im Mainstream akzeptiert zu werden. Das trifft meiner Meinung nach aber nicht auf meine Musik zu. Ich bin immer noch ein Rebell und werde auch immer einer bleiben. Ich mache HipHop-Musik mit Livemusik-Einflüssen. Der Rebellenaspekt liegt daher eher bei der Essenz meiner Musik und was ich mit meinen Texten ausdrücke. Niemand bringt bei den Liveshows eine Mixtur wie ich mit meiner Band und dem Gesang. Der Rebellenaspekt liegt für mich darin, eine interessante HipHop-Show auf die Beine zu stellen, die aber nicht zwingend vom Geltungsbedürfnis lebt. Manchmal kennen die Leute an meinen Konzerten die Songs überhaupt nicht, aber sie mögen die Show und das Feeling der Musik. Darauf liegt mein Hauptfokus: Wenn du meine Musik nicht kennst, komme wenigstens zu einer meiner Shows – vielleicht kann ich dich ja auf etwas Neues hinweisen. Ich will nicht darauf warten, dass ein DJ meine Platten spielt, die Leute es mögen und erst dann zu meinen Shows kommen.

Begriffe wie „anders“ oder „alternativ“ können aber auch einen positiven Aspekt haben. Du kannst eine Lücke füllen für die Leute, die von gehaltlosem Rap oder inhaltlosen Dancemusik die Nase voll haben.
Auf das europäische Festland mag das zutreffen. In London aber überhaupt nicht. Das ist das Problem.

England ist ja bekannt für ständig wechselnde Trends und neue Musikstile. Ist es in diesem Umfeld noch viel schwieriger, seinen eigenen Stil beizubehalten?
Es wechselt tatsächlich permanent und sobald etwas Neues aufpoppt, denken alle, dies sei nun das Beste. London ist meine Heimat und meine Basis, von der ich mich zwar beeinflussen lasse, aber meine Musik ist nicht nur ein London-Ding. Es ist ein HipHop-Ding, das Leute, die wirklich wissen, was HipHop ist, zu schätzen wissen. Diejenigen, die sich nur oberflächlich mit HipHop beschäftigen, wollen nur hören, was sie am Fernsehen vorgesetzt bekommen. Für diejenigen ist mein Sound nicht gedacht. Ich richte mich an die Leute, die gute Musik auch erkennen können, ohne dass es im Radio gespielt wird.

Gewisse Künstler wollen nach einigen Alben etwas Neues ausprobieren, das sie dann nicht mehr als HipHop bezeichnen wollen. Du hingegen vermischt zwar verschiedene Einflüsse, bestehst aber darauf, dass es HipHop ist.
Vor einigen Jahren klopften mir alle auf die Schulter und sagten: „Du machst etwas Anderes, deshalb mag ich deine Musik“. Anfänglich hat mich das gefreut, bis ich realisierte, dass das eigentlich nicht gut ist. Sie mögen es, weil es kein HipHop ist? Aber es ist HipHop! Es freut mich, wenn dir die Musik gefällt, aber bitte nicht aus diesem Grund. Es gibt keinen Song von mir, der nicht HipHop ist. HipHop sollte Unterschiedliches vereinen und seine Umgebung einbeziehen. In den Achtzigern wurde viel Popmusik oder Funk wie Funkadelic oder Parliament im HipHop verwendet. Heutzutage findet man Einflüsse aus Progressive Rock, Funk, Latin oder brasilianische Musik, das Endresultat bleibt aber HipHop. Nur weil ich Broken Beat, Spoken Word oder Afrobeat verwende, ändert sich daran nichts.

Würdest du also sagen, die Leute haben eine eingeschränkte Sicht auf HipHop?
Ganz genau so würde ich das umschreiben. Es ist wie mit einem Mixer: Egal was man oben reinstopft, die Maschine bleibt trotzdem ein Mixer. Selbst wenn man Trance dazugibt, kann das Resultat trotzdem immer noch HipHop sein.

Nach deinem Debüt „Awkward“ wusstest du, dass du in die Produktion involviert sein willst. Beim Nachfolger „Upwards“ hast du einige Dinge noch geschehen lassen, bei der neuen Platte hattest du nun aber die volle Kontrolle. Du hast alle Songs zu Hause vorproduziert und passte etwas nicht zu deiner Vision, hast du es sofort unterbunden. Brauchst du diese volle Kontrolle, um eine Platte ganz nach deiner musikalischen Vision zu erschaffen?
Alle meine Alben folgten einer Vision. Wenn man älter und weiser wird, wird einen womöglich klarer, was genau man machen will. Worauf ich sehr achte, ist, mich nicht zu wiederholen. Viele Leute kommen zu mir und fragen nach einem neuen Remix wie ich es für „Oh You Want More?“ mit Roots Manuva gemacht habe, oder dass ich wieder Mal indische Musik verwende. Andere meinten, ich würde den Durchbruch schaffen, wenn ich nochmals einen Song wie „Wait A Minute“ rausbringe. Das werde ich aber nicht. Die Entstehung der Songs und die Richtung haben sich über die Jahre verändert. Wenn ich in zehn Jahren zurückblicke, will ich das Gefühl haben, Verschiedenes ausprobiert zu haben. Ich denke, dass ich dieses Ziel erreichen werde, denn jedes meiner bisherigen vier Alben hat eine andere Charakteristik. Bei „Closer“ war das durchgehende Leitmotiv beispielsweise, menschliche Stimmen in den Beats zu verwenden. Wie etwa bei „Oh!“ oder „The Idea“, wo man meine Stimme hört. Bei „Upwards“ wollte ich dieses Broken Beat Ding einbeziehen, da ich zu dieser Zeit eine starke Verbindung zu Broken Beat und Afrobeat hatte. Diese Verbindung habe ich zwar immer noch, aber bei der nächsten Platte wollte ich etwas anderes einfliessen lassen. Bei „Special Kind Of Fool“ hatten wir ein Klavier im Studio, also nutzten wir es mehr bei der Produktion. Es kommt also auch immer auf die Umstände darauf an: Mal haben wir dieses zur Verfügung, mal können wir mit jenem arbeiten. So entsteht meine Musik.

Glaubst du, deine Vision auch erreichen zu können, wenn du einen Teil der Verantwortung abgeben würdest?
Sicher, das könnte ich. Aber die Entwicklung, der Weg, die Musik und die Mission ist meine. Ich habe kein Problem mit den Produzenten im HipHop, aber ich denke sie haben einen etwas zu hohen Stellenwert erhalten. Niemand kann persönlichere Musik für mich als MC produzieren, als ich selbst. Der Job der Produzenten ist es, dass die MC’s über ihre Beats rappen, diese fett klingen und es im besten Fall ein Beat ist, der die Clubs rockt. Die meisten Produzenten wollen dir etwas geben, von dem sie denken, dass es im Radio gespielt wird, damit sie die Aufmerksamkeit bekommen. Davon wollte ich mich befreien und den Fokus einfach auf die Musik legen. Ausserdem denke ich, dass wir aufpassen müssen, in welche Richtung wir uns bewegen. Ich bin der Meinung, dass eine Subkultur am entstehen ist, wo jeder auf jedem seine Beats rappt. Die Leute werden dadurch faul.

Du sprichst dieses ganze Mixtape Ding an?
Ich habe überhaupt nichts gegen Mixtapes. Mein Punkt ist aber der: Pete Rock & CL Smooth veröffentlichten in den Neunziger „The Reminisce Over You“. Ein absoluter Klassiker. Hätten sie diesen Song heute veröffentlicht, gäbe es innert kürzester Zeit zehn verschiedene Versionen mit unterschiedlichsten Leuten, die auf dem Beat rappen. Dadurch verlieren wir die Authentizität der Musik und die Künstler werden faul. Pete Rock fand dieses Sample von Tom Scott und machte daraus einen Hit. Heutzutage würden die meisten Rapper nicht mal mehr einen Hit finden, wenn man ihnen die richtigen Beats gäbe. Sie erkennen es erst, wenn schon jemand aus einem Beat einen Hit gemacht hat. Einen Hit zu erkennen, ist eine Fähigkeit und diese Kunst will ich erhalten. Auf fast jeder meiner Platten hatte ich jemand auswärtigen, der einen Song produziert hat. Für „Closer“ gab mir Taylor McFerrin in New York einen Beat, der mir gefiel. Das Endresultat war dann aber eine Kollaboration von uns beiden und hat zehnmal besser geklungen als die ursprüngliche Version. Ich mag solche Zusammenarbeiten, das ist etwas ganz anderes, als wenn dir irgendjemand einen Beat gibt für dein Album. Viele Produzenten kontaktieren mich, weil sie denken zu wissen, wie sich meine Musik anhört. Wenn ich mir ihre Beats anhöre, merke ich, dass sie nur eine Meinung davon haben, was Ty ist und ich niemals auf ihrer Musik rappen würde.

Wahrscheinlich klingen diese Beats dann so wie dein Sound auf den alten Alben.
Meistens geht es in die Richtung von 90er-HipHop, da sie denken, das sei es, was ich wolle. Sie denken mich zu verstehen, tun es aber offensichtlich nicht. Wenn ich einige Beats mit Rhodes habe, schicken mir alle Beats mit Rhodes, da sie denken, ich sei danach auf der Suche. Dabei hat mein Rhodes schon Staub angesetzt.

Auf dem neuen Album sagst du: „I won’t apologize for my culture, fuck it!“. Denkst du, dass HipHop zu einem Sündenbock für viele soziale oder gesellschaftliche Probleme geworden ist?
Nicht unbedingt ein Sündenbock. Ich denke eher, HipHop könnte einen noch viel positiveren Einfluss auf die Jugend haben, wenn die Institutionen HipHop vermehrt einbeziehen würden. Sie verstehen nicht, was für einen Einfluss HipHop auf die Jugendlichen haben kann. Schliesslich haben wir eine Kultur erschaffen, mit der sich alle Rassen und verschiedenste Menschen verbunden fühlen. Das ist sehr seltsam für Musik. Rock hat sein Kernpublikum auch in verschiedenen Backgrounds, aber man muss gewisse Standards erfüllen, wie etwa die Kleidung.

Diese Dresscodes gibt es aber durchaus auch im HipHop.
Die gibt es sicherlich, aber die Leute können trotzdem ihre Identität behalten. Wir beide müssen nicht gleich aussehen und das gleiche sagen. Wir tragen zwar gerade beide einen Adidas Trainer, aber das ist wohl eher eine Frage des Alters und der Kultur. HipHop ist sicherlich nicht die einzige Musik, die unterschiedlichste Menschen anspricht, aber sie bringt viele ehrenhafte Merkmale mit sich. Der Sündenbock für mich ist die Faulheit im HipHop. Die Situation im amerikanischen Mainstream-Rap ist schrecklich, vieles ist nur noch poporientiert und man findet keinerlei Message. Ich denke, es ist wichtig für uns als Kinder oder Cousins von HipHop, egal ob MC oder Journalist, herauszustreichen, was gut ist und was nicht. Darum ging es im HipHop schon immer: Gut oder nicht gut.

Du willst dich also nicht für all diese schreckliche Rap-Musik entschuldigen müssen?
Nein, ich entschuldige mich nicht für etwas, das furchtbar ist. Soulja Boy ist grässlich. Klar ist er jung und verdient Millionen, aber deswegen ist es immer noch entsetzlich. Damals bei MC Hammer sagten alle, er sei wack. Genau dasselbe sollte heute für Soulja Boy gelten. Let’s keep it real.

Du kritisierst HipHop vor allem für seinen Mangel an lyrischer Substanz. Wenn die Künstler das geistige Niveau herunterschrauben, verblöde das automatisch auch die Hörer. Aus dieser Perspektive könnte man sagen, dass HipHop doch einen negativen Einfluss auf seine Hörer hat.
Möglicherweise. Als erstes kritisiere ich aber immer die Kultur. Sie ist einfach träge geworden. Wir haben Möglichkeiten, die wir nicht nutzen. Diese Kultur kann Leute zusammenzubringen und sie auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen. Popmusik kann das nicht. Gruppen wie Public Enemy oder De La Soul machten Musik, von der wir etwas lernen konnten. Heutzutage können wir von HipHop nichts mehr lernen. Ich denke, das liegt nicht daran, weil ich älter geworden bin, sondern weil die meisten HipHop nicht mehr ernst nehmen. Auch die neue Generation rennt dem Sensationseffekt des Popmarktes hinterher. Dadurch sinkt das Niveau, was letztendlich zum Tod der Musik führt. Kanye West ist zu einem Popkünstler geworden. Erst jetzt beginnt er es zu bereuen und merkt, dass er es verkackt hat. Er hat es aber schon vermasselt, bevor er sich im Fernsehen daneben benommen hat, nämlich genau dann, als er dachte, er sei grösser als die Musik.

Ich habe soeben ein  KRS One Interview vorbereitet und mich deshalb auch mit seinem sogenannten „Evangelium des HipHop’s“ und den Regeln, die er aufstellt, auseinandergesetzt. Was hältst du von diesem Ansatz, die Kultur zu retten?
KRS One ist ein Mensch wie jeder andere auch und somit begeht er Fehler. Ich glaube nicht, dass eine Person die Befähigung hat, als verantwortlicher von HipHop zu sprechen. Die religiösen Aspekte in dem Buch sehe ich als Business an. Ich glaube nicht, dass er wirkliche Regeln für HipHop aufstellen will. Schlussendlich hat er ein Buch geschrieben und will dieses verkaufen. Mein HipHop-Radar sagt mir zumindest nicht, dass dies die Bibel ist, der ich nun folgen muss.

Du hast in einem Interview gesagt, deine Shows seien der wichtigste Weg um deine Message und die Musik an die Leute zu bringen. Würdest du soweit gehen zu sagen, dass die Konzerte sogar wichtiger als die Alben geworden sind?
Es ist gleichbedeutend. Mein Können ist es, Platten zu machen. Wenn ich im Studio bin, versuche ich Dinge, die Andere nicht ausprobieren oder nutze meine Stimme zu mehr. als nur über Musik zu rappen. Das ist ein Element, das ich sehr geniesse. Die Liveshows sind eigentlich ein völlig anderer Aspekt, nämlich die menschliche Seite. Ich will menschlich auftreten, denn ich mache Fehler und sage Dinge, die andere HipHop-Künstler niemals sagen würden, weil sie cool bleiben wollen. Wenn ich furze, sage ich das vielleicht auch, weil es ja stimmt. Ich versuche das Image des Rappers, der cooler als sein Publikum sein will, zu durchbrechen. Sie denken, weil die Fans ihre Platten kaufen und die Songs kennen, müssen sie auch dann Lärm machen, wenn sie es sagen. Ich will ein Rapper sein, der dankbar ist, dass die Leute zu den Shows kommen und der mit den Fans Party machen will. Nach der Show können wir auch gerne gemeinsam abhängen und uns unterhalten. Denn wenn sich diese Leute nicht für mich interessieren würden, wüsste ich nicht, wo ich im Leben wäre. Ich bin sehr dankbar dafür, dass diese Hörer meine Vision erkennen.

Du tourst schon seit langem mit einer Liveband. In den letzten Jahren haben immer mehr Rap-Künstler damit begonnen, mit Band aufzutreten. Denkst du, dass dies eine weitere Möglichkeit ist, sich von HipHop abzugrenzen?
Das wird sich zeigen. Bei mir und meiner Band erkennt man, dass es echt ist. Ich werde die Crowd rocken, ob ich nun einen Drummer dabei habe, oder nur einen DJ. Wir sind zusammen auf Tour, weil wir das alle wollen und nicht des Geldes wegen. Uns geht es darum, umherzureisen und Leute zu treffen. Jedes meiner Konzerte ist wie eine Reunionparty, bei der ich alte Freunde wieder treffe. Sie kommen zu meinen Shows, ich zeige ihnen meine neuen Songs und sie mir danach die Bilder ihrer Kinder. Es gibt Leute, bei denen ich auf der Couch übernachtete, als ich erst am Anfang stand, und wir sehen uns heute noch regelmässig. Das ist mir wichtig. Als europäischer HipHop-Künstler pflege ich eine andere Beziehung zu meinem Publikum. Würde ich das nicht tun, wäre ich jetzt nicht hier. Ich kann nicht mit einem Ego auftreten wie die Amerikaner. Denn als ich das erste Mal unterwegs war, gab es noch keinen UK MC, dem die Leute zugejubelt haben. Niemand hörte meine Musik, weil er vorher schon einen anderen MC aus England gefeiert hat. Ich musste die Leute dazu bringen, mir Aufmerksamkeit zu schenken.

Woran liegt es aber nun deiner Meinung nach, dass so viele Rapper plötzlich mit Band auftreten?
Womöglich haben sie entdeckt, dass es viel interessanter ist, wenn eine ganze Band etwas zur gleichen Zeit spielt.

Manchmal wäre es aber wohl besser, sie würden einfach mit einem DJ auftreten.
Ich liebe es, mit einem DJ aufzutreten und meine Show mit der Band unterscheidet sich sehr davon. Viele haben wohl das Gefühl, mit einer Band grössere Chancen auf Bookings zu haben. Möglicherweise gibt es auch mehr Geld, wenn man mit Band erscheint. Manche machen es nicht aus den richtigen Gründen. Aber ich denke, man sieht wenn es jemand nicht aus Überzeugung macht.

Du hast mit Drew und Leroy Brown das Produzentenkollektiv Lizzie’s Children gegründet. Ich habe gehört, es soll allenfalls ein Album geben?
Wir haben es vor, im Moment gibt es aber zu viele Dinge, die uns davon ablenken. Leroy kümmert sich um seinen Sohn, Drew sitzt im Studio und ich bin unterwegs. Wir sind immer noch in Kontakt, es fehlte einfach bislang die Zeit. Es liegt momentan auch finanziell nicht drin.

Gibt es andere Projekte, an denen du momentan arbeitest.
Ich produzierte drei Songs für das Album von Joy Jones, das letztes Jahr erschienen ist. Im Moment arbeite ich an verschiedenen Projekten mit unterschiedlichen Leuten, kann darüber aber noch nichts verraten. Das Wichtigste in diesem Jahr sind aber die Shows und dass ich wieder mit meinem Publikum connecten kann, nachdem ich zwei Jahre kein Album veröffentlichte.

Int. Rap