Grandmaster Flash – „Ich bekam immer den Respekt, der mir zusteht“

Int. Rap

Als in den frühen Siebzigern die ersten Blockpartys in der Bronx über die Bühne gingen und somit der Grundstein für HipHop gelegt wurde, stand Grandmaster Flash bereits hinter den Turntables. Der 1958 auf Barbados geborene Joseph Saddlers verstand es nicht nur das Publikum in der Bronx zum Feiern zu bringen, sondern kreierte auch diverse DJ-Techniken, wie etwa den Backspin. Zu einer Zeit, als der DJ noch vor den MC’s genannt wurde, formierte er Grandmaster Flash & The Furious Five. Ihr Durchbruch gelang ihnen 1982 mit „The Message“, ein Song der bis heute wohl jedem HipHop-Head ein Begriff ist. Ihre Verdienste für HipHop wurden unter anderem 2007 geehrt als erste HipHop-Formation, die in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurden. Flash blieb der Musik über die Jahre hinweg treu, war als Radio-DJ tätig, spielte am Superbowl und für die Queen oder war über mehrere Jahre der musikalische Leiter der „Chris Rock Show“. 2003 legte er sogar ein Produceralbum mit Gästen wie Busta Rhymes, Snoop Dogg, KRS One und Q-Tip vor. Bis heute ist er als DJ ein gefragter Mann, so dass er fast jeden Tag irgendwo anders auf dem Globus die Scheiben rotieren lässt.

Dass Legenden in Sachen Attitude den Youngsters in nichts nachstehen müssen, bewies der Grossmeister anlässlich dieses Interviews eindrücklich. Der vorerst persönliche Interviewtermin wurde zu einem Phoner degradiert. Das Management wollte im Voraus den vorbereiteten Fragenkatalog sehen und strich dann tatsächlich auch einige völlig harmlose Fragen. Schliesslich wurde der Phoner zwei Mal verschoben und als es beim dritten Mal doch noch klappte, hatte Flash ungefähr so viel Lust auf ein Interview, wie die Taliban auf Frauenrechte.

Du legst immer noch mehr als 100 Mal pro Jahr auf. Ist es dein Ziel mittels deiner weltweiten Präsenz die HipHop-Geschichte am Leben zu halten?
Mir geht es nicht darum, die HipHop-Geschichte aufrecht zu halten, sondern das DJing am Leben zu halten.

Auf Youtube gibt es einige Videos, in denen du die Zuschauer durch die Bronx führst und die Plätze zeigst, wo HipHop seinen Ursprung nahm. Du sagst in diesem Video auch, dass oftmals fälschlicherweise behauptet wird, HipHop hätte in den Achtzigern begonnen.
Die Geschichte von HipHop geht zurück in die Siebziger. Viele Journalisten schreiben, die Ursprünge lägen in den Achtzigern, was aber falsch ist. Zu dieser Zeit wurde HipHop populär, der Grundstein dazu wurde jedoch in den Siebzigern gelegt, bevor es Rap-Platten gab. Ich finde es sehr komisch, dass viele Journalisten die Fakten verdrehen.

Die Leute sehen dich als eine Legende und den Erfinder verschiedener DJ-Techniken. Ist es dir wichtig, dass sie dich auch als einen Künstler, der immer noch an seiner Musik arbeitet, wahrnehmen?
Ja, das ist mir wichtig. Es gibt wohl beides, solche die mich nur als Legende sehen und solche, die erkennen, dass ich mich weiter verbessere.

Einige sind der Meinung, dass die Legenden nicht den Respekt bekommen, den sie verdienen. Wie stehst du dazu?
Ich hatte dieses Problem nie. Ich bekam immer den Respekt, der mir zusteht.

Du warst ein Teil des Games „DJ-Hero“ und unterstützt auch neue Technologien wie etwa Traktor Scratch. Denkst du, es ist wichtig, dass junge Leute einen einfachen Zugriff aufs DJing mittels solcher Tools haben?
Ich denke Tools wie Serato oder Traktor Scratch sind eine wunderbare Sache, die es den DJ’s ermöglichen, verschiedenste Genres zu spielen. Das ist grossartig.

Einige werden wohl der Meinung sein, dass diese Tools es vielen zu leicht machen und somit jeder ein DJ werden kann.
Man kann das DJing mit Autofahren vergleichen: Egal ob du einen alten Wagen, oder ein brandneues Modell fährst, man wird erkennen, ob du fahren kannst oder nicht. Konntest du es mit dem alten Modell nicht, wirst du es auch mit dem neuen Wagen nicht können. Man muss die Mechanismen des DJing kennen.

Du warst der erste, der die Turntables als ein Instrument verwendete. Hättest du dir damals erträumt, dass Turntableism jemals auf einem solch hohen Niveau stattfinden würde?
Damals hätte ich mir das nicht vorstellen können. Ich experimentierte einfach, hätte aber nie gedacht, dass meine Suche nach etwas Neuem so viele Leute erreichen könnte. Ich respektiere alle DJ’s, sei es House, Electro, HipHop oder eine Kombination aus allem.

Viele Rapper verzichten heute auf einen DJ; auf HipHop-Platten sind nur noch selten Scratches zu hören. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die DJ’s immer mehr in den Hintergrund geraten?
Ich kann diese Frage nicht beantworten. Das ist wirklich sehr komisch und man muss das kritisch betrachten, denn HipHop wurde von den DJ’s erschaffen. Ich kann mir nicht erklären, wieso es MC’s gibt, die auf einen DJ verzichten.

Du sollst interessiert daran sein, Filmmusik zu produzieren. Hat sich schon ein solches Projekt ergeben?
Das ist etwas, das ich immer noch plane. Momentan bin ich mit einem Electro-Album und einigen anderen Produzenten-Projekten beschäftigt.

Ist es auch wieder geplant ein weiteres HipHop-Produceralbum wie „The Bridge“ zu veröffentlichen?
Ich bin mir nicht sicher. Im Moment fühle ich Electro mehr.

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