Baze – Bei diesem Album steht der Inhalt extrem im Vordergrund

CH Rap

Der Berner Rapper Baze ist nach seinen Ausritten mit den Tequila Boys wieder zu seinen Solopfaden zurückgekehrt. „D’ Party isch vrby“, der Titel seines neuen Werkes verrät schon einiges über Inhalt und aber auch Stimmung seines dritten Studio- Soloalbums. Weg von den pumpenden Beats und Doubletimeraps hin zu filigranen Instrumentalspuren und präzisen Gedanken und Bilder, die berühren. Wir sprachen mit Baze über das Älter werden, die Alternativen zu Parties und nervige Journalisten.

Gratulation zu Platz 6 in den Charts. Bist du zufrieden damit? Oder bedeutet es dir gar nichts?

Ja ich bin sehr zufrieden. Je höher desto besser.


Der Titel des Albums lautet „D’Party isch vrbi“. War das ein Konzept oder hast du einfach nach ein paar Songs gemerkt, dass alle in dieselbe Richtung gehen?


Nein ich wollte schon eher ein dunkles Album machen, mit einer melancholischen Grundstimmung. Und auch einfach einen Schritt weiter gehen. Es ist musikalisch und inhaltlich sehr in sich geschlossen. Ich wollte wie eine kleine Welt beschreiben. Und der Titel hat dann einfach gut gepasst und ist auch ein Statement zu unserer Zeit. Es war übrigens auch der erste Track, den ich geschrieben habe und von dem ich dann ausgegangen bin um die anderen Songs zu machen.

Was hast du denn anders gemacht als früher?

Ja eben, ich habe viel bewusster gearbeitet und wollte etwas Relevantes und Echtes erschaffen und vermitteln. Es galt also das Unwichtige wegzulassen, so quasi „reduced to the max“. Ich wollte mich zum Beispiel nicht mit der Hiphop-Welt auseinandersetzten und andere MC’s dissen und so weiter, das hat mich überhaupt nicht interessiert.

Beim letzten Album „Mis Meitli“ hast du mir gesagt, dass du das Album noch für dich machen musstest, einfach Rap-Skill-mässig. Ist das vorbei?

Ja genau. Das war auch viel schneller. So mit Doubletime Sachen. Aber eigentlich ist es ja voll verblödet, wenn man sich in der Musik etwas beweisen muss und sie zum Hochleistungssport verkommt. Musik muss einfach gut sein. Viele finden es das Grösste wenn MC’S schnell rappen. Für mich klingt es dann so nach Maschinengewehrratter-Rap. Ich finde es viel schwieriger über langsame Beats tight zu rappen. Das hörst du auch auf dem Album. Die Songs sind im Schnitt so 85 bpm schnell.
Es ist zum Beispiel auch für einen DJ schwieriger einen Übergang zu machen zwischen zwei langsamen Stücken, weil die Übergangsphase viel länger ist. Bei schnellen Tracks kannst du auch ein wenig daneben sein und es merkt niemand.
Ausserdem kann man beim schnellen Rap den Inhalt etwas kaschieren und ist manchmal mehr Schein als Sein. Aber die meisten merken’s gar nicht, weil man gar nicht alles versteht.
Bei meinem Album steht der Inhalt extrem im Vordergrund. Die Stimme ist weit vorne abgemischt und auch der Sound ist eher Soundtrack-mässig und legt einen Boden für den Text und die Gefühle. Und das ist eben für mich Musik am Schluss. Wenn alles zusammen ein Ganzes ergibt.

Ich fand deine Beats auf den letzten Alben sehr geil, einfach als Beats. Auf deinem neuen Album flashen sie mich weniger, aber ich fühle natürlich das grosse Ganze. Wie ist das für dich? Du kommst ja auch vom Hiphop her, wo man gerne pumpende Beats hat.

Ja schon, aber wenn der Beat 90% der Rechnung mache. Warum braucht es dann noch Rap? Das ist ja die Frage. Die neuen Sachen sind sehr reduziert, aber dafür verleiden sie mir weniger schnell. Bei den anderen Alben sind mir die produzierten Beats so schnell verleidet. Am Anfang sind sie catchy und geil und alles, aber das war’s dann auch schon. Die neuen Sachen muss man ein paar Mal hören, kennenlernen und mit der Melodie vertraut werden. Aber genau deshalb finde ich es das Beste was ich je gemacht habe. Ich finde der Sound ist wirklich einzigartig und steht für sich und unterstützt mich auch in dem was ich sage.

Hast du denn nie Angst gehabt, dass es zu wenig sein könnte?

Nein, nie. Weniger ist mehr. Das überladene Zeugs hat mich mit der Zeit gelangweilt.

Ist es auch ein wenig ein Abschied vom Hiphop?

Nein sicher nicht. Das gibt es gar nicht. Aber es sollte doch auch keine Konventionen geben im Hiphop oder allgemein in der Musik. Ich finde Musik ist ein Sammelbecken und man kann daraus nehmen was man will und was einem Spass macht. So kann man etwas kreieren, dass zu einem passt. Wenn ich nur so klingen möchte wie alle andern, warum mache ich’s dann? Dann lasse ich es lieber sein.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Produzenten?

Ja das war auch so ein Entstehungsprozess. Ich habe nicht einfach fixfertige Beats gehört, sondern sagte etwa in welche Richtung es gehen sollte. Sie wiederum haben mir dann Skizzen von Beats gezeigt und so hat sich das entwickelt.

Wie entscheidest du dann, welche Beats schlussendlich aufs Album kommen?

Das ist bei mir reines Bauchgefühl.

Du sagst du hast am meisten Zeit gebraucht für dieses Album?

Ja, alles in allem hat es sicher 2 Jahre gedauert. Ich habe aber auch längere Pausen eingelegt zwischen dem Schreiben. Weil ich einfach fand, wenn ich nichts zu erzählen habe, dann schreibe ich auch nichts. Und so werde ich auch weiterarbeiten, mich zu nichts zwingen.

Ich weiss, dass du ein Künstler bist, der auch Songs „Bazed on a true story“ schreibt. Da gibt man ja viel von sich preis? Oder streust du da auch manchmal ein wenig Fiktion rein?

Ja es ist immer eine Mischung aus allem. Aber das Spannende ist ja, dass das was man erzählt immer am Meisten über dich selbst aussagt und nicht über die Geschichte an sich.

Es gab ja auch die Kritik zum Album, es sei ein Jammern auf hohem Niveau.

Ja dieser Journalist und seine Kritik haben mich extrem aufgeregt. Weil er Sachen über mich und mein Leben schrieb, von denen er überhaupt keine Ahnung hat und auch das Album gar nicht richtig gehört hat. Er hat nur das Jammern, nicht aber die Ironie herausgehört.

Ist es denn nicht das Risiko eines Künstlers missverstanden zu werden?

Ja sicher, aber es hat mich trotzdem aufgeregt. Er soll über das Produkt schreiben, aber nicht über mein Leben. Ausser ich gebe ihm ein Interview und erzähle im das.

Ich finde das Album widerspiegelt ein wenig das Lebensgefühl deiner Generation so um die 30, die an den Partys mit den 16 Jährigen Chicks fehl am Platz sind, aber auch noch nicht nur zu Hause hängen und RTL Supertalent schauen wollen. Ist das so? Oder hast du auch schon Feedbacks aus deinem Freundeskreis bekommen?

Ja klar, das erlebe ich auch tagtäglich. Und ich habe auch viele Freunde, die das Album feiern. Das habe ich aber auch ein Stück weit erwartet. Dass ich einigen aus der Seele sprechen werde.

Kommt dann mit dem nächsten Album der konstruktive Gegenvorschlag wie die Generation u die 30 das Leben ohne diese Partys, aber auch ohne TV gestalten kann? Das wäre ja das perfekte Follow-Up.

Ja schon, aber das kann ich noch nicht sagen. Da habe ich noch überhaupt keine Ahnung. Vielleicht geht’s mir dann beschissen und es wird noch schlimmer (lacht).

Wie wirst du das Album live umsetzen

Gitarre, Piano und Schlagzeug.

Ah ja und kein DJ?

Nein, nichts.

Wird’s also ein wenig unplugged?

Nein, recht elektronisch. Die Bässe kommen vom Keyboard und wir werden auch viele verzerrte Gitarren haben. Ich habe wirklich eine fantastische Band. Die Jungs haben es musikalisch faustdick hinter den Ohren. Aber auch menschlich stimmt es extrem. Ich bin begeistert.

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