Erykah Badu – Hosted ihr erstes Mixtape

Vergangenes Wochenende spielte Erykah Badu am Blue Balls Festival ein begeisterndes Konzert, bei dem sie auch ein weiteres Mal klarstellte, dass ihre Show mehr HipHop atmet als so manche lahme Rapper-Performance.

Ihre Liebe zu HipHop hat die Sängerin schon mehrfach kundgetan und dies tut sie nun auch als DJ. Seit einiger Zeit lässt sie unter dem Pseudonym DJ Lo Down Loretta Brown die Scheiben rotieren und nun ist auch das erste Mixtape mit ihr als Host erschienen. Ausgewählt hat sie sich dafür das weitgehend unbekannte Rap-Trio Gods’illa.

Diese präsentieren uns auf „CPR: The Blend Tape“ 21 Tracks mit Gastauftritten von Substantial, Kingpen Slim, Maimouna Youssef, Kaimbr, Dirty Water, Yu (Diamond District), RaTheMC, Pro’Verb, Kokayi und einigen weiteren. Erykah Badu selbst ist als Host aber nicht als Gast vertreten.

Hier geht’s zum kostenlosen Download.

The Game – neuer Track „Infrared / Mixtape unterwegs“

Für seinen Jay-Z Diss auf „Uncle Otis“ hat Game wohl nicht ganz das gewünschte Feedback erhalten. Zumeist wurde dies als eine unnötige Aktion abgestempelt. Nun schickt Game bereits wieder einen neuen Song ins Rennen, um einen ordentlichen Hype für das am 23. August erscheinende „The R.E.D. Album“ zu generieren. Ob das von Cool & Dre produzierte „Infrared“ auf der Scheibe zu finden sein wird, ist hingegen nicht bekannt.

Zudem hat er das Cover und einen Trailer zu seinem kommenden Mixtape „Hood Morning (No Typo): Candy Coronas“ bereitgestellt.

Samy Deluxe – „SchwarzWeiss ab sofort am Start“

Nach diversen Videos, One-Take-Aufnahmen, A-Capellas und sonstigen Aktionen ist es nun endlich soweit und das vierte Soloalbum „SchwarzWeiss“ von Samy Deluxe steht in den Läden. Viel gibt es dem eigentlich gar nicht mehr hinzuzufügen und alles, was es zu dem Album zu sagen gibt, hat uns Samy im ausführlichen Interview verraten. Nun heisst es nur noch, das Album reinziehen und zwar auf CD, als Download oder auch auf Vinyl.

Wie bereits berichtet, kann man sich einen kostenlosen Remix des Videotracks „Poesie Album“ herunterladen. Was man dafür tun muss, erklärt Samy im unten angehängten Video.

Live zu sehen sein wird Samy am 04.11. in der Härterei in Zürich.

Die Orsons – nächstes Album beim Major

Mit zwei Alben hat die erste reale Boyband die deutsche HipHop-Szene mächtig durchgerüttelt und vielerorts polarisierten sie gehörig. Nach vielen Konzerten, unter anderem einer Tour als Support von Fettes Brot, kommt nun der nächste Schritt und das Quartett wechselt zum Major Universal.

Jochen Schuster, der Label Head von Universal Domestic Pop, erklärt wieso: „Die Orsons gehören zu den spannensten Bands im deutschsprachigen Hip Hop Bereich mit dem Potential noch sehr viel Menschen auch darüber hinaus zu erreichen. Wir sind sehr glücklich, ab jetzt mit der Band und Chimperator loslegen zu können.“

Maeckes fügt hinzu: „Es wurde schon genug unschuldiges Wort vergossen. Jetzt machen wir erstmal Musik. Lasset den Wahnsinn beginnen! Wir freuen uns sehr!!“ An der Musik ihres dritten Albums wird momentan in Prag gearbeitet und die Veröffentlichung ist grob für den April 2012 geplant.

N.O.R.E. – neuer Track mit Macy Gray

Wie bereits berichtet arbeitet N.O.R.E. momentan an seinem neuen Soloalbum „S.U.P.E.R.T.H.U.G.“ und es macht den Anschein, als wolle es der Queensbridge-Veteran nochmals wissen und an seine kommerziellen Erfolge anschliessen.

Nun liess er Funkmaster Flex den von Caviar druckvoll produzierten Song „Electrolytes“ der Öffentlichkeit präsentieren, auf welcher er Macy Gray in der Hook begrüsst. Dies hat N.O.R.E. zu dem Song zu sagen: „It’s called Electrolytes. I’m a big fan of Macy Gray. I was cooking the song up and she happened to be around. The producer called her and asked her to get on the record and she came through and did it that night. It’s a classic. It’s something that people are definitely not expecting, but then again I always do the unexpected. I’m expected to do the unexpected, you feel me!?“

„S.U.P.E.R.T.H.U.G.“ soll später dieses Jahr erscheinen.

The Roots – zurück im Studio, Album noch dieses Jahr

Gute News für alle The Roots-Fans. Das Philly-Kollektiv ist zurück im Studio und arbeit an seinem 13. Album, welches den Titel „Undun“ tragen wird. Wie schon die Vorgänger wird dieses über Def Jam erscheinen und wenn nichts schief geht, soll es sogar schon Ende des Jahres in den Läden stehen.

Da dies der erste Tag im Studio war, gibt es natürlich noch keine weiteren Infos. Wir halten euch aber auf dem Laufenden. Questlove hat über Twitter ausserdem bereits ein Video mit einem ganz kurzen Vorgeschmack gepostet.

Dies ist aber nicht das einzige Projekt, an welchem der begnadete Drummer und Produzent momentan arbeitet. Über Twitter gaben er und Q-Tip bekannt, dass sie sich mit D’Angelo im Studio befinden und an dessen ersten Album seit dem 2000 erschienenen „Voodoo“ arbeiten.

Casper – „Wir fragten uns, wer das hören soll“

Wohl noch selten wurde ein deutschsprachiges Rap-Album so herbeigesehnt und mit Vorschusslorbeeren überhäuft, bevor überhaupt ein einziger Ton an die Öffentlichkeit gelangte. Nicht weniger als die komplette Veränderung des Spiels wurde dem Bielefelder mit seinem erst zweiten Soloalbum zugetraut. Der Druck war enorm doch die Rechnung ging auf: „XOXO“ schoss auf direktestem Weg an die Spitze der Charts (in der Schweiz immerhin Platz 30) und die meisten Kritiker waren voll des Lobes. Innert kürzester Zeit gelangte Casper von den HipHop-Medien über die Feuilletons bis in die Boulevardmedien. Jeder will plötzlich etwas von dem 28-jährigen, der in der HipHop-Szene gerne auch als „Emo-Rapper“ abgestempelt wurde. Fakt ist, dass alles völlig anders hätte kommen können. Nicht nur, weil Casper musikalisches Neuland betritt, sondern vor allem, weil „XOXO“ ein unglaublich aufreibender, von Zweifeln und teils auch Zufällen geprägter Entstehungsprozess vorausging. Doch der Durchhaltewille hat sich gelohnt und Casper ist ein Album geglückt, das musikalisch wie textlich den Zeitgeist einzufangen vermag und das trotz keinerlei Mainstreamzugeständnissen mitten in der Poplandschaft gelandet ist. Wir trafen einen noch immer merklich überraschten Casper zum ersten Interview nachdem er erfuhr, dass er die Charts geknackt hat. Hört man, was er über die vielen Hürden bei der Entstehung zu berichten hat, wundert man sich nicht, dass er es noch nicht wirklich fassen kann, was gerade alles um ihn herum passiert.

Erstmal Gratulation zum Einstieg auf Platz 1! Fällt dir dadurch ein Stein vom Herzen, da dies nach dem riesigen Hype im Vorfeld nun der Beweis dafür ist, dass die Musik bei den Kritikern und ganz offensichtlich auch bei den Fans gut ankommt?
Es ist eine ziemlich eigenartige Mischung. Einerseits ist man natürlich erleichtert, dass es geklappt hat. Nicht nur so ein bisschen geklappt, sonders schon fast erschreckend gut. Nun kommen aber andere Ängste. Denn jetzt tauchen auch Medien auf, mit denen man teilweise nicht zusammenarbeiten möchte, was man jetzt aber muss. Plötzlich hat alles einen viel grösseren Gehalt, als es jemals gedacht war. Unterdessen setzen sich sogar so musikgeschichtliche Kritiker damit auseinander. Einer davon hat es völlig in der Luft zerrissen und ich dachte mir nur: Das war auch nie für deine Ohren gedacht. Man steht plötzlich auf einem Podest, auf dem man sich gar nie gesehen hat. Das ist ziemlich absurd und ich bin noch mitten in der Akklimatisierungsphase.

Im Interview mit der Juice meintest du noch, du sehest die Platte nicht im Mainstream, du hoffest einfach, sie funktioniere in den Subkulturen, die das Album vereint. Wie erklärst du dir diese grossartige Fehleinschätzung?
Anfänglich fand es ja nicht in den Mainstreammedien statt, sondern in vielen Feuilletons. Seit es nun aber auch in den anderen Medien behandelt wird, unken viele, dass ich nun mainstream sei. Denen kann ich nur sagen: Hör dir die Platte an! Die ist zu grossen Teilen unfertig und nun halt einfach so da. Wir gaben die Platte ab, weil wir nicht mehr weiterkamen. Wenn ich nun Leute höre, die das als mainstream oder gar als neue Pop-Sensation bezeichnen, kann ich das nicht ernst nehmen. Es ist alles gerade ziemlich verrückt.

Für dich ist die Platte also unfertig und du hast sie nur abgegeben, weil die Deadline kam?

Ja, für mich ist sie unfertig, aber nicht in dem Sinne, dass man auf der Platte nur Songskizzen zu hören bekommt. Wir sind das Projekt als Bombast-Werk angegangen und wir haben so lange daran gefeilt und getüftelt bis eine richtige Betriebsblindheit drin war. Wir merkten teilweise, dass an gewissen Orten etwas fehlt, wussten aber schlichtweg nicht, was es war. Es ist wohl eine Künstlerkrankheit, dass man einfach immer weitermacht. Hätte es keine Deadline gegeben, würden Steddy und ich immer noch im Studio sitzen und uns jeden Tag anschreien und neue Sachen machen, diese wieder löschen, allmählich verzweifeln und nicht mehr weiter wissen.

Könnte es sein, dass die Platte durch diesen Pop-Stempel nun nicht in den Subgenres ankommt? Dass es für Indie zu Rap und für Rap zu Indie ist?
Das seltsame ist, dass wir schon fast einen Octopus-mässigen Spagat geschafft haben. Es war ganz offensiv mein Ziel, auch mal Festivals wie Hurricane oder Rock am Ring zu spielen. Ich habe ja alle HipHop-Openairs gespielt. Okay, am Frauenfeld mal nicht als Opener für 60 Leute zu spielen wäre auch gut. Aber ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich in dieser Indie-Szene Fuss fassen will. Genauso wollte ich aber auch die HipHop-Masse befriedigen. Zudem wollte ich endlich mal eine Platte machen, die sich auch meine Freunde anhören, die eigentlich mehr in dieser Hardcore-Szene unterwegs sind. Das habe ich geschafft. Ganz zaghaft hofften wir, dass vielleicht ein oder zwei Feuilletons über uns berichten. Aber der Begriff Pop kam uns nicht in den Sinn. Wir gaben diese Platte ab und fragten uns, wer das hören soll. Als Hardcore-Rap-Fan würde ich das wohl nicht geil finden. Als Indie-Fan aber womöglich auch nicht. Nun hat es irgendeinen Nerv getroffen und ich kann es mir selber nicht erklären.


Die Zweifel waren also ganz offensichtlich auch nach der Fertigstellung der Platte noch vorhanden. Du sagtest auch mal, „XOXO“ sei das Beste und das Schlimmste, was du je gemacht hast. Das musst du mir erklären!
Ich habe viele Dinge in meinem Leben angefangen und nicht zu Ende gebracht. Auch bei dieser Platte wollte ich mittendrin wieder alles hinschmeissen. Ich dachte alles sei zu viel, wir würden es nicht hinkriegen und wir wüssten ja gar nicht wie und was. Zwischendurch war ich drauf und dran, wieder auf eine Rap-Platte umzuschwenken. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt fünf Songs mit dem Sound, dem man jetzt auf dem Album hört. Ich dachte dann, ich könnte ja noch einige normale Rap-Songs aufnehmen, denn „Hin zur Sonne“ schrieb ich damals in drei Wochen. Das wurde mir aber schnell wieder ausgeredet. Ich habe es also durchgezogen und es ist meine beste Platte geworden. So bescheuert das klingt, was jetzt passiert ist, was ich immer wollte. Das Schlimmste ist es, weil wir mit einem Projekt begannen, bei dem wir wussten was wir wollen, aber nicht wie wir es machen. Wir hatten keine Ahnung, wie lange wir dafür brauchen, hatten aber schon Deadlines und eine anlaufende Promo. Zu dem Zeitpunkt als diese Juice-Videos rauskamen, hatten wir allerhöchstens drei Songs fertig! Aber wir mussten der Welt einfach vorgaukeln, die Platte sei fertig. Wir konnten Mitte März nicht mit der Wahrheit raus und zugeben, dass wir erst drei Songs fertig haben. Die hätten uns geköpft! Es war wirklich die Zeit der schlaflosen Nächte, Nervenzusammenbrüche, Schreiereien, Streitereien und Verzweiflung. Diese ganzen sechs Monate waren eine richtiggehende Achterbahn. Während der Entstehung der Platte hatte ich auch noch eine fürchterliche Schreibblockade aufgrund des ganzen Drucks. Rückblickend betrachtet, ist es das Beste, was ich je geschrieben habe. Damals hiess das Motto aber einfach nur möglichst viel Kaffee trinken, denn schlafen ist verschwendete Zeit. Jetzt kann ich auch wieder frei schreiben, da ich nun gelernt habe, wie ich eine Platte mache, da ich nun weiss, wie ich nie mehr eine Platte aufnehme.

Du könntest dir also nicht vorstellen, nochmals so ein Mammutprojekt in Angriff zu nehmen?
Doch, aber ich weiss nicht, ob ich den Sound nochmals wiederholen würde. Es gab zwischen den Alben immer eine Weiterentwicklung, die sich konsequent durchzieht. „Die Welt hört mich“ war so ein technisches Spit-Rap-Mixtape. Dann haben wir da die Beats rausgenommen und neue Themen dazugegeben, das war dann „Hin zur Sonne“. Von da haben wir wieder die Beats weggenommen, das Beste der Texte behalten und wiederum neue Themen dazugeben, das ist nun „XOXO“. Ich finde es muss sich kontinuierlich weiterentwickeln bis es irgendwann etwas ganz eigenes ist, bislang ist ja alles sehr referentiell. Ich möchte irgendwann Musik machen wie zum Beispiel Bon Iver, wo man die Platte nicht erklären kann, sondern man sie sich anhören muss. Da sollte eigentlich jeder Musik hinwollen. Es ist doch langweilig zu sagen, man mache Rap und jeder weiss schon, wie es klingt. Es ist doch viel spannender, wenn man es sich anhören muss, um es zu verstehen.

Du sagtest auch, die Platte habe so lange gedauert, weil du erst die richtigen Leute finden musstest, mit denen du sie umsetzen konntest. Heisst das, die Platte hatte in einem Kopf eigentlich schon sehr konkrete Formen angenommen, du hattest aber nicht die Mittel, das alleine umzusetzen?
Genau, ich wusste sicher schon mindestens ein Jahr, welche Platten als Referenz herhalten, wie das klingen soll und auch in welche Richtung das thematisch geht. Das war mir alles vollkommen klar, ich wusste nur nicht wie. Ich spiele kein Instrument und kann mit Logic nicht umgehen. Ich kann mich nicht mal selber aufnehmen, weil ich Logic nicht verstehe. Ich hatte Leute, die sehr gute Rap-Beats produzieren und auf der anderen Seite sehr gute Indie-Musiker. Die Indie-Musiker konnten aber keine Rap-Beats machen und die Rap-Produzenten hatten mit Indie-Musik nichts am Hut. Ich war auf der Suche nach einem Menschen, der Musik so hört wie ich. Durch schicksalhafte Fügung kam ich dann zu Steddy. Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem DJ, woraufhin meine Managerin meinte, ich soll doch DJ Stickle zu fragen. Das wäre mir niemals in den Sinn gekommen, den ehemaligen DJ von Bushido zu fragen. Wir lernten uns dann kennen und hingen viel zusammen ab. Er meinte dann irgendwann, er kenne diesen Typen von Timid Tiger, der könne doch meine Platte produzieren. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, jemanden von Timid Tiger zu fragen, ob er mit mir eine Platte macht. Irgendwie hat sich alles einfach ergeben. Eines Abends setzte ich mich dann mit Steddy hin, wir haben ein bisschen gesoffen und uns Musik vorgespielt. Ich zeigte ihm Sachen wie Explosions In The Sky und als nächstes lässt er einen Rick Ross-Song laufen. Da wusste ich, das ist es! Wenn der Typ von dieser Indie-Arty-Farty-Electro-Indiepop-Band Rick Ross hört, dann ist er der richtige!

Vor einigen Jahren hattest du dich von Rap losgesagt und warst in einer Metalband aktiv. Hast du nun quasi einen Mittelweg gefunden, auf dem du deine verschiedenen musikalischen Einflüsse einbeziehen kannst und trotzdem nicht auf die Vorteile von Rap als Medium verzichten musst?
Ich habe immer scherzhaft gesagt, dass ich früher oder später eine rebellische Folk-Platte machen werde. Das war zwar nie ganz ernst gemeint, aber wenn ich singen könnte, würde ich das vermutlich sogar machen. Aber ich kann nur rappen. Vielen Leuten geht meine Stimme auf den Keks, das verstehe ich, aber ich kann nichts anderes, auch wenn ich gerne etwas Ohrenfreundlichres machen würde. Deswegen ist es mir egal was die Leute sagen, das ist immer noch Rap. In jedem Song sind programmierte 808-Drums zu hören, wir haben sogar eine 808 dafür gekauft. Jeder einzelne Song, egal wie er am Schluss klingt, basiert ursprünglich auf einem Crunk-Beat. Es ist alles Crunk und darauf wurde aufgebaut.

Davon hört man aber nicht mehr sehr viel.
Nein natürlich nicht, aber wenn du es im Auto laut aufdrehst, hörst du die 808’s schon. Und ich rappe halt, ich stell mich ja nicht hin und Falsette mir einen durch die Wände.


Als ich im Vorfeld hörte in welche Richtung die Platte geht, hatte ich mit mehr Gesangs-Gästen gerechnet.

Ich habe es mir schon überlegt und hie und da versuchte ich auch zu singen, aber es klang einfach fürchterlich. Wir hatten sonst schon genug geändert, dann musste ich nicht auch noch versuchen zu singen. Aber wie mein nächstes Album werden wird, weiss ich noch gar nicht. Momentan bin ich wieder richtig auf dem Rapfilm. Seit Monaten höre ich eigentlich nur Waka Flocka Flame, Gucci Mane , OJ da Juiceman und solche Sachen. Ich habe jetzt auch schon vier oder fünf Songs auf Crunk-Beats geschrieben, die ich wohl demnächst einfach mal raushaue.

Ich habe den Eindruck, dass es dir ein Anliegen ist klarzustellen, dass es sich bei „XOXO“ um eine HipHop-Platte handelt. War es dir wichtig, dass es nicht heisst, Casper hat nun eine Rock-Platte gemacht, sondern dass die Scheibe als ein neuer Impuls für Deutsch-Rap verstanden wird?
Ich will keiner Szene Impulse geben. Ich will aus keiner Szene raus und in keine Szene rein. Wenn wir zwei uns hinsetzen und eine deutsche Rap-Platte hören würden und ein Beat mit einem Soulsample würde uns gefallen, hätten wir keine Ahnung, was das für ein Sample ist. In Amerika wissen es die Leute, weil ihre Eltern das schon hörten. Deshalb funktioniert es dort ja auch, weil es Volksmusik ist. Auf „Hin zur Sonne“ hatte ich ja auch viele Soulsamples und wenn mich jemand fragte was das ist, hatte ich keine Ahnung. Wenn ich den Produzenten, Shuko, anrief, wusste der das auch nicht. Ich fragte mich: Was machen wir hier eigentlich? Irgendwann sagte ich mir, dass ich nun das zusammensamplen will, was ich höre. Wir waren ja nicht mit einer Band im Studio; wir hatten Gitarre und Bass, den ganzen Rest haben wir produziert. Wir haben Drums gesamplet und verschnippselt und auch sonst einige Samples verwendet. Bei „Auf und davon“ hört man glaube ich, dass wir sehr viel die neue Kanye-Platte gehört haben. Bei nächsten Track hört man Einflüsse von Phoenix und wieder ein Track weiter kommen Einflüsse des Rappers P.O.S., den wir wahnsinnig viel gehört haben. Alles basiert auf Rap, aber ich sample nicht irgendeine Motown-Kacke und muss auch keinen Synthie-Bombast-Beat haben, wenn ich damit eigentlich nichts zu tun habe. Das dürfte auch vielen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, denn wir gingen nicht raus und sagten: Wir verändern die Welt. Ich sagte nur, dass ich für mich eine Platte mache und wissen will, wie es ist, auf Explosions In The Sky zu rappen. Ich habe keinen bock auf Aretha Franklin zu rappen, ich hör ihre Musik nicht und finde sie noch nicht mal gut. Ich mag Soul, Funk und Reggae nicht, wieso sollte ich etwas in diese Richtung machen? Aber ich will, dass die Platte als HipHop verstanden wird, auch wenn ich nicht das sample, woran sich die Leute gewohnt sind, sondern das, was ich wirklich cool finde.

Du nennst das Album auch ein Resultat der letzten zwei Jahre auf deinem iPod und ich denke, du sprichst damit auch genau die Generation iPod an, die nicht auf ein Genre fixiert ist und viel offener ist, als wir es damals waren.
Ich bin echt erstaunt, wie open-minded die Leute heutzutage sind. Ich kann mich noch erinnern, wie ich als 17-jähriger in riesigen Klamotten auf dem Splash war und plötzlich Mellow Marc auf die Bühne kam. Ich kucke meine Jungs an und es war vollkommen klar, dass wir jetzt Becher schmeissen. Das ist krass, denn eigentlich bin ich jetzt ja der Mellow Marc. Es tut mir mittlerweile auch schrecklich leid.

Denkst du, die Platte erschien auch genau im richtigen Moment und dass sie vor einigen Jahren nicht angekommen und verstanden worden wäre?
Ich weiss es nicht. Mich wundert es ja wie gesagt, dass es überhaupt jetzt funktioniert.

Das Timing könnte aber durchaus eine Rolle spielen.
Wobei das Timing auch kompletter Zufall ist. Ich sagte die ganze Zeit, dass wir diese Platte im Herbst veröffentlichen müssen. Ich war mir sicher, dass wir das Album nicht im Sommer rausbringen können, da es sich sonst kein Schwein anhört. Ich wollte die Platte im November releasen, aber alle um mich herum sagten, dass ich keinen einzigen Fan mehr hätte, wenn ich nun nochmals so lange warte. Es war überstrapaziert und ich musste die Platte im April abgeben, damit sie im Juli rauskommt.

Als ich mir das Album anhörte fragte ich mich auch, ob das Album funktionieren würde, wenn deine Stimme eine andere wäre.
(überlegt) Ich glaube nicht. Meiner Meinung nach funktioniert Casper auch nicht weil ich unglaublich klug bin, wahnsinnig gut rappe oder unglaublich gut aussehe. Das habe ich alles nicht. Ich wirke gegen aussen nicht souverän und alle meine Fehler sind öffentlich sichtbar. Ich streite mich sogar wie eine Zicke mit Fans auf Facebook. Ich glaube das hat sich einfach so zusammengemauschelt durch viel Touren und das Polarisieren und da gehört die Stimme natürlich dazu. Ich verstehe wirklich jeden, der meine Stimme fürchterlich findet. Wirklich anstrengend finde ich, dass die Rap-Hörer noch viel kritikunfähiger sind als die Künstler. Das sehe ich, wenn ich mit Leuten wie Marteria, den Orsons oder Prinz Pi abhänge. Ich kann Tua sagen, dass ich „Evigila“ nicht so den Knaller fand und das ist okay für ihn. Ein Rap-Hörer kommt aber zu dir und sagt: „Das ist scheisse, das ist schwul.“ Das gibt es bei Rock und anderen Musikstilen nicht. Sie verstehen nicht, dass etwas nicht beschissen ist, sondern es ihnen einfach nicht gefällt. Zudem gibt es in keiner anderen Szene diesen Drang, kundzutun wie schlecht man etwas findet. Manchmal lese ich bei vier verschiedenen Portalen unter dem gleichen Nickname vier Mal den gleichen Kommentar. Der muss einen wahnsinnigen Drang haben zu missionieren, wie schlecht meine Platte ist. Haben die nichts zu tun?

Mittlerweile wirst du bereits als Sprachrohr einer ganzen Generation bezeichnet. Wie stehst du dazu?
Ach, wenn ich das Sprachrohr einer Generation bin, wäre das die traurigste Generation der Welt. Diese Leute wissen gar nicht, was ich so mache. Ich hänge den ganzen Tag mit dem iPhone auf Facebook, schicke den Jungs von der Band Herze und schlechte Furzwitze und schaue mir Ren & Stimpy an. Ich sitze stundenlang in Unterhosen und mit einer riesigen Salatschale voll Fruity Loops vor der Glotze und schaue Ren & Stimpy oder Cow and Chicken.


Aber du merkst schon auch, dass du zu diesem Sprachrohr hochgeschaukelt wirst?
Ich merke das schon, aber was soll ich dazu sagen? Ich finde es natürlich wahnsinnig schmeichelhaft wenn es heisst, ich würde den Zeitgeist einfangen und diese Platte sei nun der Status Quo und ein musikgeschichtlicher Impuls. Aber diese Verantwortung will ich nicht haben.

Aber den Zeitgeist einzufangen war schon ein Ziel der Platte.
Aber mehr als ein Schnappschuss. Es sollte ein Bild sein, das mein Empfinden dieser Zeit und dieser Generation einfängt. Ich wollte mich aber nie hinstellen und den Ring durch Himmel und Hölle nach Mordor tragen, das wollte Frodo auch nicht. Ich sehe es als meinen Versuch, die Generation zu beschreiben, einzufangen und musikalisch zu bebildern. Wenn jemand schreibt, ich sei eine Stimme der Jungen finde ist das Hammer. Aber je mehr es schreiben, desto mehr werden es auch glauben.

Mit dem Erfolg kommen ja nicht nur die Neider im Internet, sondern auch die Nachahmer. Kannst du dir vorstellen, dass nun nach deinem massiven Erfolg plötzlich viele deutsche Rapper zur Gitarre greifen und zumindest versuchen, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen?
Ich kann es mir nicht vorstellen. Momentan finde ich deutschsprachigen Rap richtig geil, weil jeder seinen eigenen Ansatz hat und endlich Subgenres nebeneinander existieren, was es ja ewig nicht gegeben hat. Zuerst war alles highty-tighty 6 Meter 90 Blumentopf, dann hat es sich umverlagert und es gab nur noch Strassenrap. Dann hat sich das kurzzeitig mit den Orsons oder mir wiederum verändert. Jetzt kommt aber ein Haftbefehl, der beides vereint aber doch ganz woanders ist. Genauso sind Nate57, Marteria oder Prinz Pi ganz woanders, ich bringe etwas völlig anderes und was die Orsons jetzt machen, ist der absolute geistigbehinderte Wahnsinn. Natürlich gib es auch noch Sido, Bushido und Samy, die in einer anderen Liga sind. Aber momentan ist es einfach sehr vielschichtig. Es macht daher gar keinen Sinn, jemanden nachzuahmen. Ich wüsste aber auch nicht, wie das aussehen würde.

Ich könnte mir schon vorstellen, dass das passiert. Wie damals als Savas kam…
Oder Snaga & Pillath.

Genau und die waren ja nicht mal kommerziell erfolgreich.
Die waren ganz schnell wieder weg. Schade eigentlich, die hatten nur ein so richtig heisses Jahr.

Bei Gangsta-Rap war es ja auch so, dass viele, die ganz normalen Rap machten, plötzlich zu Strassenrappern mutierten. Vielleicht erleben wir jetzt etwas Ähnliches.

Wenn das passiert reden wir dann nochmals exklusiv drüber. Aber ich hoffe, es wird nicht der Fall sein.

Ich auch nicht und sonst melde ich mich für das Exklusivinterview. Danke für das Gespräch!
Danke dir. Ich bin übrigens sogar bei euch im Forum angemeldet. Schöne Grüsse an dieser Stelle an Liv.

Interview: Fabian Merlo

Nas – unveröffentlichter Track mit Keyshia Cole

Nas arbeitet momentan an seinem neuen Soloalbum, welches im Moment noch den Titel „Life Is Good“ trägt. Damit hat der aber soeben aufgetauchte Track „More Than I Can Say“ nichts zu tun. Dieser mit Keyshia Cole eingespielte Tune datiert nämlich auf das Jahr 2005.

Der Produzent und A&R Geno verriet, dass der Song entstand, während er mit den Aufnahmen zu Diddy’s „Press Play“ beschäftigt war: „This song was done in 2005 while I was recording “Press Play”. This beat was one out of many sitting around. I felt this beat was Hip-Hop and to me I pictured Nas flowing to this beat, it was NYC, Queens, and most of all had substance. Well as we know the track never made the album, however the countless studio sessions with Nas and Keyshia were priceless. They were never in the studio at the sametime. Yummy Bingham originally wrote and referenced the hook. I wish this song made it to Press Play, but it never did, I thought the world could use some blessings from Godson.“

Der Song sportet übrigens dasselbe Sample wie der Promoe-Classic „Off The Record“.

Nas featuring Keyshia Cole – More Than I Can Say (Unreleased) by Hypetrak

Consequence – stellt Kanye in neuem Video als „Puppet Master dar“

Eben erst veröffentlichte Consequence einen Song gegen Pusha-T und wie angekündigt ist nun Kanye an der Reihe. Jedoch noch nicht mit einem Track, sondern mit einem Video, in dem er Kanye als einen „Puppet Master“ und Tyrannen darstellt.

Der Clip beginnt mit einem Statement von Kanye: „If you see somebody that’s hot and that’s really talented, you take that energy. See you use them…“. Anschliessend sieht man Künstler wie Lupe Fiasco, Rhymefest, Drake oder Fonzworth Bentley, bei denen gemäss der Meinung von Con genau dies geschehen ist. Doch er werde das stoppen.

Zum Abschluss folgt noch die Ankündigung: The World is Watching. Coming Soon. Movies On Demand 3“.

Wir dürfen davon ausgehen, dass bald noch mehr Shots in Richtung von Kanye und G.O.O.D. Music folgen werden.

Young Jeezy – Album im September mit Jay-Z, Drake und Andre 3000

Anscheinend war die Ankündigung von Jeezy, sein Album käme früher als wir erwarten, keine masslose Übertreibung. Def Jam hat ihm nun endlich einen Termin gegeben und schon am 20. September wird es soweit sein.

Erwartungsgemäss hat er auf „Thug Motivation 103“ auch einige hochkarätige Gäste. Nachdem der Song mit Lil Wayne bereits im Netz die Runde machte, gab er nun bekannt, gleich zwei Versionen des Tracks „I Do“ auf der Scheibe zu haben, beide mit äusserst illusteren Gästen. Auf der einen Version werden Jay-Z und Drake zu hören sein, während auf der anderen Andre 3000 einen seiner spärlichen Gastauftritte abliefern wird. Wir sind gespannt.