Redman – „Ich überlege bei jedem Song, ob er live funktioniert“

Int. Rap

Auch beim x-ten Versuch gelang es uns leider nicht, Redman und Method Man gemeinsam vor das Mikrofon zu bekommen. Wenn aber Redman schon etwas früher im Backstage des Royal Arena auftaucht, dann lässt man natürlich die Chance nicht ungenutzt, einige Fragen an den Funk Doc zu richten. So sprachen wir mit ihm über Liveshows, sein letztes Album und auch die kommenden Projekte.

Bei deinen Shows bringst du immer eine enorme Energie auf die Bühne, manchmal muss man sich als Zuschauer aber schon beinahe Sorgen machen, wenn du zu waghalsigen Sprüngen vom Boxenturm oder ähnlichen Aktionen ansetzt. Gab es noch nie einen Unfall?
Bislang nicht, aber wir nennen das immer den Vertrauensvorschuss. Soll heissen, wir hoffen einfach jedes Mal, dass uns die Crowd auch wirklich auffängt.

Was ist die bislang verrückteste Geschichte, die passierte bei einem Konzert?
Das war während der „Hard Knock Life Tour“ mit Jay-Z, DMX und Ja Rule. Meth und ich waren mit Traggurten gesichert, damit wir über die Crowd fliegen konnten. Plötzlich riss eines der Kabel und ich hing nur noch unkoordiniert in der Luft. Sie versuchten mich dann zurück zu der Stage zu bringen. Ein Helfer mit einer Leiter wollte mich befreien, doch dann riss das Kabel endgültig, so dass ich etwa vier Meter nach unten fiel. Dabei riss ich die Leiter mit und wäre fast auf dem Dude gelandet, der mir helfen wollte. Dieser musste dann ins Spital eingeliefert werden. Das war schlimm.

Hattet ihr die Liveshows im Hinterkopf, als ihr „Blackout 2“ kreiert habt?
Wir lieben es zu performen und wir sind in den Neunzigern gross geworden. Damals war alles von Energie geprägt. Es ging nicht darum, seinen Song zwanzigmal pro Tag im Radio zu hören, sondern man wollte ein gutes Album draussen haben. Es war auch viel übersichtlicher, denn wenn man ein Album wollte, musste man in den Plattenladen gehen und es sich kaufen. Wenn wir dann in deine Stadt kamen, machten wir In-Stores, sassen im Plattenladen und schrieben Autogramme. So liess man die Leute wissen, dass die Platte draussen ist. Das Internet war damals noch nicht so wichtig wie heute. In den Neunzigern ging es nur darum, Alben zu verkaufen und Liveshows zu spielen. Nur so konnte man seine Fans befriedigen und ganz ehrlich gesagt, waren die Shows auch die einzige Möglichkeit, um Geld zu verdienen. Die Einnahmen von den Plattenverkäufen behielt das Label. Man verdiente nur durch Sponsoring und Shows. Meth und ich machten deshalb schon immer Platten für die Leute an den Konzerten und nicht wirklich für das Radio. Wenn sie dann doch beim Radio landeten auch gut. Aber jedes Mal wenn wir einen Song machen, denke ich darüber nach, wie er live funktionieren könnte, aber nicht, ob er radiotauglich ist.

Es gibt aber auch noch etwas zwischen Songs für die Bühne und für das Radio. Tracks, die man sich einfach gerne zuhause anhört.
Absolut und ich denke bei unseren Alben bekommt man immer eine Mischung von beidem. Damit kommen wir auch wieder zurück zu dem was ich vorher sagte über die Neunziger, denn damals wollte man Alben machen. Es brauchte Songs, die alles abreissen, gleichzeitig auch Tracks, die dazu einladen herunterzukommen, dazu zu rauchen und dir etwas Luft zum Atmen geben. Das ist heute leider nicht mehr so.

Bei unserem letzten Interview erzähltest du mir von „Reggie“ und dass du darauf nicht als Redman zu hören bist und dementsprechend auch Neues ausprobierst. Denkst du, dass dies bei den Fans angekommen ist und sie das auch verstanden haben?
Eigentlich wollte ich mit „Muddy Waters 2“ herauskommen und „Reggie“ machte ich dann eigentlich nur, um etwas draussen zu haben. Ich erwarte nicht, dass die Fans es verstehen, denn es ist nur Musik. Mir ist vor allem der harte Kern meiner Fanbase wichtig. Diejenigen, die „Muddy Waters“ oder mein erstes Album feiern. Da ich mit „Reggie“ in eine andere Richtung ging, gab es darauf nicht Redman und auch kein „Soopaman Luva“ zu hören. Das Album diente wirklich nur dem Zweck, neues Material draussen zu haben.

Denkst du, dass du mit dem moderneren Sound neue Fans gewinnen konntest?
Es sind auf jeden Fall neue Fans dazugekommen, die mich auf moderneren Beats hören wollen. Aber ein Grossteil der Fans will mich auf dem alten Shit hören. Es ist wie es ist und ich konnte daraus meine Lehren ziehen.

Da die Fans darauf warten muss ich dich nach dem Stand der Dinge bei „Muddy Waters 2“ und dem Album mit Illmind fragen!
Ich arbeite momentan daran und beide Alben sollten dann nächstes Jahr kommen. Genau so wie „Blackout 3“. Meth und ich haben gerade einen Song namens „Look“ mit Erick Sermon draussen, der aber auf seinem Album landen wird.

Dann wollen die Fans sicherlich wissen, ob und wann sie mit einer Fortsetzung von „How High“ rechnen können. Wie wir wissen, gehören der Name und die Charaktere Universal, aber ihr wollt trotzdem einen neuen Film machen. Habt ihr bereits das Script?
Tatsächlich arbeitet Meth gerade daran, ein Script auf die Beine zu stellen. Wir haben jemanden gefunden, der es für uns schreiben will und wir werden dann sehen, ob das cool für uns ist. Wir sind momentan mitten im Prozess. Sicher ist, dass wir den Film unter unserer eigenen Firma drehen und ihn mit Hilfe von Investoren auf die Beine stellen wollen.

Mit „Rockwilder“ und „How High Pt. 2“ sind euch zwei Songs geglückt, die bis heute fast an jedem Clubabend gespielt werden. Setzt euch das in einem gewissen Sinn aber auch unter Druck, da ihr wieder einen solchen Song erschaffen wollt?
(nickt) Ja! Aber weisst du, ich liebe den Track „Ay Yo“, das ist ein guter Song, der sich auch sehr als Single eignet. Das ist hoffentlich ein Track, der auch viele Jahre überdauern wird. Wir werden aber einfach wieder etwas Neues versuchen, so wie wir es bei jedem Album tun. Man kann sich nicht hinsetzen und versuchen das zu planen. Das wird nicht klappen, es muss einfach geschehen.

Interview: Fabian Merlo

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