Bun B – „Man kann sich nicht immer nur über schlechte Musik beschweren“

Int. Rap

Gemessen an den Kollaborationen, die Bun B über die Jahre absolviert hat, scheint es, als gäbe es im konkurrenzbetonten Rap-Geschäft kaum jemanden, der dem OG aus Texas nicht den Respekt erweist. Dabei war es gar nie sein Plan, sich als Solo- und Gastkünstler einen Namen zu machen. Für den 38-jährigen stand stets UGK an vorderster Stelle. Erst als Pimp C ins Gefängnis wanderte, veröffentlichte er seine erste Soloscheibe und durch den tragischen Tod seines Partners wurde er dann endgültig zum gut vernetzten Einzelkämpfer. Bun B wird vielleicht nie den kommerziellen Erfolg haben, den viele seiner Kollaborateure vorweisen können, dafür hat sich der seit den späten Achtzigern aktive Rapper längst seinen Platz als Südstaaten-Pionier in den Rap-Geschichtsbüchern gesichert. Dass er trotzdem noch immer viele Ziele hat und mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, konnten wir feststellen, als wir Bun B nach seiner allerersten Performance auf Schweizer Boden am Royal Arena zum Interview trafen.

Wieso mussten wir eigentlich so lange warten, bis wir dich erstmals in der Schweiz erleben konnten?
Ganz einfach, weil man mich bislang nie gebucht hat. Es mag dich überraschen, aber es war das erste Mal, dass jemand anrief und fragte, ob ich in die Schweiz kommen will.

Du gehörst zu den gegenwärtig meistgefeaturten Künstlern und auffallend ist besonders, dass du mit sehr unterschiedlichen Artists von Gucci Mane über Statik Selektah zu Lil Wayne bis La Coka Nostra arbeitest. Gibt es einen speziellen Grund dafür?
Ich mag es einfach zu rappen und Musik zu machen mit Leuten, deren Sound ich gut finde. Zudem will ich mich nicht auf eine bestimmte Richtung einschränken lassen. Ich habe die Möglichkeit, mit vielen grossartigen Musikern zu arbeiten und deshalb nehme ich mit so vielen auf, wie es nur geht.

Hängt das auch mit der Ära aus der du kommst zusammen?
Absolut! Als ich aufwuchs gab es noch keine Radio- oder Fernsehstationen, die nur eine Sparte spielten und so hörte man verschiedenste Richtungen. Wenn man MTV einschaltete, schaute man sich einfach alles an, bis dann vielleicht ein Rap-Video kam. Wir lernten dadurch verschiedene Musikstile schätzen. Heute ist das aber wieder ähnlich mit dem Internet, das viele Türen öffnet.

Bist du auch jemand, der sich immer nach neuer Musik umschaut, oder setzt du dich jeweils erst mit einem neuen Künstler auseinander, wenn er dich für ein Feature anfragt?
Ich kenne viele der Leute, die Blogs betreiben und ich bin auch immer auf der Strasse und schnappe neue Sachen auf. Wir alle warten auf Leute, die gute Musik machen und wenn so jemand kommt, dann wollen wir mithelfen, dass diese Musik auch zu den Hörern gelangt. Man kann sich nicht immer nur darüber beschweren, wie viel schlechte Musik es gibt.

Ist diese musikalische Offenheit vielleicht auch Teil deines Erfolgs und ein Grund dafür, dass du über zwei Dekaden im Spiel bis?
Ich würde es nicht als Teil meiner Formel bezeichnen. Das ist einfach meine Herangehensweise und diese ist nun aufgegangen.

In einem Interview bezeichnetest du „Trill OG“ als das „underdog album of the year“. Du siehst dich also immer noch als einen Underdog?
Absolut! Ich habe weder den grössten Deal noch bin ich auf der grössten Plattenfirma, also muss ich einfach weiterhin hart weiterarbeiten, um meinen Status zu behalten. Ich sitze nicht herum und denke ich sei der Shit, nur weil ich 1995 diesen Song und 1999 jenen Song gemacht habe. Ich muss weiterhin gute Musik machen, um zu beweisen, dass ich mir meinen Platz verdient habe.

Wie kam es dazu, dass du Gastdozent an der Rice University in Houston wurdest?
Ich hielt einen Vortrag vor der Klasse und daraufhin fragen sie mich an, ob ich als Gastdozent an die Schule kommen möchte. Ich sagte zu und bin sehr glücklich in einer Position zu sein, in der ich Einfluss auf die Generation von Morgen habe.

Soweit ich weiss unterrichtest du Religion und HipHop-Kultur. Wo liegen da die Gemeinsamkeiten?
Beide sprechen über die sozialen Missstände in den städtischen Communities. Wenn du dir überlegst, wer wirklich in den Hoods ist und versucht die Situation der Kids zu verbessern, dann sind das die Priester und die Rapper. Dies hat eine lange Tradition in der afroamerikanischen Community. Früher waren diese beiden Sachen eigentlich dasselbe, dann hat es sich voneinander entfernt und nun versuchen wir es wieder zusammenzuführen.

Denkst du denn, dass die Rapper ihre Rolle in der Community auch wirklich erfüllen?
Ich versuche einfach sicherzustellen, dass meine Message ausgewogen daherkommt. Die Leute sollen verstehen, was diese Kultur alles repräsentiert, insbesondere aus dem Blickwinkel des Südens. Ich nehme mir viel Zeit, damit ich nicht missverstanden werde.

Kürzlich erschien das zweite posthume Pimp C Album „Still Pimpin“. Inwiefern bist du in diese Veröffentlichungen involviert?
Nicht besonders, denn der Nachlass verwaltet all die Musik. Seine Frau stellt mit einem Team von Leuten diese Projekte zusammen und wir respektieren ihre Wünsche. Es ist ihr Recht, den Nachlass zu verwalten und wir versuchen sie so gut es geht zu unterstützen.

Bist du der Meinung, es sollte noch viel Musik erscheinen von ihm?
Dies liegt bei ihr, aber ich denke sie wird weise Entscheidungen treffen.

Jay Electronica schrieb kürzlich auf Twitter, du seiest einer der ersten gewesen, die sein komplettes Album hörten. Wieso das?
No comment! Jay Electronica ist ein guter Freund und ein grossartiger Artist.

Auf Wikipedia kann man von einem Album namens „Keep It Trill IVEver“ lesen. Kannst du das bestätigen?
Nein, das ist ein Album, welches die Leute wollen. Aber ich werde keinen vierten Teil machen. Es war als Trilogie gedacht und diese endete mit Trill OG“. Nun werde ich, zumindest was die Titel angeht, in eine neue Richtung gehen. Aber die Musik, welche die Leute hören wollen, wird immer noch auf den Alben zu finden sein, egal wie wir sie nennen.

Kannst du uns zum Schluss noch ein Update geben über die Projekte an denen du gerade arbeitest?
Ich habe mit meinem Homie Big Capp II Trill West ins Leben gerufen. Wir haben dort einen Künstler namens Money Moe unter Vertrag. Ich arbeite immer noch mit II Trill Entertainment, wo wir ein weiteres Mddl Fngz-Album rausbringen werden. Dann möchte ich auch II Trill East ins Leben rufen und den Brand stets weiter verbreiten. Das UGK- und Trill-Movement soll am Leben bleiben bis zur nächsten Generation. Mein Sohn ist jetzt auch ein Künstler. Er nennt sich Young B und hat die Crew Youngest N Charge. Ich will einfach meinen Teil dazu beitragen, dass sich HipHop in die richtige Richtung entwickelt.

Interview: Fabian Merlo

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