Evidence – „Ich will für das was ich sage in Erinnerung bleiben“

Int. Rap

Bei vielen Rap-Crews wirken die Soloausflüge der einzelnen Mitglieder eher wie nebenher hingerotztes Material oder sie sind aus der Not geboren, weil die Chemie in der Gruppe nicht mehr stimmt. Evidence von den Dilated Peoples konnte man aber von einer ganz anderen Seite oder gar erst richtig entdecken, als er sich erstmals ohne seine Mitstreiter präsentierte. Gut möglich, dass man ihn stets ein wenig unterschätzt und als soliden Echthalter abgestempelt hat. Man schätzte zwar seine Beats, er stand aber immer ein wenig im Schatten seines Buddys Alchemist. Sein monotoner Flow ging einem vielleicht auch weniger schnell ins Ohr als die vielseitiger vorgetragenen und häufig explizit politischen Raps seines Mitstreiters Rakaa. Manche dürfte es daher überrascht haben, als Evidence 2007 mit „The Weatherman LP“ einen Höhepunkt des Rap-Jahres ablieferte. Unterschätzt wird er seither mit Bestimmtheit nicht mehr und dies zu Recht, wie sein mit ordentlicher Verspätung erschienenes zweites Soloalbum „Cats & Dogs“ beweist. Darauf verarbeitet der 34-Jährige viele Themen, die auf einem Crewalbum wohl keinen Platz gehabt hätten. Damit etabliert er sich endgültig als Solokünstler und schürt gleichzeitig die Vorfreude auf das nächstes Jahr erscheinende neue Dilated Peoples-Album.

Ich stelle die „woher hast du deinen Namen“-Frage normalerweise zwar nicht, aber auf dem Song „It Wasn’t Me“ erwähnst du, dass du dich eigentlich Evident nanntest, daraus aber wegen eines Versprechers von Will.I.Am Evidence wurde. Wie ging diese Story genau?
Ich habe diese Frage damit natürlich auch provoziert. Mein Graffiti-Name war Vane was bereits die Buchstaben E und V beinhaltet. Als ich dann als Rapper beginnen wollte, kam ich auf Evident, da ich fand es klinge cool und auch weil ich sehr von Everlast beeinflusst war. Originalität steht nicht immer am Anfang einer Rap-Karriere, denn zu Beginn hängt man mit seinen Freunden und rappt einfach die Lyrics von anderen nach. Bei mir waren das Texte von Everlast, Ice-T oder Ice Cube bevor ich überhaupt begann eigene Sachen zu schreiben. Ich entschied mich also für MC Evident, auch weil mir die Bedeutung gefiel. Eines Tages wollte ich einen Song mit Will One X, so hiess Will.I.Am damals, aufnehmen. Wir hatten uns erst kurz zuvor in einem Club kennengelernt, in dem wir damals alle am Tanzen waren. Ich hatte soeben einen Beat von QD3, dem Sohn von Quincy Jones, erhalten, der damals mein Nachbar war und ich fragte Will, ob er mit mir ein Demo aufnehmen will. Das machte man damals so, es gab es noch kein Internet und ein Demo war eine grosse Sache. Er war sofort dabei und kam in mein Haus um den Song zu schreiben. Er kannte mich noch unter meinen vorherigen Namen und ich sagte ihm dann, ich würde mich nun Evident nennen. Er fand das cool und baute es in den Text ein. Als er dann in der Booth war rappte er: „Cause I’m down with Evidence“. Er hatte mich also falsch verstanden aber anstatt ihn zu korrigieren habe ich mich dazu entschieden, den Namen zu behalten. Irgendwie gefiel es mir sogar besser, also wurde aus diesem Umfall etwas Positives.

„Cats & Dogs“ hat etwas länger gedauert, was du mit persönlichen Dingen erklärst, die du auch auf dem Album thematisierst. In einem Interview sagtest du, dass du dir zu Beginn überlegt hast, ob du diese Erlebnisse in der Musik verarbeiten sollst oder ob du einfach ein Tagebuch beginnst du schreiben. Was gab schliesslich den Ausschlag, die Musik dafür zu nutzen?
Ich denke das hängt damit zusammen, dass ich eine gute Balance gefunden habe. Schlussendlich spreche ich nicht über alles auf den Songs, ich ziehe eher ein Fazit. Beispielsweise spreche ich manchmal von der Miete, obwohl ich eigentlich eine Hypothek habe, aber es können sich wohl mehr Leute mit der Situation als Mieter identifizieren. Es geht zwar schon um meine Situation, ich nutze aber auch die künstlerische Freiheit und lasse Optionen offen. Zudem hat es auch Songs wie „To Be Continued“ oder „Crash“, die sich um andere Themen drehen und eher aggressiv sind. Das sind Songs für Leute, die Tracks wie „Mr. Slow Flow“ lieben. Es gibt aber auch andere Momente wie „I Don’t Need Love“, „Well Runs Dry“ oder auch nur bestimmte Zeilen in den Tracks, die sich vertieft mit meinen Erlebnissen auseinandersetzen. Schlussendlich war es für mich okay, da es eine Balance gab. Es war keine ausschliesslich düstere Platte, man merkt, dass ich viel Scheiss durchgemacht habe doch trotzdem sehe ich das Licht am Ende des Tunnels. Schlussendlich spreche ich auch über Themen, die jeden betreffen. Ich will nicht das Gefühl erwecken, mich für etwas Besonderes zu halten, nur weil ich gerade meine Rechnungen nicht bezahlen kann oder ein Girl mir das Herz gebrochen hat. Da muss jeder durch. Ich habe mir auch überlegt, dass ich es eigentlich nicht wissen will, wenn Rakim sich keine Kette mehr leisten kann oder Dr. Dre Probleme mit Frauen hat. Das will ich nicht hören, denn das sind meine Superhelden Rakim soll Hunderte Ketten haben und Dre hat Tausende Bitches und feiert jeden Abend eine Orgie. Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich vielleicht auch für gewisse Leute wichtig bin und ich dann zu gewöhnlich erscheine, wenn ich über dieselben Probleme spreche. Andererseits kann es den Hörern auch etwas bedeuten, wenn sie sehen, dass ich mich mit Problemen herumschlagen muss, mit denen sie sich identifizieren können. Ziemlich lange fand ich die Balance zwischen diesen beiden Aspekten nicht wirklich. Doch irgendwann entschied ich mich, das Buch zu schliessen und einfach zu hoffen, dass es die Leute fühlen können.

Trotzdem bist du mit deinen Aussagen sehr ehrlich, sei es zu deiner wirtschaftlichen Situation oder auch in dem du sagst, mit Plattenverkäufen lasse sich eigentlich kein Geld mehr verdienen. Viele andere Künstler versuchen eine Illusion aufrecht zu erhalten.
„Fake it till you make it“ ist manchmal gut. Man wäre überrascht, wie viele Illusionen irgendwann zur Realität werden. Ich bin überzeugt, dass es dafür eine Berechtigung gibt. Ein Jay-Z wäre nicht, wo er jetzt ist, hätte er das nicht getan. Auch ein Kanye, der gedanklich schon auf einem ganz anderen Level war, bevor er es erreicht hat. Sie wissen genau wo sie hinwollen und eines Tages trifft es dann ein. Es muss also nicht immer nur schlecht sein.

Hingegen gibt es sehr viele Rapper, die weniger verkaufen als du und trotzdem so tun, als würden sie viel Geld damit verdienen.
Ganz sicher, die gibt es.

Wie du zuvor erwähntest, hofftest du einfach, dass die Leute es fühlen werden und du warst auch ein bisschen nervös vor der Veröffentlichung. Denkst du, die Leute haben verstanden, wieso du eine solche Platte machen musstest? Eigentlich ist eine düstere Platte ja sehr passend in den heutigen Zeiten.
Ich kann es wirklich nur hoffen. Wenn ich eine Punchline oder über etwas Aktuelles schreibe und du magst es nicht, dann ist es mir eigentlich egal. Wenn ich mich aber öffne und du fühlst es nicht, ist es etwas einfacher, mich zu treffen. Deshalb ist es schon etwas nervenaufreibender wenn man eine solche Platte veröffentlicht, als wenn man einfach nur Rap mit ein paar Wortspielen macht. Ich mag meinen Stil und ich denke er ist einzigartig, aber ich will auch für das was ich sage in Erinnerung bleiben. Jeder kann cat, hat, phat reimen, das ist nichts Neues.

Ich war ein bisschen überrascht, dass du nur einen der Tracks produziert hast. Warst du mehr auf die Texte fokussiert?
Man darf nicht vergessen, dass die Produktion über ein Jahr länger als geplant dauerte. In dieser Zeit habe ich viele Songs gemacht, von denen ich auch einige produzierte. Schlussendlich hatte ich weit mehr als 20 Tracks, auf der Platte landen dann aber nur 15, weil es sonst zu lange wird.
Deshalb sind nun einige nicht auf dem Album, die ich produzierte. Aber ich habe Alchemist, DJ Premier oder Sid Roames, es gibt keinen Grund mein Album wegen meines Egos selber zu produzieren. Ich habe der Welt schon bewiesen, dass ich 15 Beats produzieren kann. Aber will ich nun möglichst viele Beats auf dem Album, damit ich auch noch mehr daran verdiene oder überlege ich mir, welches die besten Songs sind? DJ Babu ist nicht auf dem Album, auch Fashawn nicht. Der Song mit ihm, „Same Folks“, ist nicht auf „Cats & Dogs“, sondern nur ein Bonussong für die Leute, die das Album vorbestellten. Der Song war zwar gut, aber zu sonnig für das Album. Ich wollte aus den vorhandenen Tracks ein Album formen und so landete nur mein Beat zu „I Don’t Need Love“ auf der Platte, der schlussendlich auch der einzige war, der sich neben den Produktionen von Alchemist und DJ Premier behaupten konnte. Ich wünschte ich hätte mehr Beats auf dem Album und für die nächsten Projekte werde ich noch härter arbeiten, dass es noch mehr Beats hat, die es verdienen drauf zu sein.

Du sollst ja bereits ein Konzept für ein nächstes Soloalbum haben, welches dann sehr viel optimistischer werden soll. Kann man daraus schliessen, dass „Cats & Dogs“ wie eine Therapie war und du nun über viele Sachen hinweg bist?
Dieses Album war sicherlich das dunkelste Kapitel für eine ganze Weile. Ich würde dieses Album nicht mit dir zusammen anhören wollen, du sollst es besser alleine in Ruhe entdecken. Tracks wie „The Layover“ oder „Far Left“, also Sachen die mehr bangen, würde ich dir vorspielen und mit dir abfeiern. Bei diesem Album könnte ich das aber nicht, so wie es auch bei „I Still Love You“ auf dem „The Weatherman“-Album der Fall war. Das war der Song für meine Mutter, bei dem ich einfach hoffte, dass es jemanden gibt, der das fühlt, wenn nicht, wäre es aber auch okay. Ich kann mir diesen Song nicht jeden Tag anhören aber ich musste ihn machen und genau so fühlt es sich auch bei vielen der neuen Tracks an.

Spielst du denn auch viele der neuen Songs nicht bei den Shows?
Oh doch, die Show besteht fast nur aus neuen Songs. Performen ist eine ganz andere Geschichte. Mir geht es darum, dass jeder das Album auf seine eigene Art entdecken und seine Schlüsse daraus ziehen soll. Ich liebe das Album und deshalb will ich es live auch zeigen.

Finde ich cool. Ich mag es nicht, wenn die Künstler nur die bekannten Songs spielen, um auf der sicheren Seite zu sein.
Meine Show ist definitiv nicht auf der sicheren Seite im Moment. Wie gesagt sind es fast nur neue Songs, zum Schluss spiele ich dann „Mr. Slow Flow“ aus Respekt gegenüber den Fans. Viele beschweren sich bei dieser Tour, die Show sei zu kurz, aber sie müssen verstehen, dass ich die Vorgruppe von Atmosphere mache. Auf meiner eigenen Tour werde ich mehr als eine Stunde performen und dann werde ich auch sicherlich mehr älteres Material spielen als jetzt, wo ich sehr viele Tracks in 40 Minuten unterbringen muss.

Das Thema Touren und auch die schon angesprochene ehrliche Thematisierung des Musikgeschäfts kommt auf dem Song „The Epilogue“ zum tragen. Auf diesem gibt es folgende Zeile: „In Switzerland today don’t know why I choose to come here, actually I say it’s because I ain’t from here“. Kannst du diese Zeile oder den Song etwas genauer erläutern?
Ich habe das hier in der Schweiz geschrieben als wir am Touch the Air Festival waren. Ich schrieb den Part kurz bevor das Album ins Mastering ging.

War das die Zeit als du auf Tour musstest, obwohl du eigentlich gar nicht wolltest?
Ein bisschen, aber eigentlich war es nicht so schlimm, da zu diesem Zeitpunkt das Album fertig war. Die von zitierte Line wird eigentlich gleich mit der nächsten erklärt: „My people told me when we travel we live, and if the carpet might unfold than that moment is his“. Es gibt so viele Leute in meiner Nachbarschaft, die keine Stempel in ihrem Pass haben oder überhaupt keinen Pass besitzen. Das Reisen und die damit verbundenen Erfahrungen haben mich als Künstler wie auch als Person sehr geprägt. Fremde Orte zu bereisen verändert dein Leben und man kommt aus seiner Komfortzone raus. Man lernt sich anzupassen, lernt andere soziale Klimas kennen und merkt, wie man sich zu verhalten hat und was nicht angebracht ist. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür. Als ich diesen Part schrieb war ich einfach glücklich: „Feeling grateful the feeling might pass me, I thank some now and thank the rest for not asking“. Es war einfach ein Moment der Freude in einem fremden Land, schon fast ein romantischer Moment mit einer Flasche Wein (lacht).

Du hast mal ein sehr interessantes Statement bezüglich dem Start deiner Solokarriere gemacht: Du wolltest damals wissen, was die Fans wirklich von dir halten und wieso sie überhaupt zu einer Dilated-Show kommen.
Ich denke diese Unsicherheit gibt es in jeder Band. Mögen die Leute den Drummer, den Gitarristen oder nur den Leadsänger? Ich wusste nicht, ob die Leute nur wegen Babu kommen oder ob sie nur einen der Rapper mögen.

Nun weisst du, dass du dir definitiv auch selbst eine Fanbase erspielen kannst. Wie würdest du die Frage nun beantworten: Weshalb kommen die Leute zu einer Dilated-Show?
(überlegt) Es ist die Energie. Ich denke wir haben eine enorme Energie, die auch auf Leute wirkt, die keinen Rap hören. Sie verstehen vielleicht nicht, was wir da genau machen, aber sie merken, dass wir lieben was wir tun.

Hattest du auch das Gefühl, die Leute hatten früher einen falschen Eindruck von dir? Ich sah eure allererste Show in der Schweiz und davor hatte ich den Eindruck, du seiest der ruhige Typ, der lieber im Studio ist.
Was auch stimmt.

Als ich dich dann aber auf der Bühne sah war mir klar, dass du nicht einfach ein Producer bist, der auch noch rappen kann. Denkst du, dass viele Leute ein falsches Bild hatten?
Das ist dope, danke. Ich denke der erste Eindruck von Dilated war, dass Rakaa der Spitter ist und ich auch gut bin, aber eben auch viele der Beats mache. Aber das ist lange her und irgendwann hatte ich meine Solosongs die gut ankamen wie „The Main Event“, „Confidence“ oder „Another Sound Mission“. Ich hörte oft Sachen wie: „Rakaa ist der bessere Rapper aber Evidence bringt die Balance“. Das ist okay für mich aber ich denke auch, dass ich viel besser wurde. Man muss nur die alten Sachen mit meinen neuen Songs vergleichen. Das hängt sicherlich mit den Leuten in meinem Umfeld zusammen, so wie Fat Joe plötzlich aus dem Nichts viel besser wurde als er begann mit Big Pun abzuhängen. Er wurde herausgefordert und genau so ist es bei mir, wenn ich mich mit Leuten wie Fashawn, Blu, Slug, Brother Ali oder natürlich Rakaa umgebe, die dazu führen, dass ich nochmals überdenke, was ich schreibe. Ich hinterfrage wirklich alles und versuche, das Beste herauszuholen und wenn ich zuviel Weed geraucht habe, kann es auch vorkommen, dass ich die Sachen überanalysiere.

Du sagst auf der Platte „I’m halfway to famous“. Fakt ist, dass du über eine grosse Fanbase verfügst und eigentlich überall für einige Hundert oder gar Tausende Leute spielen kannst. Hinzu kommt, dass dir Fame nichts bedeutet. Was wäre also der nächste Schritt in deiner Karriere, den du dir erwünscht?
Genau genommen sage ich „I’m halfway to famous, halfway away from infamous“. Es ist also eine feine Linie und ich bin gerade in einer sehr interessanten Situation. Ich habe viel gesehen, viel erlebt, hatte Erfolg und bin auch gescheitert, es war ein auf und ab.

Was wäre denn nun das nächste Ziel, dass du erreichen möchtest?
(überlegt lange) Money! Denn ich habe hart gearbeitet. Wenn du jeden Tag an deinem Haus baust und dafür schwitzt gibt es nichts besseres, als dafür auch bezahlt zu werden. Ich spreche nicht davon, dass ich nun einen völlig anderen Weg einschlagen will, sondern dass ich mir den Arsch aufreisse und dafür bekommen will, was ich verdiene. Dafür muss ich wohl aber auch noch schlauer damit umgehen, denn meine Einnahmen waren eigentlich sehr beachtlich. Nun will ich lernen, besser damit umgehen zu können, denn das ermöglicht es mir, länger im Geschäft zu bleiben und noch mehr von meinen Träumen zu verwirklichen. Sei es einen neuen Künstler zu finden oder dass ich die Möglichkeit habe, jemanden in meinem Haus aufzunehmen. Ich will also Geld aus den richtigen Gründen verdienen, ich hoffe das kommt so rüber.

Nächstes Jahr steht mit „Directors Of Photagraphy“ endlich ein neues Dilated-Album an. Du sagtest, du seiest ein wenig nervös deswegen. Wieso?
Das bin ich tatsächlich, aber ich denke das ist auch nicht falsch.

Ich weiss nicht wie eng ihr an euren Soloprojekten zusammengearbeitet habt, aber kommt die Nervosität eventuell auch daher, dass ich euch nun im Studio wieder als Gruppe zusammenfinden müsst?
Ganz genau, denn wir haben das über Jahre nicht mehr gemacht. Es gab ein paar gemeinsame Songs, ich produzierte die Single von Rakaa und er war auf meinen beiden Soloalben. Auf „The Layover“ war er nicht drauf, weil ich nicht wollte, so ein Typ bin ich. Ich will nicht, dass Sachen vorausschaubar sind. Die Chemie auf der Bühne stimmt immer noch, da wir jedes Jahr auf Tour waren. Vielleicht ist nervös auch das falsche Wort, aber ich bin gespannt, zu was wir fähig sind. Der Plan war immer, dass wir unsere Soloprojekte machen, uns individuell etablieren und wir dann zusammen kommen und etwas noch Grösseres erschaffen. Es ist etwas erschreckend, dass wir nun an diesem Punkt angelangt sind.

Zudem war die Gruppenpause auch länger als geplant.
Viel länger aber das war nicht unser Fehler, denn als wir noch bei Capitol gesignt waren, konnten wir keine Soloprojekte veröffentlichen. Es ist wie wenn du ein Date mit einem Girl hast, dass du schon ewig treffen wolltest. Das Date wird nicht so gut werden, weil du ein bisschen nervös und nicht völlig in deinem Element bist. Bis zur Hälfte des Abendessens wirst du dich nicht so verhalten wie sonst, weil du angespannt bist. Ich denke wir brauchen ein bisschen Anlauf und sobald wir einige Songs im Kasten haben läuft es und dann wird es verrückt.

Ich dachte ihr hättet schon einige Songs?
Wir haben zwei Tracks bislang aber ich rede von einigen mehr. Ich fühle, dass es unsere beste Platte werden wird, was mich auch nervös macht. Zum ersten Mal wisst ihr über Rakaa und Evidence bescheid, wenn ihr unseren Soloplatten gefolgt seid. Babu redet sowieso nicht, also spielt es keine Rolle. Es wird anders und einzigartig werden.

Letzte Frage: Im Video zu „Same Folks“ verkaufen du und Fashawn in Venice Beach CD’s an die Passanten. Hast du das früher so gemacht?
Ich nicht aber Fashawn, deshalb verkaufte er auch mehr als ich. Bei ihm ist es sogar erst etwa zwei Jahre her.

Ihr habt also tatsächlich CD’s verkauft, das war nicht nur gestellt?
Wir haben wirklich verkauft und am Schluss waren alle weg.

Was war denn auf der CD?
„Boy Meets World“ und „The Weatherman LP“. Das lustige war, dass wir anfangs nichts verkauften bis wir endlich einige Leute fanden, die reinhörten. Sie meinten dann: „Das ist wirklich gut, was macht ihr hier in Venice Beach“ (lacht).

Haben euch die Leute nicht erkannt?
Erst gegen Ende des Tages, zu Beginn nicht.

Interview: Fabian Merlo

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